Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 254

STS-122

Atlantis (29)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  07.02.2008
Startzeit:  19:45 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  332 - 339 km
Inklination:  51,64°
Ankopplung ISS:  09.02.2008, 17:17 UTC
Abkopplung ISS:  18.02.2008, 09:24 UTC
Landedatum:  20.02.2008
Landezeit:  14:07 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Frick  Stephen Nathaniel  CDR 2 12d 18h 22m  202 
2  Poindexter  Alan Goodwin "Dex"  PLT 1 12d 18h 22m  202 
3  Love  Stanley Glen  MSP 1 12d 18h 22m  202 
4  Melvin  Leland Devon "Lee"  MSP 1 12d 18h 22m  202 
5  Walheim  Rex Joseph  MSP 2 12d 18h 22m  202 
6  Schlegel  Hans Wilhelm  MSP 2 12d 18h 22m  202 
7  Eyharts  Léopold Paul Pierre  Bordingenieur 2 48d 04h 54m  758 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Frick
2  Poindexter
3  Melvin
4  Walheim
5  Schlegel
6  Love
7  Eyharts
Landung
1  Frick
2  Poindexter
3  Melvin
4  Walheim
5  Schlegel
6  Love
7  Tani

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
7  De Winne  Frank  Bordingenieur

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC). Ursprünglich war der Start für den 06. Dezember 2007 geplant gewesen, musste aber wegen defekter Tanksensoren mehrfach verschoben werden.

Um dem merkwürdigen Verhalten der Sensoren auf die Spur zu kommen, führte die NASA am 18. Dezember 2007 einen Tanktest durch. Dazu wurde die Verkabelung der ECO-Sensoren zwischen dem Außentank und dem Orbiter mit zusätzlicher Diagnoseausrüstung verbunden. Die Auswertung der Daten von den Startversuchen am 06. und 09. Dezember 2007 hatte gezeigt, dass die Ursache nicht in den Sensoren selbst, sondern wahrscheinlich in den Kabelsträngen zu suchen ist, die vom Tank zu einer Elektronikeinheit im Heck der Fähre führen. Während der Betankung, bei der zwei Sensoren ausfielen, wurde der elektrische Widerstand in jedem Kabel genau gemessen. So konnte festgestellt werden, an welcher Stelle das Leitungssystem defekt war. Wayne Hale erklärte nach dem Test, dass die Ursache für die falschen ECO-Messfühleranzeigen tatsächlich in der Verkabelung liege. Durch die Betankung mit flüssigem Wasserstoff könne sich die Kabeldurchführung in der Außenwand des Tanks so verziehen, dass der elektronische Kontakt zwischen Kabelanschlüssen und Durchführung beeinträchtigt werden könne.

Vor den Weihnachtsfeiertagen wurde damit begonnen, Isolierschaum an der betreffenden Stelle am Tank zu entfernen. Am 27. Dezember 2007 gab die NASA bekannt, die Kabeldurchführung zu entfernen und zur weiteren Untersuchung zum Marshall Space Flight Center zu schicken. Weiterhin bereitete man ein Ersatzgerät zum Einbau vor, bei dem die Anschlüsse an der Außenwand direkt mit den Litzen des Kabels zur Bordelektronik verlötet wurden. Das weitere Vorgehen hänge von den Ergebnissen ab. Deshalb wurde vorerst kein neues Startdatum genannt. Am 03. Januar 2008 verkündete die NASA, dass die neue Durchführung am 10. Januar 2008 eingebaut sein wird und mit einem Start frühestens am 24. Januar 2008 zu rechnen ist. Laut John Shannon, dem stellvertretenden Leiter des Shuttle-Programms, sei ein Starttermin in der ersten Februar-Woche wahrscheinlicher.

Die NASA teilte am 11. Januar 2008 mit, dass als neuer Starttermin der 07. Februar 2008 festgelegt wurde. Zuvor hatte Russland den Start des nächsten Progress-Frachters um zwei Tage auf den 05. Februar 2008 vorverlegt. Dadurch wird erreicht, dass nicht zwei Raumschiffe gleichzeitig an der Raumstation ankommen.

STS-122 (ISS 1 E Columbus) brachte mit Columbus den Hauptbeitrag der ESA zur Internationalen Raumstation. Mit dieser wurde das europäische Forschungsmodul während eines Weltraumausstiegs verbunden. Weiteres wesentliches Missionsziel war das Austausch eines Besatzungsmitgliedes der ISS. Léopold Eyharts sollte Daniel Tani als Bordingenieur der ISS Expedition 16 ablösen.
Außerdem wurde ein Stickstofftank ausgewechselt sowie Ausrüstungsteile und Verbrauchsgüter zur Station transportiert.

Das Raumlabor Columbus ist ein Wissenschaftslabor für die Internationale Raumstation (ISS) und der größte Beitrag der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) an der ISS.
Columbus ist ein zylindrisches Modul, das mit dem Space Shuttle Atlantis zur ISS transportiert und am 11. Februar 2008 an der Steuerbordseite des Verbindungsknotens Harmony montiert wurde. Die Einstiegsluke befindet sich an dem einen Ende des Zylinders, die meisten Bordcomputer am Steuerbordende. Columbus ist kleiner als die anderen Labor-Module der Raumstation (das amerikanische Destiny und das japanische Kibo PM). Das Modul enthält zehn sogenannte International Standard Payload Racks (ISPRs). Vier Racks befinden sich an der Vorderseite, vier an der Rückseite und zwei an der Decke. Drei ISPRs enthalten Lebenserhaltungs- und Kühlungssysteme. Die übrigen drei Racks dienen als Lager für Experimente. Vier weitere Nutzlastmodule können extern angebracht werden.
Columbus hat eine Länge von 6,871 m, einen äußeren Durchmesser von 4,477 m (inklusive Mikrometeoriten-Schutzschild von 13 cm Stärke aus mehreren Lagen Aluminium und Kevlar bzw. Nextel (keramisches Textilgewebe)) und einen inneren Durchmesser von 4,215 m. Das Raumvolumen beträgt 75 m³ (davon 25 m³ für die Racks).

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Atlantis, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant Stephen Frick das spätere Docking erleichtern soll.
Außerdem wurde der Hitzeschild der Atlantis auf eventuelle Schäden untersucht, die beim Start durch sich vom Außentank ablösende Isolierschaumstücke entstanden sein könnten. Dabei wurde der OBSS-Inspektionsarm eingesetzt, der nach dem Columbia-Unglück entwickelt wurde. Der OBSS ist ein 15 Meter langer "Aufsatz", der mit dem Roboterarm des Shuttles verbunden wird. Der Kopf des OBSS ist mit Laser-Sensoren und hoch auflösenden Kameras ausgestattet und tastet halbautomatisch die Hitzeschutzkacheln des Orbiters ab.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Atlantis von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 09. Februar 2008, hatte die Atlantis einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Atlantis schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm Stephen Frick die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. In der Nähe der Station führte Stephen Frick ein spektakuläres 360°-Manöver - das Rendezvous Pitch Maneuver (RPM) - durch, wobei er die Raumfähre innerhalb weniger Minuten um ihre Querachse drehen ließ. Die Besatzung der Raumstation fertigte währenddessen hochauflösende Aufnahmen des Shuttle-Hitzeschildes an. Die Aufnahmen werden später zur Erde übertragen und von Fachleuten ausgewertet. Mit einer direkt vor der ISS reduzierten Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde flog der Orbiter auf den Ankopplungsstutzen der Internationalen Raumstation zu. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.
Um 17:17 UTC erfolgte die Kopplung an die Raumstation. Es war das erste Mal, dass ein Shuttle am Harmony-Modul anlegte. Nach dem Druckausgleich wurden um 18:40 UTC die Luken zwischen ISS und Raumfähre geöffnet und die Besatzungen begrüßten sich. Danach wurden Ausrüstungsgegenstände für die drei EVAs in die Luftschleuse Quest gebracht.

Noch am selben Tag löste Missionsspezialist Léopold Eyharts ISS-Bordingenieur Daniel Tani ab, indem die Sojus-Sitze ausgetauscht wurden. Léopold Eyharts baute seinen im Space Shuttle mitgebrachten Schalensitz in das angedockte Raumschiff Sojus TMA-11 ein. Dies geschah nur als Vorsichtsmaßnahme für den Fall einer überhasteten Rückkehr vor Abholung durch das nächste Space Shuttle. Damit gehörte er offiziell zur 16. Besatzung der Raumstation. Im Gegenzug baute Daniel Tani seinen Schalensitz aus dem Sojus-Raumschiff aus und wurde damit Mannschaftsmitglied von STS-122. Im Mitteldeck der Atlantis war ein Liegesitz für ihn eingebaut, um ihm bei der Landung die Anpassung an die Schwerkraft zu erleichtern.
Auch wurde das SSPTS-Energieübertragungssystem aktiviert, mit dem die Discovery Strom von der ISS bezog.

Wenig später wurde bekannt, dass der erste Außenbordeinsatz (EVA) um einen Tag verschoben und von Stanley Love statt Hans Schlegel zusammen mit Rex Walheim durchgeführt wird. Grund hierfür waren auffällige Körpermesswerte bei Hans Schlegel. Gleichzeitig mit der EVA-Verschiebung wurde die Atlantis-Mission um einen Tag verlängert. Nach der Verschiebung des Außenbordeinsatzes wurde der Flugtag (10. Februar 2008) kurzfristig neu geplant. So wurden die Frachttransferarbeiten durchgeführt und eine genauere Inspektion der Hitzeschutzmatte angesetzt. Zudem wurden die Vorbereitungen für den Ausstieg, die am Vortag abgebrochen wurden, fortgesetzt. Am Abend begaben sich Rex Walheim und Stanley Love für einen "Campout" in die Luftschleuse Quest.

Die erste EVA durch Rex Walheim und Stanley Love am 11. Februar 2008 (7h 58m) wurde mit 24-stündiger Verspätung durchgeführt. Dabei erfolgte die Vorbereitung des Columbus-Moduls für die Installation am Modul Harmony. Ursprünglich sollten Rex Walheim und Hans Schlegel diese erste EVA durchführen. Hans Schlegel wurde aber krank (er litt wahrscheinlich unter den Folgen der Weltraumkrankheit), so dass für diese EVA Stanley Love einspringen musste. Dazu wurde die sogenannte Power Data Grapple Fixture an Columbus montiert, damit am Ende dieses Weltraumspazierganges das Columbus-Modul mit dem Roboterarm der ISS von der Shuttle-Ladebucht zum Modul Harmony transportiert werden konnte. Darüber hinaus wurden erste Arbeiten zum Entfernen des Stickstoff-Tanks vom P1 Truss durchgeführt. Der Stickstofftank gehört zum Kühlsystem der ISS. Während der Arbeiten am Stickstofftank wurde Columbus mit dem Greifarm aus der Nutzlastbucht gehoben und vor dem Steuerbord-Andockstutzen an Harmony in Position gebracht. Dort wurde das Modul um 21:44 UTC von den beiden Astronauten montiert. Die Arbeiten nahmen jedoch längere Zeit in Anspruch als geplant. Zwischenzeitlich lag man eine volle Stunde hinter dem Zeitplan.

Der 12. Februar 2008 diente hauptsächlich dem Innenaufbau von Columbus. Zunächst wurde ein Druckdichtigkeitstest durchgeführt, später um 14:08 UTC wurden die Luken zu Columbus geöffnet. Sofort danach wurde das Modul an den Stromkreis der Station angeschlossen, das Licht eingeschaltet und die Ventilation aktiviert. Auch fanden Transferaktivitäten, Vorbereitungen auf den nächsten Ausstieg und mehrere Interviews statt.

Die zweite EVA erfolgte durch Rex Walheim und Hans Schlegel am 13. Februar 2008 (6h 45m) zum Entfernen des alten Nitrogen-Tanks und Zwischenlagern auf einem Equipment Cart. Anschließend wurde der neue Tank installiert. Der alte Tank wurde in die Ladebucht von Atlantis verfrachtet, um wieder mit zur Erde zurückgebracht zu werden. Da diese Arbeiten sehr schnell erledigt wurden, konnten zwei weitere Aufgaben durchgeführt werden. So wurden Transporthalterungen an Columbus abgedeckt und der Trümmerschild an Destiny inspiziert.

Die dritte und letzte EVA unternahmen Rex Walheim und Stanley Love am 15. Februar 2008 (7h 25m) zur Installation von zwei Payloads (Forschungseinheiten) an der Außenseite des Moduls Columbus: SOLAR, ein Observatorium zur Sonnenbeobachtung und die Europäische Technologie Mess-Einheit (EuTEF) mit 8 verschiedenen Experimenten, die die äußeren Einflüsse im Weltall messen sollen. Daneben wurde ein defektes Kontrollmoment-Gyroskop von der Zwischenlagerungsstätte geholt und ebenfalls in die Ladebucht von Atlantis verfrachtet. Daneben wurde der defekte CMG-Steuerkreisel (Control Moment Gyroscope) für die Rückkehr zur Erde in der Nutzlastbucht der Atlantis verstaut. Der CMG war im Oktober 2006 ausgefallen und wurde während STS-118 im August 2007 durch ein Ersatzteil ausgetauscht. Danach untersuchten Rex Walheim und Stanley Love einen defekten Haltegriff an Quest, der vermutlich die Ursache für Beschädigungen an den Astronautenhandschuhen ist.

Am 18. Februar 2008 koppelte die Atlantis-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Alan Poindexter die Orbitalstation eineinhalb Mal, ehe die Triebwerke der Atlantis erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte. Der Orbiter stoppte dann in einer Entfernung von etwa 75 Kilometern. Mit Hilfe des OBSS wurde eine letzte Überprüfung des Hitzeschutzschildes vorgenommen. Im Notfall hätte das Space Shuttle zur Internationalen Raumstation zurückkehren können.

Anmerkung

Léopold Eyharts am 27. März 2008 um 00:39 UTC mit STS-123 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

 

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Letztes Update am 13. April 2014.