Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 228

STS-110

Atlantis (25)

USA

hochauflösende Version (487 KB)

hochauflösende Version (424 KB)

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  08.04.2002
Startzeit:  20:44 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  226 km
Inklination:  51,60°
Ankopplung ISS:  10.04.2002, 16:05:00 UTC
Abkopplung ISS:  17.04.2002, 18:31:00 UTC
Landedatum:  19.04.2002
Landezeit:  16:27 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

hochauflösende Version (964 KB)

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Bloomfield  Michael John "Bloomer"  CDR 3 10d 19h 42m  171 
2  Frick  Stephen Nathaniel  PLT 1 10d 19h 42m  171 
3  Walheim  Rex Joseph  MSP 1 10d 19h 42m  171 
4  Ochoa  Ellen Lauri  MSP 4 10d 19h 42m  171 
5  Morin  Lee Miller Emile  MSP 1 10d 19h 42m  171 
6  Ross  Jerry Lynn  MSP 7 10d 19h 42m  171 
7  Smith  Steven Lee  MSP 4 10d 19h 42m  171 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Bloomfield
2  Frick
3  Walheim
4  Ochoa
5  Morin
6  Ross
7  Smith
Landung
1  Bloomfield
2  Frick
3  Morin
4  Ochoa
5  Walheim
6  Ross
7  Smith

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC). Wegen eines Lecks in einem Sauerstofftank wurde der ursprünglich auf den 04. April 2002 festgesetzte Start abgesagt. Mit diesem Flug wurde Jerry Ross erster Mensch mit sieben Raumflügen.

Hauptaufgabe von STS-110 (ISS-13-8A Integrated Truss Structure S0, Mobile Transporter) war die Lieferung und Installation der Integrated Truss Structure (ITS) S0 sowie des Mobile Transporter.

Die Integrated Truss Structure (ITS; dt.: Integrierte Gitterstruktur) ist die tragende Gitterstruktur der Internationalen Raumstation (ISS). Sie bildet deren Rückgrat und ist senkrecht zur Flugrichtung ausgerichtet.
Die ITS ist wie die gesamte Raumstation modular aufgebaut. Die einzelnen Elemente tragen Bezeichnungen aus einer Buchstaben-/Zahlenkombination ("P" steht für Port, von engl. Backbord; "S" steht für Starboard, von engl. Steuerbord): P1, P3/4, P5 und P6 sind in Flugrichtung links angeordnet, während auf der rechten Seite die Elemente S1, S3/4, S5 und S6 montiert sind. Das Element S0 liegt in der Mitte und ist über das Destiny Labor mit dem bewohnten Teil der Station verbunden.
Die Integrated Truss Structure ist eine im Querschnitt trapezförmige, starre Leichtmetallstruktur mit zusätzlichen Querstreben. Für die Verbindung der einzelnen Segmente der Gitterstruktur existiert ein spezielles "Module-to-Truss Segment Attachment System". Für jede Verbindung gibt es einen fernbedienbaren Fangriegel, der beide Elemente zunächst locker verbindet und danach festgezogen wird. Außerdem greifen dann vier motorgetriebene Bolzen, die zusätzlich gesichert werden.

Starboard Zero S0 (englisch für Steuerbord Null) ist das zentrale Segment der über 100 m langen Gitterstruktur der Internationalen Raumstation. S0 ist über ausfahrbare Teleskopstützen mit dem Labormodul Destiny verbunden.
Das S0-Gitterelement ist 13,47 m lang, 4,57 m breit, hat eine Masse von 12.118 kg und besteht aus fünf einzelnen Buchten. Es verfügt außerdem über ein System zum automatischen Anschluss an Versorgungsleitungen (Energie, Daten, Kühlmittel), einen 6,40 m langen Radiator zur Abstrahlung überschüssiger Wärme (vor allem aus den Energiesystemen), eine transportable Arbeitsplattform, vier GPS-Antennen zur Positionsbestimmung der Station, ein davon unabhängiges System aus zwei Messkomplexen mit je drei Ringlaserkreiseln, die Beschleunigungen in allen drei Achsen bestimmen und über Computer die Position der Station berechnen, einen Detektor für geladene Partikel, vier Energie-Umschalteinheiten, zwei Stromkreisunterbrecher, drei Halogenscheinwerfer, zwei unabhängige Steuersysteme zur Fernbedienung der wichtigsten Funktionen, eine Vielzahl von Versorgungskabeln mit automatischen Anschlussvorrichtungen sowie den Mobile Transporter (MT).
Der MT ist eine Aluminiumkonstruktion, 2,74 m lang, 2,62 m breit und 97 cm hoch. Er hat eine Masse von 885 kg und läuft auf Schienen entlang der Gitterstruktur. Eine komplexe Software übernimmt die Steuerung der 20 Motoren zum Fahren, Feststellen und Anschließen der Energiekupplungen. In Zukunft stehen dem mobilen Transporter zehn Andockstellen auf den einzelnen Gittersegmenten zur Verfügung. Zwischen Schiene und Transporter herrscht im festgestellten Zustand eine Anpresskraft von etwa 30 kN. Die maximale Nutzlast liegt bei 20,9 t.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Atlantis, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant Michael Bloomfield das spätere Docking erleichtern soll.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Atlantis von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 10. April 2002, hatte die Atlantis einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Atlantis schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm Michael Bloomfield die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. Nach den üblichen Haltepunkten bei 52 Meter und 9 Meter vor der ISS reduzierte er die Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Weniger als zwei Stunden nach der Ankopplung an die ISS wurden die Luken geöffnet und die Besatzung der Atlantis wurde von der vierten Stammbesatzung der Internationalen Raumstation begrüßt. Sofort begannen beide Mannschaften mit dem Transport der von Space Shuttle mitgebrachten Ausrüstungsgüter, Verbrauchsmaterialien und wissenschaftlichen Experimenten. Ellen Ochoa und Daniel Bursch testeten den Greifarm der Raumstation Canadarm2 für den Transport des S0-Gitterelementes.

Am folgenden Tag hoben Ellen Ochoa und Daniel Bursch mit dem Canadarm2 das S0-Element, das erste Segment der zentralen Gitterstruktur der Internationalen Raumstation (ISS), mit einer Masse von zwölf Tonnen und Ausmaßen von 13,4 Meter Länge und 4,6 Meter Breite aus der Nutzlastbucht der Atlantis heraus und befestigten es am Destiny-Labor.

Außerdem wurde der Schienenwagen zur ISS gebracht. Der als Mobile Transporter bezeichnete Schlitten nutzt das auf den Gitterelementen verlegte Schienensystem.

Die erste EVA unternahmen Steven Smith und Rex Walheim am 11. April 2002 (7h 48m) bei der das (S-Zero) Truss Segment installiert wurde. Die Astronauten befestigten das Element mit zahlreichen Schrauben. Angebracht wurden auch erste Strom- und Datenkabel.

Die zweite EVA wurde durch Jerry Ross und Lee Morin am 13. April 2002 (7h 30m) ausgeführt, bei der zwei lange Streben vom S-Zero Truss zum Destiny Laboratorium gezogen wurden.

Bei der dritten EVA waren erneut Steven Smith und Rex Walheim am 14. April 2002 (6h 27m) im Einsatz. Dabei setzten sie unterbrochene Kabelverbindungen zum Canadarm2 wieder ein und begannen mit den Vorbereitungsarbeiten, um das kürzlich angelieferte Schienenfahrzeug der ISS, den Mobile Transporter, zu aktivieren.

Die vierte und letzte EVA wurde durch Jerry Ross und Lee Morin am 16. April 2002 (6h 37m) unternommen, bei der eine Art Leiter installiert, elektrische Schalter getestet und Lampen außerhalb der ISS für zukünftige Erweiterungsarbeiten angebracht wurden. Daneben befestigten die beiden Astronauten den Extravehicular Charged Particle Directional Spectrometer, das die Strahlenbelastung außerhalb der Raumstation messen und aufzeichnen soll.

Am 17. April 2002 koppelte die Atlantis-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Stephen Frick die Orbitalstation eineinviertel Mal, ehe die Triebwerke der Atlantis erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.

Fotos / Zeichnungen

S0 Träger
 

mehr EVA-Fotos


©      

Letztes Update am 12. April 2014.