Stammbesatzungen der MIR

MIR: Expedition 15
(EO-15)

 

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alternatives Crewfoto

 

Besatzung, Start- und Landedaten

Nr.: 1 2 3
Nation:
Name:  Afanassjew  Ussatschow  Poljakow
Vorname:  Wiktor Michailowitsch  Juri Wladimirowitsch  Waleri Wladimirowitsch
Position:  Kommandant  Bordingenieur  Arzt-Kosmonaut
Raumschiff (Start):  Sojus TM-18  Sojus TM-18  Sojus TM-18
Startdatum:  08.01.1994  08.01.1994  08.01.1994
Startzeit:  10:05 UTC  10:05 UTC  10:05 UTC
Raumschiff (Landung):  Sojus TM-18  Sojus TM-18  Sojus TM-20
Landedatum:  09.07.1994  09.07.1994  22.03.1995
Landezeit:  10:32 UTC  10:32 UTC  04:04 UTC
Flugdauer:  182d 00h 27m  182d 00h 27m  437d 17h 58m
Erdorbits:  2880  2880  6927

Double Crew

Nr.: 1 2 3
Nation:
Name:  Malentschenko  Mussabajew  Arsamasow
Vorname:  Juri Iwanowitsch  Talgat Amangeldijewitsch  German Semjonowitsch
Position:  Kommandant  Bordingenieur  Arzt-Kosmonaut

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Expeditionsverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 112 km nordöstlich von Arkalyk.

Am 08. Januar 1994 startete vom Kosmodrom Baikonur am Bord von Sojus TM-18 die Ablösebesatzung mit Kommandant Wiktor Afanassjew, Bordingenieur Juri Ussatschow und Arzt-Kosmonaut Waleri Poljakow. Ursprünglich waren für diesen Flug die Kosmonauten Juri Malentschenko und Alexander Kaleri vorgesehen, jedoch wurde die Double-Besatzung eingesetzt. Waleri Poljakow machte seinen zweiten Raumflug mit, wobei er hoffte, einen 18-monatigen Daueraufenthaltsrekord im All aufzustellen und zu drei MIR-Stammbesatzungen zu gehören.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-18 am 10. Januar 1994 an die Raumstation MIR an.

Nach einer kurzen Übergabezeit stiegen die Kosmonauten Wassili Ziblijew und Alexander Serebrow am 14. Januar 1994 in Sojus TM-17 ein und koppelten ab. Sie sollten vor ihrer Rückkehr zur Erde den androgynen Kopplungsadapter an Kristall und die benachbarten Gerätschaften für die zukünftigen Shuttle-Kopplungen fotografieren. Anstatt sich zurückzuziehen und in sicherer Entfernung zu manövrieren, entschied man sich, in nur wenigen Metern Entfernung entlang von Kristall zu fliegen. Unglücklicherweise übersah Wassili Ziblijew, dass seine Steuerungseinrichtung für Translationsbewegungen der Sojus-Kapsel im Standby-Modus stand, so dass er es nicht verhindern konnte, dass die Kapsel auf Kristall aufprallte und der gesamten Station einen leichten Schlag verpasste. Die Stabilisierungskreisel von MIR konnten den Schlag auffangen, so dass die Kosmonauten innerhalb der Station nichts merkten. Knapp vier Stunden später landeten sie wohlbehalten auf kasachischem Gebiet.

Mit dem Abflug der 14. Stammbesatzung bildeten die drei Neuankömmlinge die 15. MIR-Stammbesatzung.

Am 24. Januar 1994 begaben sich die Kosmonauten in das angekoppelte Raumschiff Sojus TM-18 und koppelten dieses vom Kwant1-Kopplungsstutzen zum Bugstutzen des Basismoduls um. Während des Fluges konnten sie die Außenhülle von Kristall auf eventuelle Schäden nach dem Aufprall von Sojus TM-17 untersuchen, fanden aber nach eigenem Bekunden "nichts dramatisches".

Progress M-21 wurde am 28. Januar 1994 um 02:13 UTC vom Kosmodrom Baikonur gestartet und legte zwei Tage später an der Orbitalstation an. Zur Fracht gehörte neben Treibstoff, Sauerstoff und Lebensmittel auch ein Gerät zur Handfernsteuerung von Raumflugkörpern. Dabei handelte es sich um ein neues, kamerabasiertes Steuerungssystem, das auch dann arbeitet, wenn das Navigationssystem Kurs nicht in Funktion ist. Über insgesamt drei Kameras bekommt der Flugingenieur am Boden ein komplettes Bild des Annäherungsvorganges und kann über eine Handsteuerung das Raumschiff andocken. Am 10. März 1994 wurde die Triebwerke des Transport-Raumschiffs genutzt, um die Umlaufbahn der MIR anzuheben. Progress M-21 wurde am 23. März 1994 beladen mit nicht länger benötigten Gegenständen von der Raumstation abgetrennt und kontrolliert über dem südlichen Pazifik zum Absturz gebracht.

Bereits einen Tag zuvor war Progress M-22 auf dem Weg zur MIR geschickt worden. Zwei Tage später erreichte der unbemannte Frachter die Raumstation. Er brachte die üblichen Ausrüstungs- und Versorgungsgegenstände mit. Am 23. Mai 1994 legte Progress M-22 wieder von der MIR ab und wurde planmäßig über dem südlichen Pazifik zum Absturz gebracht.

Das nächste Frachtraumschiff Progress M-23 koppelte am 24. Mai 1994 um 06:18:35 UTC an die Station an. Er war zwei Tage zuvor um 04:30 UTC vom Kosmodrom Baikonur auf die Reise zum russischen Außenposten geschickt worden. An Bord befand sich eine Nutzlast von 2.207 kg. Als Wiktor Afanassjew, Juri Ussatschow und Waleri Poljakow begannen, die Lebensmittel zu verstauen, bemerkten sie, dass ein paar Container von Mitgliedern des Bodenpersonals ausgeraubt worden waren. Die wirtschaftlichen Verhältnisse hatten in Kasachstan mittlerweile ernste Formen angenommen, so dass offensichtlich Lebensmittel, die für die Kosmonauten bestimmt waren, gestohlen worden sind. Erst gut zwei Monate vorher, am 28. März 1994, konnten sich Russland und Kasachstan über die Nutzung des Weltraumbahnhofes Baikonur einigen. Russland gewährt Kasachstan nun Handelskredite im Wert von 100 Millionen Dollar jährlich und darf Baikonur mit all seinen Einrichtungen weiterhin uneingeschränkt nutzen.

Untersuchungen raumfahrtmedizinischer Art beim Langzeit-Flug von Waleri Poljakow wurden vorgenommen. Allein 25 verschiedene Experimente waren dafür vorgesehen.

Die Experimente betrafen vor allem die Ernährung, die Funktion der Muskulatur, des Herz-Kreislauf-Systems, der Lungen sowie des Immunsystems. Außerdem wurden Veränderungen des Blutes und des Nervensystems analysiert. Untersucht wurden auch Stoffwechselstörungen (rote Blutkörperchen), Blutvolumenänderungen und die Funktion des Gleichgewichtssystems im Mittelohr. Dazu wurde auch das Experiment VOG (Video OkuloGraphie) verwendet, das mit der deutschen Mission 1992 an Bord der Raumstation gelangte. Die Messdaten wurden vom russischen Kontrollzentrum direkt nach Oberpfaffenhofen weiter geleitet, von wo Spezialisten dann Einfluss auf das Experiment nehmen konnten. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand war der Kalziumabbau in den Knochen bei längerem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit. Unbekannt ist demnach, ob der Kalziumabbau auf einem bestimmten Niveau anhält. Eine Einbuße von 20 % halten Wissenschaftler allgemein für lebensgefährlich. Um den negativen Veränderungen an Muskel- und Knochengewebe entgegenzuwirken, wurde die weiterentwickelte Unterdruckhose KARKAS eingesetzt. Mit ihr wird Blut verstärkt in den Unterleib gesaugt. Dieser Zustand ähnelt dem durch die Gravitation auf der Erde verursachtem erhöhten Blutvolumen im Unterleib. Gemessen wurden in der Raumstation die Vergrößerung des Beinumfanges, oberer und unterer Blutdruck, die Leistung des Herzens (EKG), die Änderung der Herzlage im Brustkorb und Geräusche des Blutstromes. Die beiden „Versuchskaninchen“ Wiktor Afanassjew und Juri Ussatschow unterzogen sich dieser Prozedur an jedem dritten Tag.

Untersucht wurden weiterhin das Schlafverhalten der Kosmonauten und die Koordination von Wahrnehmung und Bewegung. Dazu wurden die Raumfahrer am Boden fixiert, wobei der Kopf und die Arme frei beweglich blieben. Über einen Bildschirm wurden unterschiedliche optische Reize ausgesandt und die Reaktionen mit vier Infrarotkameras aufgezeichnet. Die Versuchsergebnisse sollen auch für motorische Störungen auf der Erde bedeutsam sein. Beim psychologischen Experiment PSY wurde die geistige und psychomotorische Leistungsfähigkeit von Waleri Poljakow über einen Zeitraum von mehreren Monaten untersucht. Getestet wurden dabei Reaktionsgeschwindigkeit, Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit und manuelle Geschicklichkeit.

Nichtmedizinische Forschungen wurden vor allem auf dem Gebiet der Materialwissenschaft vorgenommen. So untersuchte man das Verhalten unterkühlter Schmelzen (Experiment TES). Elf in je eine Glashülle eingeschlossene Proben wurden zunächst aufgeschmolzen und dann stark abgekühlt. Durch das Fehlen von Kristallisationskernen kann der flüssige Zustand auch unterhalb der normalen Erstarrungstemperatur beibehalten werden. In Abhängigkeit von der Temperatur erstarren die Proben mit unterschiedlicher Mikrostruktur. Die Daten des Experimentes wurden über das in Österreich entwickelte und seit 1991 an Bord der Station befindliche System DATAMIR ausgewertet und auf die Erde übermittelt. Es steuert den Ablauf des Experimentes, nimmt die Messwerte auf, visualisiert die Ergebnisse und schickt sie zum Telemetriesystem der Raumstation. Auch die Möglichkeit der Schimmelbildung an nichtmetallischen Stoffen wurde untersucht.

Großen Raum nahmen ebenso Erderkundung, Astrophysik und Biotechnologie ein. So kamen die Mehrkanalspektrometer MKS-M2 und FASA zum Einsatz. Auch wurden mit der Multispektralkamera MKF-6MA hunderte Aufnahmen von der Erde gemacht. Mit verschiedenen Apparaturen wurde außerdem die Intensität der kosmischen Energie- und Teilchenstrahlung in und um die Station ermittelt. Von astronomischen Objekten wurden vor allem Röntgen- und Gammastrahlung gemessen. Der Einschätzung der Stabilität des Stationskomplexes diente das Experiment RESONANZ.

Am 01. Juli 1994 startete die 16. MIR-Stammbesatzung, Kommandant Juri Malentschenko und Bordingenieur Talgat Mussabajew, an Bord des Raumschiffs Sojus TM-19. Keiner von den beiden Kosmonauten hatte Weltraumerfahrung. Dies war sehr ungewöhnlich, denn vor gut 20 Jahren wurde entschieden, dass bei einer Besatzung mit mehr als einer Person mindestens einer Flugerfahrung haben sollte. Dies war Folge des Fehlschlags von Sojus 25 gewesen. Der Kasache Talgat Mussabajew wurde anstelle von Alexander Kaleri eingesetzt, um die politischen Beziehungen von Russland zu Kasachstan zu verbessern. Dabei entbrannte ein Disput über den Status des kasachischen Kosmonauten: War er nun ein internationaler Besucher oder ein Mitglied der Stammbesatzung? Aufgrund seines Werdegangs im russischen Kosmonautenkorps wurde entschieden, dass er als vollwertiges Mitglied der Stammbesatzung anerkannt wurde.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-19 am 03. Juli 1994 an die Raumstation MIR an. Nach der Übergabe der Station durch die 15. Stammbesatzung bildeten die beiden Kosmonauten zusammen mit dem Langzeit-Kosmonauten Waleri Poljakow die 16. MIR-Stammbesatzung.

Mit dem Raumschiff Sojus TM-18 koppelte am 09. Juli 1994 die alte Stammbesatzung Wiktor Afanassjew und Juri Ussatschow vom Orbitalkomplex ab und landete gut drei Stunden später im vorgesehenen Zielgebiet in Kasachstan.
In ihren Raumanzügen hatten die Kosmonauten für die Rückkehr zur Erde ihre Plätze im Landemodul eingenommen, nachdem sie die Luke zur Orbitalsektion geschlossen hatten. Dann richteten sie das Raumschiff so aus, das die Triebwerke des Geräteteils in Flugrichtung zeigten. Diese wurden kurz darauf für 105,6 Sekunden gezündet und leiteten den Abstieg zur Erdoberfläche ein. Im nächsten Schritt erfolgte das planmäßige Abtrennen der Orbitalsektion und des Geräteteils, die beide in der Erdatmosphäre verglühten. Das verbleibende Landemodul wurde so ausgerichtet, dass der Eintrittswinkel für eine möglichst genaue Landung in Kasachstan erreicht wurde. Nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre brach der Funkkontakt wegen der heißen Plasmagase rund um die Kapsel ab. Dann löste sich der Deckel des Fallschirmbehälters und der Bremsfallschirm wurde ausgestoßen. Nachdem auch der Hitzeschutzschild abgetrennt worden war, schwebte die Sojus an ihrem Hauptfallschirm Richtung Erdboden. Kleine Feststoff-Bremsraketen, die kurz vor dem Berühren des Bodens ausgelöst worden waren, verminderten die Aufprallgeschwindigkeit. Sofort nach der erfolgreichen Landung wurden die Fallschirmleinen gekappt, damit die Kapsel nicht durch den Wind über den Boden gezogen werden konnte. Nach der Landung gehört es zum Ritual, dass die Kosmonauten das Raumschiff mit ihrer Unterschrift versehen.

Fotos / Zeichnungen


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Letztes Update am 20. September 2014.