Besatzungen der ISS

ISS: Expedition 2

hochauflösende Version (510 KB)

hochauflösende Version (978 KB)

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

hochauflösende Version (474 KB)

hochauflösende Version (864 KB)

Besatzung, Start- und Landedaten

Nr.: 1 2 3
Nation:
Name:  Ussatschow  Voss  Helms
Vorname:  Juri Wladimirowitsch  James Shelton  Susan Jane
Position:  ISS-CDR  Bordingenieur  Bordingenieurin
Raumschiff (Start):  STS-102  STS-102  STS-102
Startdatum:  08.03.2001  08.03.2001  08.03.2001
Startzeit:  11:42 UTC  11:42 UTC  11:42 UTC
Raumschiff (Landung):  STS-105  STS-105  STS-105
Landedatum:  22.08.2001  22.08.2001  22.08.2001
Landezeit:  18:23 UTC  18:23 UTC  18:23 UTC
Flugdauer:  167d 06h 41m  167d 06h 41m  167d 06h 41m
Erdorbits:  2635  2635  2635

Ersatz-Besatzung

Nr.: 1 2 3
Nation:
Name:  Onufrijenko  Walz  Bursch
Vorname:  Juri Iwanowitsch  Carl Erwin  Daniel Wheeler
Position:  ISS-CDR  Bordingenieur  Bordingenieur

hochauflösende Version (763 KB)

Expeditionsverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC).

Die Mannschaft von STS-102 (ISS-07-5A.1 MPLM Leonardo) lieferte neben weiteren wissenschaftlichen Gerätschaften mit Leonardo erstmals eines der drei italienischen Mehrzweck-Logistikmodule mit Experimenten für das Labormodul Destiny an die im Bau befindliche Internationale Raumstation. Insgesamt war die Discovery fast neun Tage an der Station angedockt, während die Crew mit zwei Ausstiegen (EVAs) Vorarbeiten u. a. für den mit der nächsten Mission (STS-100) ankommenden Greifarm Canadarm2 leistete. Weiterhin wurde bei diesem Flug die erste Stammbesatzung der ISS durch die zweite Stammbesatzung abgelöst.

Das Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) Leonardo, (Deutsch Mehrzwecklogistikmodul), wurde verwendet, um bei Space-Shuttle-Missionen Frachten zu und von der Internationalen Raumstation (ISS) in einem unter Luftdruck stehenden Raum zu transportieren.
Das Modul wurde während des Transportes mit dem Shuttle in dessen Ladebucht befestigt. Nach dem Andocken an die ISS wurde das MPLM mit Hilfe des Roboterarmes Canadarm2 aus der Ladebucht gehoben und am Unity-Modul angekoppelt. Anschließend wurde die Luke des Moduls geöffnet und die Astronauten erhielten Zugang zum MPLM, um es zu entladen sowie mit den zur Erde zu bringenden Frachten zu beladen. Bevor das Shuttle von der Station ablegte, wurde das Modul wieder in der Ladebucht befestigt und kehrte anschließend zusammen mit der Raumfähre zur Erde zurück.
Der wesentliche Vorteil dieses Verfahrens lag darin, dass Transportgüter, insbesondere die sogenannten International Standard Payload Racks, direkt vom MPLM in den amerikanischen Teil der Station verladen werden konnten. Kopplungsadapter vom APAS-Typ russischer Bauart, die auch zum Andocken des Space Shuttles benutzt werden, haben einen wesentlich geringeren Durchmesser und lassen kein Verladen sperriger Gegenstände zu. Weiterhin ermöglichte der Einsatz des MPLM, nicht mehr benötigte Ausrüstung und beendete Experimente zurück zur Erde zu transportieren. Andere Transportschiffe wie die unbemannten Progress- und ATV-Frachter verglühen beim Wiedereintritt und transportieren daher ausschließlich Müll von der Station ab.

Höchste Priorität der Mission genoss der Wechsel der ISS-Stammbesatzungen. Hierfür bauten die Mitglieder der Expedition Eins gleich nach der Begrüßungszeremonie die für sie speziell angepassten Schalensitze für das Sojus-Raumschiff aus und verstauten sie an Bord der Discovery. Im Gegenzug installierten die Astronauten und Kosmonauten der Expedition Zwei ihre mitgebrachten Schalensitze in das Raumschiff Sojus TM-31 ein, das im Fall einer notwendig werdenden unerwarteten Evakuierung der Raumstation als ihr Rettungsboot fungieren würde.
Juri Ussatschow, James Voss und Susan Helms wurden als zweite Expedition neue Besatzung der ISS. Die bisherige Besatzung der ISS (William Shepherd, Juri Gidsenko und Sergej Krikaljow) kehrte mit STS-102 zur Erde zurück.

Die Mannschaft lieferte neben weiteren wissenschaftlichen Gerätschaften mit Leonardo erstmals eines der drei italienischen Mehrzweck-Logistikmodule mit Experimenten für das Labormodul Destiny an die im Bau befindliche Internationale Raumstation.
Bevor das Logistikmodul Leonardo jedoch am Modul Unity der ISS befestigt werden konnte, musste der Pressurized Mating Adapter 3 (PMA 3) während des ersten Außenbordeinsatzes von seinem bisherigen Andockpunkt versetzt werden.

Die erste EVA der Mission wurde durch Susan Helms und James Voss am 11. März 2001 (8h 56m - neuer U.S Rekord für Weltraumspaziergänge) ausgeführt, in dem sie vorbereitende Arbeiten für das Umdocken vom PMA-3 Stutzen vornahmen, damit Platz geschaffen wurde, für das Logistikmodul Leonardo. Dazu mussten acht Kabel gelöst und das Early Communications System abgebaut und in der Luftschleuse verstaut werden. Unterstützt wurden die beiden Astronauten durch Andrew Thomas und James Kelly, die abwechselnd den Greifarm der Discovery bedienten. PMA-3 konnte schließlich erfolgreich umgesetzt werden, so dass der Ankopplung von Leonardo nicht mehr im Wege stand.

Die zweite und letzte EVA erfolgte durch Paul Richards und Andrew Thomas am 13. März 2001 (6h 21m). Dabei installierten sie eine Art Werkzeugkiste und ein Kühlaggregat auf diese Plattform. Außerdem vollendeten sie noch einige Kabelverbindungsarbeiten, damit bei einer zukünftigen Mission ein neuer Roboterarm installiert werden kann. Dazu bauten sie die External Stowage Platform (ESP) vom Integrated Cargo Carrier (ICC) in der Ladebucht der Discovery ab und installierten sie am Modul Destiny.

Die External Stowage Platforms (ESPs) sind drei Bauteile der Internationalen Raumstation (ISS). Jede ESP ist eine Einrichtung, die an der Außenseite der Raumstation angebracht ist und in der Ausrüstungs- und Ersatzteile, sogenannte Orbital Replacement Units (ORUs), untergebracht werden.

Die ersten Studien führte die Mannschaft der zweiten Expedition bereits am zweiten Flugtag an Bord von STS-102 durch. Beim Hoffmann-Reflex-Experiment wurde die Reaktionsgeschwindigkeit des Rückenmarks untersucht. Ein spezieller Reiz auf die Beinmuskulatur führt zu einer unmittelbaren Reaktion. Aus der Veränderung der Reaktionsdauer während und nach der Anpassung an die Schwerelosigkeit will man Rückschlüsse auf die Reizverarbeitung im Rückenmark ziehen. Das Experiment wurde am sechsten Flugtag wiederholt. Anschließend wurde die Apparatur in die Station gebracht, wo weitere Tests folgten.

Am 19. März 2002 koppelte die Discovery-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog James Kelly die Orbitalstation eineinhalb Mal, ehe die Triebwerke der Discovery erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.


Am 21. März 2001 wurde das Ku-Band-Kommunikationssystem aktiviert, mit dem Datenübertragungsraten von 50 MBit/s möglich sind. Neben Audio und 4 Videokanälen können auch wissenschaftliche Daten mit hoher Geschwindigkeit übertragen werden. Dazu gehörten beispielsweise Messwerte, die beim Experiment MACE II gewonnen wurden. MACE II (Middeck Active Control Experiment 2) besteht aus einer 1,52 m langen Plattform, auf der Kardanringe und Räder montiert sind. Mittels einer Fernsteuerung können die beweglichen Teile auf der einen Seite der Plattform aktiviert werden, wodurch eine starke Vibration entsteht. Diese wird über 20 Sensoren analysiert. Die Steuerzentrale der Plattform regelt nun die Kardanringe und Räder auf der anderen Seite der Plattform so, dass die Vibration gedämpft wird. MACE II dient der Entwicklung eines schwingungsgedämpften Systems, auf dem empfindliche Experimente weitgehend störungsfrei ausgeführt werden können. Der Versuch wurde in der Folgezeit mehrfach wiederholt.

Am 23. März 2001 begannen die Untersuchungen mit dem Bonner Ball Neutron Detector der japanischen Raumfahrtorganisation NASDA. Der Detektor misst die Intensität der Neutronenstrahlung innerhalb der Station. Neutronen sind ungeladene Teilchen, die nicht durch Magnetfelder abgelenkt werden können. Neben BBND spielten zwei weitere Experimente zur Strahlungsmessung eine wichtige Rolle auf der ISS. Am 26. März 2001 wurde das für die ESA entwickelte, deutsche DOSimetric MAPping Experiment installiert. Mit zunächst zwei empfindlichen Silizium-Detektoren wurden Energie und Intensität der Strahlung im Labormodul Destiny gemessen. Später kommen weitere Detektoren dazu, die über die gesamte Station verteilt werden. Interessante Ergebnisse ließ auch das Phantom Torso Experiment, dass im Mai aktiviert wurde, erwarten. Hier ist ein menschenähnlicher Torso in 35 Schichten unterteilt und mit 416 Dosimetern sowie fünf aktiven Detektoren versehen worden. Letztere befinden sich an den Stellen, an denen beim Menschen Gehirn, Schilddrüse, Herz, Magen und Darm sind. Damit sollen sich die Strahlenbelastungen einzelner Organe und die damit verbundenen medizinischen Risiken während eines Raumfluges genauer einschätzen lassen. Zusätzlich lassen sich die Strahlungswerte mit der Position der Station im All verknüpfen und damit beispielsweise die Auswirkungen der sogenannten südatlantischen Anomalie über der Küste Brasiliens untersuchen. Hier ist die hochenergetische Teilchenstrahlung deutlich höher als in anderen Bereichen.

In der letzten Märzwoche wurde auch das neue Fahrradergometer CEVIS (Cycle Ergometer with Vibration Isolation System) montiert. Mit dem Vorgängermodell hatte es des Öfteren Probleme gegeben. Ebenso mussten ein Softwarefehler im Ku-Band-Kommunikationssystem behoben und ein defekter Kondensat-Verdampfer im Labormodul repariert werden. Am fehlerhaften Kohlendioxid-Absorptionssystem des Labormoduls wurde eine verschmutzte Ventilöffnung als mögliche Ausfallursache entdeckt.

Am 30. März 2001 konnte die Installation der Human Research Facility abgeschlossen werden. Zwei wesentliche Systeme sind ein Gasanalysegerät, über das sich der Stoffwechsel eines Menschen ermitteln lässt und ein Ultraschallkomplex, der dreidimensionale Bilder einzelner Organe, Muskeln oder Blutgefäße gewinnt. Die Untersuchung der Vorgänge und Veränderungen im menschlichen Körper während des Aufenthaltes in der Schwerelosigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Forschungsarbeiten aller Besatzungen der Internationalen Raumstation. Zwischenmenschliche und kulturelle Faktoren können die effektive Zusammenarbeit innerhalb einer Crew beeinträchtigen. Deshalb gehört das wöchentliche Ausfüllen eines speziellen Fragebogens zu den Pflichten der Raumfahrer. Diese Fragebögen wurden von Psychologen erarbeitet. Einige Fragen betreffen auch die Interaktion mit den Bodenstationen in den USA und in Russland.

Im Rahmen des russischen Forschungsprogramms wurden vor allem biomedizinische und technologische Experimente durchgeführt. Beispielsweise wurde die Herzaktivität bei sportlicher Belastung (Experiment Cardio-ODTN) gemessen. Dabei wurde auch der Unterdruck-Anzug Tschibis eingesetzt. Mit ihm wird die untere Körperhälfte einem Unterdruck (von 10 bis 60 mm Quecksilbersäule) ausgesetzt. Dadurch wird mehr Blut in die unteren Körperbereiche gepumpt. Dies bedeutet für den Blutkreislauf in der Schwerelosigkeit eine gewisse Entlastung. Beim Experiment Parodont wurde der Mundraum näher erforscht. Unter anderem wurden die Konzentration von Immunglobulin, das Mengenverhältnis von Krankheitserregern und Antikörpern sowie die einzelnen Bestandteile der Mikroflora in der Mundhöhle bestimmt. Dazu wurden Speichelproben und Zahnabstriche genommen und eingefroren. Die Experimente Prognos und Bradoz dienten der Entwicklung einer Echtzeit-Vorhersagemethode und der genaueren Bestimmung der tatsächlichen Strahlenbelastung der Besatzung. Dazu kamen neben bewährten Dosimetern auch neuartige Systeme zum Einsatz, die Thermoluminiszenz, Halbleitermaterialien und Samen höherer Pflanzen als Detektoren verwenden. Neben der Strahlendosis können so auch die direkten biologischen und genetischen Auswirkungen festgestellt werden. Damit beschäftigte sich auch das Experiment Poligen. Untersuchungsgegenstand waren Fruchtfliegen (Drosophila), deren genetische Widerstandsfähigkeit unter den Strahlungsbedingungen des erdnahen Weltraums erforscht wurde. Mit der Effizienz von Medikamenten in der Schwerelosigkeit befasste sich das Experiment Farma. Untersucht wurde die Aufnahme, Verteilung und der Abbau eines Wirkstoffs mit Hilfe von Speichel- und Blutproben.

Die Messung der Lärmbelastung in den wichtigsten Arbeits- und Lebensbereichen der ISS ist Gegenstand von Infrazvuk M. Da die Luft innerhalb der Raumstation nicht von selbst zirkuliert, muss eine Vielzahl von Ventilatoren dafür sorgen, dass verbrauchte Luft ständig durch frische ersetzt wird. Uragan beschäftigte sich mit der Erprobung boden- und weltraumgestützter Systeme zur Vorhersage natürlicher oder vom Menschen verursachter Katastrophen auf der Erde. Die Weltmeere hatte das Experiment Diatomeya im Visier. Durch Videoaufnahmen sollen hierbei bioproduktive Zonen in den Ozeanen gefunden und dokumentiert werden. Bei Identifikatsija ging es um die strukturellen Belastungen der Station bei Kopplungsmanövern, Kurskorrekturen, sportlichen Aktivitäten der Besatzungsmitglieder sowie Außenbordarbeiten. Dazu wurden Beschleunigungswerte in unterschiedlichen Teilen der Station mit linear-optischen und konventionellen Systemen gemessen. Im Mittelpunkt des Experimentes Tenzor stand die Erprobung neuer Techniken, die Bewegungscharakteristik der ISS genauer bestimmen zu können. Dazu gehören Trägheitsmomente, der Luftwiderstand der wachsenden Station und die genaue Bestimmung ihres Schwerpunktes. Im Rahmen von Vektor T wurden die Bewegungsparameter der Station mittels GLONASS-Sensoren gemessen. GLONASS ist das russische Gegenstück zum amerikanischen Global Positioning System (GPS). Ziel ist die Erarbeitung einer möglichst genauen Vorhersage der Bahnänderungen infolge der Bremswirkung der Restatmosphäre. Die Qualität der Mikrogravitation an Bord wurde beim Experiment Izgib untersucht, während sich Priviazka mit Formveränderungen der Station befasste. Bei Iskazhenije waren magnetische Interferenzen und ihre möglichen Auswirkungen auf die Durchführung von Experimenten sowie die Orientierung am Erdmagnetfeld Untersuchungsgegenstand. Ziel von Skorpion ist die Entwicklung eines verbesserten Systems zur Erfassung von Umweltparametern. Dazu gehören Mikrogravitation, elektromagnetische Felder, Teilchenstrahlung sowie klimatische Bedingungen. Für viele Experimente ist es wichtig, die genauen Umweltbedingungen zu kennen, um die erreichten Resultate richtig bewerten zu können.

Am 30. April 2001 legte das russische Raumschiff Sojus TM-32 an der ISS an. Es handelte sich um die erste sogenannte "Taxi-Crew". Dennis Tito (USA) zahlte 20 Millionen Dollar für seinen Flug als erster Weltraum-Tourist. Hauptaufgabe des Fluges war aber der planmäßige Austausch des bisherigen "Rettungsbootes" der ISS (Sojus TM-31). Diese Funktion übernahm nun Sojus TM-32. Der regelmäßige Austausch ist wegen der begrenzten Betriebsdauer der Sojus-Raumschiffe erforderlich.

Der unbemannte russische Frachter Progress M1-6 legte am 23. Mai 2001 um 00:23:57 UTC an der Internationalen Raumstation an. Er war am 20. Mai 2001 um 22:32:40 UTC vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Das Transport-Raumschiff brachte 960 kg Treibstoff, 261 kg Nahrung und medizinischen Gütern, 419 kg persönliche Dinge der Stammbesatzung, 172 kg wissenschaftlicher Ausrüstung und 19 kg weiterer Gerätschaften und Dokumentationen. Darunter war auch eine neue Festplatte für den dritten Kommandocomputer der ISS, womit das System wieder voll funktionsfähig wurde zur Stammbesatzung. Am 22. August 2001 um 06:02 UTC koppelte Progress M1-6 wieder ab. Der Frachter wurde kontrolliert zum Absturz gebracht und verglühte am selben Tag über dem Pazifischen Ozean.

Eine IVA durch James Voss und Juri Ussatschow aus der ISS erfolgte am 08. Juni 2001 (19 Minuten) zur Installation eines Andock-Konus für die Ankunft des russischen Docking Compartment, das Ende 2001 andocken sollte. Es traten technische Probleme mit dem Greifarm der Raumstation (Canadarm2) auf. Weitere wissenschaftliche Arbeiten an Bord der Station (insgesamt 18 verschiedene Experimente) wurden ausgeführt. Zwei Progress Versorgungsraumschiffe wurden entladen.


Am 14. Juli 2001 erreichte STS-104 die Internationale Raumstation.
Die höchste Priorität hatte auf diesem Flug (ISS-10-7A Joint Airlock) die Anlieferung und Installation einer auf den Namen Quest getauften Luftschleuse. Um die Masse des Systems von 6,5 Tonnen sicher bewegen zu können, wurde der mit der STS-100 gelieferte Roboterarms Canadarm2 benötigt. Mit diesem Ausrüstungsgegenstand war die Phase 2 des Aufbaus der ISS abgeschlossen. Insgesamt blieb die Atlantis 8 Tage mit der ISS verbunden, an denen 3 EVAs durchgeführt wurden.

Quest dient als Ausstiegsschleuse für Außenbordarbeiten und kann sowohl mit amerikanischen als auch mit russischen Raumanzügen benutzt werden. Es besteht vor allem aus Aluminium, hat eine Leermasse von 6,1 t, ein Volumen von 34 m³, eine Gesamtlänge von 5,5 m sowie einen maximalen Durchmesser von 4,0 m.
Quest besteht aus zwei Sektionen: In der ersten, größeren Gerätesektion (Equipment Lock) bereiten sich die Raumfahrer auf ihren Ausstieg vor, legen die Raumanzüge an und testen deren korrekte Funktion. Nach dem Ausstieg werden hier außerdem Wartungsarbeiten an den Anzügen durchgeführt. Dazu gehört das Aufladen der Batterien und das Nachfüllen der Sauerstofftanks. Die zweite, schlankere Sektion (Crew Lock) ist die eigentliche Luftschleuse. Über spezielle Vakuumpumpen wird vor dem Öffnen der Außenluke die Luft in einen Tank evakuiert. Ansonsten entspricht dieser Teil des Moduls den bisher in amerikanischen Shuttles verwendeten Schleusen.
An der Außenseite der Schleuse befinden sich zwei große Sauerstoff- und zwei Stickstofftanks. Sie haben einen Durchmesser von 0,9 m, eine Masse von je 545,4 kg, bestehen aus Kohlefaserverbundmaterial, fassen 0,42 m³ Hochdruck-Gas und sind mit einem mehrschichtigen Meteoritenschutz ausgestattet. Außerdem verfügt das Schleusenmodul über Plattformen und Halterungen sowie Energie- und Kommunikationsanschlüsse.
Quest gehörte zu den zwingend erforderlichen Modulen der im Aufbau befindlichen Raumstation, da die amerikanischen Raumanzüge wegen größerer Abmessungen nicht durch die russischen Luftschleusen passen. Quest ist für Raumanzüge aus beiden Nationen geeignet.

Nach der erfolgreichen Ankopplung wurden zunächst die Luken geöffnet, so dass sich die beiden Mannschaften begrüßen konnten. Auch begannen sie mit dem Transport von Ausrüstungsgegenständen. Dazu gehören insbesondere Wasserbehälter für die ISS Expedition 2. Am Ende dieses Tages wurden die Luken der Raumfahrzeuge zur Vorbereitung der Außenbordarbeiten wieder geschlossen. Dadurch konnte der Kabinendruck im Space Shuttle abgesenkt werden. So lässt sich die Vorbereitungszeit der EVA-Astronauten in der Luftschleuse verkürzen, die dort reinen Sauerstoff atmen müssen.

Eine erste EVA unternahmen Michael Gernhardt und James Reilly am 14. Juli 2001 (5h 59m) zur Installation des Moduls Joint Airlock ("Quest") und zur Montage von zwei Sauerstofftanks. Zu Beginn des Außenbordeinsatzes hatte Susan Helms Quest mit Hilfe des Shuttle-Greifarms aus der Nutzlastbucht der Atlantis herausgehoben und am Modul Unity befestigt. Zuvor hatte Michael Gernhardt Isolationsmaterial von Andockpunkt der neuen Luftschleuse entfernt und für den Rücktransport zur Erde in der Luftschleuse der Atlantis verstaut. Nachdem Quest in Position gebracht worden war, schlossen Michael Gernhardt und James Reilly die notwendigen Strom- und Datenkabel an.

Nach einer über Nacht von den Flugkontrolleuren am Boden durchgeführten Dichtigkeitsprüfung, konnten die Astronauten an folgenden Tag erstmals die Luke zu Quest öffnen und die Systeme aktivieren. Am Ende des Arbeitstages wurden zur Vorbereitung der nächsten EVA wieder sämtliche Luken verschlossen.

Die zweite EVA erfolgte durch Michael Gernhardt und James Reilly am 18. Juli 2001 (6h 29m) zur Montage eines Sauerstofftanks und eines Stickstofftanks. Susan Helms hatte mit Hilfe des Shuttle-Greifarms die beiden Tanks aus der Nutzlastbucht der Atlantis herausgehoben und sie zur neuen Schleuse Quest transportiert. Michael Gernhardt und James Reilly konnten dann die notwenigen Anschlussarbeiten abschließen.

Die dritte und letzte EVA (erstmals aus der neuen Luftschleuse der ISS, Quest) wurde ebenfalls durch Michael Gernhardt und James Reilly am 20. Juli 2001 (4h 02m) zur Montage der beiden weiteren Sauerstofftanks und eines Stickstofftanks ausgeführt. Die Arbeiten verliefen im Wesentlichen ähnlich wie beim zweiten Außenbordeinsatz. Schließlich montierten Michael Gernhardt und James Reilly noch einige Haltegriffe an der Luftschleuse Quest sowie Isolierungen an den Tanks.

In der übrigen Zeit waren die Astronauten und Kosmonauten mit dem Transport weiterer Verbrauchs- und Ausrüstungsgüter sowie einigen Experimenten von der Atlantis in die Internationale Raumstation beschäftigt.

Am 22. Juli 2001 koppelte die Atlantis-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Charles Hobaugh die Orbitalstation ein Mal, ehe die Triebwerke der Atlantis erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.


Während ihres Aufenthaltes an Bord der ISS führte die Crew der Expedition 2 folgende wissenschaftlichen Experimente durch (vollständige Auflistung):
ADVASC (Advanced Astroculture),
ARIS-ICE (Active Rack Isolation System - ISS Characterization Experiment),
ARISS (Amateur Radio on the International Space Station),
BBND (Bonner Ball Neutron Detector),
Biosfera (Investigation of a Closed Ecological System),
Brados (Acquisition of Data About the Radiological, Electromagnetic and Different Physical Environments on Board ISS, and Their Effects on the Safety of the Crew, Space Equipment and Materials),
Cardio-ODNT (Dynamics of the Main Factors of Cardiac Function, of Central and Regional Circulation in Rest and During the Influence of Lower Body Negative Pressure),
CEO (Crew Earth Observations),
CGBA-APS (Commercial Generic Bioprocessing Apparatus - Antibiotic Production in Space),
Clinical Nutrition Assessment (Clinical Nutrition Assessment of ISS Astronauts, SMO-016E),
CPCF-2 (Commercial Protein Crystallization Factory - 2: Producing Protein Crystals with Highly Refined Crystal Structure for the Development of New-Generation Medicines),
CPCG-H (Commercial Protein Crystal Growth - High Density),
Diatomeya (Stability of Geographical Position and Configuration of Borders of Bioproductive Water Zones of the World Oceans, Observations by Orbition Station Crews),
DOSMAP (Dosimetric Mapping),
EarthKAM (Earth Knowledge Acquired by Middle School Students),
Environmental Monitoring (Environmental Monitoring of the International Space Station),
EXPPCS (EXPRESS Physics of Colloids in Space),
Farma (Characteristics of Pharmacological Responses (absorption, distribution and elimination of acetominophene) in Long Duration Space Flight),
H-Reflex (Effects of Altered Gravity on Spinal Cord Excitability),
Identifikatsia (Identification of the Sources of Dynamic Loads on ISS),
Inflight Education Downlinks (International Space Station Inflight Education Downlinks),
Infrazvuk-M (Integrated Research of Electromagnetic and Acoustical Fields of Extremely Low Frequency Bands Inside the Russian Modules on ISS),
Interactions (Crewmember and Crew-Ground Interaction During International Space Station Missions),
Iskazheniye (Determination and Analysis of Magnetic Interference on ISS),
ISS Acoustics (International Space Station Acoustic Measurement Program),
Izgib (Effect of Performance of Flight and Science Activities on the Function of On-Orbit Systems on ISS (Mathematical Model)),
Latent Virus (Incidence of Latent Virus Shedding During Space Flight),
MACE-II (Middeck Active Control Experiment-II),
Meteoroid (Recording Meteoroidal and Technogenic Particles on the External Surface of the Service Module of the Russian Segment of ISS),
Paradont (Condition of Peridontal Tissues in Space Flight),
PCG-EGN (Protein Crystal Growth-Enhanced Gaseous Nitrogen Dewar),
PCG-STES-IDQC (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Improved Diffraction Quality of Crystals),
PCG-STES-SA (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Science and Applications of Facility Hardware for Protein Crystal Growth),
PCG-STES-VEKS (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Vapor Equilibrium Kinetics Studies),
Plasma Crystal (Dusty and Liquid Plasma Crystals in Conditions of Microgravity),
Poligen (Revealing Genotypical Characteristics, Defining Individual Differences in Resistance of Biological Oranisms to Factors of Long Duration Space Flight),
Popular Mechanics (Commercial Promotion of Popular Mechanics Journal),
Privyazka (Development of High Precision Orientation of Scientific Devices in Space with Reports of Deformation of the ISS Hull),
Prognoz (Development of a Method of Operational Prediction of Work Load on Crew Piloting Objectives),
SKR (Skorpion: Development and Acquisition of Multifunctional Control-Measurement Device for Controlling the Environment of Scientific Experiments Inside a Pressurized Station),
Subregional_Bone (Subregional Assessment of Bone Loss in the Axial Skeleton in Long-term Space Flight),
Tenzor (Definition of Dynamic Characteristics of ISS),
Torso (Organ Dose Measurement Using the Phantom Torso),
Uragan (Hurricane: Experimental Development of Groundbased System of Monitoring and Predicting the Progression of a Naturally Occurring Technogenic Catastrophe),
Vektor-T (Study of a High Precision System for Prediction Motion of ISS),
Vzglyad (Photographing the Interior of ISS).

Aufbau der ISS

Quest Airlock

Animation Aufbau (externer Link)

Fotos / Zeichnungen

mehr Fotos Erdbeobachtung


©      

Letztes Update am 11. Oktober 2014.