Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 233

STS-113

Endeavour (19)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  24.11.2002
Startzeit:  00:49 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  226 km
Inklination:  51,60°
Ankopplung ISS:  25.11.2002, 21:59:00 UTC
Abkopplung ISS:  02.12.2002, 20:50:00 UTC
Landedatum:  07.12.2002
Landezeit:  19:37 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Wetherbee  James Donald "Wexbee"  CDR 6 13d 18h 48m  215 
2  Lockhart  Paul Scott "Paco"  PLT 2 13d 18h 48m  215 
3  Lopez-Alegria  Michael Eladio "LA"  MSP 3 13d 18h 48m  215 
4  Herrington  John Bennett  MSP 1 13d 18h 48m  215 
5  Bowersox  Kenneth Dwane "Sox"  ISS-CDR 5 161d 01h 14m  2534 
6  Budarin  Nikolai Michailowitsch  Bordingenieur 3 161d 01h 14m  2534 
7  Pettit  Donald Roy  Bordingenieur 1 161d 01h 14m  2534 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Wetherbee
2  Lockhart
3  Lopez-Alegria
4  Herrington
5  Bowersox
6  Pettit
7  Budarin
8  
Landung
1  Wetherbee
2  Lockhart
3  
4  Herrington
5  Lopez-Alegria
6  Whitson
7  Korsun
8  Trestschow

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
5  Scharipow  Salishan Schakirowitsch  ISS-CDR
7  Fincke  Edward Michael "Mike"  Bordingenieur

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC).

Ursprünglich war Christopher Loria als Pilot vorgesehen. Er verletzte sich jedoch bei einem Unfall zu Hause, so dass er das Training nicht weiter durchführen konnte.

Wesentliche Missionsaufgaben von STS-113 (ISS-16-11A) war der Austausch der ISS-Stammbesatzung sowie die Lieferung und Montage des dritten Gitterelements - Portside One P1 - der Internationalen Raumstation.

Die Integrated Truss Structure (ITS; dt.: Integrierte Gitterstruktur) ist die tragende Gitterstruktur der Internationalen Raumstation (ISS). Sie bildet deren Rückgrat und ist senkrecht zur Flugrichtung ausgerichtet.
Die ITS ist wie die gesamte Raumstation modular aufgebaut. Die einzelnen Elemente tragen Bezeichnungen aus einer Buchstaben-/Zahlenkombination ("P" steht für Port, von engl. Backbord; "S" steht für Starboard, von engl. Steuerbord): P1, P3/4, P5 und P6 sind in Flugrichtung links angeordnet, während auf der rechten Seite die Elemente S1, S3/4, S5 und S6 montiert sind. Das Element S0 liegt in der Mitte und ist über das Destiny Labor mit dem bewohnten Teil der Station verbunden.
Die Integrated Truss Structure ist eine im Querschnitt trapezförmige, starre Leichtmetallstruktur mit zusätzlichen Querstreben. Für die Verbindung der einzelnen Segmente der Gitterstruktur existiert ein spezielles "Module-to-Truss Segment Attachment System". Für jede Verbindung gibt es einen fernbedienbaren Fangriegel, der beide Elemente zunächst locker verbindet und danach festgezogen wird. Außerdem greifen dann vier motorgetriebene Bolzen, die zusätzlich gesichert werden.

Die beiden Elemente Starboard One S1 und Portside One P1 sind jeweils etwa 14 Meter lang, 4,57 Meter breit und haben eine Masse von 12,5 Tonnen. Sie verfügen jeweils über ein System zum automatischen Anschluss von Versorgungsleitungen (Energie, Daten, Kühlmittel), einen Kühlmitteltank, dazu gehört ein Stickstofftank, drei Radiatoren mit je 22 m Länge zur Abstrahlung überschüssiger Wärme (vor allem aus den Energiesystemen) nebst der zugehörigen Drehmechanik und Steuerelektronik, Stromkonverter und -verteiler, zwei Videoanschluss-Stationen, zwei passive und eine aktive Segmentverbindungsanlagen sowie jeweils einen Transportkarren (CETA 1 und 2). Unterschiede bestehen im installierten Kommunikationssystem, S1 besitzt eine S-Band Antenne, P1 ein UHF-Kommunikationssystem.
P1 wurde an das von STS-110 gelieferten Zentralsegment S0 montiert.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Endeavour, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant James Wetherbee das spätere Docking erleichtern soll.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Endeavour von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 25. November 2002, hatte die Endeavour einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Endeavour schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm James Wetherbee die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. Nach den üblichen Haltepunkten bei 52 Meter und 9 Meter vor der ISS reduzierte er die Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Knapp eine Stunde später öffneten Shuttle-Kommandant James Wetherbee und ISS-Kommandant Waleri Korsun die Luken. Dem schloss sich eine kurze Begrüßungszeremonie an.
Kenneth Bowersox, Nikolai Budarin und Donald Pettit bildeten die neue sechste Expedition der ISS. Die Mitglieder der neuen Stammbesatzung bauten die mitgebrachten Schalensitze in das angekoppelte Raumschiff Sojus TMA-1 ein. Dies geschah zunächst nur als Vorsichtsmaßnahme für den Fall einer überhasteten Rückkehr vor Abholung durch das nächste Space Shuttle. Nach dem Verlust der Columbia bei der Mission STS-107 und der damit verbundenen vorübergehenden Einstellung der Shuttle-Flüge, musste die neue Stammbesatzung dann tatsächlich mit Sojus TMA-1 die Heimreise zur Erde antreten. Die mit STS-113 beförderten Raumfahrer lösten die fünfte Expedition mit Peggy Whitson, Waleri Korsun und Sergej Trestschow ab, die mit diesem Flug zur Erde zurückkehrte. Für ihren Rückflug waren im Mitteldeck des Orbiters Liegesitze eingebaut worden.

Am nächsten Flugtag begannen Michael Lopez-Alegria und John Herrington mit den Vorbereitungen für ihren ersten Außenbordeinsatz. Während dieser Zeit hob James Wetherbee mit Hilfe des Greifarms der Raumstation das neue Element Portside One P1 aus der Ladebucht heraus und reichte es an den Greifarm der Raumstation weiter, der vom Kommandanten der Expedition 6 Kenneth Bowersox und Peggy Whitson gesteuert wurde. An Ort und Stelle platziert verriegelten sich die Haltbolzen ferngesteuert mit Ende des Starboard Zero S0. Dort rastete das neue Stationselement ein und war damit mechanisch mit der Raumstation verbunden. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Arbeiten verließen die beiden EVA-Astronauten die Luftschleuse.

Den ersten Weltraumspaziergang unternahmen Michael Lopez-Alegria und John Herrington am 26. November 2002 (6h 45m) zum Anbringen von Verbindungen zwischen den P1- und S0-Trägern und anderen Installationen. Sie stellten die nötigen elektrischen Verbindungen her und lösten Startsicherungen. Michael Lopez-Alegria und John Herrington installierten auch ein drahtloses Kamerasystem, damit die Bilder von Helmkameras auch ohne einen vorhandenen Shuttle übertragen werden können.

Am 27. November 2002 standen Umlade- und Übergabearbeiten der alten und der neuen ISS-Besatzung im Mittelpunkt. Am Nachmittag ersetzten Kenneth Bowersox und Peggy Whitson zwei Ventile und säuberten Ventilationsröhren der Kohlendioxidfilter des Destiny-Labors von Schmutz. Später wurde gemeldet, dass die Arbeiten erfolgreich waren, aber es wurde auch ein Leck in einer der Vakuum-Leitungen gefunden. Peggy Whitson und Kenneth Bowersox gingen auf die Suche, denn obwohl die Luft durch ein russisches System genügend gereinigt wird, muss die Anlage im Destiny-Labor in der Lage sein, größere Besatzungen zu versorgen.

Der zweite Außenbordeinsatz erfolgte durch Michael Lopez-Alegria und John Herrington am 28. November 2002 (6h 10m). Als Erstes mussten zwei Ammoniak-Flüssigkeitsleitungen für das Kühlsystem zwischen P1 und dem S0-Zentralteil geschlossen werden. Danach wurde eine Startsicherung gelöst und an einem geeigneten Platz verstaut. Nach dem ersten Kamerasystem, das beim ersten Ausstieg auf dem Unity-Modul installiert worden, kam nun ein zweites System auf das P1-Gerüst. Einer der beiden CETA-Transportwagen wurde zum anderen hinüber umplatziert, um Platz für den Roboterarm der Station zu machen, damit dieser sich nun auf dem mobilen Transporter bewegen kann. Zuletzt wurden Kabel des ersten Kamerasystems auf Unity angeschlossen.

Am folgenden Tag wurden Geräte mit wissenschaftlichen Experimenten zwischen der Endeavour und der Raumstation ausgetauscht. Anschließend wurde das Kommando über die Raumstation offiziell an die neue Besatzung übergeben. Peggy Whitson und Donald Pettit untersuchten ein technisches Problem der Mikrogravitationsbox, die am 20. November 2002 ausgefallen war.

Die dritte und letzte EVA durch Michael Lopez-Alegria und John Herrington wurde am 30. November 2002 (7h 00m) unternommen. Zu Beginn des Außenbordeinsatzes mussten die Astronauten ein kleineres technisches Problem lösen. Am Vormittag war der Mobile Transporter drei Meter von seiner beabsichtigten Zielposition stecken geblieben. John Herrington fand eine verstaute UHF-Antenne, in der sich das Versorgungskabel des Mobilen Transporters auf seiner Fahrt verfangen hatte, und löste das Problem, woraufhin der Transporter seine Fahrt abschließen konnte. Wegen der Zeitverzögerung wurde darauf verzichtet, den Roboterarm wie ursprünglich geplant auf den mobilen Transporter zu setzen und die Arbeiten stattdessen ohne den Arm weiterzuführen. Es wurden insgesamt dreiunddreißig Spool Positioning Devices (SPD's) an verschiedensten Stellen der Außenseite der Station angebracht.

Am 02. Dezember 2002 koppelte die Endeavour-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Paul Lockhart, wie schon bei STS-111, die Orbitalstation eineinviertel Mal, ehe die Triebwerke der Endeavour erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.
Kurz nach der Abkopplung wurden im Auftrag des DARPA zwei Miniatursatelliten namens MEPSI ausgesetzt, die miteinander durch ein Kabel verbunden sind und den Einsatz von Mikro- und Nanotechnologie demonstrieren sollen.

Die Missionsdauer wurde wegen schlechten Wetters über dem KSC um drei Tage verlängert.

Anmerkung

Kenneth Bowersox, Nikolai Budarin und Donald Pettit am 04. Mai 2003, 02:04 UTC mit Sojus TMA-1 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

mehr EVA-Fotos


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Letztes Update am 12. April 2014.