Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 145

Sojus TM-14

Witjas

Russland

hochauflösende Version (648 KB)

hochauflösende Version (369 KB)

hochauflösende Version (468 KB)

hochauflösende Version (589 KB)

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  17.03.1992
Startzeit:  10:54 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  350 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung MIR:  19.03.1992, 12:32:50 UTC
Abkopplung MIR:  09.08.1992, 21:46:47 UTC
Landedatum:  10.08.1992
Landezeit:  01:05 UTC
Landeort:  47° 25' N, 69° 21' O

Crew auf dem Weg zum Start

hochauflösende Version (582 KB)

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Wiktorenko  Alexander Stepanowitsch  Kommandant 3 145d 14h 10m  2303 
2  Kaleri  Alexander Jurjewitsch  Bordingenieur 1 145d 14h 10m  2303 
3  Flade  Klaus-Dietrich  Forschungskosmonaut 1 7d 21h 57m  124 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Wiktorenko
2  Kaleri
3  Flade
Landung
1  Wiktorenko
2  Kaleri
3  Tognini

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Solowjow  Anatoli Jakowlewitsch  Kommandant
2  Awdejew  Sergej Wassiljewitsch  Bordingenieur
3  Ewald  Reinhold  Forschungskosmonaut
 

hochauflösende Version (526 KB)

hochauflösende Version (671 KB)

Flugverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 136 km östlich von Dsheskasgan.

Am 17. März 1992 startete vom Kosmodrom Baikonur das Raumschiff Sojus TM-14. An Bord befand sich die 11. Stammbesatzung der MIR, Kommandant Alexander Wiktorenko und Bordingenieur Alexander Kaleri. Mit an Bord war auch der deutsche Forschungskosmonaut Klaus-Dietrich Flade. Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-14 am 19. März 1992 an den Komplex Sojus TM-13-Kwant1-MIR-Kristall-Kwant2 an. Bei diesem Manöver wurde die reparierte Antenne des Kopplungs- und Annäherungssystems Kurs erfolgreich getestet.

Im Rahmen der Mission MIR`92 folgten wissenschaftliche Arbeiten mit der zehnten MIR-Stammbesatzung, an denen besonders Klaus-Dietrich Flade beteiligt war. Er unternahm 14 deutsche Experimente als Teil der Vorbereitung für die zukünftigen Raumstationsprojekte und Columbus aus den Bereichen Medizin, Biologie, Physik und Materialforschung. So wurden im physikalischen Versuchsprogramm TES thermodynamische Eigenschaften verschiedener Substanzen erforscht. Medizinische Untersuchungen betrafen Veränderungen im Erbgut (Chromosomenanalyse), den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Einschätzung der physischen sowie psychischen Leistungsfähigkeit, die Erforschung der Funktion des Gleichgewichtsorgans und das Orientierungsvermögen unter anderem über die Aufzeichnung der Augenbewegungen bei Lageänderungen, die Merkleistung des Kurzzeitgedächtnisses, die Verteilung von Körperflüssigkeit in Muskeln und Gefäßen (Einsatz des Unterdruck-Anzuges TSCHIBIS) sowie die Hormonregulation im menschlichen Organismus (Blut- und Speichelproben). Materialwissenschaftliche Tests bestanden vor allem in der Züchtung reiner Kristalle.

Hauptziel der Mission war der planmäßige Austausch der Stammbesatzung. Alexander Wiktorenko und Alexander Kaleri bildeten die elfte Stammbesatzung. Es war der erste Raumflug seit Ende der UdSSR und der erste russische Raumflug. Auch war es der erste gemeinsame Raumflug Russland - Deutschland.
Während des Aufenthaltes wurde aus dem Raumschiff Sojus TM-14 der Konturensessel von Klaus-Dietrich Flade demontiert und in Sojus TM-13 eingebaut, da er mit diesem Raumschiff landen sollte.

Am 25. März 1992 koppelte Sojus TM-13 mit Alexander Wolkow, Sergej Krikaljow und dem deutschen Forschungskosmonauten Klaus-Dietrich Flade von der MIR ab. Sergej Krikaljow musste 310 Tage im Orbitalkomplex arbeiten. Der Grund hierfür lag in der Zusammenstellung der Besatzung von Sojus TM-13. Da der Kasache Toktar Aubakirow nachträglich in die Besatzung aufgenommen wurde und nur wenige Tage als Forschungskosmonaut gemeinsam mit dem Österreicher Franz Viehböck in MIR tätig war, konnte man keinen neuen Bordingenieur zu MIR schicken.
Wenige Stunden nach der Abkopplung landete Sojus TM-13 in der Steppe Kasachstans.

Die neue Stammbesatzung der MIR nahm ihre Arbeit mit verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen auf. Dazu gehörte eine Serie zur Messung von kosmischer Strahlung innerhalb des Orbitalkomplexes. Unter der Bezeichnung Terra-X beendeten die Kosmonauten eine umfangreiche Serie von Aufnahmen einiger landwirtschaftlicher Gebiete der damaligen GUS-Länder. Dieser Auftrag wurde auf kommerzieller Basis durchgeführt. Wiederholte medizinische Experimente mit dem Schwerpunkt des Vestibular- und Sehsystem standen im Vordergrund anderer Experimente. Abgeschlossen wurde eine dreitägige Beobachtungsserie der Röntgenquelle Cygnus X-1 mit den auf Kwant1 installierten Geräten. Mit dem Gerät Spektr-256 führten die Kosmonauten eine Reihe von Messungen zum Vegetationswachstum durch. Fortgesetzt wurde die Erdbeobachtung im Rahmen des Programms Terra. Ebenfalls liefen die astrophysikalischen Beobachtungen mit den Kwant1-Instrumenten zur Beobachtung von Röntgenquellen weiter. Mit der Versuchsanlage Gallar wurden weitere Monokristalle des Halbleiters Cadmiumtellurid hergestellt.

Am 21. April 1992 um 23:21:59 UTC koppelte Progress M-12, der drei Tage zuvor vom Kosmodrom Baikonur gestartete unbemannte Frachter an die Orbitalstation an. An Bord des Transporters befanden sich Nahrungsmittel, Wasser und weitere. Ausrüstungsgegenständen. Für einige Tage mussten die beiden Kosmonauten ihren Arbeitsschwerpunkt auf die Entladearbeiten verlegen.

Danach standen aber wieder Forschungsarbeiten im Vordergrund. So wurde eine neue Schmelze auf der Anlage Gallar begonnen. Diesmal sollte ein Monokristall aus Cadmiumtellurid mit verbesserten strukturellen und elektrophysikalischen Eigenschaften entstehen. Alexander Wiktorenko und Alexander Kaleri starteten eine Serie von Videoaufnahmen der damaligen GUS-Staaten. Im Auftrag von Spezialisten der Wirtschaft wurden wenig erforschte Regionen des Fernen Ostens, Sibiriens und Kasachstans aufgenommen. Ziel dieser Aufnahmen war die Suche nach Gebieten, in denen sich Bodenschätze befinden könnten. Später wurden Aufnahmen von Waldmassiven, landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie Flüssen und Seen, die sich in der Nähe von Industriegebieten befinden, gefertigt. Die Aufnahmen wurden mit den Geräten auf der am Komplex montierten schwenkbaren Plattform ASPG angefertigt. Zum Studium der Mikrobeschleunigung in verschiedenen Sektionen des Komplexes wurde das Experiment Vibrogal durchgeführt. Ziele der weiteren fotografischen Untersuchungen waren die Region um Tschernobyl sowie der Aralsee, Krasnodar Kray, Kalmykia und die Industriegebiete in Kasachstan. Während eines Experiments im pharmazeutischen Bereich wurden Versuche mit einem homogenen Gel durchgeführt.

Am 27. Juni 1992 um 21:34:44 UTC koppelte der mit Abfall und sonstigen nicht länger benötigten Ausrüstungsgegenständen beladene Transporter Progress M-12 von der MIR ab. Da das Gerät nicht über eine Raduga-Rückkehrkapsel verfügte, wurde Progress M-12 wie geplant am 28. Juni 1992 um 00:02:51 UTC über dem südlichen Pazifik zum Absturz gebracht.

Nachdem der Andockplatz somit für den nächsten Frachter frei war, startete Progress M-13 am 30. Juni 1992 vom Kosmodrom Baikonur. Die für den 02. Juli 1992 vorgesehene Ankopplung an die MIR scheiterte jedoch zunächst. Eine Störung in Teilen seiner Meßausrüstung zwang die Missionskontrolle im ZUP, die Kopplung in 150 Metern Entfernung zum Orbitalkomplex vorerst abzubrechen. Erst ein zweiter Versuch am 04. Juli 1992 um 16:55:13 UTC war erfolgreich. An Bord des Transporters befanden sich neben den normalen Versorgungsgütern auch Ausrüstungsgegenstände für das geplante russisch-französische Forschungsprogramm Antares sowie Austausch-Stabilisierungskreisel für die Lageregelung des Orbitalkomplexes.

Die einzige EVA während dieser Mission erfolgte durch Alexander Wiktorenko und Alexander Kaleri am 08. Juli 1992 (2h 03m), um zwei seit Januar 1992 defekte Stabilisierungskreisel am Modul Kwant2 auszutauschen. Es handelte sich auch um einen Inspektionsausstieg zur Begutachtung der Raumstation MIR.

Am 24. Juli 1992 um 04:14:00 UTC koppelte der mit Abfall beladene Transporter Progress M-13 wieder von der Raumstation ab. Wie alle Frachter ohne Rückkehrkapsel brachte ihn die Missionskontrolle am 24. Juli 1992 um 08:03:35 UTC über dem südlichen Pazifik zum Absturz.

Die elfte Stammbesatzung der Raumstation MIR führte während ihrer fast fünfmonatigen Mission Experimente zur Werkstoffforschung, Raumfahrttechnologie, Astrophysik und Erderkundung durch. So züchteten sie superreine Galliumarsenidkristalle mit der neuen Anlage GRANAT an Bord des Kristall-Moduls, beobachteten über einen längeren Zeitraum hinweg die genaue Zusammensetzung der Kabinenluft und studierten den Einfluss von Bewegungen der Raumfahrer auf die Mikrogravitation. Weiterhin führten sie astronomische Beobachtungen im ultravioletten und im Röntgenstrahlungsbereich durch. Im Rahmen des Forschungsprogrammes ERDE wurden Aufnahmen von Nordafrika, Nord- und Südamerika, dem pazifischen Raum, Australien mit der Kamera KFA 1000 gemacht. Mit der topografischen Dreikanal-Kamera KATE 140 fertigten sie außerdem fotografische Aufnahmen von Teilen Russlands, Kasachstans und der Ukraine an. Im Zusammenhang mit geologischen Untersuchungen im Süden der Ukraine fand auch das Mehrkanalspektrometer MKS 2M (19 Kanäle im Wellenlängenbereich zwischen 415 nm und 1030 nm) Verwendung. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen fanden zur Kristallzüchtung, zur Erosion verschiedener Werkstoffe durch atomaren Sauerstoff, zur Schädigung lebender Zellen durch kosmische Strahlung, zur Kristallisation biologischer Makromoleküle und zum Einfluss künstlicher Schwerkraft auf das Wachstum von Pflanzen statt. Mit der Multispektralkamera MKF 6MA wurden hochauflösende Aufnahmen der Erdoberfläche gemacht. Durch solche Aufnahmen werden Aussagen über Umweltverschmutzungen, vermutliche Lagerstätten bestimmter Bodenschätze oder Erntevorhersagen möglich.

Am 27. Juli 1992 startete die 12. Stammbesatzung der MIR vom Kosmodrom Baikonur. An Bord des Raumschiffes Sojus TM-15 befanden sich Kommandant Anatoli Solowjow und Bordingenieur Sergej Awdejew auch der französische Forschungskosmonaut Michel Tognini.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-15 am 29. Juli 1992 per Handsteuerung an die Raumstation MIR an. Es folgten zunächst wissenschaftliche Arbeiten mit der 11. Stammbesatzung. Dann bildeten Anatoli Solowjow und Sergej Awdejew die 12. MIR-Stammbesatzung.

Während der zweiwöchigen, französischen MIR-Antares-Mission wurden elf Experimente aus den Bereichen Biomedizin, Technologie und Physik durchgeführt. ORTHOSTATISME beschäftigte sich mit der Untersuchung von Blutdruck und Kreislaufregulierung sowie mit der Verteilung der Blutströmung in der Schwerelosigkeit. Ebenso wurden die Auswirkungen auf den Hormonhaushalt erforscht. Im Experiment ILLUSION wurde die Anpassung der Sinnesorgane an die Weltraumbedingungen untersucht. Bei NAUSICAA 1 ging es um Messung der Zusammensetzung und Stärke des Strahlungsfeldes, welches die Raumfahrer umgibt. Weitere Experimente beschäftigten sich mit der Lebensdauer von Blutkörperchen und Auswirkungen auf das Immunsystem. Kristallzüchtung, die Wirkung kosmischer Strahlung auf elektronische Bauteile und das Verhalten von Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit waren weitere Untersuchungsgegenstände.

Am 09. August 1992 koppelte Sojus TM-14 mit den Kosmonauten der 11. Stammbesatzung, Alexander Wiktorenko und Alexander Kaleri, sowie dem französischen Forschungskosmonauten Michel Tognini von der MIR ab und landete wenige Stunden später - es war bereits der 10. August 1992 - in der Steppe Kasachstans.
Bei der Landung gab es ein Problem, so dass die Landekapsel kopfüber zu liegen kam. Die Kapsel musste von der Bergungsmannschaft erst gedreht werden.

Anmerkung

Klaus-Dietrich Flade am 25. März 1992 um 08:52 UTC mit Sojus TM-13 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

 

©      

Letztes Update am 31. Dezember 2013.