Stammbesatzungen der MIR

MIR: Expedition 24
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alternatives Crewfoto

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Besatzung, Start- und Landedaten

Nr.: 1 2 3 4 5
Nation:
Name:  Solowjow  Winogradow  Foale  Wolf  Thomas
Vorname:  Anatoli Jakowlewitsch  Pawel Wladimirowitsch  Colin Michael  David Alexander "Bluto"  Andrew Sydney Withiel
Position:  Kommandant  Bordingenieur  Forschungskosmonaut  Forschungskosmonaut  Forschungskosmonaut
Raumschiff (Start):  Sojus TM-26  Sojus TM-26  STS-84  STS-86  STS-89
Startdatum:  05.08.1997  05.08.1997  15.05.1997  26.09.1997  23.01.1998
Startzeit:  15:35 UTC  15:35 UTC  08:07 UTC  02:34 UTC  02:48 UTC
Raumschiff (Landung):  Sojus TM-26  Sojus TM-26  STS-86  STS-89  STS-91
Landedatum:  19.02.1998  19.02.1998  06.10.1997  31.01.1998  12.06.1998
Landezeit:  09:10 UTC  09:10 UTC  21:56 UTC  22:36 UTC  18:01 UTC
Flugdauer:  197d 17h 34m  197d 17h 34m  144d 13h 48m  127d 20h 02m  140d 15h 13m
Erdorbits:  3128  3128  2291  2022  2213

Double Crew

Nr.: 1 2 3 4 5
Nation:
Name:  Padalka  Awdejew  Voss  Wolf  Voss
Vorname:  Gennadi Iwanowitsch  Sergej Wassiljewitsch  James Shelton  David Alexander "Bluto"  James Shelton
Position:  Kommandant  Bordingenieur  Forschungskosmonaut  Forschungskosmonaut  Forschungskosmonaut

Expeditionsverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 30 km südöstlich von Arkalyk in Kasachstan.

Am 05. August 1997 wurde die nächste MIR-Stammbesatzung, Kommandant Anatoli Solowjow und Bordingenieur Pawel Winogradow, an Bord von Sojus TM-26 auf den Weg zur MIR gebracht. Während des Anfluges zur Raumstation wurde der mit Abfall beladene Frachter Progress M-35 abgetrennt und auf eine Parkbahn geführt.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-26 am 07. August 1997 an die Raumstation MIR an. Da das automatische Kopplungssystem nicht zur Zufriedenheit der Sojus TM-26 Besatzung funktionierte, übernahm der Kommandant Anatoli Solowjow die Handsteuerung. Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow bildeten zusammen mit Michael Foale die 24. Stammbesatzung der MIR.

Am 14. August 1997 legten Wassili Ziblijew und Alexander Lasutkin mit Sojus TM-25 von der Orbitalstation MIR ab und landeten in der kasachischen Steppe.
Bei der Landung konnten die Landeraketen nicht ordnungsgemäß gezündet werden, so dass es eine der härtesten Landungen in der Geschichte der Raumfahrt gab.

Progress M-35 konnte am 18. August 1997 um 12:53 UTC erneut erfolgreich an MIR angedockt werden, allerdings musste Anatoli Solowjow in letzter Minute die Handsteuerung übernehmen. Unmittelbar nach dem Andocken brach das Computersystem der MIR-Station zusammen. Die Solarzellen konnten nicht mehr auf die Sonne ausgerichtet werden. Zeitweise trudelte MIR unkontrolliert durchs All. Nur mit Hilfe der Steuerdüsen konnte die Station manuell stabilisiert werden. Während der beiden nächsten Tage gelang es, die Solarzellen wieder zur Sonne auszurichten und wenigstens 5 von 12 Stabilisierungskreisel wieder in Betrieb zu nehmen.

Den ersten Außenbordeinsatz führten Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow am 22. August 1997 (3h 16m) in das luftleere Spektr-Modul aus. Pawel Winogradow arbeitete innerhalb von Spektr, während Anatoli Solowjow ihm vom Zentralmodul (perekhodniy ostek) assistierte. An diesem Modul sind alle anderen großen Stationsmodule sowie das Sojus-Raumschiff angekoppelt. Die Kosmonauten tauschten dabei die Luke des Moduls Spektr aus. Die neue Luke besaß elf Steckdosen, an die Pawel Winogradow die Kabel der noch intakten Solarzellenflächen anschließen konnte. Dadurch konnten diese wieder in Betrieb genommen werden und die MIR hatte fast die bisherige Energieversorgung zurück. Abschließend bargen Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow noch die persönlichen Gegenstände von Michael Foale, die dieser beim raschen Verschließen der Luke am 25. Juni 1997 zurücklassen musste.

Nach einem Wackelkontakt, der die Sauerstoffversorgung beeinträchtigte und schnell behoben werden konnte, begann sich die Situation an Bord allmählich zu stabilisieren. So begannen die Kosmonauten, die Geräte an Bord der Module Kristall und Priroda wieder für die wissenschaftliche Forschung vorzubereiten. Wegen der Energieprobleme waren diese nach der Kollision mit dem Progress Transporter abgeschaltet worden. Drei der vier Sonnenkollektoren des Moduls Spektr waren wieder an das Stromnetz angeschlossen. Die Batterien wurden aufgeladen und das Modul Kristall wieder in Betrieb genommen.

Die zweite EVA führten Anatoli Solowjow und Pawel Foale am 06. September 1997 (7h 00m) durch. In der ansonsten erfolgreichen EVA waren die Kosmonauten jedoch nicht in der Lage, die undichten Stellen im Modul Spektr zu lokalisieren. Anatoli Solowjow und Pawel Foale nutzten den Strela-Kran, um von Kwant2 zum Spektr-Modul zu gelangen. Dort schnitt Anatoli Solowjow die Isolation auf, um den Bereich rund um die Montierung der Solarzellenpaddel und der Heizung zu inspizieren.

Am 08. September 1997 fiel wegen eines erneuten Ausfalls des Zentralcomputers auch das Steuerungs- und Orientierungssystem des MIR-Komplexes aus. MIR begann wieder zu trudeln und die Kosmonauten mussten bis auf die wichtigsten Lebenserhaltungssysteme alle Geräte abschalten.
Erst am folgenden Tag konnte der Zentralcomputer neu gestartet werden. Am 14. September 1997 schaltete sich der Zentralcomputer erneut ab mit der Folge, dass erneut zahlreiche Systeme wegen Energiemangel abgeschaltet werden mussten. Es dauerte auch in diesem Fall einen Tag, bis der Rechner neu gestartet werden konnte und sich die Energiesituation an Bord stabilisierte. Allerdings versagte der Zentralcomputer am 22. September 1997 nochmals für einige Stunden seinen Dienst.

Am 16. September 1997 musste sich die Besatzung für 30 Minuten sicherheitshalber in das Sojus-Raumschiff begeben. Der Grund hierfür war ein ausgedienter amerikanischer Satellit, der sich auf Kollisionskurs befand und nach russischen Angaben den MIR-Komplex in nur 470 Metern passierte. Im Laufe des Tages gelang es der Besatzung, den MIR-Komplex wieder auf die Sonne auszurichten und somit die volle Energieleistung zu gewährleisten.


Am 27. September 1997 legte das amerikanische Space Shuttle STS-86 an der russischen Raumstation MIR an. Gleich anschließend baute David Wolf seinen speziell für ihn angepassten Schalensitz in das Raumschiff Sojus TM-26 ein. Damit wurde er offiziell als Forschungskosmonaut Mitglied der 24. MIR-Stammbesatzung. Den Schalensitz hätte er allerdings nur im Notfall bei einer unerwartet schnellen Heimkehr der MIR-Besatzung einnehmen müssen. Durch Einbau seines Sitzes im Mitteldeck der Atlantis wurde Michael Foale als Missionsspezialist Teil der STS-86-Mannschaft.
Hauptaufgabe während des gemeinsamen Fluges war der Transport von 2.560 Kilogramm allein von der Atlantis zum MIR. Dazu gehörten vor allem Trinkwasser (635 Liter), Ausrüstungsgegenstände und Forschungsmaterial. Wichtigstes Transportgut war ein neuer Zentralcomputer für die russische Raumstation. Der Austausch des Rechners erfolgte noch während der Kopplungszeit, damit die Atlantis in der mehrere Stunden dauernden Prozedur die Lagesteuerung der Station übernehmen konnte. Von der MIR wurden zwei alte Luftregenerierungssysteme in das Space Shuttle gebracht, damit die Techniker auf der Erde später deren Zustand nach über zehnjähriger Betriebszeit begutachten konnten.
Im weiteren Verlauf des Fluges wurden die Schwingungen der einzelnen Stationsmodule unter verschiedenen Belastungen gemessen (Experiment MEEP), zum einen beim Feuern der Manövriertriebwerke der Raumfähre, zum anderen während der sportlichen Trainingseinheiten der Raumfahrer. Diese Daten sollen noch in die Konstruktion der internationalen Raumstation einfließen.

Während der Ankopplung der Atlantis unternahmen Scott Parazynski und Wladimir Titow am 02. Oktober 1997 einen Außenbordeinsatz (5h 01m). Unter der Bezeichnung EDFT-6 diente diese EVA erneut der Erprobung wichtiger Technologien und Werkzeuge im Hinblick auf den geplanten Aufbau der Internationalen Raumstation. Ursprünglich sollten die Tests sogar von vier Raumfahrern gleichzeitig durchgeführt werden, aber die russische Seite hatte eine Beteiligung aus finanziellen Gründen frühzeitig abgesagt.
Erster Programmpunkt war die Demontage der MEEP-Experimente ("MIR Environmental Effects Payload"), die während der Mission STS-76 an das "Docking Module" angebracht worden waren. Die MEEP-Experimente waren Behälter mit Detektorfolien, die mit der Atlantis zur Auswertung auf die Erde mitgenommen werden sollten.
Im nächsten Schritt sollten Scott Parazynski und Wladimir Titow eine Art Kappe ("Solar Array Cap") für das am Fuß der beschädigten Spektr-Solarzellenfläche vermutete Leck am "Docking Module" zu befestigen. Da das 55 Kilogramm schwere Teil einen Durchmesser von 99 Zentimetern hatte, die MIR-Luke aber nur 80 Zentimeter maß, sollten Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow die Kappe dort später abholen und montieren. Damit sollte der Versuch unternommen werden, das Leck im Modul Spektr zu schließen.
Nach ihrer Rückkehr in die Nutzlastbucht der Atlantis widmeten sich Scott Parazynski und Wladimir Titow den EDFT-Tests. Zunächst erprobten sie die SAFER-Einheiten. Diese dienten der Rettung von Astronauten, die nicht mehr über die normalen Sicherungsleinen mit ihrem Raumfahrzeug verbunden sind. SAFER lässt sich so modifizieren, dass es zusammen mit dem russischen Orlan-Raumanzug verwendet werden kann. Anschließend überprüften sie verschiedene Seilsysteme zur Fortbewegung entlang einer Raumstation. Bei dem russischen Verfahren hangelt sich der Raumfahrer wie ein Bergsteiger vorwärts, d.h. eine Leine wird eingeklinkt und nach einem kurzen Weg wird eine zweite Leine eingeklinkt während die erste Leine danach gelöst wird. Bei dem amerikanischen System wird das Seil ähnlich wie bei einer Hundeleine automatisch eingerollt. Scott Parazynski, der das amerikanische Verfahren testete, musste aber feststellen, dass das Seil ständig durchhing und er drohte sich darin zu verheddern.

Nach dem Ablegen der Atlantis am 03. Oktober 1997 stoppte die Raumfähre zunächst in 73 Metern Entfernung. Als der Orbiter einen Abstand von 183 Metern erreicht hatte, begann eine 46-minütige Umkreisung der MIR. Während der Umkreisung öffnete Anatoli Solowjow das Druckventil im Modul Spektr und bies Luft in den Innenraum. Man hoffte, so das Leck in Spektr ausfindig zu machen. Zwar konnten in einem ersten Versuch kleinere aufsteigende Partikel im Bereich der Halterung der beschädigten Solarfläche gesehen werden, jedoch bestätigte sich das in einem zweiten Versuch nicht.


Am 05. Oktober 1997 startete vom Kosmodrom Baikonur der nächste unbemannte Frachter. An Bord von Progress M-36 befand sich neben Wasser, Nahrungsmittel, Ersatzteilen und Treibstoff auch ein Reservecomputer sowie die autonome Beobachtungseinheit Inspektor und eine verkleinerte Nachbildung des Satelliten Sputnik-1. Dieser sollte anlässlich des 40. Jahrestages seines Starts bei einer EVA per Hand ausgesetzt werden. Progress M-36 legte am 08. Oktober 1997 um 17:07:40 UTC an der MIR an.

Die dritte EVA wurde von Anatoli Solowjow und Michael Winogradow am 20. Oktober 1997 (6h 38m) unternommen. Sie arbeiteten innerhalb des luftleeren MIR-Basisblocks und dem beschädigten Modul Spektr. Dabei verlegten sie neue Kabel, um die Kapazität der Solarzellenpaddel von Spektr wieder nutzen zu können. Trotz Spezialwerkzeug war es sehr schwierig, die starren und störrischen Kabel in ihre richtige Position zu bringen. Schließlich schaffte es Pawel Winogradow, zwei der drei Kabel zu positionieren. Es wollte ihm aber nicht gelingen, das dritte Kabel ebenfalls aufzustecken, weil eines der Werkzeuge zu kurz war. Deswegen konnte es nicht angeschraubt werden, so dass es immer wieder zurückschnellt. Beide Kosmonauten waren von dem Chaos innerhalb des Moduls überrascht: Beutel und Verschlüsse flogen herum, der Hometrainer von Michael Foale hatte sich ebenfalls gelöst und überall hingen Kabel. Unterstützt von Anatoli Solowjow, der Hinweise gibt, wo was zu verstauen ist, räumte Pawel Winogradow erst einmal auf.

Vier Tage nach diesem Einsatz konnten die zwei Kabel, die während der internen EVA am Schott angeschraubt werden konnten, nun mit der Kontrolleinrichtung in Kristall verbunden werden. Zwei der Solarzellen von Spektr richteten sich daraufhin wieder optimal zur Sonne aus und lieferten wieder maximale Energie.

Dieselben Kosmonauten führten am 03. November 1997 (6h 04m) die vierte EVA dieser Mission durch. Dabei wurde ein alter Solarzellenflügel von Kwant1 abmontiert und an der Außenseite des Basisblocks verstaut. Letztlich setzten die Kosmonauten Sputnik-40, ein 1/3 großes Modell des Satelliten PS-1 ("Sputnik") von Hand in die Umlaufbahn (383 x 391 km x 51.6°) aus. Anschließend verschlossen sie einen Auslass auf dem Basisblock, so dass sie später von innen ein Ventil montieren konnten, an das eine neue Wosduk-Einheit angeschlossen werden kann. Die äußere Luke von Kwant2 schloss am Ende der EVA nicht korrekt, so dass die innere Luke zum luftdichten Verschluss der Raumstation genutzt werden musste.

Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow unternahmen am 06. November 1997 (6h 12m) den fünften Einsatz außerhalb der Raumstation. Der seit der Anlieferung durch die Mission STS-74 an der Außenseite verstaute Solarzellenflügel MSB-SO wurde am Modul Kwant1 installiert. Er ersetzte den alten Solarzellenflügel MSB-4. Am Ende dieser EVA glaubte man zunächst, die Luftschleuse von Kwant2 hermetisch verschlossen zu haben, jedoch musste man weiterhin Lecks feststellen. So wurde weiterhin der nächste Raum in Kwant2 als Luftschleuse genutzt bis mit dem nächsten Versorgungsschiff vom Typ Progress Ersatz für die defekte äußere Luke angeliefert werden kann.

Planmäßig dockte Progress M-36 am 17. Dezember 1997 um 06:02 UTC von der MIR ab. Kurz danach um 07:35 UTC wurde der deutsch-russische Satellit Inspektor von dem Frachter ausgesetzt. Inspektor sollte den Frachter und MIR umrunden und dabei Fotos schießen. Anhand dieser Fotos sollte der Zustand der Raumstation beurteilt werden. Kurz nach dem Aussetzen war jedoch klar, dass Inspektor sich nicht steuern ließ. Grund hierfür war ein fehlerhafter Sternensensor. Da Inspektor nun steuerlos im Erdorbit flog und eine Kollision mit MIR nicht auszuschließen war, wurde versucht, die Bahn des Komplexes anzuheben, was jedoch aufgrund von Übertragungsfehler von Daten zum Steuerungscomputer zunächst nicht gelang. Erst am nächsten Tag konnte die MIR-Bahn etwas angehoben werden.

Progress M-37 wurde am 20. Dezember 1997 vom Kosmodrom Baikonur gestartet und koppelte am 22. Dezember 1997 um 10:22:14 UTC ohne Probleme an die MIR an.

In den letzten Tagen des Jahres 1997 hatte die Besatzung ein Freon-Leck entdeckt. Durch das Freon-Leck war die Situation an Bord kompliziert geworden. Das Luftentfeuchtungsystem konnte nicht arbeiten und deswegen kondensierte Wasser in den kühleren Bereichen der Raumstation sowie in Progress M-37. Deshalb installierte die Besatzung einen Ventilator, um die kalte Luft in den Komplex zurück zu transportieren und damit die Kondensation zu kontrollieren. Vom 27. Dezember 1997 bis zum 30. Dezember 1997 wurde der Basisblock voll in die Sonne gedreht, so dass Temperaturen um die 30°C erreicht und somit die Kondensation besser kontrolliert werden konnte.

Am 08. Januar 1998 (3h 06m) verließen Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow die Raumstation für den sechsten Außeneinsatz. Anstatt die Luke zu reparieren, sollten zunächst nur Aufnahmen von der Außenhülle in verschiedenen Spektralbereichen gemacht werden, die später analysiert werden sollten. Nach dem Öffnen der äußeren Luke von Kwant2 fanden die Kosmonauten jedoch einen der Verschlüsse in einem sehr schlechten Zustand vor. Dieser konnte ohne Probleme ausgetauscht werden, so dass das ursprüngliche Ziel des ersten Teils der EVA doch erreicht werden konnte. Auch die Inspektion der Lukenversiegelung ergab, dass alles in Ordnung ist. Die Chancen waren also gut, dass die äußere Luke von Kwant2 wieder hermetisch abdichtet. Anschließend setzten die Kosmonauten mit dem Strela-Kran zu Kristall über und entfernten dort ein amerikanisches optisches Experiment, das sie mit in das Innere der Station nehmen. Bevor sie zurückkehrten, überprüften sie noch die Verbindung einiger Antennen. David Wolf macht die ganze Zeit während der EVA Foto- und Videoaufnahmen. Dabei bargen sie Ausrüstungsgegenstände und begannen mit Reparaturarbeiten an der undichten Luke von Kwant2. Sie stellten einen nicht festsitzenden Bolzen fest, der eine 10 Millimeter große Lücke verursachte. Einige Tage nach der Reparatur leckte die Luke aber immer noch leicht.

Die letzte EVA unternahmen Anatoli Solowjow und der neue Forschungskosmonaut David Wolf am 14. Januar 1998 (3h 52m). Eine Inspektion der Versiegelung ergab keine negativen Resultate. Aufgrund der Probleme mit der äußeren Luke wurde der Arbeitsplan der EVA geändert. Anstatt u.a. Kwant2 und den Basisblock mit einem amerikanischen Spektrometer zu inspizieren, wurde der Basisblock nun von der Inspektion ausgeschlossen, so dass Anatoli Solowjow am Ende der EVA mehr Zeit für die äußere Luke hatte. Sofort nach dem Ausstieg montierten sie eine Kamera, um ihre Aktivitäten zu filmen. Die Übertragung der Bilder in die Raumstation klappte aber nicht immer, und der Umgang mit dem Spektrometer gestaltete sich schwieriger als erwartet. Am Ende der EVA inspizierte Anatoli Solowjow die äußere Luke von Kwant2 genauer und führte Reparaturarbeiten durch. Danach wurde sie geschlossen und der entsprechende Teil von Kwant2 unter Druck gesetzt.

Drei Tage nach dieser EVA inspizieren Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow die äußere Luke von Kwant2 innerhalb des Moduls. Sie stellten fest, dass einer der Dichtungsbolzen stark beschädigt ist und deswegen komplett ausgetauscht werden muss. Dies kann aber nur mit einem Spezialwerkzeug bewerkstelligt werden, das extra auf der Erde angefertigt und mit der nächsten Besatzung zur MIR gebracht werden muss.


Am 24. Januar 1998 legte STS-89 an die russische Raumstation an.
Nach den üblichen Dichtigkeitsprüfungen öffneten Terrence Wilcutt und MIR-Kommandant Anatoli Solowjow zwei Stunden später die Luken. Dem schloss sich eine Begrüßungszeremonie im Kernmodul der MIR an. Am vierten Flugtag der Endeavour baute Andrew Thomas seinen speziell für ihn angepassten Schalensitz in das Raumschiff Sojus TM-26 ein. Damit wurde er offiziell als Forschungskosmonaut Mitglied der 24. MIR-Stammbesatzung. Den Schalensitz hätte er allerdings nur im Notfall bei einer unerwartet schnellen Heimkehr der MIR-Besatzung einnehmen müssen. Durch Einbau seines Sitzes im Mitteldeck der Endeavour wurde David Wolf als Missionsspezialist Teil der STS-89-Mannschaft. Probleme traten auf, als Andrew Thomas den für ihn maßgeschneiderten Sokol-Raumanzug anprobieren wollte. Er erwies sich trotz aller Anproben auf der Erde als zu klein. Nach einigen Beratungen nahm Andrew Thomas den Anzug von David Wolf. Der war zwar in den Armen um 15 Zentimeter zu lang, aber dies sollte nach russischen Angaben bei einer eventuell notwendig werdenden Notlandung kein Sicherheitsrisiko darstellen. Nachdem später an seinem ursprünglichen Anzug einige Zugbänder gelöst worden waren, passte Andrew Thomas auch dieser Raumanzug.

Während der ersten gemeinsamen Nacht mussten die Astronauten der Endeavour geweckt werden, weil in einem der Lageregelungstriebwerke des Orbiters ein Leck angezeigt wurde. Dies war zwar ein Sensorfehler, aber für die Zeit der notwendigen Tests einer geänderten Software sollte die MIR die Lagekontrolle für die Raumstation und das Space Shuttle übernehmen. Nach kurzer Betriebszeit stellte sich aber heraus, dass der Treibstoff des am Ende des Sofora-Mastes angebrachten Triebwerks WDU dafür nicht ausreichte. Die Änderung bei der Lageregelung musste wieder rückgängig gemacht werden, wobei das suspekte Lageregelungstriebwerk der Endeavour vorübergehend stillgelegt wurde.

In den folgenden Flugtagen führten die Astronauten und Kosmonauten einen regen Materialaustausch zwischen Raumfähre und Raumstation durch. Von der Endeavour wurden etwa 2.080 Kilogramm an festen Materialien, darunter 422 Kilogramm wissenschaftliche Ausrüstung aus den USA, 1.536 Kilogramm Logistikmaterial aus Russland und 122 Kilogramm sonstiges Gerät in die MIR gebracht. Zu den transferierten Experimenten gehörten "Astroculture", "Diffusion-Controlled Crystallization Apparatus for Microgravity" (DCAM), ein "Gaseous Nitrogen Dewar" mit tiefgefrorenen Proteinproben und das technologische Experiment "X-ray Detector Test". Zu den technischen Geräten für den Weiterbetrieb der MIR zählten Stromwandler, ein Lageregelungskreisel, zwei neue Computer für die Lagekontrolle und drei Flaschen mit Druckluft. Wichtig waren auch zwei Komponenten, mit denen das störanfällige System zur Entfernung von Kondenswasser aus der Kabinenluft repariert werden sollte. Der Transfer von 726 Kilogramm Trinkwasser rundeten den Materialtransport ab. Im Gegenzug wurden 1.290 Kilogramm Güter für den Transport zur Erde in die Endeavour verfrachtet. Dazu gehörte auch eine Solarzellenfläche, die bei einem Außenbordmanöver durch Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow am 06. November 1997 geborgen worden war.

Auf der MIR wurden die mitgebrachten Experimente "Astroculture" (Advanced CGBA) zur Erprobung eines automatischen Gewächshauses im Dauerbetrieb, "X-Ray-Detector" zum Test eines Röntgensensors zur Strukturanalyse von Kristallen, das Zellkulturexperiment "CoCulture" sowie "Diffusion-controlled Crystallization Apparatus for Microgravity" (DCAM) und "Gaseous Nitrogen Dewar" zur Herstellung sehr reiner Proteinkristalle installiert. Von der Raumstation in den Shuttle wurden vor allem die Ergebnisse vorangegangener Experimente gebracht. Dazu gehörten Pflanzenproben, Halbleitermaterialien, Proteinkristalle, Speichel-, Blut und Urinproben, die in speziellen Anlagen eingefroren oder bei konstanter Temperatur aufbewahrt wurden ("Enhanced Orbiter Refrigerator/Freezer und Thermo Electric Holding Module").

Im Mitteldeck und im SpaceHab der Endeavour wurden während des Fluges mehrere wissenschaftliche Experimente durchgeführt. So wurde die Entwicklung von Fischen, Schnecken und Pflanzen in einem geschlossenen Aquarium ("Closed Equilibrated Biological Aquatic System") studiert, die Effektivität der Nährstoffzufuhr für Pflanzen über poröse Materialien analysiert ("Microgravity Plant Nutrient Experiment") und das Verhalten von Granulaten in der Schwerelosigkeit untersucht ("Mechanics of granular Materials"). Dabei wurden vor allem die Auswirkungen von Druckkräften auf die Bewegungen dreier verschiedener Granulate festgehalten. Daraus sollen auch Erkenntnisse über Verwerfungen bei Erdbeben abgeleitet werden. Weitere Experimente betrafen beispielsweise die Analyse von hochfrequenten Radarechos, die durch Triebwerkszündungen des Shuttle verursacht werden ("Shuttle Ionospheric Modification with Pulsed Local Exhaust") und die Aufzeichnung und Übermittlung von Bildern der Erdoberfläche mit der EarthKAM, einer Kamera, die von Schülern gesteuert wird. Damit sollen natürliche oder durch den Menschen verursachte Phänomene direkt in den Unterricht einbezogen werden.

Erstmals getestet wurde ein System, mit dem medizinische Daten erfasst und per Bild und Ton zur Erde übermittelt werden können ("TeleMedicine Instrumentation Pack"). Mit einer Spezialkamera wurden Untersuchungen der Augen, Ohren, des Mund- und Rachenraumes vorgenommen. Herztöne, Atem- und Darmgeräusche ließen sich über ein elektronisches Stethoskop ebenfalls übertragen. Dazu kamen Messwerte von Herzaktivität (EKG), Sauerstoffgehalt des Blutes, Blutdruck und Puls. Damit soll zukünftig die medizinische Betreuung insbesondere bei längeren Aufenthalten im Weltraum verbessert werden.

Weitere Untersuchungen wurden in Containern durchgeführt, die in der Ladebucht verankert waren ("Get Away Specials"). So wurden die Vorgänge beim Zerstäuben einer Flüssigkeit in kleine Tröpfchen studiert. Dabei wurde Silikonöl in einem luftgefüllten Zylinder durch einen Kolben verwirbelt. Dadurch entstand ein Flüssigkeits-Gas-Gemisch. Das Silikonöl war mit winzigen versilberten Glaskügelchen durchsetzt, deren Bewegungen man mit einem Laser sichtbar machen konnte ("Vortex"). Ebenfalls mit Flüssigkeiten befasste sich das Experiment "Structure of Marangoni Convection in Floating Zones". Hier wurde die innere Bewegung von freien Flüssigkeitsoberflächen bei lokalen Temperaturdifferenzen beobachtet. Die Marangoni-Konvektion beeinflusst auf der Erde z. B. die Regelmäßigkeit von Halbleiterkristallen. Deshalb studiert man ihre Wirkung ohne die überlagernden Einflüsse der Gravitation. Einen besseren Umgang mit Glasschmelzen und die Beseitigung aller sichtbaren Gaseinschlüsse hatten Untersuchungen an Feinschmelzen zum Ziel. Dazu wurde eine Glasprobe mit künstlichen Sauerstoffeinschlüssen auf 1.300 °C erwärmt und die Auflösung der Gasblasen aufgezeichnet. In weiteren Containern wurden Differenzen zwischen Schmelztemperatur und Erstarrungspunkt gemessen, Hochtemperatursupraleiter untersucht, Galliumantimonidkristalle gezogen, Kristallzylinder epitaktisch hergestellt und die Größe von Flüssigkeitstropfen beim Benetzen verschiedener Materialien bestimmt.

Weitere Experimente betrafen beispielsweise die Analyse von hochfrequenten Radarechos, die durch Triebwerkszündungen des Shuttle verursacht werden ("Shuttle Ionospheric Modification with Pulsed Local Exhaust") und die Aufzeichnung und Übermittlung von Bildern der Erdoberfläche mit der EarthKAM, einer Kamera, die von Schülern gesteuert wird. Damit sollen natürliche oder durch den Menschen verursachte Phänomene direkt in den Unterricht einbezogen werden.

Nach dem Schließen der Luken am 28. Januar 1998 blieben die beiden Raumfahrzeuge für die folgende Nacht noch miteinander verbunden. Erst am nächsten Morgen legte die Endeavour wieder von der MIR ab. Nachdem der Orbiter einen Abstand von gut 70 Metern erreicht hatte, umflogen Terrence Wilcutt und Joe Edwards die Raumstation einmal. Wie schon bei früheren Shuttle-MIR-Kopplungsmissionen wurde der Zustand der MIR wieder fotografisch dokumentiert.


Am Tag der Abkopplung von STS-89 startete vom Kosmodrom Baikonur die 25. Stammbesatzung der MIR, Kommandant Talgat Mussabajew und Bordingenieur Nikolai Budarin sowie dem französischen Forschungskosmonauten Léopold Eyharts an Bord ihres Raumschiffs Sojus TM-27.

Das Frachtschiff Progress M-37 wurde am 20. Januar 1998 von Kwant1 abgekoppelt, um Sojus TM-27 Platz zu machen. Der Frachter wurde in sicherer Entfernung zur Raumstation geparkt.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-27 am 31. Januar 1998 an die Raumstation MIR an. Talgat Mussabajew und Nikolai Budarin bildeten zusammen mit Andrew Thomas die 25. Stammbesatzung der MIR. Im Mittelpunkt stand zunächst das französische Unternehmen MIR-Pégase. Gemeinsame wissenschaftliche Experimente wurden durchgeführt.

Am 19. Februar 1998 legten die Mitglieder der bisherigen Stammbesatzung, Kommandant Anatoli Solowjow und Bordingenieur Pawel Winogradow zusammen mit dem französischen Forschungskosmonauten Léopold Eyharts mit Sojus TM-26 von der MIR ab und landeten in der kasachischen Steppe. Das Wetter war relativ schlecht und die Besatzung geriet in einen Blizzard. Die Bergungsoperation dauerte dementsprechend etwas länger als sonst.

Fotos / Zeichnungen


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Letztes Update am 31. Dezember 2013.