Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 221

STS-100

Endeavour (16)

USA

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Patch STS-100 ISS-6A

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  19.04.2001
Startzeit:  18:40 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  320 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung ISS:  21.04.2001, 13:59:00 UTC
Abkopplung ISS:  29.04.2001, 17:34:00 UTC
Landedatum:  01.05.2001
Landezeit:  16:11 UTC
Landeort:  Edwards AFB

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Rominger  Kent Vernon  CDR 5 11d 21h 31m  186 
2  Ashby  Jeffrey Shears "Bones"  PLT 2 11d 21h 31m  186 
3  Hadfield  Chris Austin  MSP 2 11d 21h 31m  186 
4  Phillips  John Lynch  MSP 1 11d 21h 31m  186 
5  Parazynski  Scott Edward  MSP 4 11d 21h 31m  186 
6  Guidoni  Umberto  MSP 2 11d 21h 31m  186 
7  Lontschakow  Juri Walentinowitsch  MSP 1 11d 21h 31m  186 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Rominger
2  Ashby
3  Hadfield
4  Phillips
5  Parazynski
6  Guidoni
7  Lontschakow
Landung
1  Rominger
2  Ashby
3  Guidoni
4  Phillips
5  Parazynski
6  Hadfield
7  Lontschakow

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf der Edwards AFB.

Die höchste Priorität hatte auf diesem Flug (ISS-08-6A MPLM Raffaello) die Anlieferung und Installation des Roboterarms Canadarm2, Teil des Space Station Remote Manipulator Systems, der für den weiteren Ausbau der Station von essenzieller Bedeutung war. Insbesondere die mit dem Flug STS-104 geplante Installation Quest Joint Airlock lässt sich nur mit Hilfe des Roboterarms Canadarm2 ausführen. Die letzte Komponente, das Mobile Base System (MBS), wurde später mit dem Flug STS-111 angeliefert.
Weiter wurde ein neues Set an Experimenten mit Raffaello, dem zweiten von drei italienischen Mehrzweck-Logistik-Modulen geliefert. Zudem wurde neben diversen Versorgungsgütern auch eine UHF-Antenne zur Station gebracht, welche für die direkte Kommunikation bei Außenbordmanövern erforderlich ist.

Das Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) Raffaello, (Deutsch Mehrzwecklogistikmodul), wurde verwendet, um bei Space-Shuttle-Missionen Frachten zu und von der Internationalen Raumstation (ISS) in einem unter Luftdruck stehenden Raum zu transportieren.
Das Modul wurde während des Transportes mit dem Shuttle in dessen Ladebucht befestigt. Nach dem Andocken an die ISS wurde das MPLM mit Hilfe des Roboterarmes Canadarm2 aus der Ladebucht gehoben und am Unity-Modul angekoppelt. Anschließend wurde die Luke des Moduls geöffnet und die Astronauten erhielten Zugang zum MPLM, um es zu entladen sowie mit den zur Erde zu bringenden Frachten zu beladen. Bevor das Shuttle von der Station ablegte, wurde das Modul wieder in der Ladebucht befestigt und kehrte anschließend zusammen mit der Raumfähre zur Erde zurück.
Der wesentliche Vorteil dieses Verfahrens lag darin, dass Transportgüter, insbesondere die sogenannten International Standard Payload Racks, direkt vom MPLM in den amerikanischen Teil der Station verladen werden konnten. Kopplungsadapter vom APAS-Typ russischer Bauart, die auch zum Andocken des Space Shuttles benutzt werden, haben einen wesentlich geringeren Durchmesser und lassen kein Verladen sperriger Gegenstände zu. Weiterhin ermöglichte der Einsatz des MPLM, nicht mehr benötigte Ausrüstung und beendete Experimente zurück zur Erde zu transportieren. Andere Transportschiffe wie die unbemannten Progress- und ATV-Frachter verglühen beim Wiedereintritt und transportieren daher ausschließlich Müll von der Station ab.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Endeavour, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant Kent Rominger das spätere Docking erleichtern soll.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Endeavour von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 21. April 2001, hatte die Endeavour einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Endeavour schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm Kent Rominger die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. Nach den üblichen Haltepunkten bei 52 Meter und 9 Meter vor der ISS reduzierte er die Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

STS-100 wurde die erste Besuchsmannschaft der zweiten Stammbesatzung der ISS, die sich seit März 2001 an Bord der Station befand. Die Begrüßung der beiden Mannschaften konnte jedoch erst am fünften Flugtag nach dem Ende der ersten Außenbordarbeit erfolgen, weil zur Vorbereitung der EVAs der Kabinendruck im Space Shuttle abgesenkt worden war. So lässt sich die Vorbereitungszeit der EVA-Astronauten in der Luftschleuse verkürzen, die dort reinen Sauerstoff atmen müssen.

Eine erste EVA führten Chris Hadfield und Scott Parazynski am 22. April 2001 (7h 10m) zur Montage eines kanadischen Greifarms (Canadarm2) an die ISS durch. Jeffrey Ashby an der Steuerung des Shuttle-Greifarms manövrierte Canadarm2 auf einer Transportpalette aus der Ladebucht der Endeavour heraus an die für die Montage vorgesehenen Platz des ISS am Modul Destiny. Erst zu diesem Zeitpunkt verließen die beiden Astronauten die Luftschleuse. Nachdem Canadarm2 von der Palette gelöst worden und mechanisch mit zahlreichen Schrauben befestigt war, begann die Verkabelung des Greifarms. Ebenso wurden die für die präzise Steuerung von Canadarm2 erforderlichen Videokameras angebracht. Danach lösten Chris Hadfield und Scott Parazynski die UHF-Antenne von der Palette in der Ladebucht des Shuttle und montierten sie am neuen Greifarm der Station. Chris Hadfield unternahm den ersten Aufenthalt eines Kanadiers im freien Weltraum.

Am nächsten Tag öffneten die Astronauten und Kosmonauten erstmals die Luken zwischen der Endeavour und der Internationalen Raumstation. Vom Modul Destiny aus aktivierten James Voss und Susan Helms Canadarm2 und führten erste Bewegungstests durch. Scott Parazynski und Umberto Guidoni setzten das Logistikmodul Raffaello mit Hilfe des Shuttle-Greifarms aus der Nutzlastbucht der Endeavour an das Modul Unity um. Am Ende des Arbeitstages schlossen die Astronauten und Kosmonauten zur Vorbereitung der zweiten EVA wieder die Luken zwischen den beiden Raumfahrzeugen.

Die zweite und letzte EVA durch Chris Hadfield und Scott Parazynski wurde am 24. April 2001 (7h 40m) zur weiteren Verkabelung des neuen Greifarms unternommen. Außerdem entfernten sie das Early Communications System vom Modul Unity und machten so den Weg für die Montage der Quest Joint Airlock während der Mission STS-104 frei. Susan Helms an der Steuerung des neu montierten hob die Transportpalette in eine Parkposition über die Raumstation an. Zum Ende der Außenbordarbeiten brachten Chris Hadfield und Scott Parazynski noch einige Elektronik-Ersatzteile zur External Stowage Platform ESP an der Außenseite des Moduls Destiny.

Nach dem Abschluss der Außenbordarbeiten beförderte Susan Helms an der Steuerung des neuen Stations-Greifarms die nun nicht mehr benötigte Transportpalette in die Reichweite des Shuttle-Greifarms. Chris Hadfield, der den Shuttle-Greifarm bediente, übernahm die Palette und setzte sie zurück in die Ladebucht der Endeavour. Von dort aus trat sie die Heimreise zur Erde an.
Das Logistikmodul Raffaello wurde von den Mannschaften entladen, die mitgebrachten Ausrüstungsgüter an Bord der Raumstation verstaut und schließlich wurde Raffaello in die Nutzlastbucht der Endeavour zurückversetzt.
Zeitweise Computerprobleme (Computer Nr. 1 C&C1) auf der ISS führten zur Verlängerung der Kopplungszeit um einen Tag.

Kent Rominger zündete die Triebwerke der Endeavour für etwa eine Stunde und hob damit die Umlaufbahn der Internationalen Raumstation an. Anschließend verabschiedeten sich die Mannschaften voneinander und schlossen die Luken.

Am 29. April 2001 koppelte die Endeavour-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Jeffrey Ashby die Orbitalstation für eine Dreiviertel-Umkreisung, ehe die Triebwerke der Endeavour erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.

Fotos / Zeichnungen

 

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Letztes Update am 25. Juli 2014.