Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 188

Sojus TM-24

Sojus TM-25
Fregat

Russland

hochauflösende Version (346 KB)

hochauflösende Version (511 KB)

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  17.08.1996
Startzeit:  13:18 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  195,8 - 242,8 km
Inklination:  51,63°
Ankopplung MIR:  19.08.1996, 14:50:23 UTC
Abkopplung MIR:  02.03.1997, 03:24:57 UTC
Landedatum:  02.03.1997
Landezeit:  06:44 UTC
Landeort:  47° 49' N, 69° 24' O

Crew auf dem Weg zum Start

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Korsun  Waleri Grigorjewitsch  Kommandant 1 196d 17h 26m  3113 
2  Kaleri  Alexander Jurjewitsch  Bordingenieur 2 196d 17h 26m  3113 
3  André-Deshays  Claudie  Forschungskosmonautin 1 15d 18h 23m  249 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Korsun
2  Kaleri
3  André-Deshays
Landung
1  Korsun
2  Kaleri
3  Ewald

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
3  Eyharts  Léopold Paul Pierre  Forschungskosmonaut

hochauflösende Version (785 KB)

alternatives Crewfoto

originales Crewfoto (Double)

Flugverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung in der Steppe von Kasachstan 128 km östlich von Dsheskasgan.

Am 17. August 1996 hob die 22. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Waleri Korsun und Bordingenieur Alexander Kaleri zusammen mit der französischen Forschungskosmonautin Claudie André-Deshays an Bord von Sojus TM-24 ab.
Die ursprüngliche Besatzung (Gennadi Manakow und Pawel Winogradow) musste fünf Tage vor dem Start wegen medizinischer Probleme bei Gennadi Manakow ausgetauscht werden.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-24 am 19. August 1996 an die Raumstation MIR an. Waleri Korsun und Alexander Kaleri bildeten die 22. MIR-Stammbesatzung (zunächst mit Shannon Lucid und dann mit John Blaha / Jerry Linenger).

Die französische Mission CASSIOPÈE mit der französischen Kosmonautin Claudie André-Deshays führte physiologisch-neurologische Experimente durch. Dabei wurden einige Experimente für einen Unterrichtsfilm aufgezeichnet. Die französische Kosmonautin konnte ihr Forschungsprogramm mit dem Experiment Physiolab beginnen. Die Experimente Cognilab, Treillis, Dynalab sowie Alice und Fertile konnten von Claudie André-Deshays abgeschlossen werden.

Am 02. September 1996 koppelten die Mitglieder der 21. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Juri Onufrijenko und Bordingenieur Juri Ussatschow zusammen mit der französischen Forschungskosmonautin Claudie André-Deshays an Bord von Sojus TM-23 von der Orbitalstation ab. Wenige Stunden später landeten sie in der kasachischen Steppe.

Vor der Ankunft der neuen Stammbesatzung war der unbemannte Frachter Progress M-32 von der MIR abgekoppelt und in eine Parkposition gebracht worden. Einen Tag nach dem Abflug von Sojus TM-23 dockte das Transport-Raumschiff erneut am Modul Kwant1 an.

Die wissenschaftlichen Experimente der neuen Stammbesatzung, die in erster Linie im Auftrag der NASA ausgeführt wurden, betrafen die Felder Medizin, Biologie, Erd- und Atmosphärenforschung als auch Weltraumtechnologie und Mikrogravitation. So wurden auch wieder in einigen Anlagen Proteinkristalle für Forschung und Medizin hergestellt.


Am 19. September 1996 koppelte das amerikanische Space Shuttle STS-79 an die russische Raumstation MIR an.
Nach den üblichen Dichtigkeitsprüfungen konnten dann endlich die Luken geöffnet werden. Besonders freute sich Shannon Lucid über ihren Ablösemann John Blaha. Sie hatte rund eineinhalb Monate länger als geplant auf der MIR bleiben müssen. Bereits kurz nach der Begrüßungszeremonie baute John Blaha seinen Schalensitz für den Fall einer überhasteten Rückkehr in das russische Raumschiff Sojus TM-24 ein. Damit wurde er offiziell als Forschungskosmonaut Mitglied der 22. MIR-Stammbesatzung. Umgekehrt verbrachte Shannon Lucid den speziell für sie angepassten Schalensitz in das Mitteldeck der Atlantis und war nun Teil der STS-79-Besatzung. Seine persönlichen Gegenstände transportierte John Blaha in das Modul Spektr, in dem er auch seinen Schlafplatz hatte.

Nach diesen Formalien begann der Transfer der 2,1 Tonnen Versorgungs- und Ausrüstungsgegenstände zwischen Space Shuttle und Raumstation. Insbesondere der Transport von Wasser nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Zu den angelieferten Gegenständen gehörte auch die "Biotechnology Engineering Development Unit", die von Carl Walz und Jerome Apt aus dem Spacehab in das Modul Priroda gebracht und dort einsatzfähig installiert wurde. Ebenso wurde der "Commercial Generic Bioprocessing Apparatus" in das Modul transferiert. Außerdem erhielt die MIR-Station u.a. eine IMAX-Kamera, mit der man zukünftige MIR-Shuttle-Dockingmanöver filmen kann. Den Transfer in das Modul Spektr hatten Carl Walz und Alexander Kaleri übernommen. Die MIDAS-Materialforschungsanlage wurde von John Blaha und Waleri Korsun in das Modul Priroda gebracht und dort installiert. Im Gegenzug brachten die Astronauten und Kosmonauten an Bord der MIR nicht mehr benötigte Ausrüstungsgegenstände und Ergebnisse wissenschaftlicher Experimente an Bord der Atlantis und verstauten sie sicher im Spacehab.

Nach einer kurzen Abschiedsfeier wurden die Luken zwischen dem Space Shuttle und der Raumstation wieder geschlossen. Am folgenden Tag, dem 24. September 1996, leiteten William Readdy und Terence Wilcutt die Abkopplung ein. In gebührender Entfernung umrundeten sie die MIR einmal und erhöhten danach den Abstand zur Station immer weiter.


Am 20. November 1996 nutzte die Stammbesatzung die Triebwerke von Progress M-32, um die Bahn der MIR anzuheben. Danach wurde der Frachter von der Orbitalstation abgetrennt und von der Bodenstation gezielt über dem südlichen Pazifik zum Absturz gebracht.

Waleri Korsun und Alexander Kaleri unternahmen am 02. Dezember 1996 die erste EVA (5h 57m). Dabei begannen sie, eine zusätzliche Solarzelle (MCSA) für die Energieversorgung am Modul Kwant1 zu montieren.

Der zweite Außenbordeinsatz wurde erneut von Waleri Korsun und Alexander Kaleri ausgeführt. Am 09. Dezember 1996 verließen sie die Station (6h 36m). Zu ihren Aufgaben gehörte die erneute Montage der Rapana-Experimenthalterung. Diese Arbeit konnten sie abschließen. Zusätzlich wurde eine Antenne des Kurs-Systems repariert.
Kurz darauf lieferte (MCSA) erstmals Energie.

Noch vor dem Jahreswechsel konnte John Blaha im Rahmen eines biologischen Experiments der NASA erstmals im All Getreide ernten. Die 32 Weizenpflanzen befanden sich in einem bulgarischen Gewächshaus das sich an Bord des Moduls Kristall befand. Sie wurden durch künstliches Licht in einer streuähnlichen Substanz mittels Wasser und Nährstoffe gezüchtet. Wie sich aber herausstellte waren die Ähren leer.


Bereits am 15. Januar 1997 legte mit STS-81 ein weiteres Space Shuttle an der MIR an.
Nach den üblichen Dichtigkeitsprüfungen konnten der Atlantis-Kommandant Michael Baker und der Kommandant der MIR Waleri Korsun die Luken öffnen. Nach einer kurzen Begrüßungszeremonie begannen die beiden Besatzungen mit der eigentlichen Arbeit. Gleich anschließend baute Jerry Linenger seinen speziell für ihn angepassten Schalensitz in das Raumschiff Sojus TM-24 ein. Damit wurde er offiziell als Forschungskosmonaut Mitglied der 22. MIR-Stammbesatzung. Den Schalensitz hätte er allerdings nur im Notfall bei einer unerwartet schnellen Heimkehr der MIR-Besatzung einnehmen müssen. Durch Einbau seines Sitzes im Mitteldeck der Atlantis wurde John Blaha als Missionsspezialist Teil der STS-81-Mannschaft.

Nach diesen Formalitäten wurden 625 Liter Wasser, mehr als drei Tonnen wissenschaftliches Material und Ausrüstungsgegenstände in die Station sowie 1.181 kg Forschungsmaterial, darunter biomedizinische Proben, eine Bioprozess-Einheit, ein Experiment zum Züchten von Knorpelzellen und im Weltraum gewachsene Weizenpflanzen, in die Atlantis transportiert. An diesen logistischen Aufgaben beteiligten sich alle Astronauten und Kosmonauten. Den Wassertransport koordinierte in erster Linie Marsha Ivins. Im Gewächshaus der Raumstation wurde außerdem eine neue Aussaat vorbereitet. Durch spezielle Sensoren wurde die Stabilität des Komplexes, insbesondere am Kopplungsadapter und den Befestigungen der Solarzellenpaneele, bei Triebwerkszündungen untersucht. Des Weiteren wurden Wasserproben in verschiedenen Bereichen der Raumstation untersucht. Zur Vorbereitung einer EVA, die Jerry Linenger nach dem nächsten MIR-Besatzungswechsel mit Wassili Ziblijew unternehmen sollte, fotografierte und filmte er die äußere Struktur der Raumstation bis ins Detail. John Blaha wies seinen Nachfolger in die von ihm betreuten Experimente, zu denen insbesondere das Gewächshaus im Modul Spektr gehörte, ein.

Der 18. Januar 1997 stand ganz im Zeichen der Abkopplung am folgenden Tag. Nachdem alle Checklisten durchgearbeitet waren, nahmen Astronauten und Kosmonauten Abschied voneinander und verriegelten die Durchstiegsluken wieder. Für die folgende Nacht blieben die beiden Raumflugkörper noch miteinander gekoppelt. Am nächsten Tag, also dem 18. Januar 1997, gaben die beiden Piloten den Bordsystemen den Befehl, die Atlantis von der MIR abzukoppeln. Langsam entfernte sich der Orbiter bis auf rund 200 Meter. Von dort aus umflog das Space Shuttle mit Brent Jett an der Steuerung die Raumstation zweimal. Wie bei früheren Manövern dieser Art wurde die Station von Bord der Atlantis aus eingehend fotografisch dokumentiert.


Progress M-33 koppelte am 06. Februar 1997 vom Orbitalkomplex ab und ging in eine Warteposition, um später erneut anzukoppeln. Tags darauf dockten die Kosmonauten Sojus TM-24 vom Bugkopplungsstutzen ab und dockten es am Kopplungsstutzen von Kwant1 wieder an.

Am 10. Februar 1997 startete an Bord von Sojus TM-25 die 23. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Wassili Ziblijew und Bordingenieur Alexander Lasutkin zusammen mit dem deutschen Forschungskosmonauten Reinhold Ewald.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-25 am 12. Februar 1997 an die Raumstation MIR an. Nach Problemen mit der automatischen Ankopplung übernahm der Kommandant Wassili Ziblijew die Handsteuerung des Raumschiffs. Wassili Ziblijew und Alexander Lasutkin bildeten zusammen mit Jerry Linenger die 23. MIR-Stammbesatzung.

Die Mannschaft unternahm gemeinsame wissenschaftliche Experimente mit Reinhold Ewald im Rahmen der europäischen Mission MIR 97. Sie betrafen unter anderem Untersuchungen bezüglich Stoffwechselvorgänge, der Blutbildung, von Kreislaufproblemen. Auch ein spezielles Kreislauftraining gehörte zum gemeinsamen Forschungsprogramm. Reinhold Ewald nutzte für die Experimente auch die an Bord befindlichen Ausrüstungsgegenstände früherer Gastmannschaften.

Am 23. Februar 1997 hielten sich neben der scheidenden 22. Stammbesatzung mit Waleri Korsun und Alexander Kaleri auch die mit Sojus TM-25 angereiste 23. MIR-Stammbesatzung Wassili Ziblijew und Alexander Lasutkin, dem amerikanischen Forschungskosmonauten Jerry Linenger auch der deutsche Gast Reinhold Ewald auf. Um den dadurch erhöhten Sauerstoffverbrauch zu kompensieren, musste im Modul Kwant1 eine zusätzliche Sauerstofferzeugungsanlage eingerichtet werden. Aus einem der dafür notwendigen Lithiumperchlorat-Kanister, die durch innere Verbrennungen Sauerstoff erzeugen, konnte durch ein Leck Feuer im Modul Kwant1 ausbrechen. Das Feuer konnte zwar innerhalb von 90 Sekunden gelöscht werden, jedoch mussten die Besatzungsmitglieder wegen der starken Rauchentwicklung in den nächsten beiden Tagen Atemschutzmasken tragen. Nach dem Vorfall wurde die fehlerhafte Einheit ausgebaut und zum Zweck der genauen Untersuchung an Bord von Sojus TM-24 verstaut.

Am 02. März 1997 legten die Mitglieder der 22. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Waleri Korsun und Bordingenieur Alexander Kaleri, zusammen mit dem deutschen Forschungskosmonauten Reinhold Ewald an Bord des Raumschiffs Sojus TM-24 von der Orbitalstation ab und landeten wenige Stunden später in der kasachischen Steppe.

Anmerkung

Claudie André-Deshays am 02. September 1996 um 07:41 UTC mit Sojus TM-23 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

Start Sojus TM-24 Start Sojus TM-24

© CNES / Christian BARDOU, 1996

 
 

©      

Letztes Update am 02. Juli 2014.