Stammbesatzungen der MIR

MIR: Expedition 12
(EO-12)

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Besatzung, Start- und Landedaten

Nr.: 1 2
Nation:
Name:  Solowjow  Awdejew
Vorname:  Anatoli Jakowlewitsch  Sergej Wassiljewitsch
Position:  Kommandant  Bordingenieur
Raumschiff (Start):  Sojus TM-15  Sojus TM-15
Startdatum:  27.07.1992  27.07.1992
Startzeit:  06:08 UTC  06:08 UTC
Raumschiff (Landung):  Sojus TM-15  Sojus TM-15
Landedatum:  01.02.1993  01.02.1993
Landezeit:  03:49 UTC  03:49 UTC
Flugdauer:  188d 21h 41m  188d 21h 41m
Erdorbits:  2989  2989

Double Crew

Nr.: 1 2
Nation:
Name:  Manakow  Polestschuk
Vorname:  Gennadi Michailowitsch  Alexander Fjodorowitsch
Position:  Kommandant  Bordingenieur

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Expeditionsverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 100 km nordwestlich von Arkalyk.

Am 27. Juli 1992 startete die 12. Stammbesatzung der MIR vom Kosmodrom Baikonur. An Bord des Raumschiffes Sojus TM-15 befanden sich neben Kommandant Anatoli Solowjow und Bordingenieur Sergej Awdejew auch der französische Forschungskosmonaut Michel Tognini.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-15 am 29. Juli 1992 an die Raumstation MIR an. Es folgten zunächst wissenschaftliche Arbeiten mit der 11. Stammbesatzung. Dann bildeten Anatoli Solowjow und Sergej Awdejew die 12. MIR-Stammbesatzung.

Während der zweiwöchigen, französischen MIR-Antares-Mission wurden elf Experimente aus den Bereichen Biomedizin, Technologie und Physik durchgeführt. ORTHOSTATISME beschäftigte sich mit der Untersuchung von Blutdruck und Kreislaufregulierung sowie mit der Verteilung der Blutströmung in der Schwerelosigkeit. Ebenso wurden die Auswirkungen auf den Hormonhaushalt erforscht. Im Experiment ILLUSION wurde die Anpassung der Sinnesorgane an die Weltraumbedingungen untersucht. Bei NAUSICAA 1 ging es um Messung der Zusammensetzung und Stärke des Strahlungsfeldes, welches die Raumfahrer umgibt. Weitere Experimente beschäftigten sich mit der Lebensdauer von Blutkörperchen und Auswirkungen auf das Immunsystem. Kristallzüchtung, die Wirkung kosmischer Strahlung auf elektronische Bauteile und das Verhalten von Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit waren weitere Untersuchungsgegenstände.

Am 09. August 1992 koppelte Sojus TM-14 mit den Kosmonauten der 11. Stammbesatzung, Alexander Wiktorenko und Alexander Kaleri, sowie dem französischen Forschungskosmonauten Michel Tognini von der MIR ab und landete wenige Stunden später - es war bereits der 10. August 1992 - in der Steppe Kasachstans.
Bei der Landung gab es ein Problem, so dass die Landekapsel kopfüber zu liegen kam. Die Kapsel musste von der Bergungsmannschaft erst gedreht werden.

Nach der Abreise von Sojus TM-14 begann für die zwölfte Stammbesatzung der Station der Alltag. Geophysik, materialwissenschaftliche Herstellung spezieller Legierungen und Kristalle, biotechnologische, astronomische und medizinische Untersuchungen standen im Mittelpunkt. Außerdem wurde der Kleinsatellit MAK 2 für das Moskauer Luftfahrtinstitut ausgesetzt.

Der am 15. August 1992 vom Kosmodrom Baikonur gestartete Frachter Progress M-14 legte drei Tage später an der Raumstation an. Er hatte neben Versorgungsgütern und einer Rückkehrkapsel auch eine ganz besondere Fracht an Bord: den als WDU bezeichneten Triebwerksblock, der an einem Ausleger von den Kosmonauten montiert werden soll. Aus dem für diese Mission speziell umgebauten Transportraumschiff Progress M-14 wurde automatisch von der Missionskontrolle aus der 750 kg schwere und mehr als zwei Meter lange Triebwerksblock WDU ausgefahren. Dieser Triebwerksblock sollte die Lage des Orbitalkomplexes kontrollieren helfen und dabei eine Menge Treibstoff sparen, da er am Ende des Sofora-Auslegers befestigt wurde und somit weit entfernt vom Massenzentrum der Raumstation lag. Die WDU-Einheit benutzte Kaltgas zum Erzeugen des Rückstoßes. Es bestand keine Versorgungsleitung zu MIR, so dass die WDU-Einheit ausgetauscht werden müsste, sollten ihre Tanks einmal leer sein.

Für die schwierige und zeitaufwändige Installation des Triebwerksblocks WDU war eine Serie von Außenbordeinsatzen erforderlich. Die erste EVA unternahmen Anatoli Solowjow und Sergej Awdejew am 03. September 1992 (3h 56m). Dabei trafen die Kosmonauten Vorbereitungen für die Montagearbeiten der WDU-Einheit. Mit dem Kranausleger wurden verschiedene Ausrüstungsgegenstände und Werkzeuge zum gitterartigen Ausleger Sofora auf dem Modul Kwant1 gebracht. Sofora selbst wurde zu zwei Drittel eingefahren, damit die Kosmonauten nicht den ganzen Mast bis zur Spitze entlang klettern mussten. Ein Kuriosum dieses Ausstieges war die Demontage der sowjetischen Fahne, die noch am Ende des Auslegers Sofora befestigt war.

Bereits am 07. September 1992 (5h 08m) setzten Anatoli Solowjow und Sergej Awdejew die Installationsarbeiten bei einem zweiten Außenbordeinsatz fort. Zur Montage des Triebwerkblocks verlegten sie unter anderem die Kabel für die Stromversorgung und brachten Metallstreben an.

Die dritte EVA in dieser Serie führten die beiden Kosmonauten am 11. September 1992 (5h 44m) durch. Dabei beendeten sie die Montagearbeiten des Triebwerkblocks WDU am Auslegemast Sofora und brachten die gesamte WDU-Anlage in die endgültige Ausgangsposition. Nach dem Anschluss der elektrischen Kontakte konnte die neue Triebwerkseinheit in Betrieb genommen werden.

Für den vierten und letzten Außenbordeinsatz verließen Anatoli Solowjow und Sergej Awdejew am 15. September 1992 (3h 33m) die Raumstation. Dabei montierten die Kosmonauten eine spezielle Antenne für das Annäherungssystem Kurs am Kristall-Modul, die auch das Andocken größerer Raumfahrzeuge gestattet. Des Weiteren wurde ein Mikrometeoritenpaneel auf der Außenseite von Kwant2 demontiert.

Nach diesen körperlich anstrengenden Außenbordarbeiten hatten die beiden Kosmonauten Gelegenheit, sich bei einen Reihe von Forschungsarbeiten zu regenerieren. So wurden fotografische Aufnahmen im Gebiet Krasnodar Kray und im südlichen Nowosibirsk Oplast als Teil des Programms Terra angefertigt. In der Anlage Krater-V führten die Kosmonauten eine Schmelze zum Wachsen von Monokristallen einer Hochtemperaturlegierung, deren Basis aus den Oxiden von Yttrium, Barium und Kupfer besteht, durch. In dem Gerät Gallar wurden die Arbeiten mit Schmelzen von Monokristallen eines Supraleiters fortgesetzt. Für astrophysikalische Forschungen kamen die Instrumente Buket und Granat zum Einsatz. Ein Röntgen-Pulsar im Sternbild Vela wurde mit dem Teleskop Röntgen auf dem Modul Kwant1 beobachtet und ausgiebig untersucht. Die Anlage Inkubator wurde von den Kosmonauten genutzt, um die embryonale Entwicklung von japanischen Wachteleiern bis zum Schlüpfen der Küken zu beobachten. Dieser Versuch war eine Wiederholung des bereits 1990 durchgeführten aber weitgehend gescheiterten Studiums. Das Verhalten verschiedener Materialien unter den Bedingungen des freien Weltraums wurde während des Experiments Danko untersucht. Hierzu wurden die Daten der außen auf dem Modul Kwant2 montierten Materialien ausgewertet. Im Auftrag von Meteorologen verfolgten die Kosmonauten einen Zyklon über dem Indischen Ozean.

Nach der Abkopplung Progress M-14 am 20. Oktober 1992 landete die Raduga-Rückkehrkapsel zwei Tage später weich auf der Erde, während der Progress-Versorgungsteil planmäßig über dem südlichen Pazifik zum Absturz gebracht wurde.

Bereits am 27. Oktober 1992 startete Progress M-15 vom Kosmodrom Baikonur und erreichte die Orbitalstation MIR zwei Tage später. Der Transporter brachte neue Verbrauchsgüter und Ausrüstungsgegenstände, darunter auch Batterien für verschiedene Geräte der Station zur MIR.

Nach Beendigung der Entladearbeiten und der Erledigung verschiedener Wartungsarbeiten schlossen die Kosmonauten das Jahr 1992 mit einigen Forschungsarbeiten ab. So wurden mit dem Instrument Alice thermische Übergangsprozesse unter Mikrogravitation untersucht. Ein neuerlicher Resonanz-Versuch sollte neue Daten zur Stabilität des Gesamtkomplexes erbringen. Mit dem Fotometer EFO-1 wurde von den Kosmonauten die Erdatmosphäre untersucht. Die astrophysikalischen Instrumente des Moduls Kwant1 wurden auf ein Objekt im Sternbild Virgo gerichtet. Die Kosmonauten beendeten die Züchtung von Zinkoxid-Monokristallen. Dieser Monokristall soll verbesserte strukturelle und elektrische Eigenschaften besitzen. Erneut kam das Teleskop Glasar-2 zum Einsatz. Diesmal wurde das Sternbild Perseus beobachtet.

Die Ablösebesatzung für die 12. Stammbesatzung startete am 24. Januar 1993 mit Kommandant Gennadi Manakow und Bordingenieur Alexander Polestschuk an Bord des Raumschiffs Sojus TM-16.
Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-16 am 26. Januar 1993 an die Raumstation MIR an. Da lediglich das Modul Kristall mit dem androgynen Kopplungssystem APAS 89 ausgerüstet war, musste die Kopplung erstmals nicht axial und ebenfalls erstmals am Modul Kristall erfolgen.

Sojus TM-16 war seit 1976 die erste und bis heute einzige Sojus-Mission bei der nicht das Standard-Kopplungssystem genutzt wurde und nicht am MIR-Kernmodul, bzw. Kwant gedockt wurde. Erstmals wurde der androgyne APAS-89-Kopplungsstutzen (89 steht für das Entwicklungsjahr) verwendet, der eine Weiterentwicklung der APAS-75-Andockvorrichtung des Apollo-Sojus-Projekts darstellte. Dieses System - anders als das gewöhnliche Sojus-Kopplungssystem - ermöglichte jedem damit ausgestatteten Raumfahrzeug sowohl den passiven als auch den aktiven Part eines Andockmanövers zu übernehmen. Das neue Kopplungssystem wurde entwickelt, um das Andocken der Buran-Raumfähre an die Raumstation MIR zu ermöglichen. Dazu verfügte die MIR am Kristall-Modul ebenfalls über zwei APAS-89-Stutzen. Gleichzeitig sollten spezielle Sojus-Raumschiffe mit diesem Kopplungssystem ausgestattet werden, um bei bemannten Testmissionen der Buran als Rettungssystem zu dienen. Eine solche Sojus würde in Einsatzbereitschaft auf der Erde warten und bei einem Notfall mit einem Mann Besatzung starten, an der Buran andocken, die beiden Testpiloten der Raumfähre abholen und sie sicher zur Erde bzw. zur MIR zu bringen.

Nachdem das Buran-Programm 1992 aus finanziellen Gründen gestoppt wurde, wurde das einzige bereits gebaute Raumschiff für den Transport einer Stammbesatzung zur MIR verwendet. Sojus TM-16 dockte damit am androgynen Kopplungsstutzen des "Kristall"-Modules an. Das APAS-89-Kopplungssystem fand später Verwendung beim Shuttle-MIR-Programm, in einigen Modulen der Internationalen Raumstation (ISS) und dem Andocksystem des Space Shuttles, mit dem die Raumfähre an die ISS anlegte.

Mit der Kopplung von Sojus TM-16 wurde ein neuer Rekord aufgestellt: Neben dem Basisblock und den drei angedockten Modulen befanden sich auch erstmals drei Raumschiffe (zwei Sojus TM und ein Progress M) im Verbund auf der Erdumlaufbahn, insgesamt also sieben Einheiten.

Die beiden Besatzungen führten dann in den wenigen Tagen des gemeinsamen Fluges einige Experimente mit verschiedenen Konstruktionsmaterialien, die durch eine Schleuse dem offenen Weltraum ausgesetzt wurden, durch, ehe die Übergabeprozedur erfolgte und dabei die 13. Stammbesatzung in laufende Forschungsarbeiten eingewiesen wurde.

Sojus TM-15 mit Anatoli Solowjow und Sergej Awdejew an Bord legte am 01. Februar 1993 von der Orbitalstation ab und landete dreieinhalb Stunden später in Kasachstan.

Fotos / Zeichnungen


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Letztes Update am 23. Dezember 2013.