Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 189

STS-79

Atlantis (17)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  16.09.1996
Startzeit:  08:54 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  368 - 386 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung MIR:  19.09.1996, 03:13:18 UTC
Abkopplung MIR:  24.09.1996, 01:31:34 UTC
Landedatum:  26.09.1996
Landezeit:  12:13 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Readdy  William Francis "Bill"  CDR 3 10d 03h 19m  160 
2  Wilcutt  Terrence Wade  PLT 2 10d 03h 19m  160 
3  Apt  Jerome "Jay"  MSP 4 10d 03h 19m  160 
4  Akers  Thomas Dale  MSP 4 10d 03h 19m  160 
5  Walz  Carl Erwin  MSP 3 10d 03h 19m  160 
6  Blaha  John Elmer  MSP 5 128d 05h 28m  2027 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Readdy
2  Wilcutt
3  Apt
4  Akers
5  Walz
6  Blaha
Landung
1  Readdy
2  Wilcutt
3  Walz
4  Akers
5  Apt
6  Lucid

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
6  Linenger  Jerry Michael  MSP

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC).

Nach den ursprünglichen Plänen sollte die Atlantis bereits am 31. Juli 1996 ins All starten. Während der Inspektion der bei STS-78 verwendeten Feststoffbooster stellten die Techniker jedoch fest, dass an einzelnen Stellen zwischen den Segmenten heiße Gase bis an den dritten Dichtungsring vorgedrungen waren. Untersuchungen ergaben, dass das Problem auf eine neue Komponente im Klebstoff für die Dichtungsringe zu suchen war. Noch vor einer Entscheidung über das weitere Verfahren war das Space Shuttle zur Startrampe gefahren worden. Wegen des herannahenden Hurrikans Bertha musste die Atlantis aus Sicherheitsgründen ohnehin ins VAB zurückgebracht werden und so entschieden die NASA-Manager eine Verschiebung des Starts. Die Feststoffraketen der Atlantis wurden abmontiert und durch die für STS-81 vorgesehenen Booster, die noch mit dem alten Klebstoff verarbeitet worden waren, ersetzt. Als neuer Starttermin wurde nun der 12. September 1996 angegeben. Auch dieser Termin konnte aber nicht gehalten werden, weil sich bei der Montage Dichtigkeitsprobleme ergaben. Dies erforderte zusätzliche Arbeiten, so dass die Atlantis erst am 20. August 1996 wieder zur Startrampe gerollt werden konnte. Anfang September 1996 nahte der Hurrikan Fran dem Bundesstaat Florida und die NASA sah sich gezwungen, den Orbiter erneut ins VAB zurückzubringen. Allerdings konnte er bereits am folgenden Tag wieder zum Startkomplex zurückgerollt werden. Durch diese Verzögerung wurde der Starttermin auf den 16. September 1996 neu festgesetzt.

Zu den wesentlichen Aufgaben von STS-79 gehörte die vierte Ankopplung eines Space Shuttle an die russische Raumstation MIR. Dabei sollte die mit STS-76 gestartete amerikanische Forschungskosmonautin Shannon Lucid abgeholt und zur Erde zurückgebracht werden, während gleichzeitig John Blaha ihren Platz einnehmen sollte. Für die wissenschaftlichen Experimente führte die Atlantis in ihrer Nutzlastbucht ein "Spacehab-Double Module" (SH-DM) mit.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren, aktivierte das Spacehab und begann mit der Verfolgung der MIR. Dazu waren mehrere Bahnänderungsmanöver erforderlich. Am 18. September 1996 stand dann die Kopplung mit der russischen Orbitalstation auf dem Flugplan. Weitere Triebwerkszündungen brachten die Atlantis bis in ihre unmittelbare Nähe. In 330 Metern Entfernung übernahm Kommandant William Readdy die manuelle Steuerung. Von dort tastete er sich langsam an die Station heran und hielt die Atlantis erst in einer Entfernung von 9 Metern an, ehe er das "Go" für die Ankopplung erhielt. Das Anlegen klappte problemlos. Nach den üblichen Dichtigkeitsprüfungen konnten dann endlich die Luken geöffnet werden. Besonders freute sich Shannon Lucid über ihren Ablösemann John Blaha. Sie hatte rund eineinhalb Monate länger als geplant auf der MIR bleiben müssen. Bereits kurz nach der Begrüßungszeremonie baute John Blaha seinen Schalensitz für den Fall einer überhasteten Rückkehr in das russische Raumschiff Sojus TM-24 ein. Damit wurde er offiziell als Forschungskosmonaut Mitglied der 22. MIR-Stammbesatzung. Umgekehrt verbrachte Shannon Lucid den speziell für sie angepassten Schalensitz in das Mitteldeck der Atlantis und war nun Teil der STS-79-Besatzung. Seine persönlichen Gegenstände transportierte John Blaha in das Modul Spektr, in dem er auch seinen Schlafplatz hatte.

Nach diesen Formalien begann der Transfer der 2,1 Tonnen Versorgungs- und Ausrüstungsgegenstände zwischen Space Shuttle und Raumstation. Insbesondere der Transport von Wasser nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Zu den angelieferten Gegenständen gehörte auch die "Biotechnology Engineering Development Unit", die von Carl Walz und Jerome Apt aus dem Spacehab in das Modul Priroda gebracht und dort einsatzfähig installiert wurde. Ebenso wurde der "Commercial Generic Bioprocessing Apparatus" in das Modul transferiert. Außerdem erhielt die MIR-Station u.a. eine IMAX-Kamera, mit der man zukünftige MIR-Shuttle-Dockingmanöver filmen kann. Den Transfer in das Modul Spektr hatten Carl Walz und Alexander Kaleri übernommen. Die MIDAS-Materialforschungsanlage wurde von John Blaha und Waleri Korsun in das Modul Priroda gebracht und dort installiert. Im Gegenzug brachten die Astronauten und Kosmonauten an Bord der MIR nicht mehr benötigte Ausrüstungsgegenstände und Ergebnisse wissenschaftlicher Experimente an Bord der Atlantis und verstauten sie sicher im Spacehab.

Einige Experimente im Spacehab komplettierten das Arbeitsprogramm der Besatzung. So wurde untersucht, wie Risse und Sprünge in gegossenen oder gesinterten Metallen entstehen ("Extreme Temperature Translation Furnace"). Außerdem wurden Proteinkristalle hergestellt, die als Medikamente gegen asthmatische und allergene Erkrankungen eingesetzt werden sollen ("Commercial Protein Crystal Growth"). Weitere Untersuchungen galten der mechanischen Festigkeit und Steifigkeit von Granulaten ("Mechanics of Granular Materials"), der Störung von Funkübertragungen durch Interferenzen ("MIR Electric Field Characterization") und der Ermittlung der Strahlenbelastung sowie deren Auswirkungen auf Colibakterien und Plasmid-DNA ("Real-time Radiation Monitoring Device").

Nach einer kurzen Abschiedsfeier wurden die Luken zwischen dem Space Shuttle und der Raumstation wieder geschlossen. Am folgenden Tag, dem 24. September 1996, leiteten William Readdy und Terence Wilcutt die Abkopplung ein. In gebührender Entfernung umrundeten sie die MIR einmal und erhöhten danach den Abstand zur Station immer weiter. Während der verbleibenden zwei Flugtage kümmerten sich die Astronauten um das Experiment "Vernier Reaction Control System Boost Test", das eine genauere Steuerung der Lagekontrolldüsen des Space Shuttle und damit der Treibstoffersparnis dienen soll. Ebenso diente dieser Test der Vorbereitung von STS-82, mit dem das "Hubble Space Telescope" erneut gewartet werden soll.

Mit der Rückkehr zur Erde ging für Shannon Lucid ein Raumflug von über 188 Tagen Dauer zu Ende. Mit ihren früheren Shuttle-Flügen kam sie nun auf mehr als 223 Tagen Weltraumerfahrung. Shannon Lucid hatte damit einen neuen Dauerflugrekord für nicht russische Raumfahrer aufgestellt.

Anmerkung

John Blaha am 22. Januar 1997 um 14:23 UTC mit STS-81 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

 

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Letztes Update am 24. November 2014.