Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 181

STS-74

Atlantis (15)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  12.11.1995
Startzeit:  12:30 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  394 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung MIR:  15.11.1995, 06:27:38 UTC
Abkopplung MIR:  18.11.1995, 08:15:44 UTC
Landedatum:  20.11.1995
Landezeit:  17:01 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Cameron  Kenneth Donald  CDR 3 8d 04h 31m  128 
2  Halsell  James Donald, Jr.  PLT 2 8d 04h 31m  128 
3  Hadfield  Chris Austin  MSP 1 8d 04h 31m  128 
4  Ross  Jerry Lynn  MSP 5 8d 04h 31m  128 
5  McArthur  William Surles, Jr. "Bill"  MSP 2 8d 04h 31m  128 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Cameron
2  Halsell
3  Hadfield
4  Ross
5  McArthur
Landung
1  Cameron
2  Halsell
3  McArthur
4  Ross
5  Hadfield

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung in Cape Canaveral (KSC).

Der Start war bereits für den 11. November 1995 geplant, musste aber wegen schlechten Wetters abgesagt werden. Dabei war das Wetter am Startplatz in Florida selbst gut, jedoch war an allen TAL (Trans Atlantic Landing)-Sites in Spanien und Marokko das Wetter so schlecht, dass eine Notlandung der Atlantis dort nicht möglich gewesen wäre. Erst zum zweiten Mal nach STS-61C wurde ein Shuttle-Start wegen schlechten Wetters an einem TAL-Ort verschoben.

Wesentliches Missionsziel war die zweite Ankopplung eines Space Shuttle an die russische Raumstation MIR. Dabei sollte ein sogenanntes "Docking Module" mitgeführt und permanent an der MIR befestigt werden.

Der zweite Flugtag begann mit Kurskorrekturen der Atlantis, um die Annäherung an die MIR zu beschleunigen. Vor der Ankopplung an die Raumstation musste die Besatzung das "Docking Module" (DM) mit dem "Orbiter Docking System" (ODS) zusammenfügen. Dies sollte am dritten Flugtag von der Mannschaftskabine aus mit Hilfe des Greifarmes geschehen. Vorsorglich führten jedoch Jerry Ross und William McArthur Vorbereitungen für einen Außenbordeinsatz durch, falls es bei der Montage Probleme geben sollte.

Das "Docking Module" hatte eine Gesamtlänge von 4,69 Metern bei einem Durchmesser von 2,19 Meter. Seine Masse betrug 4.087 kg. Es bestand aus einer Aluminiumlegierung mit einer temperaturerhaltenden Beschichtung. Ebenso war ein Mikrometeoritenschild vorhanden. An beiden Enden befand sich jeweils ein APDS-Mechanismus, wobei APDS-2 ein passives System zur Kopplung mit dem "Orbiter Docking System" und APDS-1 ein aktives System zum Andocken an das MIR-Modul Kristall war. In den beiden seitlich angebrachten Containern befanden sich neue Solarzellenflächen für die MIR. Das DM sollte die für STS-71 provisorisch geschaffene Andockmöglichkeit am axial umgesetzten MIR-Modul Kristall dauerhaft ersetzen.
Um das DM überhaupt nutzen zu können, musste es aus der Ladebucht herausgehoben und auf den ODS aufgesetzt werden. Hierzu hob Chris Hadfield das DM in die sogenannte "Low Hover Position" etwa 4,5 Meter über der Nutzlastbucht. Während er das Modul um weitere 2 Meter anhob, zog er es gleichzeitig um 8 Meter nach vorn in Richtung Cockpit und kippte es um 90 Grad nach hinten. Der ADPS-2-Stutzen zeigte nun nach unten und konnte auf den ODS-Stutzen ausgerichtet werden. Kurze Zeit später gelang die Kopplung des DM mit dem ODS. Nach Dichtigkeitsprüfungen konnte zuerst die Luke des ODS und dann auch die Luke des DM geöffnet werden. Jerry Ross und Chris Hadfield waren die ersten Astronauten im DM.

Die Ankopplung der Atlantis an die russische Raumstation MIR sollte am 15. November 1995 erfolgen. Weitere Kurskorrekturen sorgten dafür, dass der Orbiter schließlich 800 Meter unter der MIR schwebte, also den sogenannten "R-Bar" (Radiusvektor) erreicht hatte. Mit einem "Standard-R-Bar-Approach" näherte sich das Space Shuttle der Raumstation von unten. Rechtzeitig vor dem Endanflug hatte MIR-Kommandant Juri Gidsenko seine Raumstation in die Andockposition gebracht. Kenneth Cameron führte die Atlantis manuell bis auf 9 Meter an die MIR heran. Mit nur noch 2 Zentimeter pro Sekunde steuerte er sein Raumschiff mit dem aufgesetzten DM auf die Raumstation zu und dockte schließlich problemlos an. Es war die zweite Kopplung mit der russischen Raumstation MIR. Nach den üblichen Dichtigkeitsprüfungen öffnete MIR-Kommandant Juri Gidsenko zuerst die Luke am Modul Kristall. Anschließend konnte Kenneth Cameron die obere Luke des DM öffnen.

Es folgten gemeinsame Forschungsarbeiten mit der 20. MIR-Stammbesatzung. Zentrale Aufgabe der Mission war auch der Transport von Wasser, Versorgungsgütern, neuen Geräten und Experimenten zur Raumstation und der Rücktransport von Experimentalproben und kommerziell produzierten Halbleiter- und Proteinkristallen zur Erde. Insbesondere Blut-, Speichel-, Urin-, Wasser- und Luftproben wurden anschließend auf der Erde untersucht. Sie waren Ergebnis von Experimenten zur Anpassung des Körpers an die Schwerelosigkeit, zu physiologischen Veränderungen wie Muskel- oder Kalziumschwund und zu den Umweltbedingungen in der Station.
Dabei war besonders der Wassertransfer zur MIR sehr zeitaufwändig. Ganze 453 Liter Wasser schafften die Astronauten in Shuttle-Notfallcontainern und tragbaren MIR-Wassertanks von der Atlantis zu den festinstallierten Wassertanks der Raumstation zu transportieren.

Während der gemeinsamen Flugphase wurden mehrere wissenschaftliche Untersuchungen angestellt. So wurde die Stabilität des mehr als 200 Tonnen schweren Komplexes untersucht. Insbesondere galt das Interesse der NASA-Wissenschaftler den Bewegungen der Solarzellenausleger bei Triebwerkszündungen oder Lageänderungen mit Hilfe von Kreiselsystemen (Experiment PASDE = Photogrammetric Appendage Structural Dynamics Experiment). Erstmals wurde auch die Wechselwirkung der Raumstation mit den Atomen der dünnen Restatmosphäre (GLO/GPP) erforscht. In verschiedenen Teilen der Raumstation wurden Lärmmessungen vorgenommen (MIR Audible Noise Measurement). Dadurch sollten besondere Lärmquellen aufgespürt werden. Diese Erkenntnisse fanden Berücksichtigung beim Design der Internationalen Raumstation.

Die in den seitlichen Containern des DM befindlichen Solarzellenflächen gehörten zum "MIR Cooperative Solar Array Project" (MCSA). Ziel war es, die auf der MIR zur Verfügung stehende Energie zu erhöhen, indem alte Solarzellenflächen durch neue ersetzt werden sollten. In dem einen Container war eine russische Solarzellenfläche untergebracht, während die gemeinsam produzierten Photovoltaik-Elemente (MCSA) im anderen Container enthalten waren. In zwei EVAs im Mai 1996 montierte die MIR-21-Besatzung Juri Onufrijenko und Juri Ussatschow das MCSA-Element an das MIR-Modul Kwant1. Der rein russische Solarzellenflügel wurde am 06. November 1997 von Anatoli Solowjow und Pawel Winogradow (Besatzung MIR-24) ebenfalls am Modul Kwant1 installiert.

Während des Fluges wurden Aufnahmen mit einer IMAX-Filmkamera gemacht. Der 65 mm-Spezialfilm ermöglicht besonders hochauflösende Bilder. Diese wurden von der NASA nicht nur für technische Zwecke ausgewertet, sondern bezauberten in speziellen Kinos auch Millionen interessierter Zuschauer. Ebenso öffentlichkeitswirksam waren die zahlreichen Kontakte der Astronauten mit Amateurfunkern weltweit. Besonders beliebt waren Gespräche mit Schülern amerikanischer Bildungseinrichtungen (Experiment SAREX).

Nach dreitägigem gemeinsamem Flug (15. - 18. November 1995) koppelte die Atlantis wieder von der MIR ab. Mit anfänglichen 0,6 Metern pro Sekunde entfernte sich die Atlantis von der russischen Raumstation. In den nächsten 90 Minuten umrundete Kenneth Cameron die MIR noch zweimal. So konnten von beiden Raumflugkörpern faszinierende Aufnahmen gemacht werden. Die letzten beiden Flugtage der Atlantis verliefen ruhig. Die Mannschaft konnte sich verschiedenen kleineren wissenschaftlichen Experimenten widmen.

Fotos / Zeichnungen

STS-74 im Orbit
 

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Letztes Update am 27. Juli 2014.