Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 205

Sojus TM-28

Altair

Russland

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  13.08.1998
Startzeit:  09:43 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  190 - 386 km
Inklination:  51,68°
Ankopplung MIR:  15.08.1998, 10:56:54 UTC
Abkopplung MIR:  27.02.1999, 22:55:11 UTC
Landedatum:  28.02.1999
Landezeit:  02:14 UTC
Landeort:  50° 42' N, 67° 12' O

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Padalka  Gennadi Iwanowitsch  Kommandant 1 198d 16h 31m  3144 
2  Awdejew  Sergej Wassiljewitsch  Bordingenieur 3 379d 14h 52m  6007 
3  Baturin  Juri Michailowitsch  Forschungskosmonaut 1 11d 19h 41m  186 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Padalka
2  Awdejew
3  Baturin
Landung
1  Padalka
2  Bella
3  

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Saljotin  Sergej Wiktorowitsch  Kommandant
2  Kaleri  Alexander Jurjewitsch  Bordingenieur
3  Kotow  Oleg Walerijewitsch  Forschungskosmonaut

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Flugverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung von Gennadi Padalka und Ivan Bella (mit Sojus TM-29 gestartet) 59 km nordöstlich von Arkalyk in Kasachstan.

Bis zur Aufgabe der MIR sollten sich noch insgesamt drei Stammbesatzungen inklusive einem französischen und einem slowakischen Gast auf der Orbitalstation aufhalten. Wenn Sergej Awdejew, der mit dieser Sojus-Kapsel ankommen sollte, bereit sei, auf der Station bis zur übernächsten Stammbesatzung zu bleiben, könnten der Franzose und der Slowake ihre Missionen sogar zusammen durchführen. Somit könnte eine Sojus-Kapsel gespart werden. Dies wurde mit Sergej Krikaljow 1991/1992 schon mal gemacht, der als Mitglied der 9. Stammbesatzung kam und mit der 10. Stammbesatzung blieb, so dass der Österreicher Franz Viehböck und der Kasache Toktar Aubakirow zusammen auf MIR ankamen.

Die 26. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Gennadi Padalka und Bordingenieur Sergej Awdejew, startete am 13. August 1998 an Bord von Sojus TM-28 zusammen mit dem als Forschungskosmonauten geführten Präsidenten-Berater Juri Baturin.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-28 am 15. August 1998 an die Raumstation MIR an. Gennadi Padalka hatte die letzten 20 Meter die Steuerung per Hand übernommen und ein perfektes Docking absolviert. Gennadi Padalka und Sergej Awdejew bildeten die 26. Stammbesatzung der MIR. Juri Baturin war als erster russischer Politiker im All und unternahm einen Inspektionsflug. Die Begrüßungs-Zeremonie wurde wegen Juri Baturin geändert. Normalerweise begrüßen sich der Kommandant der Sojus-Kapsel und der MIR-Station zuerst. Diesmal kam diese Ehre Juri Baturin zuteil. Nach der herzlichen Begrüßung wurde der Sitz von Juri Baturin von Sojus TM-28 nach Sojus TM-27 transportiert und dort eingebaut.

Am 25. August 1998 legte Sojus TM-27 mit Talgat Mussabajew, Nikolai Budarin und Juri Baturin von der Orbitalstation ab und landete wenige Stunden später in der Steppe Kasachstans.

Am 01. September 1998 um 05:34:58 UTC dockte der vorübergehend in einer Parkbahn belassene unbemannte Frachter Progress M-39 wieder an die Orbitalstation an.

Während der Mission absolvierten Gennadi Padalka und Sergej Awdejew Reparatur- und Wartungsarbeiten sowie umfangreiche wissenschaftliche Forschungen auf den Gebieten Astro-, Geo- und Atmosphärenphysik, Materialwissenschaft, Medizin, Biologie und Technologie.

Im September überlegten Bodenstation und Stammbesatzung, wie die Nachführung der Solarzellenfläche wieder in Betrieb zu nehmen ist. Trotz diverser Energie-Sparmaßnahmen mussten von den ursprünglich vier geplanten Ausstiegen (die IVA wird dabei mitgezählt) dieser Stammbesatzung zwei gestrichen werden.

Die erste EVA während des Fluges wurde durch Gennadi Padalka und Sergej Awdejew am 15. September 1998 (30m) in das luftleere Modul Spektr - also eigentlich eine IVA - unternommen. Dabei wurden Kabelverbindungen zu den Sonnensegeln repariert. Danach ließen sich die Solarzellenflächen wieder im optimalen Winkel zur Sonne drehen und lieferten wieder maximal Energie.

Im September und Oktober 1998 standen neben kleineren Reparatur- und Wartungsarbeiten am Lebenserhaltungssystem und an der Klimaanlage wieder vermehrt wissenschaftliche Experimente im Vordergrund. Daneben führten die Kosmonauten Lärmpegelmessungen innerhalb der Station durch.

Am 25. Oktober 1998 um 04:14:57 UTC startete der unbemannte Frachter Progress M-40 vom Kosmodrom Baikonur. Wegen Geldmangels hatte der Start um 10 Tage verschoben werden müssen. Ohne Probleme legte das Transport-Raumschiff am 27. Oktober 1998 um 05:43:42 UTC an der Orbitalstation an. An Bord waren neben Lebensmitteln, Wasser, Treibstoff, Post sowie Computerhard- und software auch Experimente für den Franzosen und den Slowaken, deren Ankunft im Februar oder März 1999 erwartet wurde. Ein Minisatellit (Sputnik-41) war ebenfalls mit an Bord, der von den Kosmonauten bei der EVA am 10. November 1998 von Hand ausgesetzt werden sollte.

In der Nacht vom 10. zum 11. November 1998 verließen Gennadi Padalka und Sergej Awdejew ihre Station für 5 Stunden und 54 Minuten, um einen kleinen Amateurfunksatelliten (SPUTNIK 41) auszusetzen und mehrere Experimente von der Außenhaut zu bergen sowie neue zu installieren.
Diese EVA war mehrfach nach vorn verschoben worden. Der Grund war der Leoniden-Meteoritenschauer (hervorgerufen durch den Kometen Temple/Tuttle), der am 17. November 1998 seinen Höhepunkt erreicht hatte und für die Kosmonauten eine Gefahr darstellte. Während der EVA sollten die Kosmonauten ein französisches Experiment zur Detektion von Meteoriten an der Außenhülle aufbauen. Offensichtlich hatten die französischen Experimentatoren den Wunsch geäußert, das Gerät schon während des Schauers in Betrieb zu haben.

Am 17. November 1998 wurde der Höhepunkt des Leoniden-Meteoritenschauers erwartet. Zur Sicherheit begaben sich die Kosmonauten in die Sojus-Kapsel, wo sie von der vollen Länge der Station (Progress M-40, Kwant1 und dem Basisblock) geschützt waren. Es passiert allerdings nichts Aufregendes wie bei den Perseiden am 12. August 1993, als Wassili Ziblijew und Alexander Serebrow während ihres Aufenthaltes als 14. MIR-Stammbesatzung einige deutlich hörbare Treffer meldeten.

In den letzten Tagen des Jahres 1998 war das Leben an Bord weitgehend mit wissenschaftlichen Experimenten ausgefüllt. Alle drei Schmelzöfen (Krater, Gallar und Optizon) wurden genutzt. Zudem unterzogen sich die Kosmonauten regelmäßig medizinischen Untersuchungen. Experimente wurden auf den Gebieten der Astrophysik, Geophysik, Biologie, Technologie und Medizin durchgeführt. Mit Hilfe des Experiments Ionosond wurde die Ionosphäre der Erde und die Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen im Weltraum untersucht. Mit Alisa im Modul Priroda wurden spektroskopische Aufnahmen der Erdoberfläche gemacht.

Für den 04. Februar 1999 war das Snamija-2.5-Experiment vorgesehen. Während des Snamija-2.5-Experiments befand sich der Progress-Frachter in etwa 600 Meter Entfernung zur Raumstation. Ein Sonnensegel mit 25 Meter Durchmesser, aufgespannt durch die Rotation des Frachters um seine Längsachse, sollte Licht zur Erde reflektieren. Dabei sollten am späten Nachmittag des 04. Februar 1999 Gebiete zwischen Liège (Belgien) und Frankfurt/Main direkt unter der Bahn von MIR und Progress M-40 beleuchtet werden. Gebiete von Kanada und der USA sollten folgen. Die scheinbare Helligkeit für Beobachter auf der Erde sollte um einiges größer sein als der Vollmond.
Nachdem der Progress-Frachter abgelegt hatte, meldete Sergej Awdejew kontinuierlich den Abstand zwischen MIR und dem Frachter. Als dieser ca. 600 Meter betrug, wurde ein Kommando gegeben, um den Frachter durch Feuern der Lagekontrolldüsen in Rotation zu versetzen. Durch die Zentrifugalkraft der Rotation sollte der Schirm aufgespannt werden. Als die richtige Umdrehungszahl erreicht war, gab Gennadi Padalka das Kommando zum Entfalten des Sonnensegels. Doch etwas lief schief: Eine Antenne des Kurs-Systems hatte sich kurz zuvor ausgefahren und behinderte nun die Entfaltung des Sonnensegels. Ein Teil verfing sich darin, so dass der gesamte Vorgang abgebrochen werden musste. Das Sonnensegel wurde wieder eingefahren und die Antenne eingeklappt. Leider war das Sonnensegel durch das Verfangen so stark beschädigt worden, dass sich beim zweiten Versuch zum Entfalten nur eine Seite teilweise aufspannt und daraufhin das Experiment aufgegeben wurde. Das Sonnensegel wurde vom Frachter abgestoßen, damit es den kontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nicht störte.

Sojus TM-28 wurde von der Besatzung am 08. Februar 1999 umgekoppelt. Während dieses Manövers befanden sich die beiden Kosmonauten in der Sojus-Kapsel, während die Raumstation unbemannt war. Alle Lebenserhaltungssysteme waren abgeschaltet, damit im Fall, dass etwas schief gegangen wäre und die Kosmonauten zur Erde zurückkehren hätten müssen, die Station nicht durch den hohen Energieverbrauch gefährdet gewesen wäre. Das Umdocken verlief jedoch ohne Probleme. Dabei umflogen die Kosmonauten nicht die Station, sondern entfernten sich ein Stück und geben MIR dann das Kommando, sich zu drehen. Wenn die richtige Position erreicht wurde, stoppte die Umdrehung, und die Kosmonauten konnten wieder ankoppeln. Dieses Manöver sparte der Sojus-Kapsel Treibstoff, der für eventuelle Notsituationen aufgehoben werden musste.

Am 20. Februar 1999 startete vom Kosmodrom Baikonur mit Kommandant Wiktor Afanassjew, dem französischen Bordingenieur Jean-Pierre Haigneré und dem slowakischen Forschungskosmonauten Ivan Bella.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-29 am 22. Februar 1999 an die Raumstation MIR an. Wiktor Afanassjew und Jean-Pierre Haigneré bildeten zusammen mit Sergej Awdejew die 27. und vorerst letzte Stammbesatzung der MIR.

Ivan Bella wurde der erste Slowake im All. Er unternahm dabei Forschungsarbeiten im Rahmen des Stefanik-Programms. Während seines fünftägigen Aufenthaltes führte er ein wissenschaftliches Programm namens Stefanik aus, während dessen die Strahlenbelastung an Bord gemessen, medizinische Experimente ausgeführt und das Ausschlüpfen von japanischen Wachtelküken in der Schwerelosigkeit dokumentiert werden sollte. Das Programm wurde nach einem berühmten slowakischen Politiker, Astronom und Pilot benannt, der 1919 durch ein Flugzeugunglück starb. Leider gingen bereits vier Wachteleier während des Transports zum Brutkasten kaputt. Die übrigen Eier wurden in zwei Inkubatoren gelegt, wobei einer durch Rotation eine kleine künstliche Schwerkraft erzeugt. Es wurde gehofft, dass während der Aufenthaltszeit von Ivan Bella alle Küken schlüpfen. Letztlich wurde der Sitz von Ivan Bella von Sojus TM-29 nach Sojus TM-28 transportiert und installiert.

Es war dies die erste Mission unter russischer Federführung mit drei Kosmonauten aus drei verschiedenen Ländern. Zwei der drei Sitze in der Sojus waren an andere Nationen (Frankreich und Slowakei) vermietet. Dies bedeutete, dass der an Bord der MIR befindliche Bordingenieur Sergej Awdejew einen doppelt so langen Aufenthalt absolvieren musste.

Am 27. Februar 1999 legte Sojus TM-28 mit Gennadi Padalka und Ivan Bella an Bord von der Orbitalstation MIR ab und landete dreieinhalb Stunden später - es war bereits der 28. Februar 1999 - in der kasachischen Steppe.
In ihren Raumanzügen hatten die Kosmonauten ihre Plätze im Landemodul eingenommen, nachdem sie die Luke zur Orbitalsektion geschlossen hatten. Dann richteten sie das Raumschiff so aus, das die Triebwerke des Geräteteils in Flugrichtung zeigten. Diese wurden kurz darauf für 105,6 Sekunden gezündet und leiteten den Abstieg zur Erdoberfläche ein. Im nächsten Schritt erfolgte das planmäßige Abtrennen der Orbitalsektion und des Geräteteils, die beide in der Erdatmosphäre verglühten. Das verbleibende Landemodul wurde so ausgerichtet, dass der Eintrittswinkel für eine möglichst genaue Landung in Kasachstan erreicht wurde. Nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre brach der Funkkontakt wegen der heißen Plasmagase rund um die Kapsel ab. Dann löste sich der Deckel des Fallschirmbehälters und der Bremsfallschirm wurde ausgestoßen. Nachdem auch der Hitzeschutzschild abgetrennt worden war, schwebte die Sojus an ihrem Hauptfallschirm Richtung Erdboden. Kleine Feststoff-Bremsraketen, die kurz vor dem Berühren des Bodens ausgelöst worden waren, verminderten die Aufprallgeschwindigkeit. Sofort nach der erfolgreichen Landung wurden die Fallschirmleinen gekappt, damit die Kapsel nicht durch den Wind über den Boden gezogen werden konnte. Nach der Landung gehört es zum Ritual, dass die Kosmonauten das Raumschiff mit ihrer Unterschrift versehen.

Anmerkung

Juri Baturin am 25. August 1998 um 05:24 UTC mit Sojus TM-27 gelandet.
Sergej Awdejew am 28. August 1999 um 00:41 UTC mit Sojus TM-29 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

Mannschaftstraining
 

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Letztes Update am 23. November 2014.