Stammbesatzungen der MIR

MIR: Expedition 10
(EO-10)

hochauflösende Version (1,10 MB)

 

Besatzung, Start- und Landedaten

Nr.: 1 2
Nation:
Name:  Wolkow  Krikaljow
Vorname:  Alexander Alexandrowitsch  Sergej Konstantinowitsch
Position:  Kommandant  Bordingenieur
Raumschiff (Start):  Sojus TM-13  Sojus TM-12
Startdatum:  02.10.1991  18.05.1991
Startzeit:  05:59 UTC  12:50 UTC
Raumschiff (Landung):  Sojus TM-13  Sojus TM-13
Landedatum:  25.03.1992  25.03.1992
Landezeit:  08:52 UTC  08:52 UTC
Flugdauer:  175d 02h 52m  311d 20h 01m
Erdorbits:  2771  4934

Double Crew

Nr.: 1 2
Nation:
Name:  Wiktorenko  Kaleri
Vorname:  Alexander Stepanowitsch  Alexander Jurjewitsch
Position:  Kommandant  Bordingenieur

Expeditionsverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 85 km nordöstlich von Arkalyk.

Am 02. Oktober 1992 startete vom Kosmodrom Baikonur das Raumschiff Sojus TM-13. An Bord befanden sich der Kommandant der 10. Stammbesatzung der MIR, der Russe Alexander Wolkow sowie der kasachische Forschungskosmonaut Toktar Aubakirow und der Forschungskosmonaut Franz Viehböck aus Österreich. Toktar Aubakirow wurde erst nachträglich in die Flugmannschaft aufgenommen, und sein Mitflug wurde als freundschaftliche Geste hinsichtlich der Problematik des Weltraumbahnhofs Baikonur auf kasachischem Staatsgebiet gewertet. Erstmals flogen zwei Gastkosmonauten zugleich mit einer Sojus-Kapsel zu MIR. Ungewöhnlich war, dass diesmal kein Bordingenieur zur Besatzung gehörte. Österreich zahlte für den Besuch von Franz Viehböck auf der MIR 7 Millionen Dollar.
Sergej Krikaljow musste sechs Monate länger als vorgesehen im All bleiben, da die nächsten beiden geplanten Missionen aus Geldmangel zusammengelegt wurden und somit nur ein Mitglied der Stammbesatzung ausgetauscht werden konnte. Dies war mit ihm zuvor bereits abgesprochen worden.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-13 am 04. Oktober 1991 an die Orbitalstation Sojus TM-12-Kwant1-MIR-Kwant2-Kristall an. Franz Viehböck wurde der erste Österreicher im Weltraum. Im Rahmen des Programms AUSTROMIR 91 erfolgten zunächst gemeinsame wissenschaftliche Arbeiten mit der 9. Stammbesatzung.

Zunächst wurde das umfangreiche österreichische Forschungsprogramm absolviert, für das bereits vorher viele Ausrüstungsgegenstände zur Raumstation MIR gebracht worden waren. Es umfasste medizinische Untersuchungen zur Blutdruck- und Blutkreislaufregulation sowie zur Verteilung der Blutströme in der Schwerelosigkeit (Experiment Pulstrans), zur Ermittlung des Einflusses der Schwerelosigkeit auf Mikrovibrationen am Arm mittels einer speziell entwickelten Sensorjacke (nichtinvasiv) und zu Erkenntnissen über die Funktionsweise der Arm- und Beinmuskulatur. Dabei sollten die gewonnenen Erkenntnisse das Wissen über grundsätzliche Funktionsweisen des menschlichen Körpers verbessern und waren nicht auf kosmische Anwendungen ausgerichtet. Dazu trugen auch die Experimente Audimir zur Erforschung des Orientierungsvermögens über Klänge und Untersuchungen zur Blutzusammensetzung und Lungenfunktion bei. Viel Beachtung fand auch das physikalische Experiment Logion, bei dem die Funktionsfähigkeit von Flüssigmetall-Feldionenmittern unter Weltraumbedingungen studiert wurde. Solche Feldionenmitter sollen Spannungsüberschläge verhindern, die bisher häufig zu Ausfällen in der Energieversorgung von Raumfahrzeugen geführt hatten. An den dafür entwickelten technischen Geräten (Massenspektrometer, Bordcomputer, Ionenmikroskop) sind sowohl die ESA als auch die NASA interessiert. Weitere Experimente im Rahmen des Programmes Austromir betrafen die Fernerkundung mit einer Spezialkamera und einem Mehrkanal-Spektrometer (Reflexionseigenschaften verschiedener Boden- und Vegetationsflächen), die Datenerfassung, -speicherung und -übertragung über eine spezielle Kommunikationseinheit (Datamir) sowie Videokonferenzen und Amateurfunkkontakte mit Schulen in Österreich und der Sowjetunion. Einige der Experimente wurden durch die Stammbesatzung (Alexander Wolkow, Sergej Krikaljow) fortgeführt.

Wesentliche Aufgabe des Fluges war ein teilweiser Besatzungsaustausch der MIR. Alexander Wolkow und Sergej Krikaljow bildeten die 10. MIR-Stammbesatzung.

An Bord von Sojus TM-12 legten Anatoli Arzebarski, Toktar Aubakirow und Franz Viehböck am 09. Oktober 1991 von der Orbitalstation ab. Einige Stunden später landete das Raumschiff in der Steppe des nunmehr unabhängigen Staates Kasachstan.

Mit Sojus TM-13 wurde am 15. Oktober 1991 die neue Kurs-Antenne getestet. Dazu stiegen die beiden Kosmonauten in das Raumschiff und koppelten ab. Nach mehreren Probeläufen, die allesamt problemlos verliefen, dockte Sojus TM-13 ohne Probleme wieder an.

Am 17. Oktober 1991 startete mit Progress M-10 der nächste unbemannte Frachter zur MIR. Die Ankopplung des Transporters Progress M-10 zwei Tage später misslang zunächst. In einer Entfernung von 150 Metern musste das Kopplungsmanöver abgebrochen werden. Die Besatzung und die Experten im Flugleitzentrum rätselten über das erneute Versagen des Kurs-Systems. Erst zwei weitere Tage später gelang die Ankopplung im zweiten Versuch. An Bord des Transporters befanden sich neben den üblichen Versorgungsgütern wie Treibstoff, Sauerstoff und Lebensmittel auch Filme und Kameras sowie zusätzliche Batterien und Dokumente.

Nach den Entladearbeiten konnte sich die Besatzung wieder verstärkt den wissenschaftlichen Aufgaben widmen. Weitere astrophysikalische Forschungen mit den Instrumenten des Moduls Kwant1 standen auf dem Programm. Fortgeführt wurden auch begonnene medizinische Experimente der russisch-österreichisch-kasachischen Mission sowie Schmelzen auf der Anlage Gallar. Als Ergebnis der Schmelzversuche mit der Anlage Gallar gelang es den Kosmonauten, hochreine Halbleiter für die elektronische Industrie herzustellen. Eine weitere umfangreiche Serie zum Schmelzen von Materialien wurde auf der technologischen Anlage Optizon zum Erhalt von Germanium durchgeführt. Monokristalle aus Germaniumsulfid wurden in einem 130-stündigen Versuchslauf auf der Anlage Krater-V gewonnen. Die Kosmonauten beobachteten die Drift eines großen Eisberges vom Südpol in Richtung Falkland-Inseln. Mit dem sowjetisch-tschechoslowakischen Gerät Kristallisator starteten sie ein Experiment mit verschiedenen Metalllegierungen. Dazu gehörte auch eine eutektische Legierung aus Silber und Germanium. Mit der Versuchsanlage Volna-2 führten die Kosmonauten Experimente zum Studium von Flüssigkeiten unter den Bedingungen der Mikrogravitation durch. Verwendet wurden bei diesen Versuchen Modelle von Treibstofftanks verschiedener Raumflugkörper. Mit den Röntgenteleskopen an Bord des Moduls Kwant1 wurd der Kern der Galaxie Canes Venatici beobachtet. Das Forschungsjahr 1991 an Bord der MIR wurde mit einer Serie von Erdaufnahmen des afrikanischen Kontinents, Amerika, des pazifische Raumes und von Australien abgeschlossen.

Zu Beginn des Jahres 1992 waren die beiden MIR-Kosmonauten überwiegend mit Arbeiten rund um die unbemannten Progress-Transporter beschäftigt. Nachdem alle Flüssigkeiten aus Progress M-10 in die Tanks der Raumstation umgepumpt waren, beluden sie die Rückkehrkapsel Raduga mit den Forschungsergebnissen der letzten Wochen und Monate, insgesamt 350 kg. Die Abkopplung war bereits für den 18. Januar 1992 vorgesehen, musste aber wegen Stabilisierungsproblemen der MIR verschoben werden. Erst zwei Tage später gelang die Abkopplung. Während der Progress-Versorgungsteil über dem südlichen Pazifik gezielt zum Absturz gebracht wurde, landete die Raduga-Kapsel mit den wissenschaftlichen Ergebnissen weich auf der Erde.

Der Andockplatz war damit frei für das nächste Transport-Raumschiff. Progress M-11 war am 25. Januar 1992 vom Kosmodrom Baikonur in eine Erdumlaufbahn geschickt worden und dockte nach zweitägigem Flug ohne Schwierigkeiten an die MIR an. Neben der wissenschaftlichen Ausrüstung für die deutsch-russische Mission MIR'92 befand sich auch ein umfangreicher Nahrungsmittelnachschub für die Kosmonauten an Bord. So kam man u.a. den Wünschen der Kosmonauten nach frischem Obst und Gemüse, wie Lauch, Knoblauch und Zitronen, nach. Neben den Entladearbeiten beschäftigen sich die Kosmonauten in den folgenden Tagen mit Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten, zu denen auch die Überprüfung des Orientierungssystems gehörte.

Eine EVA wurde durch Alexander Wolkow und Sergej Krikaljow am 20. Februar 1992 (4h 12m) unternommen. Der Ausstieg war bereits in der Anfangsphase von Problemen gekennzeichnet. Da der Raumanzug von Alexander Wolkow einen Defekt in der Wärmeregulierung aufwies, beschlug sein Visier, so dass er seinen Raumanzug an die Versorgungssysteme der Luftschleuse anschließen musste. Deswegen hielt er sich während der EVA nur in unmittelbarer Nähe der Ausstiegsluke auf. Sergej Krikaljow musste das vorgesehene Arbeitsprogramm, zu dem u.a. die Demontage einer Hilfsvorrichtung am Sofora-Ausleger gehörte, allein bewältigen. Zusätzlich tauschte er einige photoelektrische Testflächen, die sich bereits seit 1988 an den Solarzellenauslegern befanden, aus.

Später widmeten sich die beiden Langzeitkosmonauten materialwissenschaftlichen, biologischen und astronomischen Untersuchungen (Untersuchungen von Röntgenstrahlungsquellen, z. B. Cygnus X-1 und SN Cassiopeia A). So wurden mit der Schmelzanlage SPLAW hochreine Monokristalle hergestellt. Ebenso wurden mit Hilfe der Anlage TAWRIJA hochreine, biologisch aktive Substanzen gewonnen, die bei der Produktion von Medikamenten sowie in der Lebensmittelindustrie und der genetischen Forschung zum Einsatz kommen sollen. Erfolgreich getestet wurde auch eine halbindustrielle Anlage zur Züchtung neuer Futterantibiotika (Experiment ROBOT).

Gegen Ende ihres Aufenthaltes an Bord der MIR beschäftigte sich die 10. Stammbesatzung erneut mit Progress M-11. Zunächst hoben die Kosmonauten mit dessen Triebwerken die Umlaufbahn an. Anschließend pumpten sie die verbliebenen flüssigen Stoffe in die Tanks der Raumstation um. Am 13. März 1992 wurde Progress M-11 von der Orbitalstation abgekoppelt und über dem südlichen Pazifik kontrolliert zum Absturz gebracht.
Am Tag danach bestiegen die beiden Kosmonauten ihr Raumschiff Sojus TM-13, koppelten von Kwant1 ab und legten nach einem kurzen Flug am Bug der MIR-Basisstation wieder an.

Am 17. März 1992 startete vom Kosmodrom Baikonur das Raumschiff Sojus TM-14. An Bord befand sich die 11. Stammbesatzung der MIR, Kommandant Alexander Wiktorenko und Bordingenieur Alexander Kaleri. Mit an Bord war auch der deutsche Forschungskosmonaut Klaus-Dietrich Flade. Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-14 am 19. März 1992 an den Komplex Sojus TM-13-Kwant1-MIR-Kristall-Kwant2 an. Bei diesem Manöver wurde die reparierte Antenne des Kopplungs- und Annäherungssystems Kurs erfolgreich getestet.

Im Rahmen der Mission MIR`92 folgten wissenschaftliche Arbeiten mit der 10. MIR-Stammbesatzung, an denen besonders Klaus-Dietrich Flade beteiligt war. Er unternahm 14 deutsche Experimente als Teil der Vorbereitung für die zukünftigen Raumstationsprojekte und Columbus aus den Bereichen Medizin, Biologie, Physik und Materialforschung. So wurden im physikalischen Versuchsprogramm TES thermodynamische Eigenschaften verschiedener Substanzen erforscht. Medizinische Untersuchungen betrafen Veränderungen im Erbgut (Chromosomenanalyse), den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Einschätzung der physischen sowie psychischen Leistungsfähigkeit, die Erforschung der Funktion des Gleichgewichtsorgans und das Orientierungsvermögen unter anderem über die Aufzeichnung der Augenbewegungen bei Lageänderungen, die Merkleistung des Kurzzeitgedächtnisses, die Verteilung von Körperflüssigkeit in Muskeln und Gefäßen (Einsatz des Unterdruck-Anzuges TSCHIBIS) sowie die Hormonregulation im menschlichen Organismus (Blut- und Speichelproben). Materialwissenschaftliche Tests bestanden vor allem in der Züchtung reiner Kristalle.

Hauptziel der Mission war der planmäßige Austausch der Stammbesatzung. Alexander Wiktorenko und Alexander Kaleri bildeten die 11. Stammbesatzung der MIR. Es war der erste Raumflug seit Ende der UdSSR und der erste russische Raumflug. Auch war es der erste gemeinsame Raumflug Russland - Deutschland.
Während des Aufenthaltes wurde aus dem Raumschiff Sojus TM-14 der Konturensessel von Klaus-Dietrich Flade demontiert und in Sojus TM-13 eingebaut, da er mit diesem Raumschiff landen sollte.

Am 25. März 1992 koppelte Sojus TM-13 mit Alexander Wolkow, Sergej Krikaljow und dem deutschen Forschungskosmonauten Klaus-Dietrich Flade von der MIR ab. Sergej Krikaljow musste 310 Tage im Orbitalkomplex arbeiten. Der Grund hierfür lag in der Zusammenstellung der Besatzung von Sojus TM-13. Da der Kasache Toktar Aubakirow nachträglich in die Besatzung aufgenommen wurde und nur wenige Tage als Forschungskosmonaut gemeinsam mit dem Österreicher Franz Viehböck in MIR tätig war, konnte man keinen neuen Bordingenieur zu MIR schicken.
Wenige Stunden nach der Abkopplung landete Sojus TM-13 in der Steppe Kasachstans.

Fotos / Zeichnungen


©      

Letztes Update am 22. Dezember 2013.