Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 112 km
nördlich von Arkalyk.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte
Sojus TM-18 am 10. Januar 1994 an die Raumstation MIR an. Nach der
Übergabe der Station durch die
14. Stammbesatzung
bildeten die drei Kosmonauten die
15. MIR-Stammbesatzung.
Untersuchungen raumfahrtmedizinischer Art beim Langzeit-Flug von Waleri
Poljakow wurden vorgenommen. Allein 25 verschiedene
Experimente waren dafür vorgesehen.
Die Experimente betrafen vor
allem die Ernährung, die Funktion der Muskulatur, des
Herz-Kreislauf-Systems, der Lungen sowie des Immunsystems. Außerdem
wurden Veränderungen des Blutes und des Nervensystems analysiert.
Untersucht wurden auch Stoffwechselstörungen (rote Blutkörperchen),
Blutvolumenänderungen und die Funktion des Gleichgewichtssystems im
Mittelohr. Dazu wurde auch das Experiment VOG (Video OkuloGraphie) verwendet,
das mit der deutschen Mission 1992 an Bord der Raumstation gelangte. Die
Messdaten wurden vom russischen Kontrollzentrum direkt nach Oberpfaffenhofen
weiter geleitet, von wo Spezialisten dann Einfluss auf das Experiment nehmen
konnten. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand war der Kalziumabbau in den
Knochen bei längerem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit. Unbekannt ist
demnach, ob der Kalziumabbau auf einem bestimmten Niveau anhält. Eine
Einbuße von 20 % halten Wissenschaftler allgemein für
lebensgefährlich. Um den negativen Veränderungen an Muskel- und
Knochengewebe entgegenzuwirken, wurde die weiterentwickelte Unterdruckhose
KARKAS eingesetzt. Mit ihr wird Blut verstärkt in den Unterleib gesaugt.
Dieser Zustand ähnelt dem durch die Gravitation auf der Erde verursachtem
erhöhten Blutvolumen im Unterleib. Gemessen wurden in der Raumstation die
Vergrößerung des Beinumfanges, oberer und unterer Blutdruck, die
Leistung des Herzens (EKG), die Änderung der Herzlage im Brustkorb und
Geräusche des Blutstromes. Die beiden Versuchskaninchen Wiktor
Afanassjew und Juri
Ussatschow unterzogen sich dieser Prozedur an jedem dritten
Tag.
Untersucht wurden weiterhin das Schlafverhalten der Kosmonauten und
die Koordination von Wahrnehmung und Bewegung. Dazu wurden die Raumfahrer am
Boden fixiert, wobei der Kopf und die Arme frei beweglich blieben. Über
einen Bildschirm wurden unterschiedliche optische Reize ausgesandt und die
Reaktionen mit vier Infrarotkameras aufgezeichnet. Die Versuchsergebnisse
sollen auch für motorische Störungen auf der Erde bedeutsam sein.
Beim psychologischen Experiment PSY wurde die geistige und psychomotorische
Leistungsfähigkeit von Waleri
Poljakow über einen Zeitraum von mehreren Monaten
untersucht. Getestet wurden dabei Reaktionsgeschwindigkeit,
Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit und manuelle
Geschicklichkeit.
Nichtmedizinische Forschungen wurden vor allem auf dem
Gebiet der Materialwissenschaft vorgenommen. So untersuchte man das Verhalten
unterkühlter Schmelzen (Experiment TES). Elf in je eine Glashülle
eingeschlossene Proben wurden zunächst aufgeschmolzen und dann stark
abgekühlt. Durch das Fehlen von Kristallisationskernen kann der
flüssige Zustand auch unterhalb der normalen Erstarrungstemperatur
beibehalten werden. In Abhängigkeit von der Temperatur erstarren die
Proben mit unterschiedlicher Mikrostruktur. Die Daten des Experimentes wurden
über das in Österreich entwickelte und seit 1991 an Bord der Station
befindliche System DATAMIR ausgewertet und auf die Erde übermittelt. Es
steuert den Ablauf des Experimentes, nimmt die Messwerte auf, visualisiert die
Ergebnisse und schickt sie zum Telemetriesystem der Raumstation. Auch die
Möglichkeit der Schimmelbildung an nichtmetallischen Stoffen wurde
untersucht.
Großen Raum nahmen ebenso Erderkundung, Astrophysik
und Biotechnologie ein. So kamen die Mehrkanalspektrometer MKS-M2 und FASA zum
Einsatz. Auch wurden mit der Multispektralkamera
MKF-6MA hunderte Aufnahmen von der Erde gemacht. Mit
verschiedenen Apparaturen wurde außerdem die Intensität der
kosmischen Energie- und Teilchenstrahlung in und um die Station ermittelt. Von
astronomischen Objekten wurden vor allem Röntgen- und Gammastrahlung
gemessen. Der Einschätzung der Stabilität des Stationskomplexes
diente das Experiment RESONANZ.
Mit dem unbemannten Transportraumschiff
Progress M-21 wurde ein neues, kamerabasiertes Steuerungssystem erprobt, das
auch dann arbeitet, wenn das Navigationssystem Kurs nicht in Funktion ist.
Über insgesamt drei Kameras bekommt der Flugingenieur am Boden ein
komplettes Bild des Annäherungsvorganges und kann über eine
Handsteuerung das Raumschiff andocken. Versorgungsgüter und
Forschungsmaterial trafen während der halbjährigen Mission
außerdem mit den Transportraumschiffen Progress M-22 und M-23 ein.