Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 176

STS-71

Atlantis (14)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  27.06.1995
Startzeit:  19:32 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  342 - 342 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung MIR:  29.06.1995, 13:00:16 UTC
Abkopplung MIR:  04.07.1995, 11:09:42 UTC
Landedatum:  07.07.1995
Landezeit:  14:54 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Gibson  Robert Lee "Hoot"  CDR 5 9d 19h 22m  153 
2  Precourt  Charles Joseph  PLT 2 9d 19h 22m  153 
3  Baker  Ellen Louise Shulman  MSP 3 9d 19h 22m  153 
4  Harbaugh  Gregory Jordan  MSP 3 9d 19h 22m  153 
5  Dunbar  Bonnie Jeanne  MSP 4 9d 19h 22m  153 
6  Solowjow  Anatoli Jakowlewitsch  MSP 4 75d 11h 20m  1194 
7  Budarin  Nikolai Michailowitsch  MSP 1 75d 11h 20m  1194 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Gibson
2  Precourt
3  Baker
4  Harbaugh
5  Dunbar
6  Solowjow
7  Budarin
8  
Landung
1  Gibson
2  Precourt
3  Baker
4  Harbaugh
5  Dunbar
6  Strekalow
7  Deshurow
8  Thagard

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
6  Onufrijenko  Juri Iwanowitsch  MSP
7  Polestschuk  Alexander Fjodorowitsch  MSP

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung in Cape Canaveral (KSC).

Der Starttermin für STS-71 war ursprünglich auf den 24. Mai 1995 festgelegt worden. Abhängig war der Starttermin aber vom Start des MIR-Moduls Spektr, das nach ursprünglichen Planungen am 10. Mai 1995 mit einer Proton-Rakete vom Kosmodrom Baikonur abheben sollte. Auf russischer Seite kam es jedoch zu Verzögerungen, so dass Spektr nach dem Start am 20. Mai 1995 schließlich am 01. Juni 1995 an die russische Raumstation ankoppelte. Außerdem musste die 18. MIR-Stammbesatzung noch vor dieser Kopplung die Raumstation umkonfigurieren. Dazu gehörte insbesondere die Umsetzung des Moduls Kristall zum Bugstutzen der MIR. Das Modul Kristall verfügte über einen für die Ankopplung eines Space Shuttle geeigneten Kopplungsstutzen, der im Juli 1992 von Sojus TM-16 im Hinblick auf damals geplante Buran-Flüge getestet worden war. Notwendig war auch die Verlegung der Solarzellenflächen vom Modul Kristall zum Kwant1-Modul, um ausreichend Platz für eines sicheres Andocken des Space Shuttle zu schaffen.
Technische Probleme ergaben sich aber auch auf amerikanischer Seite. Im Kühlkreislauf der Atlantis war ein Leck entdeckt worden, so dass die Einheit ausgetauscht werden musste. Außerdem mussten zwei Haupttriebwerke sicherheitshalber für eine Inspektion ausgebaut werden. Schließlich wurde nach dem Einbau des Tunnels zum Spacelab bei einer Dichtigkeitsprüfung ein Leck entdeckt, das beseitigt werden musste. Wegen der Probleme bei beiden Partnern hatte die NASA zwischenzeitlich erwogen, den Flug von STS-70 vorzuziehen. Dies scheiterte aber daran, dass Spechte den Außentank der bereits auf der Startrampe stehenden Discovery beschädigt hatten.
Witterungsbedingt mussten am 23. Juni 1995 und am folgenden Tag der Start abgesagt werden. Da auch für die beiden folgenden Tage lediglich eine 10 %ige Chance für einen Start bestand, wurde der Termin für das Abheben gleich um drei Tage verschoben.

Wesentliches Missionsziel für STS-71 war die historische Ankopplung der Atlantis an die russische Raumstation MIR. Dabei sollte auch die bisherige Stammbesatzung durch Anatoli Solowjow und Nikolai Budarin als 19. Stammbesatzung ausgetauscht werden. Für gemeinsame wissenschaftliche Forschungen im Rahmen des "Shuttle-MIR Science Program" (SMSP) führte die Atlantis in ihrem Frachtraum auch ein Spacelab-Modul mit.

Knapp vier Stunden nach dem Start leiteten Robert Gibson und Charles Precourt mit einer Triebwerkszündung die Verfolgung der MIR ein. In der Zwischenzeit waren Ellen Baker, Bonnie Dunbar und Gregory Harbaugh mit der Aktivierung des Spacelab beschäftigt. Das eigentliche Rendezvous-Manöver fand am dritten Flugtag, also am 29. Juni 1995, statt. Nach weiteren Triebwerkszündungen befand sich die Atlantis in einer Entfernung von 14,8 Kilometern direkt unter der MIR. Eine nochmalige Triebwerkszündung für neun Sekunden brachte den Orbiter bis zu einem Punkt 76,2 Meter unterhalb der Raumstation. Zwischenzeitlich hatte der MIR-Kommandant Wladimir Deshurow die Station in Docking-Position gedreht, d.h. mit der Längsachse und dem Kristall-Modul am Bugstutzen in Richtung Erde zeigend. Mit 3 Zentimetern pro Sekunde brachte Robert Gibson dann die Atlantis an die MIR heran. Exakt um 13:00:16 UTC dockte er den Orbiter an die Raumstation an, die sich in dieser Zeit in freier Drift befand. Mit der Kopplung übernahm die Atlantis die Lagekontrolle des Gesamtkomplexes.

Nach erfolgter Dichtigkeitsprüfung öffnete Wladimir Deshurow die Luke von Kristall und entfernte zunächst die Positionslichter und das Rendezvouskreuz an der Außenseite. Danach wurde der Druckausgleich zwischen den beiden Raumflugkörpern hergestellt. Kurze Zeit später öffnete Robert Gibson die obere Luke des Orbiter Docking Systems. Die beiden Kommandanten begrüßten sich per Handschlag, ehe alle Besatzungsmitglieder der Atlantis in die MIR schwebten. Dort fand im Kernmodul eine Begrüßungszeremonie statt. Dazu gehörte insbesondere der gegenseitige Austausch von Geschenken zur Erinnerung an die gemeinsame Mission. Danach brachten Anatoli Solowjow und Nikolai Budarin ihre persönlichen Sachen in die MIR und tauschten ihre Schalensitze gegen die der MIR-18-Mannschaft aus. Damit war die formale Übergabe der Raumstation abgeschlossen.

Zum Flugprogramm gehörten in der Folgezeit mehrere Interviews verschiedener Fernseh- und Radiostationen. Vor allem waren die Raumfahrer aber mit medizinischen Untersuchungen und dem Transport verschiedener Materialien in beide Richtungen beschäftigt. So gelangten neue Ausrüstungen, z. B. SVET, ein Minigewächshaus, in dem vor allem das Wurzelwachstum in der Schwerelosigkeit untersucht wurde, und Wasser in die Raumstation. Ausgediente Geräte und Experimentiermaterial wurden dagegen in der Raumfähre verstaut, darunter eine Vielzahl von Blut-, Urin- und Speichelproben. Die neue Besatzung der Raumstation, Anatoli Solowjow und Nikolai Budarin, brachte außerdem individuell angepasste Raumanzüge und Sitzschalen für das angedockte Raumschiff Sojus TM-21 mit.

Die medizinischen Untersuchungen fanden zum großen Teil im Spacelab statt, das sich in der Ladebucht der Atlantis befand. Hier wurden weitere Blut- und Gewebeproben genommen, Herz- und Lungenfunktion untersucht, der Zustand des Muskel- und Nervensystems sowie die Reaktions- und Leistungsfähigkeit der Langzeitflieger gemessen. Um die Anpassung an die Schwerkraft nach der Landung zu erleichtern, gehörte auch ein intensives Training mit einem Laufband und einem Fahrradergometer zum Programm. Mehrfach wurde auch ein Anzug getragen, der durch einen Unterdruck den Unterleib der Raumfahrer stärker belastet (Lower Body Negative Pressure). Mit einem ähnlichen Gerät hatte man bereits an Bord der Station gearbeitet (Tschibis). Für die USA stellten diese Tests die ersten Untersuchungen zu längeren Aufenthalten in der Schwerelosigkeit seit 1974 dar. Damals war mit der Mission Skylab 4 ein Flugrekord von 84 Tagen aufgestellt worden.

Nach der Übergabe der Raumstation an die 19. MIR-Stammbesatzung (Anatoli Solowjow und Nikolai Budarin) war eine der wesentlichen Aufgaben des Fluges erfüllt. Die bisherige 18. MIR-Stammbesatzung mit Gennadi Strekalow, Wladimir Deshurow und Norman Thagard, dem ersten Amerikaner auf der MIR, kehrte mit STS-71 zur Erde zurück. Um ihnen die Anpassung an die Schwerkraft zu erleichtern, waren im Mitteldeck Liegesitze montiert worden.

Die Abkopplung erfolgte nach siebentägigem gemeinsamem Flug. Das Manöver wurde vom zuvor abgekoppelten Sojus-Raumschiff beobachtet. Anatoli Solowjow hatte Sojus TM-21 etwa 61 Metern entfernt von der Raumstation "geparkt". In der Zwischenzeit filmte Nikolai Budarin vom Orbitalmodul aus das Ablegen der Atlantis. Als sich das Space Shuttle vor die Station gesetzt hatte, um die Wiederankopplung zu filmen, geriet die MIR kurzzeitig außer Kontrolle und driftete frei. Durch das Abkoppeln und die damit auftretenden dynamischen Kräfte wurde der Steuerungscomputer der MIR überlastet und schaltete sich ab. Innerhalb weniger Minuten brachte Anatoli Solowjow das Sojus-Raumschiff wieder an die MIR heran und koppelte sicher an.

Am 07. Juli 1995 landete STS-71 auf Cape Canaveral. An Bord befanden sich neben den fünf amerikanischen Shuttle-Astronauten die alte MIR-Stammbesatzung, die beiden Russen Gennadi Strekalow und Wladimir Deshurow sowie der Amerikaner Norman Thagard. Für diese drei Raumfahrer waren spezielle Sitze in Atlantis aufgestellt worden, damit sie nach ihrem langen Raumflug nicht sofort die volle Erdschwere spüren. Sie sollten nach der Landung so lange darin sitzenbleiben, bis Ärzte sie gründlich untersucht haben. Norman Thagard setzte sich jedoch über die Anweisungen hinweg und begab sich zu Fuß zu dem Mannschaftswagen, der neben Atlantis wartete. Er hielt auch die Quarantänebestimmungen nicht ein und begab sich noch am selben Tag zu seiner Familie, die er während des Aufenthalts sehr vermisst hat. Später hob er die Zusammenarbeit zwischen ihm und den beiden russischen Kosmonauten hervor, beklagte sich aber andererseits über eine gewisse kulturelle Isolation, da er manchmal über zwei Tage hinweg kein Wort Englisch gehört habe. Auch die beiden russischen Kosmonauten lobten in einer anderen Pressekonferenz die Zusammenarbeit mit Norman Thagard, beklagten sich jedoch über seine Wehleidigkeit.

Später wurden von Bord der MIR EVAs durch Anatoli Solowjow und Nikolai Budarin am 14. Juli 1995 (5h 34m), 19. Juli 1995 (3h 08m) und 21. Juli 1995 (5h 50m) unternommen.

Anmerkung

Anatoli Solowjow und Nikolai Budarin am 11. September 1995, 06:52 UTC mit Sojus TM-21 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

Mannschaftstraining Mannschaftstraining
STS-71 im Orbit
 

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Letztes Update am 23. November 2014.