Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 217

Sojus TM-31

STS-102
Uran

Russland

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  31.10.2000
Startzeit:  07:53 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  190 - 248,6 km
Inklination:  51,68°
Ankopplung ISS:  02.11.2000, 09:21:03 UTC
Abkopplung ISS:  06.05.2001, 02:21:09 UTC
Landedatum:  21.03.2001
Landezeit:  07:31 UTC
Landeort:  82 km NNO von Arkalyk

Crew auf dem Weg zum Start

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Gidsenko  Juri Pawlowitsch  Kommandant 2 140d 23h 38m  2226 
2  Krikaljow  Sergej Konstantinowitsch  Bordingenieur 5 140d 23h 38m  2226 
3  Shepherd  William McMichael  Bordingenieur 4 140d 23h 38m  2226 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Gidsenko
2  Krikaljow
3  Shepherd
Landung
1  Mussabajew
2  Baturin
3  Tito

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Deshurow  Wladimir Nikolajewitsch  Kommandant
2  Tjurin  Michail Wladislawowitsch  Bordingenieur
3  Bowersox  Kenneth Dwane "Sox"  Bordingenieur

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Flugverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung auf Cape Canaveral (KSC). Expedition 1 der ISS.

Nach zwei Flugtagen erfolgte die Ankopplung an die Internationale Raumstation ISS am 02. November 2000. Nach dem Umstieg erfolgte die Inbetriebnahme der neuen Raumstation. Außerdem wurden erste Reparaturarbeiten ausgeführt und ein zwischenzeitlich angedocktes Progress-Versorgungsraumschiff (Progress M1-3) entladen. Während dieser Mission wurden aber auch die ersten vier wissenschaftlichen Experimente durchgeführt, wie z.B. Kristallzüchtungen und Erdbeobachtung.

Der unbemannte russische Frachter Progress M1-4 legte am 18. November 2000 um 03:47:42 UTC an der Internationalen Raumstation an. Wegen eines Softwarefehlers versagte das automatische Kopplungssystem, sodass Progress manuell mit Hilfe des TORU-Systems (Telerobotically Operated Rendezvous Unit) angekoppelt werden musste. Er war am 16. November 2000 um 01:32:36 UTC vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Das Transport-Raumschiff brachte zwei Tonnen Bekleidung, Versorgungsgüter, Sauerstoff, Computerhardware sowie einige Geschenke der Familien der drei Raumfahrer zur Stammbesatzung. Mitgekommen war auch eine neue Luftreinigungsanlage, die ein gleichartiges defektes Gerät in der Station ersetzte. Um für die Raumfähre STS-97 Platz zu machen, wurde Progress M1-4 am 01. Dezember 2000 abgekoppelt und in einen Parkorbit, etwa 2.300 Kilometer von der Station entfernt, gebracht. Das erneute Andocken erfolgte am 26. Dezember 2000. Dabei kam eine neue Software zum Einsatz, die zuvor in den Computer des Raumschiffes überspielt worden war. Am 08. Februar 2001 um 11:26:04 UTC koppelte Progress M 1-4 wieder ab. Der Frachter wurde kontrolliert zum Absturz gebracht und verglühte am selben Tag über dem Pazifischen Ozean.


Am 02. Dezember 2000 legte STS-97 als erste Besuchsmannschaft an die Raumstation an.
Bei der STS-97 handelte es sich um einen weiteren Ausrüstungsflug für die Internationale Raumstation. Neben dem P6-Strukturelement wurden die Hauptphotovoltaikpaneele und Radiatoren zu deren Kühlung geliefert. Insgesamt war die Endeavour fünf Tage mit der ISS verbunden, während die Crew drei Ausstiege (EVAs) durchführte, um die Montage der mitgebrachten Elemente durchzuführen. Das Strukturelement P6 war mit 17 Tonnen Masse das bisher schwerste Modul, das für die ISS geliefert wurde. Die Solarmodule mussten im gefalteten Zustand transportiert werden.

Die Integrated Truss Structure (ITS; dt.: Integrierte Gitterstruktur) ist die tragende Gitterstruktur der Internationalen Raumstation (ISS). Sie bildet deren Rückgrat und ist senkrecht zur Flugrichtung ausgerichtet.
Die ITS ist wie die gesamte Raumstation modular aufgebaut. Die einzelnen Elemente tragen Bezeichnungen aus einer Buchstaben-/Zahlenkombination ("P" steht für Port, von engl. Backbord; "S" steht für Starboard, von engl. Steuerbord): P1, P3/P4, P5 und P6 sind in Flugrichtung links angeordnet, während auf der rechten Seite die Elemente S1, S3/S4, S5 und S6 montiert sind. Das Element S0 liegt in der Mitte und ist über das Destiny Labor mit dem bewohnten Teil der Station verbunden.
Die Integrated Truss Structure ist eine im Querschnitt trapezförmige, starre Leichtmetallstruktur mit zusätzlichen Querstreben. Für die Verbindung der einzelnen Segmente der Gitterstruktur existiert ein spezielles "Module-to-Truss Segment Attachment System". Für jede Verbindung gibt es einen fernbedienbaren Fangriegel, der beide Elemente zunächst locker verbindet und danach festgezogen wird. Außerdem greifen dann vier motorgetriebene Bolzen, die zusätzlich gesichert werden.

P6 und S6 sind die äußersten Segmente der Integrated Truss Structure. Beide bestehen sowohl aus einer Gitterstruktur als auch aus Solarzellenflächen. P6 wurde während der STS-97-Mission ins All gebracht und am 03. Dezember 2000 zunächst am Sockel Z1 befestigt. Es wurde während der STS-120-Mission am 30. Oktober 2007 an seinen endgültigen Platz am backbordseitigen (in Flugrichtung linken) Teil der ISS, dem P5-Element verlagert.

Neben den kleineren Solarzellen an den russischen Modulen, die vor allem zu Baubeginn genutzt wurden, verfügt die ISS über vier große Solarelemente. Es befinden sich je zwei Solarzellenträger an den Enden der ITS-Gitterstruktur: die Elemente P6 und P4 auf der Backbord- sowie S6 und S4 auf der Steuerbordseite. Die Elemente können um 360° gedreht werden, um immer optimal auf die Sonne ausgerichtet zu sein.
Jede der acht Solarzellenflächen ist entfaltet 35,05 m lang und 11,58 m breit. Eine Fläche, deren Masse 1,1 t beträgt, besteht aus 32.800 einzelnen Solarzellen, die zu Streifen von je 400 Stück zusammengefasst sind. Ein Paneel ist aus 82 Streifen gefertigt und kann 32,8 kW Gleichstrom erzeugen. Da beide Flächen voneinander entgegengesetzt entfaltet werden, haben sie zusammen eine Spannweite von 73 m.
Jede Solarzellenfläche (Solar Array Wing) besteht aus einem faltbaren Gittermast, zwei faltbaren Solarzellenpaneelen, Spanndrähten zum Ausfahren oder Zurückziehen der Paneele sowie Einrichtungen zu deren Steuerung. Außerdem sind Einrichtungen zur Stabilisierung und Speicherung elektrischer Energie sowie zur Kühlung sämtlicher Anlagen vorhanden. Der elektrische Strom gelangt über 82 Leitungen pro Paneel zu drei Ladesystemen mit je zwei Nickel-Wasserstoff-Akkus. Die Spannung wird auf etwa 140 V geregelt.

Mit der Endeavour gelangte das erste seitliche Gitterstrukturelement P6 mit Solarzellenpaneelen, Batterien und Radiatoren zur internationalen Raumstation. Es wurde nach dem Andocken am zweiten Flugtag mit dem Greifarm des Shuttle aus der Ladebucht gehoben. So konnten sich alle Teile des Moduls an die Temperaturen im freien Weltraum anpassen. Anschließend wurden mehrere Frachtboxen in die Kopplungsschleuse zwischen Shuttle und Unity transportiert. Die Besatzung der Station holte sie später dort ab.
Werden vom Shuttle aus Außenbordeinsätze durchgeführt, dann wird der Druck im Shuttle abgesenkt. Dadurch gewöhnen sich die Außenbordarbeiter an einen niedrigeren Luftdruck, der später auch in ihren Raumanzügen herrscht. Die US-Astronauten atmen in ihren Raumanzügen reinen Sauerstoff. Durch den niedrigeren Druck blähen sich die Raumanzüge nicht so stark auf und können leichter gebaut werden. Auch bleiben die Finger beweglicher. In der Raumstation dagegen herrscht der normale Luftdruck. Deshalb konnte erst nach Abschluss der Außenbordarbeiten der Druck ausgeglichen werden und ein kurzer Umstieg erfolgen.

Die erste EVA wurde durch Joseph Tanner und Carlos Noriega am 03. Dezember 2000 (7h 33m) ausgeführt. Die Astronauten führten Vorbereitungsarbeiten für die Montage des Energiemoduls aus und überwachten dessen Ankopplung an das Gitterelement Z1. Anschließend verbanden sie mehrere Energie- und Datenkabel und lösten Verriegelungen am Ausfahrmechanismus der Solarzellenpaneele. Während sich Paneel 1 innerhalb von 13 Minuten ausfahren ließ, schlug dies beim zweiten Paneel zunächst fehl, da sich eine Verriegelung nicht löste. Dies gelang im zweiten Anlauf. Das Paneel wurde am vierten Flugtag in mehreren Etappen bedeutend langsamer als das erste ausgefahren. Beim schnellen Entfalten des ersten Paneels waren die Spanndrähte aus ihrer Führung gesprungen. Deshalb entschied man sich beim zweiten Paneel für ein anderes Verfahren.

Eine zweite EVA wurde ebenfalls durch Joseph Tanner und Carlos Noriega am 05. Dezember 2000 (6h 37m) unternommen. Dabei verbanden die Astronauten elektrische Leitungen zwischen dem neu entstandenen Gitterverbund P6/Z1 und dem Modul Unity. Alle 12 Batterien waren bereits aufgeladen und lieferten wenig später den ersten Strom für die Station. Außerdem wurden nicht mehr benötigte Temperaturschutzabdeckungen abgebaut, die S-Band-Antenne an ihren endgültigen Standort verlegt, Kühlmittelleitungen installiert und die Verriegelung eines Radiators gelöst. Dieser wurde später ausgefahren und dient der Wärmeregulierung der Solarzellenflächen. Schließlich lösten Joseph Tanner und Carlos Noriega Kabel am zweiten Kopplungsadapter von Unity. Dieser wird bei der Ankunft des Forschungsmoduls Destiny an einen anderen Standort verlegt. Bei allen Arbeiten unterstützte Marc Garneau die Außenbordmonteure mit dem Greifarm des Shuttle.

Die dritte und letzte EVA durch Joseph Tanner und Carlos Noriega erfolgte am 07. Dezember 2000 (5h 10m). Die diente zum einen der Reparatur des ersten Solarzellenpaneels. Dazu wurde es kurzzeitig um etwa einen Meter wieder eingefahren. Anschließend wurden die Spanndrähte entwirrt und gespannt. Zum zweiten montierten Joseph Tanner und Carlos Noriega ein Gerät zur Messung des elektrischen Potentials in der Umgebung der Station an der Spitze des Solarzellenmoduls P6. Bei hoher elektrostatischer Aufladung sollen Elektronen-Emitter dafür sorgen, dass keine Lichtbögen an den Paneelen entstehen. Schließlich installierten die beiden Astronauten ein Kamerakabel auf Unity. Eine kleine Kamera wird beim nächsten Shuttle-Flug das Andocken des Labormoduls Destiny erleichtern.

Erst nach diesen Arbeiten erfolgte der Umstieg der Endeavour-Besatzung zur ersten ISS-Besatzung (08. Dezember 2000). Die Astronauten transportierten Geräte, Versorgungsgüter und Abfälle und unternahmen ein gemeinsames Experiment, bei dem die Stabilität des Komplexes während kurzer Antriebsphasen getestet wurde. Nach der Abkopplung 09. Dezember 2000 umflog das Space Shuttle, gesteuert von Michael Bloomfield, die Raumstation. Währenddessen wurden detaillierte Aufnahmen vor allem von den neuen Bauteilen gemacht.


Als zweites Space Shuttle koppelte STS-98 am 09. Februar 2001 an die ISS an.
Die Mannschaft der Mission ISS-06-5A Lab "Destiny" lieferte das amerikanische Labormodul Destiny als Erweiterung der im Bau befindlichen Internationalen Raumstation (ISS). Insgesamt war die Raumfähre Atlantis sechs Tage mit der Station verbunden. In dieser Zeit führte die Crew drei Ausstiege durch, um Destiny zu installieren und in Betrieb zu nehmen.

Destiny (englisch für Schicksal) ist das vierte Modul der Internationalen Raumstation und das zweite aus den USA. Es hat eine zylindrische Form, ist 8,5 m lang, hat einen Durchmesser von 4,3 m und eine Leermasse von 14,5 t. Vollständig ausgerüstet liegt seine Masse bei 24,0 t.
Am Heck ist Destiny dauerhaft mit dem Kopplungsmodul Unity, am Bug mit dem Verbindungsknoten Harmony verbunden.
Die Hülle des Labormoduls besteht aus Aluminium und ist zusätzlich mit einem Mikrometeoritenschutz umgeben. Dieser besteht aus einem Material, das dem schusssicherer Westen ähnelt. Destiny verfügt über ein großes Fenster, das sich mit einer Art Fensterladen verschließen lässt. Über dieses Fenster soll vor allem erdbezogene Forschung erfolgen.
Insgesamt stehen 24 Standard-Racks zur Verfügung: 13 davon können für Experimente und wissenschaftliche Ausrüstung, während die übrigen 11 zur Steuerung oder als Lagerraum genutzt werden. Beim Start waren vier Racks montiert. Sie dienen in erster Linie der Steuerung der wichtigsten Systeme und der Lebenserhaltung. Enthalten sind Anlagen zur Luftventilation, zwei Kühlsysteme auf Wasserbasis (4 °C- und 17 °C-System), zwei sogenannte Avionics-Racks mit Steuerungssystemen für die interne Kommunikation, für Lageregelung, Lebenserhaltung, Umweltdaten, Kopplungsmechanismen, Druckausgleich, Befehls- und Datenverarbeitung sowie das Energie- und das Alarmsystem (Feuerdetektion und Luftdruckkontrolle). Zusätzlich installiert wurde ein fünftes Rack mit einem Luftaufbereitungssystem.

Nach einer kurzen Begrüßungszeremonie mit der ersten Expedition der ISS, bei der auch Wasser, ein Computer, Kabel, frisches Obst, Spielfilme auf DVD und weitere persönliche Familiengeschenke in die Station gelangten, wurden die Luken für die bevorstehenden Außenbordarbeiten wieder geschlossen.

Am Morgen des 11. Februar 2001 demontierte Marsha Ivins mit Hilfe des Greifarms der Atlantis den Kopplungsadapter PMA-2 von Unity und transportierte ihn an eine vorgesehene Zwischenposition an der Gitterstruktur der Station. Erst danach erfolgte die erste EVA durch Thomas Jones und Robert Curbeam am 10. Februar 2001 (7h 34m). Nach dem Verlassen der Schleuse begab sich Thomas Jones zur Gitterstruktur und kontrollierte die korrekte Position des Adapters. Danach fungierte er als Lotse für den Transport des Labormoduls Destiny. Robert Curbeam hatte währenddessen die Halterungen von Destiny sowie die Stromkabel und Kühlleitungen gelöst sowie Schutzverkleidungen von den Kopplungsmechanismen entfernt. Mit dem Greifarm wurde das Modul anschließend aus der Ladebucht gehoben, um 180° gedreht und in die korrekte Position am Modul Unity gebracht. Automatische Kopplungsbolzen sicherten anschließend die Verbindung. Dann verbanden Thomas Jones und Robert Curbeam eine Reihe von Strom- und Datenkabeln sowie Kühlmittelleitungen zwischen Unity und Destiny. Aus einer der Leitungen trat dabei eine geringe Menge Ammoniak in kristalliner Form aus. Um eine Kontamination des Shuttle zu vermeiden, hielt sich Robert Curbeam eine halbe Stunde lang im direkten Sonnenlicht auf, um die Kristalle verdampfen zu lassen. Thomas Jones bürstete ihn und die Ausrüstung zusätzlich ab. Nach dem Wiedereinstieg und einem Druckausgleich zwischen Schleuse und Shuttle-Kabine trugen die Astronauten etwa 20 Minuten lang Atemmasken. Danach konnte eine Kontamination ausgeschlossen werden.

Anschließend betraten beide Crews das neue Modul und arbeiteten am Anschluss und der Aktivierung wichtiger Anlagen. Dazu gehörten Luftventilation, zwei Kühlsysteme auf Wasserbasis (4°C- und 17°C-System), zwei sogenannte Avionics-Racks mit Steuerungssystemen für die interne Kommunikation, für Lageregelung, Lebenserhaltung, Umweltdaten, Befehls- und Datenverarbeitung sowie das Energiesystem. Zusätzlich installiert wurde ein Rack mit einem Luftaufbereitungssystem. Es absorbiert normalerweise Kohlendioxid aus der Stationsluft und unterstützt damit das Vosduch-System, das im Modul Swesda untergebracht ist, konnte aber wegen eines Defekts nicht in Betrieb genommen werden. Aktiviert wurden aber die Bordcomputer sowie das Feuermelde- und Alarmsystem.

Die zweite EVA durch Thomas Jones und Robert Curbeam erfolgte am 12. Februar 2001 (6h 50m). Dabei wurde zunächst der Kopplungsadapter PMA-2 von seiner zeitweiligen Position am Gitterelement Z1 zur Front des Labormoduls Destiny transportiert und dort angedockt. Diese Aufgabe übernahm Marsha Ivins, die den Greifarm des Shuttle bediente. Thomas Jones und Robert Curbeam überwachten das Lösen bzw. später das Einrasten der automatischen Verriegelung. Danach befestigten sie Abdeckungen an den Haltebolzen im Laderaum der Atlantis, montierten einen Entlüftungskanal, mehrere Halterungen und Spanndrähte für spätere Außenbordarbeiten und einen Sockel für den kanadischen Greifarm der Station an Destiny. Der Greifarm wurde bei einer späteren Shuttle-Mission zunächst an Destiny angebracht und erst später auf einen Führungsschlitten verlegt. Auf diesem kann er dann auf der Gitterstruktur entlanggleiten und an verschiedenen Orten genutzt werden. Da Thomas Jones und Robert Curbeam die geplanten Arbeiten schneller ausführten als geplant, konnten sie anschließend noch Strom- und Datenleitungen zwischen dem Labormodul und dem Kopplungsadapter verbinden, die Verkleidung am Fenster des Labormoduls entfernen und eine Fensterklappe montieren, deren Schließmechanismus von innen bedient werden kann. Während des Wiedereinstiegs der beiden Astronauten wurden die Gyroskope auf Touren gebracht. Sie wurden an den folgenden Tagen umfassend getestet und übernehmen seither die Lageregelung für die gesamte Station. Die Steuerung erfolgt durch die Bordcomputer des Labormoduls.

Die dritte und letzte EVA unternahmen Thomas Jones und Robert Curbeam am 14. Februar 2001 (5h 25m). Die Astronauten montierten eine Reserve-Antenne (S-Band), überprüften sorgfältig die physischen Verbindungen zwischen Destiny und dem Kopplungsadapter PMA-2 und lösten die Sicherung des dritten Radiators an der Gitterstruktur. Er wird für die Abstrahlung überschüssiger Wärme, die im neuen Stationsmodul entsteht, benötigt. Den Abschluss der Arbeiten bildete die Dokumentation der Außenhaut der neuen Bauteile durch Fotografien und die Erprobung eines Rettungsverfahrens für bewusstlose Raumfahrer während eines Ausstiegs.

Am letzten gemeinsamen Arbeitstag mit der ISS-Mannschaft wurden weitere Materialien in die Station transportiert. Zu den insgesamt 1,5 Tonnen Versorgungsgütern gehörten neben Wasser und Nahrung vor allem Ersatzteile, Bekleidung, Werkzeug, Computerzubehör, ein Ersatzcomputer, eine Reserveanlage zur Kohlendioxidabsorption und ein Raumanzug für Außenbordeinsätze. In der Gegenrichtung wurden 420 Kilogramm Abfall und Verpackungsmaterial entsorgt. Außerdem fanden eine Videokonferenz mit Schülern in Maryland sowie eine Pressekonferenz mit Journalisten und Wissenschaftlern in den Kontrollzentren in Houston und Moskau statt. An den zurückliegenden Tagen war die Bahn des Komplexes während vier Antriebsperioden um knapp 30 Kilometer angehoben worden.

Während der Mission wurden auch einige kleinere wissenschaftliche Untersuchungen angestellt. Zum einen wurde ein mit einer Vielzahl von eingefrorenen Proteinproben gefülltes Gefäß in die Station transportiert. Das Gefäß ist von flüssigem Stickstoff umgeben. Dieser verdampft allmählich, wodurch die Temperatur im Gefäß steigt und die Proben auftauen. Nach etwa 11 Tagen beginnt dann die Kristallisation der Proteine. Die Proben wurden zur genaueren Untersuchung bei der Mission STS-102 im März 2001 zurück zur Erde gebracht. Das Student Crystal Experiment wurde von über 400 Schülern 89 amerikanischer Schulen geplant. Mit diesem und weiteren Experimenten (SEEDS, EarthKAM) will die NASA Interesse und Begeisterung an der bemannten Raumfahrt fördern.

Am 16. Februar 2001 koppelte die Atlantis-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Mark Polansky die Orbitalstation eineinhalb Mal, ehe die Triebwerke der Atlantis erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.


Am 24. Februar 2001 umflog die Crew die ISS (Juri Gidsenko als Pilot), um ihr Sojus Raumschiff vom Swesda-Modul zum Sarja-Modul umzudocken, damit das Versorgungsraumschiff Progress M-44 andocken konnte. Die Sojus entfernte sich bis auf etwa 150 m von der Station, umflog diese teilweise und näherte sich von unten dem vorderen Teil des Moduls Sarja.

Der unbemannte russische Frachter Progress M-44 legte am 28. Februar 2001 um 09:49:47 UTC an der Internationalen Raumstation an. Er war am 26. Februar 2001 um 08:09:35 UTC vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Das Transport-Raumschiff brachte Treibstoff, Ersatzteile, Bekleidung, Nahrung, Computer, Büromaterial und das erste ESA-Experiment PKE (Plasmakristall-Experiment) zur Stammbesatzung. Am 16. April 2001 um 08:48 UTC koppelte Progress M-44 wieder ab. Der Frachter wurde kontrolliert zum Absturz gebracht und verglühte am selben Tag über dem Pazifischen Ozean.

Während der Mission wurden vor allem biomedizinische Experimente durchgeführt. Dabei wurde u. a. die Herzaktivität bei sportlicher Belastung (Experiment Cardio-ODTN) gemessen. Außerdem wurde der Unterdruckanzug Tschibis eingesetzt. Mit ihm wird die untere Körperhälfte einem Unterdruck (von 10 bis 60 mm Quecksilbersäule) ausgesetzt. Dadurch wird mehr Blut in die unteren Körperbereiche gepumpt. Dies bedeutet für den Blutkreislauf eine gewisse Entlastung. Weitere medizinische Untersuchungen betrafen die Menge und Verteilung des Blutes im menschlichen Organismus (Experiment Sprut MBI). Dabei sind vor allem Veränderungen im Verhältnis zwischen zellularem und im Kreislauf befindlichem Blut interessant. Beim Experiment Parodont wurde der Mundraum näher erforscht. Unter anderem wurden die Konzentration von Immunglobulin, das Mengenverhältnis von Krankheitserregern und Antikörpern sowie die einzelnen Bestandteile der Mikroflora in der Mundhöhle bestimmt. Dazu wurden Speichelproben und Zahnabstriche genommen und eingefroren. Die Experimente Prognos und Bradoz dienten der Entwicklung einer Echtzeitvorhersagemethode und der genaueren Bestimmung der tatsächlichen Strahlenbelastung der Besatzung. Dazu kamen neben bewährten Dosimetern auch neuartige Systeme zum Einsatz, die Thermoluminiszenz, Halbleitermaterialien und Samen höherer Pflanzen als Detektoren verwenden. Neben der Strahlendosis können so auch die direkten biologischen und genetischen Auswirkungen festgestellt werden. Uragan beschäftigte sich mit der Erprobung boden- und weltraumgestützter Systeme zur Vorhersage natürlicher oder vom Menschen verursachter Katastrophen auf der Erde. Auch beim Experiment Crew Earth Observation (CEO) ging es um die Beobachtung und Dokumentation besonderer Formationen auf der Erde. Dazu zählten unter anderem große Flussdeltas in Süd- und Ostasien, Korallenriffe, Überflutungsgebiete, Gletscher, Einschlagkrater, Erdfalten und ökologisch sensitive Flächen sowie Wetterphänomene wie El Niño. Bei Identifikatsija ging es um die strukturellen Belastungen der Station bei Kopplungsmanövern, Kurskorrekturen, sportlichen Aktivitäten der Besatzungsmitglieder sowie Außenbordarbeiten. Dazu wurden Beschleunigungswerte in unterschiedlichen Teilen der Station mit linear-optischen und konventionellen Systemen gemessen. Im Mittelpunkt des Experimentes Tensor stand die Erprobung neuer Techniken, die Bewegungscharakteristik der ISS genauer bestimmen zu können, im Mittelpunkt. Dazu gehörten die Bestimmung der Trägheitsmomente, der Luftwiderstand der wachsenden Station und die genaue Bestimmung ihres Schwerpunktes. Die Qualität der Mikrogravitation an Bord wurde beim Experiment IZGIB untersucht, während sich Priviazka mit Formveränderungen der Station befasste. Bei Iskaschenije waren magnetische Interferenzen und ihre möglichen Auswirkungen auf die Durchführung von Experimenten sowie die Orientierung am Erdmagnetfeld Untersuchungsgegenstand.

Die Crew kehrte mit STS-102 zur Erde zurück.

Während ihres Aufenthaltes an Bord der ISS führte die Crew der Expedition 1 folgende wissenschaftlichen Experimente durch:
ARISS (Amateur Radio on the International Space Station),
Brados (Acquisition of Data About the Radiological, Electromagnetic and Different Physical Environments on Board ISS, and Their Effects on the Safety of the Crew, Space Equipment and Materials),
Cardio-ODNT (Dynamics of the Main Factors of Cardiac Function, of Central and Regional Circulation in Rest and During the Influence of Lower Body Negative Pressure),
CEO (Crew Earth Observations),
Clinical Nutrition Assessment (Clinical Nutrition Assessment of ISS Astronauts, SMO-016E),
Education-SEEDS (Space Exposed Experiment Developed for Students),
Environmental Monitoring (Environmental Monitoring of the International Space Station),
Identifikatsia (Identification of the Sources of Dynamic Loads on ISS),
Inflight Education Downlinks (International Space Station Inflight Education Downlinks),
Iskazheniye (Determination and Analysis of Magnetic Interference on ISS),
ISS Acoustics (International Space Station Acoustic Measurement Program),
Izgib (Effect of Performance of Flight and Science Activities on the Function of On-Orbit Systems on ISS (Mathematical Model)),
Latent Virus (Incidence of Latent Virus Shedding During Space Flight),
MACE-II (Middeck Active Control Experiment-II),
Paradont (Condition of Peridontal Tissues in Space Flight),
PCG-EGN (Protein Crystal Growth-Enhanced Gaseous Nitrogen Dewar),
Plasma Crystal (Dusty and Liquid Plasma Crystals in Conditions of Microgravity),
Privyazka (Development of High Precision Orientation of Scientific Devices in Space with Reports of Deformation of the ISS Hull),
Prognoz (Development of a Method of Operational Prediction of Work Load on Crew Piloting Objectives),
Sprut-MBI (Determination of Intracellular and Extracellular Fluid Volume in Humans in Space Flight),
Tenzor (Definition of Dynamic Characteristics of ISS),
Uragan (Hurricane: Experimental Development of Groundbased System of Monitoring and Predicting the Progression of a Naturally Occurring Technogenic Catastrophe).

Fotos

 

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Letztes Update am 03. Mai 2014.