Stammbesatzungen der MIR

MIR: Expedition 4
(EO-4)

Besatzung, Start- und Landedaten

Nr.: 1 2 3
Nation:
Name:  Wolkow  Krikaljow  Poljakow
Vorname:  Alexander Alexandrowitsch  Sergej Konstantinowitsch  Waleri Wladimirowitsch
Position:  Kommandant  Bordingenieur  Forschungsarzt
Raumschiff (Start):  Sojus TM-7  Sojus TM-7  Sojus TM-6
Startdatum:  26.11.1988  26.11.1988  29.08.1988
Startzeit:  15:49 UTC  15:49 UTC  04:23 UTC
Raumschiff (Landung):  Sojus TM-7  Sojus TM-7  Sojus TM-7
Landedatum:  27.04.1989  27.04.1989  27.04.1989
Landezeit:  02:57 UTC  02:57 UTC  02:57 UTC
Flugdauer:  151d 11h 08m  151d 11h 08m  240d 22h 34m
Erdorbits:  2396  2396  3812

Double Crew

Nr.: 1 2 3
Nation:
Name:  Wiktorenko  Serebrow   Arsamasow
Vorname:  Alexander Stepanowitsch  Alexander Alexandrowitsch  German Semjonowitsch
Position:  Kommandant  Bordingenieur  Forschungsarzt

Expeditionsverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 140 km nordöstlich von Dsheskasgan.

Eigentlich sollte der Start am 21. November 1988 erfolgen. Damit jedoch der französische Präsident François Mitterrand den Start vor Ort erleben konnte, erfolgte eine entsprechende Verschiebung.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-7 Kommandant Alexander Wolkow, Bordingenieur Sergej Krikaljow und dem französischen Forschungskosmonauten Jean-Loup Chrétien am 28. November 1988 an den Orbitalkomplex MIR-Kwant an. Alexander Wolkow und Sergej Krikaljow bildeten mit Waleri Poljakow die vierte MIR-Stammbesatzung. Es folgten wissenschaftliche Arbeiten unter der Bezeichnung Aragatz mit der dritten Stammbesatzung. Alexander Wolkow und Sergej Krikaljow bildeten anschließend mit Waleri Poljakow die vierte MIR-Stammbesatzung.
Schwerpunkt der gemeinsamen Forschungsarbeiten waren zunächst medizinische Untersuchungen mit dem in Frankreich entwickelten Ultraschallgerät "Echograph". Mit dem Experiment "Vinimal" wurde die Besonderheit der Koordination des Seh- und Bewegungsapparates unter Schwerelosigkeit untersucht. Beim Gerät "Minilab" simulierten die beiden Besatzungen mit dem Druckluft- und Vakuumanzug "Tschibis" die Erdanziehung.

Eine EVA wurde durch Alexander Wolkow und Jean-Loup Chrétien am 09. Dezember 1988 (5h 57m) unternommen. Dabei wurde das französische, 240 kg schwere, ERA-Experiment (Entfalten einer Struktur) erfolgreich durchgeführt. ERA ist ein hexagonales Prisma von maximal 4 Metern Durchmesser. Schließlich demontieren die Kosmonauten Materialproben von der Außenhülle der MIR und bauten ein Gerät zur Registrierung von Mikrometeoriten ab. Jean-Loup Chrétien war damit der erste Nicht-Amerikaner und nicht-sowjetischer Kosmonaut, der einen Weltraumspaziergang unternahm.

Die Kosmonauten Wladimir Titow und Mussa Manarow sowie Jean-Loup Chrétien legten am 21. Dezember 1988 an Bord von Sojus TM-6 von der Raumstation ab. Erneut bereitete die Landung Schwierigkeiten. Ein überlasteter Bordcomputer erzwang zwei zusätzliche Erdumkreisungen.

Die vierte Stammbesatzung absolvierte anschließend ein umfangreiches Forschungsprogramm mit mehr als 5000 Einzelexperimenten zu den Fachgebieten Röntgen- und Ultraviolettastronomie sowie Spektroskopie, Solar- und Atmosphärenforschung, Erderkundung, Medizin, Technik, Biologie und Materialwissenschaft. So wurden einzelne starke Röntgenquellen mit dem Röntgenteleskop beobachtet, darunter Skorpion X-1, Centaur X-3, die Supernova 1987A, Pulsare im Sternbild Segel und in der kleinen Magellanschen Wolke. Mit dem UV-Spektrometer und dem Teleskop Glasar im Modul Kwant wurden einzelne Himmelsgebiete in den Sternbildern Kreuz des Südens, Auriga, Kassiopeia und Puppis durchgemustert. Dabei wurden auch Sternspektren aufgenommen. Mehrfach wurde dies auch bei der Supernova 1987-A vorgenommen, um eine zeitliche Veränderung ihres Spektrums feststellen zu können. Weitere Studienziele waren das Feststellen von Umweltbelastungen, die Dichte der Ozonschicht und die Auswirkungen hochenergetischer Strahlung auf die Erdatmosphäre. In der Hochatmosphäre wurde die Entstehung geladener Partikel untersucht. Wiederum wurden viele fotografische Aufnahmen und Spektren von Teilen der Erdoberfläche angefertigt. Medizinische Forschungen betrafen die Anpassung an die Schwerelosigkeit, Blutzirkulation, -druck und -zusammensetzung speziell an den Sinnesorganen und am Vestibulatorsystem, der Kalziumverlust des Körpers und das Herz-Kreislauf-System durch den Arzt Waleri Poljakow. Weiterhin wurde das Pflanzenwachstum in der Schwerelosigkeit untersucht, hochreine biologisch aktive Präparate hergestellt, optische Glasschmelzen produziert sowie neue Halbleitermaterialien und Metalllegierungen erprobt. Außerdem wurde das Elektroniksystem an Bord der Station erweitert, neue Anlagen zur Klimaregulierung installiert und Wartungsarbeiten durchgeführt.

Beladen mit Versorgungsgütern und weiteren Ausrüstungsgegenständen koppelte der unbemannte Frachter Progress 39 am 27. Dezember 1988 an die Raumstation an. Er war zwei Tage zuvor vom Kosmodrom Baikonur ins All geschickt worden. Erst am 07. Februar 1989 legte Progress 39 wieder ab, um den Andockknoten für den nächsten Transporter freizumachen.

Progress 40 startete bereits am 10. Februar 1989 und koppelte nach zweitägigem Freiflug an die MIR an. Beladen war das Raumschiff mit Wasser, Treibstoffen, Lebensmittel und sonstigen Versorgungs- und Ausrüstungsgegenständen. Nach der Abkopplung am 03. März 1989 wurde der Transporter planmäßig über dem südlichen Pazifik zum Absturz gebracht.

Im März 1989 begann ein Untersuchungsprogramm mit dem bulgarischen Gerät "Son-K". Mit ihm sollte die Qualität des Schlafs in der Schwerelosigkeit beurteilt werden. Neben den wissenschaftlichen Experimenten waren die Kosmonauten auch mit zahlreichen Wartungsarbeiten an der Raumstation befasst. So wurden beispielsweise die Ventilatoren des Systems zur Thermoregulierung ausgewechselt.

Um den hohem Bedarf an Nachschub zu decken, wurde bereits am 18. März 1989 Progress 41 gestartet. Zwei Tage später koppelte der Transporter an der MIR an und brachte Treibstoffe, Lebensmittel, sonstige Ausrüstungsgegenstände sowie Post für die Besatzung zur Raumstation. In den folgenden Tagen waren die Kosmonauten neben den Forschungsarbeiten und kleineren Wartungsarbeiten auch mit dem Umpumpen der flüssigen Stoffe in die Tanks der MIR beschäftigt. Nach Beendigung dieser Arbeiten beluden sie Progress mit Abfall, ehe Progress 41 am 21. April 1989 wieder abkoppelte und nach einem experimentellen Freiflug über dem südlichen Pazifik verglühte.

Nach dem Abschluss der Forschungsarbeiten wurde die Station in einen automatischen Betriebsmodus versetzt.
Am 27. April 1989 legte Sojus TM-7 mit den Kosmonauten Alexander Wolkow, Sergej Krikaljow und Waleri Poljakow von der MIR ab und landete wenige Stunden später in der kasachischen Steppe.
In ihren Raumanzügen hatten die Kosmonauten für die Rückkehr zur Erde ihre Plätze im Landemodul eingenommen, nachdem sie die Luke zur Orbitalsektion geschlossen hatten. Dann richteten sie das Raumschiff so aus, das die Triebwerke des Geräteteils in Flugrichtung zeigten. Diese wurden kurz darauf für 105,6 Sekunden gezündet und leiteten den Abstieg zur Erdoberfläche ein. Im nächsten Schritt erfolgte das planmäßige Abtrennen der Orbitalsektion und des Geräteteils, die beide in der Erdatmosphäre verglühten. Das verbleibende Landemodul wurde so ausgerichtet, dass der Eintrittswinkel für eine möglichst genaue Landung in Kasachstan erreicht wurde. Nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre brach der Funkkontakt wegen der heißen Plasmagase rund um die Kapsel ab. Dann löste sich der Deckel des Fallschirmbehälters und der Bremsfallschirm wurde ausgestoßen. Nachdem auch der Hitzeschutzschild abgetrennt worden war, schwebte die Sojus an ihrem Hauptfallschirm Richtung Erdboden. Kleine Feststoff-Bremsraketen, die kurz vor dem Berühren des Bodens ausgelöst worden waren, verminderten die Aufprallgeschwindigkeit. Sofort nach der erfolgreichen Landung wurden die Fallschirmleinen gekappt, damit die Kapsel nicht durch den Wind über den Boden gezogen werden konnte. Nach der Landung gehört es zum Ritual, dass die Kosmonauten das Raumschiff mit ihrer Unterschrift versehen.

Die Unterbrechung des bemannten Betriebes war darauf zurückzuführen, dass die weiteren Ausbaumodule der MIR nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnten und der Betrieb in der vorhandenen Konfiguration als nicht ökonomisch betrachtet wurde.

Fotos / Zeichnungen

 

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Letztes Update am 20. September 2014.