Besatzungen der ISS

ISS: Expedition 6

hochauflösende Version (510 KB)

hochauflösende Version (926 KB)

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

ursprüngliches Crewfoto

hochauflösende Version (543 KB)

hochauflösende Version (864 KB)

Besatzung, Start- und Landedaten

Nr.: 1 2 3
Nation:
Name:  Bowersox  Budarin  Pettit
Vorname:  Kenneth Dwane "Sox"  Nikolai Michailowitsch  Donald Roy
Position:  ISS-CDR  Bordingenieur  Bordingenieur
Raumschiff (Start):  STS-113  STS-113  STS-113
Startdatum:  24.11.2002  24.11.2002  24.11.2002
Startzeit:  00:49 UTC  00:49 UTC  00:49 UTC
Raumschiff (Landung):  Sojus TMA-1  Sojus TMA-1  Sojus TMA-1
Landedatum:  04.05.2003  04.05.2003  04.05.2003
Landezeit:  02:04 UTC  02:04 UTC  02:04 UTC
Flugdauer:  161d 01h 14m  161d 01h 14m  161d 01h 14m
Erdorbits:  2534  2534  2534

Ersatz-Besatzung

Nr.: 1 2
Nation:
Name:  Scharipow  Fincke
Vorname:  Salishan Schakirowitsch  Edward Michael "Mike"
Position:  ISS-CDR  Bordingenieur

hochauflösende Version (946 KB)

Expeditionsverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung 460 km südwestlich des vorgesehenen Landegebietes in Kasachstan (49° 37' 48'' N, 61° 20' 36'' O).

Wesentliche Missionsaufgaben von STS-113 (ISS-16-11A) war der Austausch der ISS-Stammbesatzung sowie die Lieferung und Montage des dritten Gitterelements - Portside One P1 - der Internationalen Raumstation.

Die Integrated Truss Structure (ITS; dt.: Integrierte Gitterstruktur) ist die tragende Gitterstruktur der Internationalen Raumstation (ISS). Sie bildet deren Rückgrat und ist senkrecht zur Flugrichtung ausgerichtet.
Die ITS ist wie die gesamte Raumstation modular aufgebaut. Die einzelnen Elemente tragen Bezeichnungen aus einer Buchstaben-/Zahlenkombination ("P" steht für Port, von engl. Backbord; "S" steht für Starboard, von engl. Steuerbord): P1, P3/P4, P5 und P6 sind in Flugrichtung links angeordnet, während auf der rechten Seite die Elemente S1, S3/S4, S5 und S6 montiert sind. Das Element S0 liegt in der Mitte und ist über das Destiny Labor mit dem bewohnten Teil der Station verbunden.
Die Integrated Truss Structure ist eine im Querschnitt trapezförmige, starre Leichtmetallstruktur mit zusätzlichen Querstreben. Für die Verbindung der einzelnen Segmente der Gitterstruktur existiert ein spezielles "Module-to-Truss Segment Attachment System". Für jede Verbindung gibt es einen fernbedienbaren Fangriegel, der beide Elemente zunächst locker verbindet und danach festgezogen wird. Außerdem greifen dann vier motorgetriebene Bolzen, die zusätzlich gesichert werden.

Die beiden Elemente Starboard One S1 und Portside One P1 sind jeweils etwa 14 Meter lang, 4,57 Meter breit und haben eine Masse von 12,5 Tonnen. Sie verfügen jeweils über ein System zum automatischen Anschluss von Versorgungsleitungen (Energie, Daten, Kühlmittel), einen Kühlmitteltank, dazu gehört ein Stickstofftank, drei Radiatoren mit je 22 m Länge zur Abstrahlung überschüssiger Wärme (vor allem aus den Energiesystemen) nebst der zugehörigen Drehmechanik und Steuerelektronik, Stromkonverter und -verteiler, zwei Videoanschluss-Stationen, zwei passive und eine aktive Segmentverbindungsanlagen sowie jeweils einen Transportkarren (CETA 1 und 2). Unterschiede bestehen im installierten Kommunikationssystem, S1 besitzt eine S-Band Antenne, P1 ein UHF-Kommunikationssystem.
P1 wurde an dem von STS-110 gelieferten Zentralsegment S0 montiert.

Knapp eine Stunde nach der Ankopplung öffneten Shuttle-Kommandant James Wetherbee und ISS-Kommandant Waleri Korsun die Luken. Dem schloss sich eine kurze Begrüßungszeremonie an.
Kenneth Bowersox, Nikolai Budarin und Donald Pettit bildeten die neue sechste Expedition der ISS. Die Mitglieder der neuen Stammbesatzung bauten die mitgebrachten Schalensitze in das angekoppelte Raumschiff Sojus TMA-1 ein. Dies geschah zunächst nur als Vorsichtsmaßnahme für den Fall einer überhasteten Rückkehr vor Abholung durch das nächste Space Shuttle. Nach dem Verlust der Columbia bei der Mission STS-107 und der damit verbundenen vorübergehenden Einstellung der Shuttle-Flüge, musste die neue Stammbesatzung dann tatsächlich mit Sojus TMA-1 die Heimreise zur Erde antreten. Die mit STS-113 beförderten Raumfahrer lösten die fünfte Expedition mit Peggy Whitson, Waleri Korsun und Sergej Trestschow ab, die mit diesem Flug zur Erde zurückkehrte. Für ihren Rückflug waren im Mitteldeck des Orbiters Liegesitze eingebaut worden.

Am nächsten Flugtag begannen Michael Lopez-Alegria und John Herrington mit den Vorbereitungen für ihren ersten Außenbordeinsatz. Während dieser Zeit hob James Wetherbee mit Hilfe des Greifarms der Raumstation das neue Element Portside One P1 aus der Ladebucht heraus und reichte es an den Greifarm der Raumstation weiter, der vom Kommandanten der Expedition 6 Kenneth Bowersox und Peggy Whitson gesteuert wurde. An Ort und Stelle platziert verriegelten sich die Haltbolzen ferngesteuert mit Ende des Starboard Zero S0. Dort rastete das neue Stationselement ein und war damit mechanisch mit der Raumstation verbunden. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Arbeiten verließen die beiden EVA-Astronauten die Luftschleuse.

Den ersten Weltraumspaziergang unternahmen Michael Lopez-Alegria und John Herrington am 26. November 2002 (6h 45m) zum Anbringen von Verbindungen zwischen den P1- und S0-Trägern und anderen Installationen. Sie stellten die nötigen elektrischen Verbindungen her und lösten Startsicherungen. Michael Lopez-Alegria und John Herrington installierten auch ein drahtloses Kamerasystem, damit die Bilder von Helmkameras auch ohne einen vorhandenen Shuttle übertragen werden können.

Am 27. November 2002 standen Umlade- und Übergabearbeiten der alten und der neuen ISS-Besatzung im Mittelpunkt. Am Nachmittag ersetzten Kenneth Bowersox und Peggy Whitson zwei Ventile und säuberten Ventilationsröhren der Kohlendioxidfilter des Destiny-Labors von Schmutz. Später wurde gemeldet, dass die Arbeiten erfolgreich waren, aber es wurde auch ein Leck in einer der Vakuum-Leitungen gefunden. Peggy Whitson und Kenneth Bowersox gingen auf die Suche, denn obwohl die Luft durch ein russisches System genügend gereinigt wird, muss die Anlage im Destiny-Labor in der Lage sein, größere Besatzungen zu versorgen.

Der zweite Außenbordeinsatz erfolgte durch Michael Lopez-Alegria und John Herrington am 28. November 2002 (6h 10m). Als Erstes mussten zwei Ammoniak-Flüssigkeitsleitungen für das Kühlsystem zwischen P1 und dem S0-Zentralteil geschlossen werden. Danach wurde eine Startsicherung gelöst und an einem geeigneten Platz verstaut. Nach dem ersten Kamerasystem, das beim ersten Ausstieg auf dem Unity-Modul installiert worden, kam nun ein zweites System auf das P1-Gerüst. Einer der beiden CETA-Transportwagen wurde zum anderen hinüber umplatziert, um Platz für den Roboterarm der Station zu machen, damit dieser sich nun auf dem mobilen Transporter bewegen kann. Zuletzt wurden Kabel des ersten Kamerasystems auf Unity angeschlossen.

Am folgenden Tag wurden Geräte mit wissenschaftlichen Experimenten zwischen der Endeavour und der Raumstation ausgetauscht. Anschließend wurde das Kommando über die Raumstation offiziell an die neue Besatzung übergeben. Peggy Whitson und Donald Pettit untersuchten ein technisches Problem der Mikrogravitationsbox, die am 20. November 2002 ausgefallen war.

Die dritte und letzte EVA durch Michael Lopez-Alegria und John Herrington wurde am 30. November 2002 (7h 00m) unternommen. Zu Beginn des Außenbordeinsatzes mussten die Astronauten ein kleineres technisches Problem lösen. Am Vormittag war der Mobile Transporter drei Meter von seiner beabsichtigten Zielposition stecken geblieben. John Herrington fand eine verstaute UHF-Antenne, in der sich das Versorgungskabel des Mobilen Transporters auf seiner Fahrt verfangen hatte, und löste das Problem, woraufhin der Transporter seine Fahrt abschließen konnte. Wegen der Zeitverzögerung wurde darauf verzichtet, den Roboterarm wie ursprünglich geplant auf den mobilen Transporter zu setzen und die Arbeiten stattdessen ohne den Arm weiterzuführen. Es wurden insgesamt dreiunddreißig Spool Positioning Devices (SPD's) an verschiedensten Stellen der Außenseite der Station angebracht.

Am 02. Dezember 2002 koppelte die STS-113-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Paul Lockhart, wie schon bei STS-111, die Orbitalstation eineinviertel Mal, ehe die Triebwerke der Endeavour erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.


Die erste EVA durch Kenneth Bowersox und Donald Pettit wurde am 15. Januar 2003 (6h 51m) unternommen. Dabei wurden weitere Arbeiten zur Ausstattung und Aktivierung der neuesten ISS-Komponente, des P1-Trägers und Umsetzen einer Werkzeugbox ausgeführt.

Der unbemannte russische Frachter Progress M-47 legte am 04. Februar 2003 um 14:49:04 UTC an der Internationalen Raumstation an. Er war am 02. Februar 2003 um 12:59:40 UTC vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Das Transport-Raumschiff brachte Treibstoffe, Sauerstoff, Versorgungs- und Ausrüstungsgegenstände und Experimente zur Stammbesatzung. Am 27. August 2003 um 22:48:08 UTC koppelte Progress M-47 wieder ab. Der Frachter wurde kontrolliert zum Absturz gebracht und verglühte am nächsten Tag über dem Pazifischen Ozean.

Die zweite und letzte EVA durch Kenneth Bowersox und Donald Pettit erfolgte am 08. April 2003 (6h 26m). Dabei wurden Stromkabel neu konfiguriert, die einen Stabilisatorkreisel (Gyroskop) der Raumstation versorgen. Außerdem wurden Unterhaltungsarbeiten am Kühlsystem der Station durchgeführt und die Beleuchtung auf eines der CETA-Carts verbessert.

Neu auf der ISS war das Experiment Investigating the Structure of Paramagnetic Aggregates from Colloidal Emulsions (InSPACE). Hierbei wurden erstmals Daten über das Verhalten magnetischer Partikel in magnetorheologischen Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit gesammelt. Derartige Flüssigkeiten sind vollkommen neu. Sie erlauben durch das Anlegen äußerer Magnetfelder geräuschlose und nahezu verzögerungsfreie Bewegungen in mechanischen Systemen. Welche Auswirkungen schnell wechselnde Magnetfelder auf die Verteilung der magnetischen Partikel haben, war Hauptgegenstand der Untersuchungen. Magnetisch steuerbare Flüssigkeiten könnten in Zukunft bei Brems-, Kupplungs- und Dämpfungssystemen oder in der Robotik angewendet werden. Das zweite neue Experiment untersuchte die Vergröberung von Partikeln in verschiedenen Materialien, die allgemein als Materialermüdung bekannt ist. Sind in einer Verbindung Partikel unterschiedlicher Größen vorhanden, so geben die kleineren Partikel Atome an die größeren ab. Dadurch verringert sich die Festigkeit des Materials. Dies ist beispielsweise bei Turbinenschaufeln so. Aber auch aus dem Alltag sind solche Effekte bekannt, so bei der Kondensation von Tröpfchen aus Wasserdampf in der Atmosphäre (Wolkenbildung). Beim Experiment Coarsening in Solid-Liquid-Mixtures 2 (CSLM 2) wurde die Kinetik wachsender Zink-Partikel in einer Blei-Zink-Matrix unter Mikrogravitation untersucht. Beide Experimente wurden in der Microgravity Science Glovebox durchgeführt und konnten daher erst nach deren Reparatur aktiviert werden.

Kenneth Bowersox nahm während der gesamten Mission am Experiment Foot/Ground Reaction Forces During Space Flight (FOOT) teil. Dabei wurden Veränderungen an Knochen und Muskeln im unteren Bereich des Körpers und an den Beinen gemessen. Dazu trug der Astronaut tagsüber eine spezielle Hose (LEPS - Lower Extremity Monitoring Suit), in der zwanzig sorgfältig platzierte Sensoren untergebracht sind sowie eine Sensorbinde an einem Oberarm. Mit den Sensoren wurden die elektrische Muskelaktivität, Beugungswinkel an Hüft-, Knie- und Fußgelenken sowie die Andruckkraft der Füße gemessen und über in den Anzug eingearbeitete Leitungen zu einem Speicher übertragen (max. 14 Stunden). Mit der zusätzlichen Armbinde wurden Vergleiche in der Belastung von Armen und Beinen ermöglicht. Außerdem wurden Messungen zur Stärke von Knochen und Muskeln vor und nach dem Raumflug auf der Erde vorgenommen.

Bei PCG-STES (Protein Crystal Growth - Single Thermal Enclosure System) kam der Probenbehälter 10 zum Einsatz. Er enthielt 81 verschiedene Kammern, in denen individuelle Experimente mit verschiedenen Proteinen abliefen. Endprodukt der etwa viermonatigen Kristallisationsphase sind extrem große, reine und fehlerarme Kristalle, die sich besonders gut zur Analyse mittels Neutronenbeugung eignen. Diesmal gehörten Albumin, Apoferritin, Ferritin, Glucoseisomerase, Glucocerebrosidase und Cytochrom P450 zu den verwendeten Substanzen. Ein neuer Probenbehälter kam auch beim Zeolite Crystal Growth Experiment (ZCG) zum Einsatz. Von besonderem Interesse ist für die Forscher die Eignung der wabenartigen Hohlkristalle zur Speicherung von Wasserstoff, einem Energieträger der Zukunft.

Eine ganze Reihe interessanter Untersuchungen wurden auch von dieser Besatzung weiter geführt. Beim Experiment Rastenija 2 wurden Salatpflanzen im LADA-Gewächshaus gezogen. Salat könnte ein wichtiger Vitaminlieferant im Weltraum sein. Von Interesse ist auch hier der Einfluss der Schwerelosigkeit auf Wachstum und Entwicklung der Pflanzen. Untersucht werden aber auch die Funktionalität des Gewächshauses, die Widerstandsfähigkeit und die Anpassung an die außergewöhnlichen Bedingungen im Weltraum (Mikrogravitation, Strahlung) und die Ethylenkonzentration im russischen Segment der ISS. Im Rahmen des Experimentes Biopsy wurde den Raumfahrern vor und nach dem Flug Gewebe aus der Wadenmuskulatur entnommen. Dadurch lassen sich Muskelveränderungen durch einen längeren Aufenthalt in der Schwerelosigkeit genauer feststellen. Bei Mobility wurden Tests vorgenommen, mit denen man herausfinden kann, wie ein körperliches Training während des Raumfluges gestaltet werden muss, um die Wiederanpassung an die Schwerkraft zu erleichtern. Gearbeitet wurde dabei vor allem mit dem Laufband. Etwa 90% aller Erwachsenen tragen den Epstein-Barr-Virus (EBV) in ihrem Körper. Normalerweise bleibt er inaktiv. In der Schwerelosigkeit reaktiviert er sich jedoch oft und kann zu Beeinträchtigungen führen. Über Blut- und Urinproben will man dem Mechanismus dieser Reaktivierung auf die Schliche kommen. Biorisk und Biodegradatsija hatten den Einfluss des Weltraumes auf die Lebensfähigkeit von Bakterien und Pilzen als Untersuchungsgegenstand. Zum einen lagern sich Bakterien- und Pilzkolonien an unzugänglichen Stellen an und können dort langfristig Materialschäden verursachen. Zum anderen sind sie ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt und oftmals unverzichtbar. Von Interesse ist für die Forscher der Einfluss der Sonnenaktivität auf Modifikationen und Mutationen sowie die Entwicklung von Resistenzen und Aggressivität. Gleichzeitig sollte aber auch abgeschätzt werden, inwiefern nützliche Bakterien bei einem längeren Aufenthalt im Weltraum lebensfähig bleiben. Bei Pulse wurde die autonome Regulation des kardiorespiratorischen Systems bei längeren Aufenthalten in der Schwerelosigkeit erforscht. Dazu wurden Elektrokardiogramm, Sphygmogramm (Pulsfrequenz), Pneumotachogramm (Atemfrequenz), Pumpvolumen und Atemvolumen aufgezeichnet. Ein weiteres Experiment diente der Erprobung des multifunktionalen Gerätekomplexes Skorpion zur automatischen Erfassung der wichtigsten Umgebungsparameter in der Station. Dazu gehören Beschleunigungswerte, elektromagnetische Felder, Strahlungswerte und klimatische Bedingungen (Temperatur, Luftdruck, Luftzusammensetzung, Luftfeuchtigkeit). Außenbords angebracht ist das Experiment Platan. Die Apparatur war mehrere Monate im Einsatz und soll langsame Eisenkerne solaren oder galaktischen Ursprungs mit Energien von 30 bis 200 MeV sowie Mikropatikel in der Umgebung der Station erfassen. Zu den fortgeführten Experimenten gehörten auch die Untersuchung von Veränderungen der Lungenfunktion (PuFF - Pulmonary Functions in Flight), das Ausfüllen von Fragebögen zur Zusammenarbeit innerhalb der Crew und mit dem Bodenpersonal (Crew Interaction), die Beobachtung natürlicher und vom Menschen verursachter Phänomene auf der Erde und in der Erdatmosphäre (Crew Earth Observation, Uragan, Molnija SM, EarthKAM), die Messung der Strahlenbelastung innerhalb und außerhalb der Station (EVA Radiation Monitoring, BraDoz), die Erfassung von minimalen Beschleunigungen, die durch Bewegungen der Raumfahrer, Bahnmanöver oder Kopplungen verursacht werden (MAMS, SAMS, IZGIB), Studien zum erhöhten Nierensteinrisiko (Renal Stone) sowie zum Muskel- und Knochenverlust bei Langzeitaufenthalten im Weltraum (Bone Loss, Profilaktika), die Analyse von Triebwerksabgasen und die Dynamik von Partikeln der Triebwerksdüsen (Relaksatsija, Kromka), die Untersuchung gesundheitlich bedeutsamer Veränderungen im Mundraum (Paradont), die Überprüfung der Effizienz von Medikamenten (Farma), die Aufzeichnung von Veränderungen der Herzaktivität bei Belastung (Kardio-ODNT), die Erarbeitung von Vorhersagen für Strahlenbelastungen (Prognoz), die Dokumentation bioproduktiver Zonen der Weltmeere (Diatomeja), die Abschätzung der zu erwartenden Erosion der Außenhaut der Station (Meteoroid), die Messung der verschiedenen Bahnparameter der Station (Tenzor, Vektor T), die Bestimmung langfristiger Formveränderungen der Station (Priviazka), die Messung magnetischer Interferenzen innerhalb der Station und deren Einfluss auf laufende Experimente (Iskazhenije), die Erprobung eines kommerziellen, globalen Zeit-Systems (GTS) oder die Registrierung von Partikeleinschlägen und deren Auswirkungen auf verschiedene Testmaterialien (HPAC, SEED, MISSE).

In den ersten Wochen waren die drei Raumfahrer in erster Linie damit beschäftigt, laufende Experimente zu kontrollieren, turnusmäßige Wartungsarbeiten auszuführen und neue Materialien geordnet unterzubringen. Außerdem wurde ein weiterer Reparaturversuch am Sauerstofferzeuger Elektron im Modul Swesda unternommen. Die ersten medizinischen Untersuchungen im Rahmen der Experimente FOOT, Renal Stone, PuFF und GASMAP wurden Anfang Dezember durchgeführt. Dabei wurden Blut- und Urinproben genommen sowie Lungenvolumen und -funktion (Gasaustausch) gemessen. Im Rahmen der Erderkundung wurden u. a. Vulkane in Mexiko und Guatemala, Inselregionen (Kuba, Hawaii, Bounty Island, Mali), Korallenriffe vor Yukatan, Luftverunreinigungen durch Großstädte und Staubwolken über afrikanischen Wüstengebieten beobachtet und fotografiert. Am 17. Dezember 2002 begann die Arbeit mit dem Experiment Zeolite Crystal Growth. Außerdem wurden mit dem Stationsmanipulator mehrere Trainingseinheiten absolviert. In der Human Research Facility wurde eine Festplatte getauscht und damit auch gleich die Software auf den neuesten Stand gebracht. Außerdem wurde der Einsatz eines neuen, schnelleren Datenrekorders vorbereitet (HCOR - High-Rate Communications Outage Recorder). Wenn die Station keinen Funkkontakt zu einer Bodenstation oder zu einem Relaissatelliten hat, werden die in dieser Zeit anfallenden Daten auf diesem Rekorder zwischen gespeichert. Durch Stoßen gegen die Wände verursachten die Raumfahrer kurzzeitige Störungen der Mikrogravitation, deren Werte mit verschiedenen Messaparaturen erfasst wurden. Budarin arbeitete an einem Pflanzenwachstumsexperiment im LADA-Gewächshaus und an der Rekonfiguration des automatischen Radar- und Kopplungssystems Kurs. Kurz vor Weihnachten wurde die Station für drei Tage in eine Position gebracht, in der die Steuerbordseite in Flugrichtung wies. Dadurch sollte eine Abkühlung in einigen Bereichen der Station erreicht werden.

Ursprünglich sollte diese Stammbesatzung rund vier Monate, also bis März 2003, im All bleiben und von STS-114 abgeholt werden. Nach der Columbia-Katastrophe wurde der Flugplan geändert und die Mannschaft musste bis Anfang Mai an Bord der Raumstation bleiben, um dann mit dem Raumschiff Sojus TMA-1 zu landen. Da eine erhebliche Unterbrechung der Shuttle-Flüge abzusehen war, wurde die Versorgung der Raumstation ausschließlich auf Sojus- und Progress-Flüge umgestellt.

Die Ablösungscrew, die mit Sojus TMA-2 zur ISS flog, bestand nach der Columbia-Katastrophe diesmal nur aus zwei Mitgliedern.

In ihren Raumanzügen hatten die Kosmonauten für die Rückkehr zur Erde ihre Plätze im Landemodul eingenommen, nachdem sie die Luke zur Orbitalsektion geschlossen hatten. Dann richteten sie das Raumschiff so aus, das die Triebwerke des Geräteteils in Flugrichtung zeigten. Diese wurden kurz darauf für 105,6 Sekunden gezündet und leiteten den Abstieg zur Erdoberfläche ein. Im nächsten Schritt erfolgte das planmäßige Abtrennen der Orbitalsektion und des Geräteteils, die beide in der Erdatmosphäre verglühten. Das verbleibende Landemodul wurde so ausgerichtet, dass der Eintrittswinkel für eine möglichst genaue Landung in Kasachstan erreicht wurde. Nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre brach der Funkkontakt wegen der heißen Plasmagase rund um die Kapsel ab. Dann löste sich der Deckel des Fallschirmbehälters und der Bremsfallschirm wurde ausgestoßen. Nachdem auch der Hitzeschutzschild abgetrennt worden war, schwebte die Sojus an ihrem Hauptfallschirm Richtung Erdboden. Kleine Feststoff-Bremsraketen, die kurz vor dem Berühren des Bodens ausgelöst worden waren, verminderten die Aufprallgeschwindigkeit. Sofort nach der erfolgreichen Landung wurden die Fallschirmleinen gekappt, damit die Kapsel nicht durch den Wind über den Boden gezogen werden konnte. Nach der Landung gehört es zum Ritual, dass die Kosmonauten das Raumschiff mit ihrer Unterschrift versehen.
Die abschließende Landung der sechsten Stammbesatzung verlief weitaus dramatischer als geplant. Die erstmals für eine Landung eingesetzte Kapsel Sojus TMA-1 führte aufgrund eines Computer-Fehlers statt einer aerodynamisch gesteuerten eine ballistische Landung durch. Dadurch war die Crew einer erheblichen Belastung ausgesetzt (bis 8 g) und die Kapsel ging 460 km vom eigentlichen Zielort nördlich des Aral-Sees nieder. Anschließend funktionierte der Funkkontakt nicht, so dass die Crew erst nach etwa vier Stunden geborgen werden konnte. Hieß es aber zunächst, dass die Crew wohlbehalten sei und lediglich Donald Pettit mit den Auswirkungen der Schwerkraft zu kämpfen hatte, stellte sich später heraus, dass eben Donald Pettit sich schwer an der Schulter verletzt hatte.

Trotz des ungeplanten Wiedereintritts nach dem sogenannten „ballistischen“ Verfahren, funktionierten alle neuen Systeme der Sojus TMA-1 ordnungsgemäß. Hierzu zählt vor allem das neue System für eine weiche Landung, wozu neue Triebwerke und eine neue Zelle gehören und mit dem der Aufprall bei der Landung von 12 g bei den alten Sojus TM auf 5 g bei den Sojus TMA verringert werden soll. Die Fallschirme der Sojus TMA-1 funktionierten ebenfalls fehlerfrei.
Der Grund dafür, dass die Sojus TMA-1 den Wiedereintritt nach dem ballistischen Verfahren durchführte und 150 km nördlich von Baikonur, d.h. 400 km vor dem vorgesehenen Landeplatz niederging, war eine Fehlfunktion des BUSP-M-Lenkungssystems, das für einen gesteuerten Wiedereintritt benötigt wird. Dieses Lenkungssystem liest die Daten der Lageregelungskreisel und Beschleunigungsmesser und sendet entsprechende Befehle an die Lageregelungstriebwerke.
Bei dem ballistischen Verfahren verläuft die Flugbahn steiler als bei einem gesteuerten Wiedereintritt, und die Kapsel dreht sich um ihre Flugbahnachse, um die Stabilität zu erhöhen. Die steilere Flugbahn verkürzt die Flugzeit und bewirkt eine verstärkte Abbremsung. Dies führte dazu, dass die Mannschaft der Sojus TMA-1 mit dem Achtfachen der Erdschwerkraft (8 g) belastet wurde, während bei einem gesteuerten Wiedereintritt die Belastung höchstens 6 g beträgt.

Während ihres Aufenthaltes an Bord der ISS führte die Crew der Expedition 6 folgende wissenschaftlichen Experimente durch (vollständige Auflistung):
ARISS (Amateur Radio on the International Space Station),
Biopsy (Effect of Prolonged Space Flight on Human Skeletal Muscle),
Biorisk (Influence of Factors of the Space Environment on the Condition of the System of Microorganisms-Hosts Relating to the Problem of Environmental Safety of Flight Techniques and Planetary Quarantine),
Brados (Acquisition of Data About the Radiological, Electromagnetic and Different Physical Environments on Board ISS, and Their Effects on the Safety of the Crew, Space Equipment and Materials),
Cardio-ODNT (Dynamics of the Main Factors of Cardiac Function, of Central and Regional Circulation in Rest and During the Influence of Lower Body Negative Pressure),
CEO (Crew Earth Observations),
Clinical Nutrition Assessment (Clinical Nutrition Assessment of ISS Astronauts, SMO-016E),
Diatomeya (Stability of Geographical Position and Configuration of Borders of Bioproductive Water Zones of the World Oceans, Observations by Orbition Station Crews),
EarthKAM (Earth Knowledge Acquired by Middle School Students),
Environmental Monitoring (Environmental Monitoring of the International Space Station),
Epstein-Barr (Space Flight Induced Reactivation of Latent Epstein-Barr Virus),
EVARM (A Study of Radiation Doses Experienced by Astronauts in EVA),
Farma (Characteristics of Pharmacological Responses (absorption, distribution and elimination of acetominophene) in Long Duration Space Flight),
Foot (Foot Reaction Forces During Space Flight),
Identifikatsia (Identification of the Sources of Dynamic Loads on ISS),
Inflight Education Downlinks (International Space Station Inflight Education Downlinks),
InSPACE (Investigating the Structure of Paramagnetic Aggregates from Colloidal Emulsions),
Iskazheniye (Determination and Analysis of Magnetic Interference on ISS),
ISS Acoustics (International Space Station Acoustic Measurement Program),
Izgib (Effect of Performance of Flight and Science Activities on the Function of On-Orbit Systems on ISS (Mathematical Model)),
Kromka (Verification of the Effectiveness of Devices for the Protection of the Exterior Surface of ISS from Contaminants Deposited by Pulsed Cycling of Liquid-Jet),
Meteoroid (Recording Meteoroidal and Technogenic Particles on the External Surface of the Service Module of the Russian Segment of ISS),
MISSE-1 and 2 (Materials International Space Station Experiment - 1 and 2),
Mobility (Promoting Sensorimotor Response Generalizability: A Countermeasure to Mitigate Locomotor Dysfunction After Long-Duration Space Flight),
Molniya-SM (Investigation of Lightning Discharges in the Earth's Atmosphere and Lower Ionosphere),
Paradont (Condition of Peridontal Tissues in Space Flight),
PCG-STES-IDQC (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Improved Diffraction Quality of Crystals),
PCG-STES-MS (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System - Crystal Growth Model System for Material Science),
PCG-STES-RGE (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Regulation of Gene Expression),
PCG-STES-SA (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Science and Applications of Facility Hardware for Protein Crystal Growth),
PCG-STES-VEKS (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Vapor Equilibrium Kinetics Studies),
Plasma Crystal (Dusty and Liquid Plasma Crystals in Conditions of Microgravity),
Platan (Search for Low Energy Heavy Particles of Solar and Galactic Origin),
Privyazka (Development of High Precision Orientation of Scientific Devices in Space with Reports of Deformation of the ISS Hull),
Profilaktika (Mechanisms of Action and Influence, and Effectiveness of Various Methods of Phrophylaxis Directed Toward Prevention of Disturbances of the Human Locomotion System in Weightlessness),
Prognoz (Development of a Method of Operational Prediction of Work Load on Crew Piloting Objectives),
PuFF (The Effects of EVA and Long-Term Exposure to Microgravity on Pulmonary Function),
Pulse (Vegatative (Autonomic) Regulation of the Cardio-Respiratory System of Humans in Conditions of Weightlessness),
Rastenia (Growth and Development of Higher Plants through Multiple Generations),
Relaksatia (Processes of Relaxation in the Ultraviolet Band Spectrum by High Velocity Interaction of Exhaust Products on ISS),
Renal Stone (Renal Stone Risk During Spaceflight: Assessment and Countermeasure Validation),
Saturday Morning Science (Science of Opportunity),
SKR (Skorpion: Development and Acquisition of Multifunctional Control-Measurement Device for Controlling the Environment of Scientific Experiments Inside a Pressurized Station),
Subregional Bone (Subregional Assessment of Bone Loss in the Axial Skeleton in Long-term Space Flight),
Tenzor (Definition of Dynamic Characteristics of ISS),
Uragan (Hurricane: Experimental Development of Groundbased System of Monitoring and Predicting the Progression of a Naturally Occurring Technogenic Catastrophe),
Vektor-T (Study of a High Precision System for Prediction Motion of ISS),
ZCG (Zeolite Crystal Growth).

Aufbau der ISS

 

Animation Aufbau (externer Link)

Fotos / Zeichnungen

 

mehr EVA-Fotos


©      

Letztes Update am 20. September 2014.