Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 128

Sojus TM-9

Rodnik

UdSSR

hochauflösende Version (261 KB)

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  11.02.1990
Startzeit:  06:16 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  350 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung MIR:  13.02.1990, 06:37:47 UTC
Abkopplung MIR:  09.08.1990, 04:08:49 UTC
Landedatum:  09.08.1990
Landezeit:  07:33 UTC
Landeort:  50° 51' N, 67° 17' O

hochauflösende Version (1,08 MB)

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Solowjow  Anatoli Jakowlewitsch  Kommandant 2 179d 01h 17m  2833 
2  Balandin  Alexander Nikolajewitsch  Bordingenieur 1 179d 01h 17m  2833 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Solowjow
2  Balandin
Landung
1  Solowjow
2  Balandin

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Manakow  Gennadi Michailowitsch  Kommandant
2  Strekalow  Gennadi Michailowitsch  Bordingenieur

hochauflösende Version (608 KB)

Flugverlauf

Sojus TM-9 startete vom Kosmodrom Baikonur zur Raumstation MIR. Nach 179 Tagen im All landete die Raumkapsel 72 km nordöstlich von Arkalyk.

Soyuz TM-9 mit der Ablösebesatzung an Bord, Kommandant Anatoli Solowjow und Bordingenieur Alexander Balandin, wurde am 11. Februar 1990 vom Kosmodrom Baikonur auf die Reise zur Orbitalstation geschickt.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-9 am 13. Februar 1990 an den Komplex Sojus TM-8-MIR-Kwant-Kwant2 an. Die Kosmonauten wurden die sechste Stammbesatzung der MIR und vollzogen einen fliegenden Wechsel mit der fünften Stammbesatzung.
Am 19. Februar 1990 dockten Alexander Wiktorenko und Alexander Serebrow an Bord ihres Raumschiffs Sojus TM-8 ab und landeten wenige Stunden später in der kasachischen Steppe.

Zur Sicherung des weiteren Nachschubs wurde am 01. März 1990 der unbemannte Frachter Progress M-3 vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Er legte zwei Tage später am Modul Kwant1 an. An Bord befanden sich neben den üblichen Ausrüstungsgegenständen, Treibstoffe, Wasser und Lebensmittel auch den industriellen Anwendungen Krater 3, Optizon 1, Zona 02 und Zona 03.

Nach dem Entladen des Transport-Raumschiffs konnten sich die Kosmonauten verstärkt ihren wissenschaftlichen Aufgaben widmen. Allerdings scheiterte ein Experiment mit japanischen Wachtelküken. Zwar schlüpften die Küken im Weltraum aus, waren jedoch nicht in der Lage, sich unter Schwerelosigkeit zu ernähren. Die Tiere mussten daraufhin eingeschläfert werden. Gemessen wurde auch die Röntgen- und Gammastrahlung in der Station. Fortgesetzt haben die Kosmonauten ein Experiment zur Bestimmung der Mikrometeoritenströme rund um die MIR. Mit der Anlage "Gallar" starteten sie ein Experiment zur Werkstoffkunde. Hierbei ging es um die Züchtung von Monokristallen und die Herstellung von Galliumarsenid.

Beschäftigt waren die Besatzungsmitglieder aber auch mit Wartungs- und Reparaturarbeiten. So wurden die Stabilisierungskreisel des neuen Moduls Kwant2 an den gesamten Orbitalkomplex angeschlossen. Ebenso montierten die Kosmonauten einen neuen Rechner und mehrere elektronische Abstimmungsvorrichtungen. Erstmals tauchten Schwierigkeiten mit der defekten Wärmeisolierung des Raumschiffs Sojus TM-9 auf. Die Bodenkontrolle begann daraufhin mit der Planung eines Außenbordeinsatzes, um Reparaturmaßnahmen durchzuführen.

Die Abkopplung von Progress M-3 am 27. April 1990 machte den Andockplatz frei für das nächste Transport-Raumschiff. Die am 05. Mai 1990 vom Kosmodrom Baikonur gestartete Raumkapsel Progress 42, ein Frachter der alten Generation, erreichte die MIR zwei Tage später. An Bord befanden sich auch Treibstoffe, die in den folgenden Tagen in die Tanks der Station umgepumpt wurden. Am 27. Mai 1990 legte Progress wieder von der MIR ab und wurde kontrolliert über dem südlichen Pazifik zum Absturz gebracht.

Am 31. Mai 1990 startete mit einer Proton-Trägerrakete ein weiteres Stationsmodul. Das zunächst mit Kwant3 bezeichnete Modul trug später den Namen "Kristall". Es sollte in erster Linie der Herstellung von Kristallen höchster Reinheit für die Mikroelektronik sowie anderen Materialien dienen.
Kristall war knapp 12 Meter lang. Vorgesehen war die Herstellung von Kristallen und Kaliumsulfid in größeren Mengen. Zur wissenschaftlichen Ausrüstung gehörten auch eine Weiterentwicklung des UV-Teleskops "Glasar-2", eine Reihe von Spektrometern und eine Fotoapparatur mit dem Namen "Umwelt-5". In einer kleinen Orangerie sollten Gemüse, Pilze und sonstige Nutzpflanzen gezüchtet werden.
Kristall verfügte über eine besondere Kopplungseinrichtung mit der Bezeichnung "APAS 89". Hier war die Ankopplung der sowjetischen Raumfähre Buran geplant, die aber wohl aus finanziellen Gründen niemals bemannt eingesetzt wurde. An einer weiteren Kopplungsvorrichtung sollte ein kleines Zusatzmodul, das von der Buran hätte angeliefert werden sollen, eingebaut werden. Hierzu kam es jedoch nicht mehr.

Erst am 10. Juni 1990 koppelte Kristall an die MIR an. Eigentlich sollte das neue Modul bereits vier Tage zuvor andocken, jedoch zwangen der Ausfall eines Höhenmessers und daraus resultierende Triebwerksprobleme zu einer Verzögerung.
Am Tag danach setzten die beiden Kosmonauten Kristall mit Hilfe des Systems "Ljappa" um 90 Grad um. Es befand sich danach gegenüber dem Modul Kwant2 am kugelförmigen Kopplungsteil der Basiseinheit.

Das Raumschiff Sojus TM-9 wurde von den Kosmonauten in einem kurzen Flugmanöver am 05. Juli 1990 vom Andockplatz an Kwant1 zum Kopplungsstutzen am Bug der MIR verlegt.

Zu den Forschungsarbeiten an Bord der Raumstation gehörten Erderkundung sowie Forschungen auf den Gebieten der Medizin, Materialwissenschaft, Biologie, Astronomie und Raumfahrttechnologie. So begann man mit der kommerziellen Produktion von Kristallen höchster Reinheit für eine US-amerikanische Elektronikfirma. Ebenfalls gewinnbringend (ca. 25 Millionen Rubel) war die Herstellung von Proteinen.

Am 17. Juli 1990 wurde eine EVA (7h 16m) von den Kosmonauten zur Reparatur des Raumschiffes Sojus TM-9 (drei Isolationsbleche waren um 60° - 90° aufgebogen) durchgeführt. Die Arbeiten erwiesen sich als schwieriger und zeitaufwändiger als angenommen. Ebenso litten Anatoli Solowjow und Alexander Balandin unter Orientierungsproblemen. Am Ende der EVA gab es Probleme durch die Beschädigung der Luke von Kwant2. Die Luke konnte nicht geschlossen werden. So musste der Wiedereinstieg über eine Schleuse im Basisblock des Kwant-Moduls vorgenommen werden. Die Kosmonauten benötigten die letzten Reserven ihrer Lebenserhaltungssysteme.

Auch ein Reparaturversuch am 26. Juli 1990 mittels nochmaliger EVA (3h 31m) misslang. Die Luke ließ sich auch weiterhin nicht hermetisch schließen. Die Reparatur wurde daraufhin für die nächste Stammbesatzung eingeplant.

Sojus TM-10 mit der Ablösebesatzung, Kommandant Gennadi Manakow und Bordingenieur Gennadi Strekalow, wurde am 01. August 1990 vom Kosmodrom Baikonur in die Erdumlaufbahn geschossen. Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TM-10 am 03. August 1990 an die Raumstation MIR an. Die Kosmonauten wurden die siebten Stammbesatzung der MIR.

Nach der Übergabe der Station an die Nachfolgebesatzung, insbesondere der Einweisung in laufende Experimente, beluden Anatoli Solowjow und Alexander Balandin das Raumschiff Sojus TM-9 mit 130 kg Forschungsergebnissen. Am 09. August 1990 legten sie von der MIR ab und landeten wenige Stunden später in der kasachischen Steppe.

Fotos / Zeichnungen

Ankopplung Kristall

©      

Letztes Update am 20. Dezember 2013.