Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 179

STS-69

Endeavour (9)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  07.09.1995
Startzeit:  15:09 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  305 km
Inklination:  28,4°
Landedatum:  18.09.1995
Landezeit:  11:37 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Walker  David Mathieson  CDR 4 10d 20h 28m  171 
2  Cockrell  Kenneth Dale "Taco"  PLT 2 10d 20h 28m  171 
3  Voss  James Shelton  MSP 3 10d 20h 28m  171 
4  Newman  James Hansen  MSP 2 10d 20h 28m  171 
5  Gernhardt  Michael Landon  MSP 1 10d 20h 28m  171 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Walker
2  Cockrell
3  Voss
4  Newman
5  Gernhardt
Landung
1  Walker
2  Cockrell
3  Gernhardt
4  Newman
5  Voss

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung in Cape Canaveral (KSC).

Der Start von STS-69 war zunächst für den 20. Juli 1995 geplant gewesen, musste dann aber wegen verschiedener technischer Arbeiten am Orbiter vorerst auf den 30. Juli 1995 verschoben werden. Noch in der Montagehalle ergaben sich weitere Verzögerungen beim Einbau der Haupttriebwerke. So konnte die Endeavour erst am 05. Juli 1995 zur Startrampe gerollt werden. Da auf dem benachbarten Startkomplex die Discovery auf den Beginn der Mission STS-70 wartete, standen erneut zwei Raumfähren zeitgleich auf den beiden Startrampen. Als frühestmöglicher Starttermin wurde nun der 03. August 1995 genannt. Nach der Landung der beiden Missionen STS-71 und STS-70 wurden Schäden an Dichtungsringen ("O-Ring") entdeckt, die zu einer Startverschiebung auf unbestimmte Zeit führten. Noch ehe dieses Problem gelöst werden konnte, erforderte der herannahende tropische Wirbelsturm "Erin" eine Rückholung der Endeavour ins VAB, da sie nur dort hinreichend vor den gewaltigen Kräften der Stürme untergebracht werden konnte. Der Rücktransport des Orbiters erfolgte am 08. August 1995. Vor Ort führten die Techniker für notwendig erachtete Nachbesserungen an den Dichtungsringen durch. Als neuer Startzeitpunkt wurde von der NASA nun der 31. August 1995 genannt. Aber auch dieser Termin konnte nicht gehalten werden, weil eine Brennstoffzelle defekt war und ausgetauscht werden musste. Danach wurde der 07. September 1995 als Termin für den Start festgelegt.

Hauptnutzlasten waren die Forschungsplattform SPARTAN-201 und die "Wake Shield Facility" (WSF-2). Außerdem war ein Außenbordeinsatz für den Test von Werkzeugen bzw. Prozeduren im Hinblick auf den Aufbau einer Raumstation geplant.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn und dem Öffnen der Frachtraumtüren begann die Aktivierung von SPARTAN-201 und der "Wake Shield Facility", da der Zustand der beiden Nutzlasten schon lange vor ihrem Aussetzen überwacht werden musste. Michael Gernhardt testete den Greifarm des Orbiters und inspizierte mit der daran befindlichen Kamera den Frachtraum.

STS-53, der vorhergehende Flug von Kommandant David Walker war die letzte Mission für das Department of Defense. Während des Trainings hatte sich ein besonders starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, so dass sich die Männer damals "The Dogs of War" nannten. Daraus wurde die "Dog Crew I". Während des Trainings für STS-69 ergab sich ein ähnliches Zusammengehörigkeitsgefühl und die Mannschaft von STS-69 erhielt den Beinamen "Dog Crew II". Dem folgte ein entsprechendes zusätzliches Missionsemblem.

Für den zweiten Flugtag stand das Aussetzen der Freiflugplattform SPARTAN-201 auf dem Programm. Bei ihrem Einsatz während des Fluges von STS-69 hatte sie zwei wissenschaftliche Experimente an Bord. Es wurde dabei der Zusammenhang zwischen der Sonne und dem von ihr erzeugten Strom an geladenen Partikeln (Sonnenwind), insbesondere dabei die äußere Atmosphäre der Sonne und der Ausstoß des Sonnenwindes von dieser untersucht. Mit Hilfe des Greifarmes der Endeavour setzte Michael Gernhardt SPARTAN-201 auf eine eigene Umlaufbahn aus. David Walker und Kenneth Cockrell feuerten dann die Triebwerke des Orbiters kurz, um die Entfernung zur Plattform langsam zu erhöhen. Die maximale Entfernung zwischen den beiden Raumflugkörpern betrug etwa 113 Kilometer. Am vierten Flugtag wurde SPARTAN-201 wieder eingefangen. Durch entsprechende Triebwerkszündungen kam die Discovery der Plattform bis auf etwa 107 Meter nahe. Die Mannschaft musste feststellen, dass sich SPARTAN nicht in der sonst üblichen Lage befand, sondern langsam rotierte. Außerdem befand sich der Greifstutzen entgegen der Richtung von Endeavour. David Walker steuerte sein Raumschiff vorsichtig um die Plattform herum und so konnte Michael Gernhardt SPARTAN-201 38 Minuten später als geplant mit dem RMS einfangen und im Frachtraum wieder verankern.

Am folgenden Tag begann die Besatzung mit den Vorarbeiten für das Aussetzen der "Wake Shield Facility". Bei der WSF-2 handelte es sich um einen untertassenförmigen Satelliten mit einem Durchmesser von 3,66 Metern und einer Masse von 1.973 kg. Während seines Freifluges sollte sich quasi in seinem "Kielwasser", also direkt hinter ihm ein Ultrahochvakuum bilden, das für materialwissenschaftliche Experimente zum Wachstum extrem dünner Halbleiterschichten (Wafer) aus Galliumarsenid genutzt werden sollte. Unter Verwendung einer karusellartigen Vorrichtung sollten sieben derartige Wafer hergestellt werden. Bei der Mission STS-60 konnte die WSF wegen technischer Probleme nicht ausgesetzt werden.
Zuerst hob James Newman die WSF aus ihrer Verankerung und positionierte sie so, dass eventuelle Verunreinigungen durch die Gasmolekühle der Restatmosphäre entfernt wurden. Dann manövrierte er den Satelliten in eine Position genau über der rechten Tragfläche der Endeavour. Während des nun folgenden Checkouts ergaben sich immer wieder Kommunikationsprobleme, so dass der Aussetzvorgang verschoben wurde. Schließlich konnte James Newman die WSF doch in die Aussetzposition direkt über dem Frachtraum in Flugrichtung bringen. Während der 61. Erdumkreisung begann die WSF endlich ihren Freiflug. Durch feuern einer Kaltgasdüse entfernte sie sich vom Orbiter. Während des Freifluges traten zahlreiche technische Probleme auf. Die Kommunikation war zeitweise unterbrochen und auch die Lageregelung hielt die WSF nicht immer in der erwarteten Position. Daher mussten die wissenschaftlichen Experimente vorübergehend abgeschaltet werden. Die NASA entschied daher, den Freiflug der WSF um 24 Stunden zu verlängern. Aber auch so konnten nur 4 von 7 geplanten Wafern hergestellt werden.
David Walker und Kenneth Cockrell steuerten die Endeavour an einen Punkt 122 Meter vor der WSF, um einen normalen "V-Bar Approach" durchzuführen. Vor dem endgültigen Rendezvous zündete die Endeavour mehrfach verschiedene Lageregulierungstriebwerke. Dabei sollten das Massenspektrometer, der Druckmesser und die sogenannte "Microgravity Measurement Devices" auf der WSF die Auswirkungen der Triebwerksabgase auf den stabilen Flug der Plattform sowie das Ausmaß der Verschmutzung analysieren. Die Abgase führten zu keinen großen Störungen der Fluglage von WSF. Nach diesem Test war die Endeavour nahe genug an den Satelliten herangekommen, damit James Newman ihn mit dem Shuttle-Greifarm fassen konnte.

Am folgenden Flugtag hob James Newman die WSF ein weiteres Mal mit dem RMS aus dem Frachtraum heraus und platzierte ihn seitlich des Orbiters. Dort wurde in den folgenden fünf Stunden ein Experiment durchgeführt, das zum besseren Verständnis der Auswirkungen, die die ionisierten Teilchen, aus denen das Plasma besteht, auf den Funkverkehr mit Raumflugkörpern in der Erdumlaufbahn haben.

Die einzige EVA während des Fluges wurde durch James Voss und Michael Gernhardt am 16. September 1995 (6h 46m) unternommen. Der Aufgabenkatalog der beiden Astronauten wurde unter der Bezeichnung "EVA Development Flight Test" (EDFT)-2 zusammengefasst und war Gegenstand weiterer Außenbordtätigkeiten während künftiger Shuttle-Missionen. Im Mittelpunkt der EVA standen die sogenannten "Thermal Evaluations". Die Astronauten mussten zwei Würfel montieren und aktivieren, die hochgenaue Thermometer zur Aufzeichnung der Umgebungstemperatur enthielten. Es sollte getestet werden, bei welchen Temperaturen noch akzeptable Arbeitsbedingungen bestehen. Michael Gernhardt begab sich danach auf eine als "Manipulator Foot Restraint" (MFR) bezeichnete Arbeitsplattform am Greifarm des Orbiters und wurde dann bis in 9 Metern Höhe über den Frachtraum gehoben. Die Endeavour wurde von den Piloten so gedreht, dass Michael Gernhardt keine Sonne mehr erreichte. In den nächsten 40 bis 45 Minuten kühlte er sehr deutlich aus; der Temperaturwürfel ermittelte bis zu -93 Grad Celsius. Anschließend absolvierte James Voss den gleichen Test und hielt ebenfalls rund eine dreiviertel Stunde aus. Für diese und künftige EVAs war der Thermalschutz der Raumanzüge weiter verbessert worden. Die "Task Board" genannte Arbeitsplattform, die senkrecht an der vorderen Frachtraumwand befestigt war, enthielt die notwendige Hardware, um 17 neuartige Werkzeuge zu testen. Darunter waren elektrische Kabelverbindungen, im Orbit austauschbare Avionik-Boxen, leicht zu befestigende Handläufe, motorgetriebene Hochleistungs-Schraubenzieher, Sicherheitsgurte sowie ein fast mannsgroßer Mikrometeoritenschild. Die Astronauten testeten diese Werkzeuge teils freischwebend und teils von einer festen Fußhalterung aus und bewerteten die Werkzeuge jeweils noch während des Außenbordeinsatzes. Als letzter Punkt testeten James Voss und Michael Gernhardt die mit verbesserten Helmlampen versehene MMU. Für den Test wurden sämtliche Lampen im Frachtraum gelöscht.

STS-69 führte auch den "International Extreme Ultraviolet Hitchhiker" (IEH-1) mit, den ersten von fünf geplanten Flügen um die Flussstärke des von der Sonne stammenden "Extreme Ultraviolet" (EUV) zu messen und ihren Verlauf zu verfolgen, sowie die EUV Emissionen des Plasma-Torus um Jupiter, welcher von seinem Mond Io ausgeht. Eine weitere Nutzlast an Bord war die "Electrolysis Performance Improvement Concept Study" (EPICS), die mit der ISS in Verbindung stand.

Außerdem war das "combined Capillary Pumped Loop-2/Gas Bridge Assembly" (CAPL-2/GBA) Experiment an Bord. Es demonstrierte ein Kühlungssystem in Schwerelosigkeit, das für das "Earth Observing System Program" gedacht war. Das "Thermal Energy Storage-2" (TES-2) Experiment beschäftigte sich mit fortgeschrittenen Energietechniken. Daneben waren mehrere "Get Away Special" (GAS) Experimente an Bord, die unterschiedliche Gebiete wie den Zusammenspiel der Lage des Raumschiffes mit dem Orbit-Kontroll-System, mit Flüssigkeit gefüllte Stäbe für den Einsatz als Stoßdämpfer oder die Effekte eines Glimmbrandes unter Schwerelosigkeit erforschten. Außerdem wurde damit das Verhalten von Hohlräumen in Lithium-Fluoriden und Kalzium-Fluoriden erforscht, Salzen, die thermische Energie speichern können. Die Daten dieses Experimentes wurden vom Projekt TESSIM genutzt.

Weitere Nutzlasten an Bord waren:
"National Institutes of Health- Cells-4" (NIH-C4), das den Knochenschwund während eines Raumfluges untersuchte
"Biological Research in Canister-6" (BRIC-6) untersuchte die Gravitations-Erkennung von Säugetier-Zellen
"Commercial MDA ITA Experiments" (CMIX-4) war ein kommerzielles Experiment, das den Einfluss von Gravitation auf Zellen erforschte, insbesondere das Entstehen von neuro-muskulären Störungen
"Commercial Generic Bioprocessing Apparatus-7" (CGBA-7), ein weiteres kommerzielles Experiment, das Daten sammelte, die für die Pharmazie, Biomedizin, Biotechnologie, Landwirtschaft und Umwelt im Allgemeinen verwendet wurden.

Fotos / Zeichnungen

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Letztes Update am 10. April 2014.