Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 183

Sojus TM-23

Skif

Russland

Patch Sojus TM-23 Patch Sojus TM-23

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  21.02.1996
Startzeit:  12:34 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  201 - 246 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung MIR:  23.02.1996, 14:20:35 UTC
Abkopplung MIR:  02.09.1996, 04:20:00 UTC
Landedatum:  02.09.1996
Landezeit:  07:41 UTC
Landeort:  50° 17' N, 70° 50' O

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Onufrijenko  Juri Iwanowitsch  Kommandant 1 193d 19h 07m  3066 
2  Ussatschow  Juri Wladimirowitsch  Bordingenieur 2 193d 19h 07m  3066 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Onufrijenko
2  Ussatschow
3  
Landung
1  Onufrijenko
2  Ussatschow
3  André-Deshays

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Ziblijew  Wassili Wassiljewitsch  Kommandant
2  Lasutkin  Alexander Iwanowitsch  Bordingenieur

Flugverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung in Kasachstan (107 km südwestlich von Akmola).

Am 21. Februar 1996 startete vom Kosmodrom Baikonur die 21. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Juri Onufrijenko und Bordingenieur Juri Ussatschow an Bord von Sojus TM-23. Bevor das Zubringer-Schiff die MIR erreichte, wurde Progress M-30 am 22. Februar 1996 von der Station abgekoppelt.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-23 am 23. Februar 1996 an die Raumstation MIR an. Nach der Übergabe der Station durch die 20. Stammbesatzung bildeten die beiden Kosmonauten die 21. MIR-Stammbesatzung.

Die Kosmonauten Juri Gidsenko, Sergej Awdejew und der ESA-Astronaut Thomas Reiter koppelten mit ihrem Raumschiff Sojus TM-22 am 29. Februar 1996 vom Orbitalkomplex MIR ab und landeten in der kasachischen Steppe. Ein Teil seiner Forschungsergebnisse brachte Thomas Reiter mit dieser Landung mit, während der Rest (z.B. die gefrorenen biologischen Proben und die ESEF-Kassetten) später mit STS-76 wieder zur Erde gelangte.

Bei einem ersten von mehreren geplanten Ausstiegen am 15. März 1996 (5h 51m) montierten Juri Onufrijenko und Juri Ussatschow einen neuen Ladebaum, verlegten Stromkabel und schlossen neue Steckdosen an.


Am 24. März 1996 koppelte das amerikanische Space Shuttle STS-76 an die russische Raumstation MIR an.
Nach dem Abschluss der Dichtigkeitsprüfungen konnten zwei Stunden später die Luken geöffnet werden. Es folgte die übliche Willkommenszeremonie im MIR-Basisblock. Gleich danach begannen die beiden Mannschaften mit dem Transfer von insgesamt 2.011 kg Versorgungsgüter für die Raumstation. Darunter befanden sich 680 Liter Wasser, drei frisch aufgeladene Batterien, ein neuer Stabilisierungskreisel und 41 wissenschaftliche Experimente. Am Ende des Flugtages wurde Shannon Lucid als Forschungskosmonautin offiziell Mitglied der der 21. MIR-Stammbesatzung. Hierzu wurde ihr speziell angepasster Schalensitz in das Raumschiff Sojus TM-23 eingebaut. Dies erfolgte für den Notfall, falls eine Rückkehr zur Erde erforderlich werden sollte, bevor Shannon Lucid mit STS-79 wieder abgeholt wird.

Während des gemeinsamen Fluges mit der 21. MIR-Stammbesatzung (24. - 29. März 1996) wurde eine EVA durch Linda Godwin und Michael Clifford am 27. März 1996 (6h 2m) unternommen. Dabei wurde das Experimentierpaket MEEP (MIR Environmental Effects Payload) mit 4 unterschiedlichen Experimenten am Docking Module der Raumstation angebracht. Mit dem Polished Plate Micrometeorid Debris Collector (PPMDC) wurde die Anzahl und Stärke von Mikrometeoriteneinschlägen ermittelt. Es ließen sich außerdem Aussagen über Größe, Ursprung und Wirkung der Staubteilchen machen. Beim Orbital Debris Collector (ODC) handelte es sich um einen weiteren Staubsammler. Damit wurden sowohl vom Menschen verursachte Verunreinigungen als auch kosmische Partikel eingesammelt. Komplettiert wurde der Experimentalkomplex von zwei Päckchen mit unterschiedlichen Materialien, die beim Bau der Internationalen Raumstation zum Einsatz kommen sollen (POSA I und II). Dazu gehörten Farbschichten, Glas, mehrlagiges Isolationsmaterial und verschiedene Metalle. Alle vier Experimente sollten in etwa 18 Monaten wieder abgebaut und zur näheren Untersuchung auf die Erde transportiert werden. Zudem wurden neue Halteleinen und Fußhalterungen erprobt und eine Videokamera vom Kopplungsmodul demontiert. Zum zweiten Mal hatten die Raumfahrer das Rettungspaket SAFER (Simplified Aid For EVA Rescue) zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine kleine Manövriereinheit mit 24 Stickstoffdüsen, mit denen sich ein in Not geratener Astronaut zurück zum Shuttle bewegen kann. Die Geräte sind auf dem Rücken der Raumfahrer montiert und erreichen eine maximale Geschwindigkeitsänderung von drei Metern pro Sekunde. Normalerweise werden die Astronauten aber durch Sicherungsleinen vor einem Abdriften vom Raumfahrzeug bewahrt. Zusätzlich testeten beide Astronauten im Rahmen des EDFT-Programmes ein Sicherheitsgurtband und eine tragbare Fußhalterung. Letztlich demontierten sie noch die DM-Rendezvouskamera, die nur bei der Ankopplung des DM während der Mission STS-74 gebraucht wurde.

Nachdem sich die beiden Mannschaften voneinander verabschiedet hatten, wurden die Luken zwischen dem Orbiter und der Raumstation wieder verschlossen. Für eine letzte Schlafperiode blieben die beiden Raumflugkörper noch miteinander verbunden, ehe Kevin Chilton die Abkopplung einleitete. In 183 Metern Entfernung stoppte er die Atlantis und leitete den üblichen Inspektionsrundflug um die MIR ein, der von Richard Searfoss ausgeführt wurde. Eine Stunde später zündeten die beiden Piloten die Steuerungsdüsen, so dass die Atlantis sich auf einer niedrigeren Umlaufbahn bewegte und somit nach vorn wegflog.


Schmelzarbeiten am Hochtemperaturofen Optizon wurden ebenso ausgeführt wie die Züchtung von Proteinkristallen und die Visual Earth Observation. Zu den medizinischen Untersuchungen gehörten Untersuchungen des Immunsystems, des Gleichgewichtssinns aber auch der Funktion der Augenmuskulatur. Es wurden während und nach dem Flug Untersuchungen der Muskel- und Knochenmarksdichte vorgenommen. Eine Reihe von Experimenten unter der Bezeichnung SAMS (Space Acceleration Measurement System) wurde durchgeführt. Bei diesen Experimenten ging es um Beschleunigungstests, die im Zusammenhang mit den Arbeiten im Orbitalkomplex standen und die Auswirkungen auf verschiedene sensible Experimente hatten. Von Shannon Lucid wurde die embryonale Entwicklung von Qualleneiern beobachtet. Die Serie von materialwissenschaftlichen Experimenten unter der Bezeichnung OLiPSE wurde beendet.

Am 23. April 1996 startete vom Kosmodrom Baikonur Priroda, das letzte geplante MIR-Modul, mit einer Proton-Trägerrakete.
Dieses Modul war 13 Meter lang, hatte einen größten Durchmesser von 4,35 Metern und eine Masse von 19.700 kg. Der zusätzliche Nutzraum für die Kosmonauten betrug 66 Kubikmeter. Priroda diente vorwiegend zur Erdbeobachtung und Atmosphärenforschung. Es befanden sich über zehn Kamerasysteme an Bord. Eine SAR-Radaranlage lieferte Informationen bis zu 11 Metern Auflösung von der Erdoberfläche. Aus Deutschland kam das Spektrometer MOMS-2P, das schon während der Shuttle Mission Spacelab D-2 (STS-55) geflogen ist. Es konnte in verschiedene Modi geschaltet werden und nutzte zur Bestimmung der Lage der beobachteten Landschaftsabschnitte das GPS-System. Somit ließ sich auch die Bahn über der Erdoberfläche von MIR bestimmen, welches rein theoretisch die Bahnverfolgungsstationen auf der Erde überflüssig machte. MOMS-2P wurde allerdings später mit Progress M-31 zur MIR gebracht und von der Besatzung außen auf Priroda montiert. Des Weiteren befanden sich 284 kg medizinische Geräte aus den USA sowie 400 kg sonstige Experimentiereinrichtungen an Bord des Moduls.
Im Unterschied zu seinen Vorgängern näherte sich Priroda der Raumstation MIR auf einer schnellen Bahn. Dies hatte seinen Grund in der Energieversorgung: Priroda schöpfte seine Energie aus Batterien, weil es keine Solarzellen mit sich führte. Die ursprünglich für Priroda vorgesehene Solarzellenfläche war die auf dem Docking-Modul, das später auf Kwant1 montiert werden sollte.
Trotz des Ausfalls eines Batterie-Strangs koppelte Priroda am 26. April 1996 problemlos am Basiskopplungsstutzen der MIR an. Am folgenden Tag wurde Priroda mit dem Ljappa-System vom Bugkopplungsstutzen zum letzten freien, seitlichen, Kopplungsstutzen umgesetzt.

Während der nächsten Tage waren die Kosmonauten mit der Inbetriebnahme des neuen Moduls beschäftigt. Als einen ersten wichtigen Schritt mussten die 168 Batterien an Bord relativ schnell demontiert und verstaut werden, um sie später in Progress M-31 zu packen. Man befürchtete, dass ein paar dieser Batterien leck schlagen und die Luft innerhalb von MIR vergiften würden.

Am 05. Mai 1996 um 07:04 UTC startete der unbemannte Frachter Progress M-31 vom Kosmodrom Baikonur zur Raumstation. Dort legte er am 07. Mai 1996 um 08:54:19 UTC an. An Bord befanden sich 1,14 Tonnen Treibstoff und 1,7 Tonnen Nahrungsmittel, Wasser und medizinische Güter. Ebenfalls an Bord befand sich die MOMS-Kamera zur Nachrüstung des Moduls Priroda. Ebenfalls befand sich eine Pepsi-Reklame für einen Werbespot mit an Bord.

Nach der Inbetriebnahme von Priroda begann die Phase der wissenschaftlichen Arbeit. Ein erstes durchgeführtes Experiment kam aus dem Bereich der Biotechnologie. An Bord von MIR wurden zwei kanadische Experimente vorbereitet, die über zwei Wochen laufen sollten. Die Experimentvorrichtungen befanden sich im Modul Priroda und dienten u.a. dem Schmelzen von Metallen.

Am 20. Mai 1996 führten Juri Onufrijenko und Juri Ussatschow die zweite EVA durch (5h 20m). Die beiden Kosmonauten waren mit den Montagearbeiten einer neuartigen Solarbatterie am Modul Kwant1, dem "MIR Cooperative Solar Array Project" (MCSA), beschäftigt. Zum Ende ihres Ausstieges entfalten sie auch eine 100 x 120 cm große Nachbildung einer Pepsi-Coladose aus Nylon und Aluminium und drehten für die amerikanische Firma einen Werbespot.

Bereits am 24. Mai 1996 stiegen Juri Onufrijenko und Juri Ussatschow erneut aus der MIR aus (5h 43m). Während dieser EVA wurde die neue Solarzellenfläche angeschlossen und per Hand ausgefahren.

Den vierten Außenbordeinsatz führten Juri Onufrijenko und Juri Ussatschow am 30. Mai 1996 durch (4h 20m). Dabei montierten die Kosmonauten die MOMS-2P-Kamera am Modul Priroda.

Erneut verließen die Kosmonauten am 06. Juni 1996 den Orbitalkomplex (3h 34m), um Arbeiten an den Modulen durchzuführen sowie zwei amerikanische Experimente (PIE und MSRE) zu montieren. Ein zweiter Werbefilm für Pepsi wurde gedreht.

Das Travers-Radar auf Priroda brachte eine große Antenne am Ende des Moduls, die am 13. Juni 1996 während einer weiteren EVA (5h 42m) von Juri Onufrijenko und Juri Ussatschow per Hand ausgefahren wurde. Zudem bauten sie den Rapana-Ausleger ab und setzten die Strombus-Struktur an seiner Stelle.

Die Aufenthaltsdauer der beiden russischen Kosmonauten musste am 21. Juni 1996 um 40 Tage verlängert werden, da die Rakete aufgrund finanzieller Probleme nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte. Diese Ankündigung des Flugleitzentrums überraschte die beiden Kosmonauten allerdings nicht sonderlich. Die russische Raumfahrtbehörde RKA kündigte bei dieser Gelegenheit an, die Standardaufenthaltszeit für Stammbesatzungen von fünf auf sechs Monate zu verlängern, was im Hinblick auf deren Lebensdauer der maximal erlaubten Aufenthaltsdauer einer Sojus-Kapsel im All entspricht.
Am 12. Juli 1996 bekam Shannon Lucid von der Bodenzentrale in Houston mitgeteilt, dass ihre Mission im MIR-Komplex bis Mitte September 1996 verlängert werden muss. Nachdem die Booster der Mission STS-75 im Juni 1996 überprüft wurden, entdeckte man, dass das neue Dichtungsmaterial zwischen den Boostersegmenten von heißem Gas angeschmort worden war. Deswegen wurde entschieden, die Booster der Atlantis mit solchen zu ersetzen, die mit dem alten Material abgedichtet worden sind.

Am 31. Juli 1996 um 20:00:06 UTC startete der Frachter Progress M-32 vom Kosmodrom Baikonur Richtung MIR. Ein Fracht-Raumschiff war wegen der Verzögerungen auf russischer und amerikanischer Seite nötig geworden. Rechtzeitig vor der Ankunft an der Station koppelte Progress M-31 am 01. August 1996 um 16:44:54 UTC beladen mit Abfall von der MIR ab und wurde von der Bodenstation über dem südlichen Pazifik kontrolliert zum Absturz gebracht. Damit war der Andockknoten für Progress M-32 frei. Der Transporter legte am 02. August 1996 um 22:03:44 UTC an. Da der Andockplatz für das nächste bemannte Raumschiff benötigt wurde, begannen die Kosmonauten unverzüglich mit den Entladearbeiten.

Am 17. August 1996 hob die 22. Stammbesatzung der MIR, Kommandant Waleri Korsun und Bordingenieur Alexander Kaleri zusammen mit der französischen Forschungskosmonautin Claudie André-Deshays an Bord von Sojus TM-24 ab.
Die ursprüngliche Besatzung (Gennadi Manakow und Pawel Winogradow) musste fünf Tage vor dem Start wegen medizinischer Probleme bei Gennadi Manakow ausgetauscht werden.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-24 am 19. August 1996 an die Raumstation MIR an. Waleri Korsun und Alexander Kaleri bildeten die 22. Stammbesatzung der MIR (zunächst mit Shannon Lucid dann mit John Blaha / Jerry Linenger).

Die französische Mission CASSIOPÈE führte physiologisch-neurologische Experimente durch. Dabei wurden einige Experimente für einen Unterrichtsfilm aufgezeichnet. Die französische Kosmonautin konnte ihr Forschungsprogramm mit dem Experiment Physiolab beginnen. Die Experimente Cognilab, Treillis, Dynalab sowie Alice und Fertile konnten von Claudie André-Deshays abgeschlossen werden.

Am 02. September 1996 koppelten die Mitglieder der 21. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Juri Onufrijenko und Bordingenieur Juri Ussatschow zusammen mit der französischen Forschungskosmonautin Claudie André-Deshays an Bord von Sojus TM-23 von der Orbitalstation ab. Wenige Stunden später landeten sie in der kasachischen Steppe.
In ihren Raumanzügen hatten die Kosmonauten ihre Plätze im Landemodul eingenommen, nachdem sie die Luke zur Orbitalsektion geschlossen hatten. Dann richteten sie das Raumschiff so aus, das die Triebwerke des Geräteteils in Flugrichtung zeigten. Diese wurden kurz darauf für 105,6 Sekunden gezündet und leiteten den Abstieg zur Erdoberfläche ein. Im nächsten Schritt erfolgte das planmäßige Abtrennen der Orbitalsektion und des Geräteteils, die beide in der Erdatmosphäre verglühten. Das verbleibende Landemodul wurde so ausgerichtet, dass der Eintrittswinkel für eine möglichst genaue Landung in Kasachstan erreicht wurde. Nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre brach der Funkkontakt wegen der heißen Plasmagase rund um die Kapsel ab. Dann löste sich der Deckel des Fallschirmbehälters und der Bremsfallschirm wurde ausgestoßen. Nachdem auch der Hitzeschutzschild abgetrennt worden war, schwebte die Sojus an ihrem Hauptfallschirm Richtung Erdboden. Kleine Feststoff-Bremsraketen, die kurz vor dem Berühren des Bodens ausgelöst worden waren, verminderten die Aufprallgeschwindigkeit. Sofort nach der erfolgreichen Landung wurden die Fallschirmleinen gekappt, damit die Kapsel nicht durch den Wind über den Boden gezogen werden konnte. Nach der Landung gehört es zum Ritual, dass die Kosmonauten das Raumschiff mit ihrer Unterschrift versehen.

Fotos / Zeichnungen


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Letztes Update am 19. September 2014.