Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 251

STS-118

Endeavour (20)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  08.08.2007
Startzeit:  22:36 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  400 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung ISS:  10.08.2007, 18:02 UTC
Abkopplung ISS:  19.08.2007, 11:56 UTC
Landedatum:  21.08.2007
Landezeit:  16:32 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Kelly  Scott Joseph  CDR 2 12d 17h 56m  201 
2  Hobaugh  Charles Owen "Scorch"  PLT 2 12d 17h 56m  201 
3  Caldwell  Tracy Ellen  MSP 1 12d 17h 56m  201 
4  Mastracchio  Richard Alan "Rick"  MSP 2 12d 17h 56m  201 
5  Williams  Dafydd Rhys "Dave"  MSP 2 12d 17h 56m  201 
6  Morgan  Barbara Radding "Barby"  MSP 1 12d 17h 56m  201 
7  Drew  Benjamin Alvin, Jr.  MSP 1 12d 17h 56m  201 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Kelly
2  Hobaugh
3  Caldwell
4  Mastracchio
5  Williams
6  Morgan
7  Drew
Landung
1  Kelly
2  Hobaugh
3  Morgan
4  Mastracchio
5  Williams
6  Caldwell
7  Drew

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC). In der Woche zuvor war der Starttermin um 24 Stunden verschoben worden, damit die Arbeiten an einem defekten Ventil, das für den Druckausgleich in der Crew-Kabine benötigt wurde, ohne Zeitdruck fortgesetzt werden konnte.

Die Endeavour (Mission ISS 13A.1 SH-LSM ITS-S5) transportierte den S5-Träger zur Internationalen Raumstation (ISS). Außerdem wurden mit dem Spacehab-Modul 2,2 Tonnen Ausrüstung angeliefert. Umgekehrt wurden 1,8 Tonnen nicht mehr benötigter Geräte und abgeschlossener Experimente zurück auf die Erde gebracht.

Die Integrated Truss Structure (ITS; dt.: Integrierte Gitterstruktur) ist die tragende Gitterstruktur der Internationalen Raumstation (ISS). Sie bildet deren Rückgrat und ist senkrecht zur Flugrichtung ausgerichtet.
Die ITS ist wie die gesamte Raumstation modular aufgebaut. Die einzelnen Elemente tragen Bezeichnungen aus einer Buchstaben-/Zahlenkombination ("P" steht für Port, von engl. Backbord; "S" steht für Starboard, von engl. Steuerbord): P1, P3/4, P5 und P6 sind in Flugrichtung links angeordnet, während auf der rechten Seite die Elemente S1, S3/4, S5 und S6 montiert sind. Das Element S0 liegt in der Mitte und ist über das Destiny Labor mit dem bewohnten Teil der Station verbunden.
Die Integrated Truss Structure ist eine im Querschnitt trapezförmige, starre Leichtmetallstruktur mit zusätzlichen Querstreben. Für die Verbindung der einzelnen Segmente der Gitterstruktur existiert ein spezielles "Module-to-Truss Segment Attachment System". Für jede Verbindung gibt es einen fernbedienbaren Fangriegel, der beide Elemente zunächst locker verbindet und danach festgezogen wird. Außerdem greifen dann vier motorgetriebene Bolzen, die zusätzlich gesichert werden.

Bei den Segmenten P5 und S5 handelt es sich jeweils um ein 3,37 m langes Adapterstück, um die P6- und S6-Solarmodule an den P4- und S4-Solarmodulen montieren zu können.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Endeavour, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant Scott Kelly das spätere Docking erleichtern soll.
Außerdem wurde der Hitzeschild der Endeavour auf eventuelle Schäden untersucht, die beim Start durch sich vom Außentank ablösende Isolierschaumstücke entstanden sein könnten. Dabei wurde der OBSS-Inspektionsarm eingesetzt, der nach dem Columbia-Unglück entwickelt wurde. Der OBSS ist ein 15 Meter langer "Aufsatz", der mit dem Roboterarm des Shuttles verbunden wird. Der Kopf des OBSS ist mit Laser-Sensoren und hoch auflösenden Kameras ausgestattet und tastet halbautomatisch die Hitzeschutzkacheln des Orbiters ab.
Im Laufe des Tages teilte die NASA mit, dass sich beim Start der Endeavour insgesamt neun Schaumstoffstücke vom Außentank lösten. Eine erste Film- und Fotoanalyse habe gezeigt, dass nur drei Teile die Fähre getroffen hätten. Es gäbe jedoch keinerlei Anzeichen für eine Beschädigung. Die drei Bruchstücke trafen den Orbiter 24, 58 und 173 Sekunden nach dem Start. Alle Teile seien aber so klein gewesen, dass sie keinen ernsthaften Schaden anrichten könnten.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Endeavour von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 10. August 2007, hatte die Endeavour einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Endeavour schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm Scott Kelly die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. In der Nähe der Station führte Scott Kelly ein spektakuläres 360°-Manöver - das Rendezvous Pitch Maneuver (RPM) - durch, wobei er die Raumfähre innerhalb weniger Minuten um ihre Querachse drehen ließ. Die Besatzung der Raumstation fertigte währenddessen hochauflösende Aufnahmen des Shuttle-Hitzeschildes an. Die Aufnahmen werden später zur Erde übertragen und von Fachleuten ausgewertet. Mit einer direkt vor der ISS reduzierten Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde flog der Orbiter auf den Ankopplungsstutzen der Internationalen Raumstation zu. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Während die Dichtigkeitstests durchgeführt wurden, aktivierte Missionsspezialistin Tracy Caldwell den Greifarm des Orbiters und hob das S5-Element aus der Nutzlastbucht. Nachdem zwei Stunden nach der Ankunft die Luken geöffnet wurden und sich die zwei Mannschaften von STS-118 und ISS Expedition 15 begrüßt hatten, wurde S5 an den Greifarm der Raumstation übergeben. Bis zur Montage am nächsten Tag blieb das neue Stations-Element hoch über der ISS.
Am Ende des Tages begaben sich Richard Mastracchio und Dafydd Williams in die Luftschleuse Quest und übernachteten dort. Während dieses sogenannten Campout atmeten sie reinen Sauerstoff niedrigen Drucks, um sich für ihren ersten Außenbordeinsatz (EVA) am nächsten Tag vorzubereiten.
Wie die NASA noch am selben Tag mitteilte, hätte die erste Auswertung der zur Erde gefunkten Nahaufnahmen Hinweise auf einen möglichen Schaden an der Unterseite des Orbiters geliefert. Eine weiße Furche sei in der Nähe der Tür des rechten Hauptfahrwerks entdeckt worden. Diese hebe sich deutlich von den übrigen schwarzen Kacheln ab und sei neun x sechs Zentimeter groß. Die beschädigte Stelle befinde sich anderthalb Meter hinter der Tür und sei möglicherweise auf ein Stück Eis zurückzuführen, dass sich während des Aufstiegs vom Treibstofftank gelöst und die Endeavour 58 Sekunden nach dem Start getroffen habe. Die Astronauten wurden angewiesen, die Stelle am 12. August 2007 eingehend mit dem OBSS zu untersuchen.

Die erste EVA erfolgte durch Richard Mastracchio und Dafydd Williams am 11. August 2007 (6h 17m) zur Entfernung von Start-Sicherungsbolzen des S5-Segmentes und anschließende Befestigung am vorgesehenen Platz. Gleichzeitig wurden auch die Anschlüsse hergestellt. Damit die Astronauten in Ruhe arbeiten konnten, wurden die Solarzellenflächen des S4-Moduls für die Dauer der Arbeiten blockiert. Außerdem wurde der P6 Radiator eingefahren und zum Fuß des S5 Segmentes verlegt, damit die Sonnensegel zur Sonne ausgerichtet werden können. Während der späteren Mission STS-120 wurde der Radiator dann an seinem endgültigen Standort installiert. Aus zunächst unbekannten Gründen fiel während dieser EVA - ähnlich wie bei der vorangegangenen Mission - der Hauptcomputer im US-Teil der Station aus. Der Ersatzrechner übernahm sofort die Aufgabe des C&C-Computers (Command and Control). Der dritte Computer des Systems, der bis dahin im Wartemodus lief, wurde "aktiviert" und als neuer Ersatzrechner eingerichtet. Wenige Stunden später konnte das Hauptgerät wieder zum Laufen gebracht werden. Das Problem war durch einen falschen Befehl verursacht worden.

Am 12. August 2007 wurde die von der Missionskontrolle angeordnete erneute Inspektion des Hitzeschildes durchgeführt - von der NASA als "Focused Inspection" bezeichnet. Insgesamt prüften Tracy Caldwell und Barbara Morgan zusammen mit Scott Kelly fünf Bereiche des Hitzeschildes, die von den Ingenieuren als nicht eindeutig gefahrlos eingestuft wurden. Abgesehen von einer Beschädigung konnten alle Bereiche als gefahrenlos eingestuft werden. Zudem wurde der russische Bordcomputer, der während der letzten Mission ausgefallen war, ausgetauscht.

Auch wurde zum ersten Mal der vierte und letzte Spannungswandler des SSPTS aktiviert. Er funktionierte wie die anderen drei einwandfrei. Deshalb konnte im Anschluss daran der Verlängerung der Mission um drei Tage sowie einem vierten Ausstieg zugestimmt werden. Dieses Station-to-Shuttle Power Transfer System erlaubt es, dass der Orbiter seine Energie während des Andockens von der ISS bezieht und somit seine eigenen Energiereserven sparen kann. SSPTS war ein Upgrade der Shuttle-eigenen Assembly Power Converter Unit (APCU) mit einer neuen Einheit, Power Transfer Unit (PTU) genannt. Die APCU stellte die Möglichkeit zur Verfügung, Energie von der 28-V-Gleichspannungsversorgung des Shuttles zur 120-V-Stromversorgung der ISS zu transferieren. Damit ließ sich zu Beginn des Aufbaus der Raumstation die verfügbare Leistung des russischen Swesda-Moduls erhöhen. Die PTU ermöglichte es nun, aus der 120-V-Gleichspannung der ISS in die 28-V-Stromversorgung des Orbiters einzuspeisen. Die maximale Übertragungsleistung lag bei acht Kilowatt. Damit konnten sich Space Shuttle und Raumstation nun, wenn nötig, gegenseitig mit Energie versorgen. Allerdings wurde von der Möglichkeit des Transfers von der Raumfähre zur ISS kein Gebrauch mehr gemacht.

Die zweite EVA unternahmen Richard Mastracchio und Dafydd Williams am 13. August 2007 (6h 28m). Dabei tauschten Richard Mastracchio und Dafydd Williams ein Gyroskop aus, das der Lageregelung der Station dient. Das defekte Gerät, das ein Jahr zuvor ausgefallen war, wurde auf der ESP-2-Plattform befestigt und soll mit einer der nächsten Shuttle-Missionen zur Erde gebracht werden. Zudem wurde die Stelle vorbereitet, an der am folgenden Tag die Plattform ESP-3 montiert wurde.

Zwischenzeitlich hielt Barbara Morgan ihre erste von drei geplanten Unterrichtsstunden im All ab, unterstützt von ihren Kollegen. Zwanzig Schüler aus Boise in Idaho, hatten die Möglichkeit, ihr und ihren Kollegen verschiedene Fragen zu stellen. Damit führte diese Mission das sogenannte "Teacher in Space Project" durch, welches schon für STS-51L geplant war, aber durch den Verlust der Raumfähre Challenger in einem tragischen Unfall endete. Damals war Barbara Morgan Ersatzfrau für die tödlich verunglückte Christa McAuliffe. Das Missionsemblem von STS-118 enthält auch jene Flamme, die Symbol des "Teacher in Space Project" war und nun auf den Namen "Morgan" zeigt.

Die dritte EVA wurde durch Richard Mastracchio und dem Crewmitglied der ISS Expedition 15 Clayton Anderson am 15. August 2007 (5h 28m) unternommen. Die beiden Astronauten trafen Vorbereitungen für das Versetzen von P6, das für die nächste Mission (STS-120) vorgesehen ist. Während der EVA wurde eine SASA-Antenne (S-Band Antenna Structural Assembly) von P6 nach P1 verlegt und ein Transponder entfernt. Außerdem fuhren die beiden die CETA-Plattformen von der Backbord- zur Steuerbordseite der ISS. Beide Astronauten kamen mit ihren Aufgaben sehr gut zurecht und waren bald ihrem Arbeitsplan voraus. Gegen Ende der EVA teilte die NASA mit, dass die EVA wegen eines Risses in der oberen Schicht von Richard Mastracchios Handschuh abgebrochen werde müsse. Dieser kehrte darauf in die Luftschleuse zurück, um sich sicherheitshalber mit den Lebenserhaltungssystemen der Station zu verbinden, während Clayton Anderson noch eine Stunde weiter arbeitete. Bis auf das Abbauen des MISSE-Experiments konnten alle Aufgaben erledigt werden. Als Ursache für den Riss in Richard Mastracchios Handschuh wurde nach der Landung eine scharfe Kante an einem ISS-Bauteil ermittelt.

Zwischenzeitlich entschied die Bodenstation, dass eine Reparatur der beschädigten Hitzeschutzkachel nicht erforderlich sei. Außerdem teilte die NASA mit, dass die Astronauten kurz nach dem Aufstehen eine kleine Beschädigung an einem der Cockpitfenster entdeckt hatten. Während der Schlafperiode war die äußere Scheibe eines der Fenster des Kommandanten auf der linken Seite der Endeavour von einem winzigen Teil Weltraumschrott oder einem Mikrometeoriten getroffen worden. Nachdem die zur Erde gefunkten Fotos des ein Millimeter tiefen Einschlags von Technikern geprüft wurden, erklärte die NASA, dass die Besatzung nicht gefährdet sei und die Mission fortgesetzt werde.

Die vierte und letzte EVA durch Dafydd Williams und dem Crewmitglied der ISS Expedition 15 Clayton Anderson erfolgte am 18. August 2007 (5h 02m). Während des Außenbordeinsatzes wurden von den Astronauten eine Antenne installiert sowie bei einer bereits am Z1-Segment angebrachten S-Band-Antenne vier Schrauben einer Schelle erfolgreich festgezogen. Zudem wurde eine Halterung für den OBSS-Inspektionsarm auf der Oberseite des S1-Segments angebracht, damit dieser dort am Ende der STS-123-Mission zwischenzeitlich deponiert werden kann (das Volumen der Nutzlast bei der nachfolgenden Mission STS-124 ist zu groß, um den OBSS mitzunehmen). Außerdem wurde das MISSE-Experiment geborgen und zur Rückkehr auf die Erde in der Endeavour verstaut. Der Ausstieg, der von der NASA bereits im Vorfeld für den Fall einer Missionsverlängerung geplant wurde, wurde wegen einer geplanten vorzeitigen Abkopplung um zwei Stunden verkürzt. Dadurch musste die endgültige Befestigung einiger Schutzschilde gegen Mikrometeoriten verschoben werden. Diese Bleche mussten während der Mission STS-117 von Unity und Destiny entfernt werden, um ein Wasserstoffventil zu installieren, ließen sich dann aber nicht mehr richtig befestigen. Seitdem sind sie nur provisorisch durch Haltebänder arretiert und sollen bei einem späteren Ausstieg festgeschraubt werden.

Am 19. August 2007 koppelte die Endeavour-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 75 Kilometern. Mit Hilfe des OBSS wurde eine letzte Überprüfung des Hitzeschutzschildes vorgenommen. Im Notfall hätte das Space Shuttle zur Internationalen Raumstation zurückkehren können. Auf die sonst übliche Umfliegung der Internationalen Raumstation wurde bei STS-118 aus Zeitgründen verzichtet.

Da die Gefahr bestand, dass der Hurrikan Dean auch das Kontrollzentrum in Houston treffen könne, entschied man, die Missionsdauer um einen Tag zu verkürzen.

Fotos / Zeichnungen

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Letztes Update am 13. April 2014.