Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 202

Sojus TM-27

Kristall

Russland

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  29.01.1998
Startzeit:  16:33 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  193,46 - 237,76 km
Inklination:  51,62°
Ankopplung MIR:  31.01.1998, 17:54:20 UTC
Abkopplung MIR:  25.08.1998, 02:04:55 UTC
Landedatum:  25.08.1998
Landezeit:  05:24 UTC
Landeort:  47° 57' 07'' N, 69° 37' 50'' O

Crew auf dem Weg zum Start

© CNES/ Christian BARDOU, 1997

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Mussabajew  Talgat Amangeldijewitsch  Kommandant 2 207d 12h 51m  3284 
2  Budarin  Nikolai Michailowitsch  Bordingenieur 2 207d 12h 51m  3284 
3  Eyharts  Léopold Paul Pierre  Forschungskosmonaut 1 20d 16h 37m  327 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Mussabajew
2  Budarin
3  Eyharts
Landung
1  Mussabajew
2  Budarin
3  Baturin

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Afanassjew  Wiktor Michailowitsch  Kommandant
2  Trestschow  Sergej Jewgenjewitsch  Bordingenieur
3  Haigneré  Jean-Pierre  Forschungskosmonaut

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Flugverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 40 km südöstlich von Dsheskasgan in Kasachstan.

Am Tag der Abkopplung von STS-89 startete vom Kosmodrom Baikonur die 25. Stammbesatzung der MIR, Kommandant Talgat Mussabajew und Bordingenieur Nikolai Budarin sowie dem französischen Forschungskosmonauten Léopold Eyharts an Bord ihres Raumschiffs Sojus TM-27.

Das Frachtschiff Progress M-37 wurde am 30. Januar 1998 um 12:50:30 UTC von Kwant1 abgekoppelt, um Sojus TM-27 Platz zu machen. Der Frachter wurde in sicherer Entfernung zur Raumstation geparkt.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-27 am 31. Januar 1998 an die Raumstation MIR an. Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin bildeten zusammen mit Andrew Thomas die 25. Stammbesatzung der MIR. Im Mittelpunkt stand zunächst das französische Unternehmen MIR-Pégase. Gemeinsame wissenschaftliche Experimente wurden durchgeführt.

Am 19. Februar 1998 legten die Mitglieder der bisherigen Stammbesatzung, Kommandant Anatoli Solowjow und Bordingenieur Pawel Winogradow zusammen mit dem französischen Forschungskosmonauten Léopold Eyharts mit Sojus TM-26 von der MIR ab und landeten in der kasachischen Steppe. Das Wetter war relativ schlecht und die Besatzung geriet in einen Blizzard. Die Bergungsoperation dauerte dementsprechend etwas länger als sonst.

Am 20. Februar 1998 wurde Sojus TM-27 von Kwant1 umgekoppelt. Dazu begab sich Talgat Mussabajew in die Kapsel und parkte sie etwa 60 Meter von der Station entfernt. Anschließend drehte sich MIR per Fernsteuerung von der Bodenkontrolle um 180 Grad, so dass Talgat Mussabajew wieder andocken konnte. Durch dieses Verfahren wurde Treibstoff für Sojus TM-27 gespart. Das anschließende Andockmanöver, das manuell ausgeführt wurde, war so sanft, dass Andrew Thomas immer noch auf den Stoß der Ankopplung wartete, als das Manöver schon längst beendet ist. Nach diesem Manöver arbeitete die Besatzung am Lebenserhaltungssystem.

Progress M-37 wurde am 23. Februar 1998 um 09:43:27 UTC an MIR erneut angedockt. Das Manöver erfolgte automatisch mit Hilfe des Kurs-Systems, wobei Talgat Mussabajew während der letzten Annäherungsphase bereit stand, die manuelle Kontrolle zu übernehmen. Nach dem Öffnen der Luke zu dem Frachter schlug der Besatzung ein übel riechender und penetranter Geruch entgegen. Offenbar war ein Abfallbehälter während des autonomen Fluges aufgegangen.

Die am 03. März 1998 geplante EVA durch Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin musste abgesagt werden, da die Luke nicht zu öffnen war und sämtliche Schraubenschlüssel abbrachen. Nachdem sich Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin in die Luftschleuse mit der defekten Luke begeben hatten, wollten sie die Luke öffnen. Neun Bolzen ließen sich ohne Probleme entfernen, der zehnte klemmte allerdings. Talgat Mussabajew brach beim Versuch, diesen störrischen Bolzen zu entfernen, alle drei Schraubenschlüssel ab. Die Bodenkontrolle ordnete sofort an, die Schleuse unter Druck zu setzen und die EVA abzubrechen. Die enttäuschten Kosmonauten leisteten Folge, setzten die Schleuse unter Druck und zogen die Raumanzüge aus. Sobald sie in den Basisblock zurückgekehrt waren, fragten sie die Bodenkontrolle nach der nächsten EVA, um das Problem zu beheben, denn sie waren zuversichtlich, dass sie das richtige Werkzeug an Bord haben. Von der Bodenkontrolle kam jedoch die Order, erst den nächsten Frachter mit neuem Werkzeug abzuwarten, dessen Eintreffen für den 15. März 1998 vorgesehen war. Vorsorglich wurden alle für den März und April 1998 geplanten EVAs verschoben.

Der Besatzung gelang es am 10. März 1998, die Klimaanlageneinheit BKV-3 in Betrieb zu nehmen. Die Temperaturen im Basisblock sanken von ca. 35 °C auf 28 °C. Nun konnte die Klimaanlage zur Luftentfeuchtung genutzt werden. Zuvor wurde das Wasser von der Wosduk-Einheit, die das Kohlendioxid aus der Luft entfernt, aus der Kabinenluft entzogen. Dieses Wasser wurde über Bord gepumpt und konnte so nicht wiederverwendet werden. Nun konnte das Wasser durch BKV-3 teilweise wiederverwendet werden, so dass kostbare Nutzlastkapazität der Progress-Frachter für andere Dinge genutzt werden konnte.

Am 14. März 1998 um 22:45:55 UTC startete vom Kosmodrom Baikonur der unbemannte Frachter Progress M-38. Am folgenden Tag um 19:16:01 UTC wurde der alte Transporter, Progress M-37, abgekoppelt und machte so den Andockplatz frei. Während Progress M-37 wie geplant um 23:03:46 UTC über dem südlichen Pazifik zum Absturz gebracht wurde, dockte Progress M-38 am 17. März 1998 um 00:31:17 UTC an der Raumstation an. Die letzten 20 Meter wurden per Handsteuerung von Talgat Mussabajew bewältigt, nachdem das Kurs-System Abweichungen gezeigt hatte. Die wichtigste Fracht war eine neue WDU-Einheit, die anstelle der alten Einheit am Sofora-Mast von Kwant1 angebracht werden sollte. Daneben befanden sich auch ein neuer Bolzen für den defekten der äußeren Luke inklusive des nötigen Werkzeugs zur Montage sowie Nahrungsmittel, Wasser und Post an Bord.

Den ersten Außenbordeinsatz absolvierten Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin am 01. April 1998 (6h 40m). Nachdem der defekte Bolzen der Außenluke ersetzt worden war, stiegen Nikolai Budarin und Talgat Mussabajew aus. Sie brauchten allerdings mehr Zeit als vorgesehen, um die Luke zu öffnen und wieder zu schließen. Ihre Aufgabe bestand darin, Geländerteile anzubringen, die Anatoli Solowjow in einer früheren EVA an der Außenhülle von MIR in einem Paket zurückgelassen hat. Sie sprachen öfters auch vom Solowjow-Paket. Auch das Auspacken und die Montage der Geländerteile dauerten länger als erwartet, so dass die geplante Verstärkung der defekten Solarzellen von Spektr durch einen Mast abgesagt werden musste. Kurz vor dem Ende der EVA gab es ein paar Schrecksekunden: Nikolai Budarin rief über Funk mehrmals Talgat Mussabajew, der aber nicht antwortete. Nach ein paar Minuten schließlich meldete Talgat Mussabajew sich wieder. Er hatte nach eigenen Angaben unbeabsichtigt die Stromversorgung seines Raumanzuges ausgeschaltet, und damit auch Funk, Kühlung und die Luftzirkulation.

Die zweite EVA unternahmen die beiden Kosmonauten am 06. April 1998 (4h 23m). Nachdem sich die reparierte Außenluke offensichtlich ohne Probleme hatte öffnen und schließen lassen, konzentrierten sich Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin bei dieser EVA nun auf die Verstärkung der kaputten Solarzellen von Spektr durch einen Mast. Diese Arbeit war allerdings anstrengender als erwartet, so dass die Kosmonauten nach vier Stunden recht müde waren. Hinzu kam noch eine schlechte Verbindung zur Bodenkontrollstation, deren Ursache in einer Fehlfunktion in einer der Bodenstationen, die Kontakt mit einem Altair-Satelliten in der geostationären Umlaufbahn hielten, lag. Der Abbruch für die EVA wurde endgültig erteilt, als es nötig wurde, die Lage der Station aufgrund eines ungünstigen Winkels zur Sonne zu korrigieren und man bemerkte, dass die WDU-Einheit keinen Tropfen Treibstoff mehr hatte. So mussten die Düsen von Priroda genutzt werden, aber Andrew Thomas konnte dies mangels Training nicht tun.

Am 11. April 1998 (6h 25m) führten Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin den dritten Außenbordeinsatz durch. Die Kosmonauten begannen eine Serie von drei EVAs zur Installation eines neuen WDU-Triebwerks zur Ausrichtung der MIR. Dieses mit Progress M-38 angelieferte Triebwerk sollte im Sofora-Mast befestigt werden. Während dieser ersten EVA wurde das alte, für sechs Jahre genutzte, WDU-Triebwerk abgeklemmt und über Bord geworfen.
Talgat Mussabajew wurde von Nikolai Budarin mit Hilfe des Strela-Krans zum Ende des Sofora-Masts, wo die verbrauchte WDU-Einheit befestigt war, bugsiert. Hier und da erteilte Talgat Mussabajew Nikolai Budarin Hinweise, wohin er den Strela-Kran bewegen soll. Zweieinhalb Stunden nach Öffnen der Luke war die WDU-Einheit demontiert und wurde nun per Hand von Talgat Mussabajew über Bord geworfen. Andrew Thomas konnte diesen Vorgang vom Inneren der Raumstation aus für einige Momente verfolgen und filmen.
Eigentlich sollte während dieser EVA ein zweiter "Start" durchgeführt werden. Nach dem Abbau eines Experiments sollte Rapana, ein spezieller Aufbau an der Außenhülle von Kwant1 (am 26. September 1993 dort montiert und 1996 zeitweise an der Außenhülle verstaut), ebenfalls so entsorgt werden. Dieses Vorhaben wurde jedoch verschoben. Zuletzt wurde noch ein Ablassventil der Elektron-Einheit repariert.

Die vierte EVA wurde am 17. April 1998 (6h 32m) ebenfalls durch Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin ausgeführt. Kurz nach dem Öffnen der Luke fiel der Radiotransmitter von Nikolai Budarins Raumanzug aus. Talgat Mussabajew sah zwar, dass sich seine Lippen bewegen, hörte aber nichts. Durch ein kurzzeitiges Umschalten auf die Reserveeinheit konnte das Kommunikationsproblem gelöst werden. Nikolai Budarin verfrachtete Talgat Mussabajew mit dem Strela-Kran nach Kwant1. Dort baute er Rapana und das sogenannte "Dritte Gerüst" ab und verstaute es an der Außenhülle. Der ursprüngliche Plan, Rapana über Bord zu werfen, wurde nicht ausgeführt. Danach begab sich Talgat Mussabajew mit Hilfe des Strela-Krans und Nikolai Budarins wieder zurück. Beide Kosmonauten machten sich nun auf den Weg zu Progress M-38, um die WDU-Einheit, die an der Außenhülle des Frachters befestigt war, für die Montage an den Sofora-Masten vorzubereiten. Dazu wurde die Haltestruktur per Kommando von der Erde ausgefahren. Dann sollte sie in einem Winkel von 35 Grad gegenüber der Außenhülle geparkt werden. Dies gelang nicht vollständig, so dass die Kosmonauten per Hand nachhelfen mussten.

Während der fünften und letzten EVA im Laufe dieser Mission am 22. April 1998 (6h 21m) montierten Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin zwei Träger-Strukturen auf das Modul Kwant1. Danach wurde das neue WDU-Triebwerk von Progress M-38 gelöst und in den Sofora-Mast eingebaut.

Durch die Sequenz von fünf EVAs, die relativ kurz hintereinander durchgeführt wurden, war einiges an Bord der Raumstation liegengeblieben. Dies sollte in den kommenden Tagen aufgearbeitet werden. So stand zum Beispiel die Wiederaufnahme der Experimente mit einer Kommunikationseinheit der Betriebstechnik Deutschland Direkt (BDD) an, die erstmals während der Mission MIR-97 ausgeführt wurden, aber aufgrund von Problemen mit Altair-1 abgebrochen worden sind. An Bord von MIR wurde nun weitgehend routinemäßig an Experimenten gearbeitet. So arbeitete die Besatzung an einem russisch-amerikanischen Experiment zur Metallschmelze mit dem Optizon-Ofen. Insgesamt neun Proben wurden geschmolzen und deren Verhalten während der Erstarrung in Mikrogravitation dokumentiert.

Zur Vorbereitung für das am 15. Mai 1998 geplante Abdocken des Frachters Progress M-38 verstaute die Besatzung Müll und andere nicht mehr gebrauchte Gegenstände, die teilweise noch von früheren Missionen stammten, in den Frachter. Aufgrund der Modifikationen an Progress M-38, die nötig gewesen sind, um die neue WDU-Einheit zu transportieren, war es jedoch nicht möglich, alles zu verstauen. Die Besatzung musste sich an eine vom Kontrollzentrum vorgegebene Liste halten, damit der Frachter nicht überladen wurde. Es waren einige Experimente mit dem Lagekontrollsystem von Progress M-38 nach dem Ablegen geplant, die auch von der Besatzung beobachtet werden sollten. Der Start von Progress M-39 erfolgte am 14. Mai 1998 um 22:12:59 UTC vom Kosmodrom Baikonur.
Am 15. Mai 1998 um 18:44 UTC legte der alte Transporter von der MIR ab. Das Bodenkontrollzentrum führte einige Manöver mit dem Frachter durch. Die Besatzung sollte vier Impulse aus den Manöverdüsen von Progress M-38 dokumentieren. Diese Aufgabe erwies sich als schwierig, denn sie verloren den Blickkontakt immer wieder. Der letzte Impuls konnte allerdings sehr gut beobachtet werden. Die Besatzung filmte die Abgase aus den Düsen des Frachters.
Am 16. Mai 1998 um 23:50:34 UTC koppelte Progress M-39 an die Orbitalstation an. Die Ankunft eines neuen Frachters war für die Besatzung an Bord von MIR immer wieder ein großes Ereignis. Auch diesmal freuten sich die Kosmonauten über so einfache Dinge wie den Duft von Äpfeln, als die Luke des Frachters geöffnet wurde. Eine weitere Überraschung war eine Gitarre, die den Kosmonauten entgegenflog. Talgat Mussabajew freute sich sehr über das Musikinstrument, denn er ist begeisterter Gitarrenspieler. Der Rest des Tages wurde mit dem Entladen des Frachters verbracht.


Ab 04. Juni 1998 koppelte die Discovery (STS-91) an die MIR an.
Nach den üblichen Dichtigkeitsprüfungen öffneten Charles Precourt und MIR-Kommandant Talgat Mussabajew zwei Stunden später die Luken. Dem schloss sich eine Begrüßungszeremonie im Kernmodul der MIR an. Anders als seine Vorgänger zählte Andrew Thomas vom Zeitpunkt der Lukenöffnung an zu Besatzung der Discovery. Der Einbau eines Schalensitzes in das Sojus-Raumschiff konnte entfallen, da Andrew Thomas auf der MIR nicht per durch einen anderen Astronauten ersetzt wurde.

In den folgenden Tagen stand zwischen der Discovery-Crew und der 25. Stammbesatzung der MIR ein reger Transport von Materialien und Verbrauchsgütern im Mittelpunkt. Die Discovery hatte rund 1.200 Kilogramm russisches Logistikmaterial geladen. Das waren im wesentlichen Lebensmittel, Kleidung und Hygienematerial. Zur technischen Ausrüstung, die zur MIR gebracht wurde, zählten drei Speicherbatterien, ein Lageregelungskreisel und eine spezielle Druckgasflasche. Während des bisherigen Fluges der Discovery hatten die Brennstoffzellen als Nebenprodukt über 500 Kilogramm Wasser hergestellt, das in kleineren Behältern ebenfalls in die MIR transportiert wurde und dort die Wasservorräte ergänzte. Im Gegenzug wurden viele wissenschaftliche Proben, Datenträger und einige Apparaturen zurück zur Erde gebracht, darunter ein System zur Messung von minimalen Beschleunigungen durch die Bewegungen der Raumfahrer an Bord ("Space Acceleration Measurement System" - SAMS) und ein Zellkulturexperiment zur Beobachtung der langfristigen Entwicklung bestimmter Zelltypen in der Schwerelosigkeit ("CoCulture").

Während des Materialtransfers gingen die wissenschaftlichen und technischen Versuche an Bord der Discovery und der russischen Raumstation weiter. Andrew Thomas nahm Luftproben sowohl in der Raumfähre als auch in den verschiedenen Modulen der MIR. Wendy Lawrence und Janet Kavandi testeten mit dem Shuttle-Greifarm den Umgang mit dem RMS in der direkten Umgebung einer Raumstation. Ein weiterer Test für die geplante Internationale Raumstation war der Transport eines verpackten Raumanzuges durch Franklin Chang-Diaz, Wendy Lawrence und Janet Kavandi zur MIR und wieder zurück.

Die Anwesenheit von Waleri Rjumin an Bord von MIR wurde von Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin genutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen. So wurde ihm die Überfüllung der Station mit allen möglichen Geräten und die Unordnung vorgeführt. Es muss hier allerdings deutlich klargestellt werden, dass die Kosmonauten nicht für diese Unordnung verantwortlich sind. Diese kommt einfach dadurch zustande, dass es im Erdorbit nicht ohne weiteres möglich und sogar nicht wünschenswert ist, Gegenstände einfach durch eine Luke über Bord zu werfen. So würde sich um die Raumstation nach und nach eine Wolke von Abfall bilden, die eine Gefahr für sich nähernde Raumschiffe darstellen würde. Zudem würden sie nach und nach den laufenden Raumstationsbetrieb (astronomische Beobachtungen, EVAs) behindern. Der Abfall, der ein hygienisches Problem darstellt wie Wäsche und Lebensmittelreste, wird in die Progress-Frachter verstaut und so entsorgt. Allerdings ist die Kapazität eines Frachters für Müll nicht unbegrenzt, denn der Treibstoff an Bord des Frachters ist nach dem Andocken an die Raumstation so bemessen, dass er mit einer bestimmten maximalen Masse anschließend wieder abdockt und durch Abbremsmanöver kontrolliert in der Erdatmosphäre verglüht. So bleiben mit der Zeit einfach viele Gegenstände an Bord der Raumstation zurück, die aufgrund ihrer Menge nicht mehr ordentlich verstaut werden können.

Für den fünften Flugtag der Discovery stand ein Test auf dem Plan, der der möglichen Rettung des MIR-Moduls Spektr dienen sollte. Seit der Kollision mit einem unbemannten Progress-Raumschiff war es leck geschlagen und konnte nur noch mit einem Raumanzug betreten werden. Da die genaue Stelle des Lecks trotz aller Bemühungen bisher nicht gefunden werden konnte, sollte ein farbiges, fluoreszierendes Gas in das Modul geblasen werden. Das Gas sollte - so hofften die Ingenieure - an den Austrittsöffnungen im Modul Spektr gut zu sehen sein. Das Gas befand sich in der von der Discovery mitgebrachten Flasche, die sich am Lukendeckel von Spektr anschließen ließ. Nachdem sich alle Astronauten und Talgat Mussabajew an die verfügbaren Fenster begeben hatten, ließ Nikolai Budarin etwa 6 Kilogramm des Gases in Spektr strömen. Niemand der Raumfahrer sah aber auch nur eine Spur des farbigen Gases in den Weltraum entweichen.

Nach dem Schließen der Luken am 08. Juni 1998 legte die Discovery wieder von der MIR ab. Nachdem der Orbiter einen Abstand von gut 73 Metern erreicht hatte, umflogen Charles Precourt und Dominic Gorie die Raumstation einmal. Wie schon bei früheren Shuttle-MIR-Kopplungsmissionen wurde der Zustand der MIR wieder fotografisch dokumentiert. Allerdings stoppten die beiden Piloten den Orbiter in einer Position direkt vor der MIR. In dieser Lage abwartend bliesen Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin den Rest des fluoreszierenden Gases in das leckgeschlagene Modul Spektr. Erneut konnte die Astronauten aber keine Spur des Gases sehen. Damit bestand keine Hoffnung mehr, Spektr vor Aufgabe der Raumstation MIR zu retten.


Nach der Abreise vom STS-91 mit Andrew Thomas waren die beiden verbliebenen Mitglieder der 25. Stammbesatzung der MIR mit kleineren Wartungs- und Reparaturarbeiten beschäftigt. Nachdem Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin einen Wasserstoff-Detektor ausgetauscht hatten, führten sie auf Anweisung von Technikern Experimente durch. Durch eine Fehlfunktion wurde eine kleine Menge Wasserstoff zusammen mit einem übelriechenden Gas in die Atmosphäre der Raumstation entlassen. Diese Menge Wasserstoff stellte jedoch keine Gefahr für die Kosmonauten dar. Daraufhin wurden die Elektron-Einheit bis zur Lösung des Problems vorübergehend abgeschaltet und Filter zur Luftreinigung eingesetzt. So machte auch die Elektron-Einheit in Kwant1 wiederholt Ärger. Die Kosmonauten verbrachten einen erheblichen Teil ihrer Zeit damit, diese zu untersuchen und zu reparieren. Ein Teil der Antares-Sendeeinheit wurde ausgetauscht.
Die Kosmonauten begannen mit der Experimentreihe Temir zur Herstellung von Legierungen. Dazu nutzten sie den Schmelzofen Gallar.
Allmählich verschlechterte sich die Stimmung an Bord der MIR. Der Grund waren nicht nur immer neue Aufträge an die ohnehin schon bis an die Grenzen belasteten Kosmonauten, sondern im Hinblick auf fehlende Finanzmittel die unklare Zukunft der MIR. Klar war lediglich, dass Geld für den Start von Sojus TM-28 mit Gennadi Padalka, Sergej Awdejew und dem Berater von Boris Jelzin, Juri Baturin, gebraucht wurde. Diesem Start kam eine große symbolische Bedeutung zu. Anfang Juli 1998 atmeten die Kosmonauten zumindest vorübergehend auf. Bis zur Aufgabe der MIR sollten sich noch insgesamt drei Stammbesatzungen inklusive einem französischen und einem slowakischen Gast auf der Orbitalstation aufhalten. Wenn Sergej Awdejew, der mit der nächsten Sojus-Kapsel ankommen sollte, bereit sei, auf der Station bis zur übernächsten Stammbesatzung zu bleiben, könnten der Franzose und der Slowake ihre Missionen sogar zusammen durchführen. Somit könnte eine Sojus-Kapsel gespart werden. Dies wurde mit Sergej Krikaljow 1991/1992 schon mal gemacht, der als Mitglied der 9. Stammbesatzung kam und mit der 10. Stammbesatzung blieb, so dass der Österreicher Franz Viehböck und der Kasache Toktar Aubakirow zusammen auf MIR ankamen.

Um die Ankunft von Sojus TM-28 vorzubereiten, dockte Progress M-39 am 12. August 1998 um 09:28:55 UTC ab und flog bis zum 01. September 1998 autonom. Dann konnte der Frachter an den von Sojus TM-27 freigemachten Dockingstutzen anlegen.

Die 26. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Gennadi Padalka und Bordingenieur Sergej Awdejew, startete am 13. August 1998 an Bord von Sojus TM-28 zusammen mit dem als Forschungskosmonauten geführten Präsidenten-Berater Juri Baturin.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-28 am 15. August 1998 an die Raumstation MIR an. Gennadi Padalka hatte die letzten 20 Meter die Steuerung per Hand übernommen und ein perfektes Docking absolviert. Gennadi Padalka und Sergej Awdejew bildeten die 26. Stammbesatzung der MIR. Juri Baturin war als erster russischer Politiker im All und unternahm einen Inspektionsflug. Die Begrüßungs-Zeremonie wurde wegen Juri Baturin geändert. Normalerweise begrüßen sich der Kommandant der Sojus-Kapsel und der MIR-Station zuerst. Diesmal kam diese Ehre Juri Baturin zuteil. Nach der herzlichen Begrüßung wurde der Sitz von Juri Baturin von Sojus TM-28 nach Sojus TM-27 transportiert und dort eingebaut.

Am 25. August 1998 legte Sojus TM-27 mit Talgat Mussabajew, Nikolai Budarin und Juri Baturin von der Orbitalstation ab und landete wenige Stunden später in der Steppe Kasachstans.

Anmerkung

Léopold Eyharts am 19. Februar 1998 um 09:10 UTC mit Sojus TM-26 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

EVA Mussabajew und Budarin EVA Mussabajew und Budarin

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Letztes Update am 26. April 2014.