Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 240

Sojus TMA-6

Basalt

Russland

hochauflösende Version (284 KB)

hochauflösende Version (423 KB)

hochauflösende Version (457 KB)

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  15.04.2005
Startzeit:  00:46 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  51.66°
Inklination:  198,55 - 245,50 km
Ankopplung ISS:  17.04.2005, 02:20:23 UTC
Abkopplung ISS:  10.10.2005, 21:49:14 UTC
Landedatum:  11.10.2005
Landezeit:  01:09 UTC
Landeort:  50° 44' 00" N, 67° 25' 41" O

Crew auf dem Weg zum Start

hochauflösende Version (636 KB)

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Krikaljow  Sergej Konstantinowitsch  Kommandant 6 179d 00h 22m  2818 
2  Vittori  Roberto  Bordingenieur 2 9d 21h 22m  155 
3  Phillips  John Lynch  Bordingenieur 2 179d 00h 22m  2818 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Krikaljow
2  Vittori
3  Phillips
Landung
1  Krikaljow
2  Phillips
3  Olsen

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Tjurin  Michail Wladislawowitsch  Kommandant
2  Thirsk  Robert Brent  Bordingenieur
3  Tani  Daniel Michio  Bordingenieur

hochauflösende Version (637 KB)

alternatives Crewfoto

Flugverlauf

Start vom Kosmodrom Baikonur; Landung 68 km nordöstlich von Arkalyk.

Wesentliches Ziel der Mission war es, die ISS-Expedition 11 zur Raumstation zu bringen. Die Mannschaft wurde als "Caretaker"-Crew bezeichnet. Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus TMA-6 am 17. April 2005 an die ISS an. Sergej Krikaljow und John Phillips bildeten die neue ISS-Stammbesatzung und lösten die zehnte Stammbesatzung ab.

Die Crew führte routinemäßige Wartungsarbeiten aus, aber auch Reparaturarbeiten an einem Halterungskabel für die Tretmühle in der Station. Zu den Forschungsarbeiten gehörten das FOOT- und das MFMG-Experiment, sowie Arbeiten mit Digitalkameras. Dies wurde insbesondere benötigt, um das Space Shuttle Discovery beim Anflug von unten komplett fotografieren zu können, damit das Hitzeschutzschild auf Beschädigungen überprüft werden konnte.

Die erste Zeit beschäftigten sich Sergej Krikaljow und John Phillips mit dem russischen Gerät Elektron. Es erzeugt den lebensnotwendigen Sauerstoff an Bord, indem es Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff spaltet. Bereits während der Vorgängerbesatzung war es immer wieder ausgefallen, sodass die Atemluft mit Sauerstoff aus Vorratstanks angereichert werden musste. Außerdem bereiteten die Raumfahrer die Ankunft eines Space Shuttles vor und übten den Umgang mit dem Roboterarm.

Im Mai 2005 wartete die Mannschaft das Computernetz der Station und reparierte das Anfang des Monats ausgefallene TVIS-Laufband (Treadmill with Vibration Isolation and Stabilization) auf dem sich die Astronauten fit halten. Weil Elektron weiter seinen Dienst versagte, wurde Mitte des Monats begonnen Sauerstoff durch so genannte SFOG-„Kerzen“ (Solid Fuel Oxygen Generators) zu erzeugen. Diese setzen Sauerstoff frei, wenn die darin enthaltene Chemikalie Kaliumperchlorat erhitzt wird.

Der unbemannte russische Frachter Progress M-53 legte am 19. Juni 2005 um 00:41:31 UTC an der Internationalen Raumstation an. Er war am 16. Juni 2005 um 23:09:34 UTC vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Das Transport-Raumschiff brachte mehr als zwei Tonnen Nahrung, Sauerstoff, Wasser, usw., aber auch Reparaturutensilien für das Elektron-System, das schon seit Monaten ausgefallen war, zur Stammbesatzung. Das Andocken musste aufgrund eines Computerfehlers auf der russischen Seite von Kommandant Sergej Krikaljow manuell durchgeführt werden. Am 07. September 2005 um 10:25:57 UTC koppelte Progress M-53 wieder ab. Der Frachter wurde kontrolliert zum Absturz gebracht und verglühte am gleichen Tag über dem Pazifischen Ozean.

John Phillips erprobte am 27. Juni 2005 zum ersten Mal ein neues Computerprogramm: Clarissa soll künftig die Arbeit der Raumfahrer erheblich erleichtern, weil Kommandos mündlich gegeben werden können. So ist es in der Schwerelosigkeit schwierig, bei komplizierten Reparaturen das Handbuch zu halten, um Anweisungen Schritt für Schritt zu befolgen, wenn man beide Hände zum Arbeiten braucht. Clarissa wurde vom Ames Research Center entwickelt, wird über ein Headset gesteuert und versteht 75 Befehle.

Am 19. Juli 2005 wurde das Sojus-Raumschiff, mit dem die zwei Raumfahrer die ISS erreichten, umgesetzt. Sergej Krikaljow und John Phillips nahmen in der Kommandokapsel Platz, koppelten um 10:38 UTC vom Pirs-Adapter ab und legten 30 Minuten später am Sarja-Modul wieder an. Dieses Umsetzmanöver war erforderlich, weil Pirs noch als Schleuse für einen Ausstieg gebraucht werden sollte.


Am 28. Juli 2005 dockte STS-114 Discovery an die Internationale Raumstation an.

Zu den Aufgaben der Mission (ISS LF1/MPLM 2-03) gehörte der Transport von Gütern mit dem von Alenia Spazio in Italien gebauten Logistikmodul Raffaello zur Internationalen Raumstation. Insgesamt wurden in dem Modul etwa 8,3 t Fracht ausgeliefert. Zudem sollte bei den drei geplanten Weltraumausstiegen ein neues Gyroskop, als Ersatz für das defekte CMG-1-Gerät der Station, am Z1-Modul installiert, eine weitere externe Stauplattform für Ersatzteile External Stowage Platform-2 (ESP-2) an der Luftschleuse Quest montiert sowie Methoden der Reparatur des Hitzeschildes der Raumfähre erprobt werden. Außerdem wurde die neue Verlängerung des Roboterarmes, das Orbital Boom Sensor System (OBSS), mit dessen Hilfe der Hitzeschild der Raumfähre im Orbit auf möglicherweise beim Start entstandene Schäden untersucht werden sollte, einem Test unterzogen.

Das Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) Raffaello, (Deutsch Mehrzwecklogistikmodul), wurde verwendet, um bei Space-Shuttle-Missionen Frachten zu und von der Internationalen Raumstation (ISS) in einem unter Luftdruck stehenden Raum zu transportieren.
Das Modul wurde während des Transportes mit dem Shuttle in dessen Ladebucht befestigt. Nach dem Andocken an die ISS wurde das MPLM mit Hilfe des Roboterarmes Canadarm2 aus der Ladebucht gehoben und am Unity-Modul angekoppelt. Anschließend wurde die Luke des Moduls geöffnet und die Astronauten erhielten Zugang zum MPLM, um es zu entladen sowie mit den zur Erde zu bringenden Frachten zu beladen. Bevor das Shuttle von der Station ablegte, wurde das Modul wieder in der Ladebucht befestigt und kehrte anschließend zusammen mit der Raumfähre zur Erde zurück.
Der wesentliche Vorteil dieses Verfahrens lag darin, dass Transportgüter, insbesondere die sogenannten International Standard Payload Racks, direkt vom MPLM in den amerikanischen Teil der Station verladen werden konnten. Kopplungsadapter vom APAS-Typ russischer Bauart, die auch zum Andocken des Space Shuttles benutzt werden, haben einen wesentlich geringeren Durchmesser und lassen kein Verladen sperriger Gegenstände zu. Weiterhin ermöglichte der Einsatz des MPLM, nicht mehr benötigte Ausrüstung und beendete Experimente zurück zur Erde zu transportieren. Andere Transportschiffe wie die unbemannten Progress- und ATV-Frachter verglühen beim Wiedereintritt und transportieren daher ausschließlich Müll von der Station ab.

Die External Stowage Platforms (ESPs) sind drei Bauteile der Internationalen Raumstation (ISS). Jede ESP ist eine Einrichtung, die an der Außenseite der Raumstation angebracht ist und in der Ausrüstungs- und Ersatzteile, sogenannte Orbital Replacement Units (ORUs), untergebracht werden.
Die erste External Stowage Platform, ESP-1, wurde mit dem Space-Shuttle-Flug STS-102 zur ISS transportiert. ESP-2 ist wesentlich größer als ESP-1 und kann somit mehr Ersatzteile (ORUs) aufnehmen. Ursprünglich waren auch vier Halterungen für Videokameras auf ESP-2 angebracht. Bei Außenbordeinsätzen wurden diese am 07. November 2005 am P1-Element, am 03. August 2006 am S1-Element, am 17. Juni 2007 am S3-Element und am 23. Juli 2007 am P1-Element angebracht.

Das Orbiter Boom Sensor System (OBSS, dt. Orbiter-Auslegersensorsystem) ist ein 15,33 Meter langer Ausleger mit einer Vielzahl von Instrumenten, der an das Remote Manipulator System (Canadarm) des Space Shuttles angebracht wurde. Jeder der Orbiter verfügte über sein eigenes OBSS.
Es wurde von der NASA zur Shuttle-Mission STS-114 eingeführt. Diese war die erste Mission des Space Shuttles nach dem Columbia-Unglück, bei dem ein Schaden am Hitzeschild (Thermal Protection System, TPS) zum Verglühen der Raumfähre und dem Tod der Besatzung führte. Um einer Wiederholung dieser Katastrophe vorzubeugen, wurde unter anderem das OBSS eingeführt, das der Besatzung die Inspektion des TPS im All ermöglicht. Wäre bei solch einer Inspektion ein Schaden festgestellt worden, konnte die Crew diesen im Zuge eines Weltraumausstieges beheben. Falls eine Reparatur des Problems im Orbit nicht möglich gewesen wäre, so war geplant, das Shuttle zur ISS zu steuern und dort auf das Eintreffen der Rettungsmission STS-3xx zu warten.
Die Instrumente des OBSS beinhalteten visuelle Kamerasysteme, den Laser Dynamic Range Imager (LDRI) sowie das Laser Camera System (LCS). Die Sensoren boten eine Auflösung von wenigen Millimetern und scannten mit einer Geschwindigkeit von rund 63 mm pro Sekunde. Das OBSS wurde routinemäßig benutzt, um die Flügelkanten, die Nase und die Mannschaftskabine des Shuttles nach jedem Start zu überprüfen. Wenn Flugingenieure durch die Kameraaufnahmen des Starts einen potentiellen Schaden an einer anderen Stelle des Orbiters vermuteten, so wurde auch diese mit Hilfe des OBSS inspiziert.

Bei Missionen zur ISS wurde der hintere Teil des Hitzeschilds zusätzlich durch das Rendezvous Pitch Maneuver (RPM) überprüft. Das Rendezvous Pitch Maneuver (RPM) ist ein Manöver, bei dem die Unterseite der Raumfähre in Richtung der ISS gedreht wird, damit die dortige Besatzung den Hitzeschild mit hochwertigen Digitalkameras fotografieren kann, um hierdurch eventuelle Schäden, die bei der Voruntersuchung mit dem Orbiter Boom Sensor System übersehen wurden, zu entdecken.
Voraussetzung für dieses Manöver ist ein präziser Anflug von unten an die ISS, damit das Sonnenlicht die Unterseite des Orbiters beleuchten kann, wenn diese zur Station gerichtet ist. Das Manöver muss nah an der Station durchgeführt werden, damit die Kameras an Bord der Station die nötige Aufnahmepräzision garantieren können. Dies erfordert besondere Fliegerfertigkeiten des Piloten dieses Manövers.
Das Flugmanöver beschreibt eine 360°-Drehung des Orbiters und ähnelt einer "Rolle rückwärts", weswegen das Manöver oft auch diese Bezeichnung trägt. Es wird in der Regel in etwa 180 Metern Entfernung von der Station durchgeführt. Dieses Manöver muss sehr langsam geflogen werden, damit die Besatzung der Raumstation die nötige Zeit für das Fotografieren der Unterseite des Shuttles hat. Dies macht das Manöver auch so schwierig, weil es aufgrund der langsamen Drehung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und der Pilot die Raumstation nicht sehen kann, während die Unterseite des Shuttles zur ISS zeigt. Er weiß also nicht, ob sich das Shuttle eventuell der Station in kritischer Hinsicht nähert oder ob es sich derart weit entfernt, dass die Kameras in der Station nicht mehr die nötige Aufnahmenpräzision erreichen können. Er muss Position und Bewegung des Shuttles also schon vor dem eigentlichen Manöver genau abschätzen können.

In der Nähe der Station führte Eileen Collins ein spektakuläres 360°-Manöver - das Rendezvous Pitch Maneuver (RPM) - durch, wobei sie die Raumfähre innerhalb weniger Minuten um ihre Querachse drehen ließ. Die Besatzung der Raumstation fertigte währenddessen hochauflösende Aufnahmen des Shuttle-Hitzeschildes an. Die Aufnahmen werden später zur Erde übertragenen und von Fachleuten ausgewertet. Mit einer direkt vor der ISS reduzierten Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde flog der Orbiter auf den Ankopplungsstutzen der Internationalen Raumstation zu. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte sie den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil sie von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte sie ihr Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Am 29. Juli 2005 hob die Besatzung der Discovery mit dem Greifarm der Raumstation das Logistikmodul MPLM Raffaello aus der Nutzlastbucht und koppelte es an der Station fest. Nach den üblichen Dichtigkeitsprüfungen konnten die Luken geöffnet werden. In den folgenden Tagen transportierten die Besatzungsmitglieder mehrere Tonnen Ausrüstungsgegenstände, Verbrauchsgüter, persönliche Utensilien und auch neue Experimente in die Station. Damit wurde der Nachschub der ISS erstmals nach zweieinhalb Jahren wieder von einen Space Shuttle sichergestellt.

Die erste EVA wurde durch Stephen Robinson und Soichi Noguchi am 30. Juli 2005 (6h 50 m) unternommen. Zunächst testeten die Astronauten neue Methoden zur Reparatur des Raumfähren-Hitzeschildes. Dazu arbeiteten sie in der Nutzlastbucht der Discovery an Proben präparierter Hitzeschutzkacheln. Später installierten Stephen Robinson und Soichi Noguchi eine ESPAD-Halterung (ESP Attachment Device) für eine neue, externe ESP-Stauplattform (External Stowage Platform) an der Luftschleuse Quest, ersetzten eine GPS-Antenne am Z1-Modul, legten ein neues Stromkabel zum Gyroskop Nr. 2 (CMG-2) und führten vorbereitende Arbeiten zum Austausch von CMG-1 durch. Außerdem fertigte Soichi Noguchi auf Bitten der Flugkontrolle Fotos vom Shuttle-Cockpit an. Dort hatte sich an der Backbordseite etwas Isolationsmaterial gelöst hatte.

Am 30. Juli 2005 kündigte die NASA eine Verlängerung des Fluges um einen Tag an. Dadurch sollte den Astronauten mehr Zeit für den Transport der durch die Discovery mitgebrachten Güter und vor allem Wasser gegeben werden.

Am sechsten Flugtag wurde von der Missionsleitung in Houston erstmals erwogen, beim dritten Außenbordeinsatz am 03. August 2005 eine "Reparatur" an zwei Stellen des Hitzeschildes der Discovery vorzunehmen, an denen das Füllmaterial zwischen den Hitzekacheln etwas nach außen trat. Dies war im Gegensatz zu beschädigten Hitzekacheln nicht durch herabfallende Isolierschaumteile des externen Tanks, sondern durch Vibrationen beim Start der Raumfähre entstanden. Die heraustretenden Füllstreifen ("Gap Filler") hätten beim Wiedereintritt der Raumfähre in die Erdatmosphäre zu unerwünschten Turbulenzen und einer lokalen Überhitzung der betroffenen Stellen führen können.

Bei der zweiten EVA durch Stephen Robinson und Soichi Noguchi am 01. August 2005 (7h 14m) bauten die Astronauten aus dem Z1-Modul das seit 2002 nicht mehr funktionsfähige CMG-1 Gyroskop aus und verstauten es in der Ladebucht des Shuttles für eine spätere Rückkehr zur Erde. Anschließend installierten die Astronauten an seiner Stelle ein neues Gyroskop, das von der Bodenzentrale erfolgreich in Betrieb genommen wurde. Somit waren ab diesem Zeitpunkt alle vier Gyroskope der Station, die zur Lagestabilisierung verwendet werden, wieder funktionsfähig. Nach weiteren kleineren Arbeiten zur Vorbereitung späterer Ausstiege schlossen die Weltraumspaziergänger ihr Arbeitsprogramm ab.

Die dritte und letzte EVA wurde ebenso durch Stephen Robinson und Soichi Noguchi am 03. August 2005 (6h 01m) unternommen. Zunächst installierten die Astronauten die externe Stauplattform ESP-2 (External Stowage Platform 2) an der Luftschleuse Quest, für die dort bereits bei EVA-1 eine Halterung angebracht wurde. Danach befestigte Soichi Noguchi die Experimentenplattform MISSE-5 (Materials International Space Station Experiment) an dem P6-Solarmodul, Stephen Robinson bereitete in der Zeit die Instrumente in der Ladebucht der Discovery vor, die zum Reparatureinsatz gebraucht werden könnten. Anschließend wurde er von dem Roboterarm der Station zur Unterseite der Discovery getragen, wo er die beiden hervorstehenden Füllstreifen schnell und problemlos herauszog. Dies stellte eine Premiere in der Geschichte des Space Shuttles dar: noch nie zuvor war eine solche Prozedur im All durchgeführt oder geprobt worden. Anschließend machte Stephen Robinson einige Fotos des Hitzeschildes und kehrte zusammen mit Soichi Noguchi zur Luftschleuse zurück.

Am 05. August 2005 wurden die Luken zum Logistikmodul MPLM Raffaello wieder geschlossen, nachdem der freigewordene Stauraum mit nicht länger benötigten Materialien, Experimentproben und Abfall beladen worden war. Die Astronauten trennten das Transportmodul wieder von der Raumstation ab und transportierten es mit dem Greifarm der Raumstation zurück in die Nutzlastbucht der Discovery. Dort wurde es ferngesteuert für den sicheren Rücktransport zur Erde befestigt.

Am 06. August 2005 koppelte die STS-114-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich manuell gesteuert vom Piloten James Kelly langsam aus dem Bereich der Internationalen Raumstation.


Eine EVA wurde durch Sergej Krikaljow und John Phillips am 18. August 2005 (4h 58m) unternommen. Zunächst wurde ein Probenbehälter wieder in die Station geholt, der von der letzten Besatzung vor acht Monaten außen an der Station angebracht wurde. Dabei handelte es sich um einen von drei Kanistern des russischen Medizinexperiments Biorisk, mit dem der Einfluss des Weltraums auf Bioorganismen untersucht wurde. Bevor die "Aussteiger" drei weitere Experimente zurück in die Schleuse brachten, wurde eine Kamera am Swesda-Modul montiert, die künftig die Ankopplung des europäischen ATV-Frachters - der Jungfernflug war zu dem Zeitpunkt für Anfang 2006 geplant - unterstützen soll. Auf ihrem Rückweg nahmen Sergej Krikaljow und John Phillips die Experimente SEED (Space Environment Exposure Device), das mögliche Baustoffe künftiger Raumfahrzeuge auf ihre Weltraumtauglichkeit testete, MPAC (Micro-PArticles Capturer), mit dem Mikrometeoriten sowie Raumfahrtschrott eingesammelt wurden, sowie Matroshka - ein lebensgroßer Phantomkörper in einem Raumanzug, mit dem die Strahlenbelastung auf den menschlichen Organismus untersucht wird (beim Ausstieg am 27. Februar 2004 angebracht) - mit. Die Verlegung einer Halterung für den Strela-2-Kran konnte nicht in Angriff genommen werden, weil die beiden Raumfahrer bereits 45 Minuten hinter dem Zeitplan zurückgefallen waren.

Der unbemannte russische Frachter Progress M-54 legte am 10. September 2005 um 14:42:03 UTC an der Internationalen Raumstation an. Er war am 08. September 2005 um 13:07:54 UTC vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Das Transport-Raumschiff brachte rund zweieinhalb Tonnen Güter: darunter Treibstoff (798 Kilogramm), Ausrüstungen für wissenschaftliche Experimente, ein neuer Flüssigkeitsbehälter für den Sauerstoffgenerator Elektron, aktuelle Borddokumentation, Kleidung, 62 Container mit Lebensmitteln (auch ein zwei-Personen-Festmahl mit italienischem Parmesan-Käse, Karbonade und eingelegte Zungen, damit Sergej Krikaljow seinen Geburtstag nachträglich feiern konnte), Wasser (210 Liter), Sauerstoff (110 Kilogramm) sowie Briefe und Päckchen zur Stammbesatzung. Am 03. März 2006 um 10:06:10 UTC koppelte Progress M-54 wieder ab. Der Frachter wurde kontrolliert zum Absturz gebracht und verglühte am gleichen Tag über dem Pazifischen Ozean.

Wie geplant begann am 12. September 2005 die dreitägige Umstellung aller Stationscomputer auf die neueste Softwareversion R9, wobei der größte Teil ohne Eingreifen der Besatzung geschah. Zuvor hatten John Phillips und Sergej Krikaljow Backups von den Festplatten der drei wichtigsten Laptops angefertigt und anschließend das R9-Update aufgespielt. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen R8 und R9 ist des Wechsel des Betriebssystems – von Solaris wurde auf Linux umgestellt.

Am 15. September 2005 reparierten die beiden Raumfahrer das seit Monaten stillgelegte Elektron-Gerät. Unter Anleitung der russischen Ingenieure im Kontrollzentrum wurde der mit Progress gelieferte Flüssigkeitsbehälter eingebaut. Die Aktivierung des Sauerstoffgenerators erfolgte erst vier Tage später, weil dann wieder optimale Bedingungen für eine eingehende Überwachung per Telemetrie bestand. Die Inbetriebnahme gelang am 19. September 2005 um 13:30 UTC problemlos.

In ihren Raumanzügen hatten die Kosmonauten für die Rückkehr zur Erde ihre Plätze im Landemodul eingenommen, nachdem sie die Luke zur Orbitalsektion geschlossen hatten. Dann richteten sie das Raumschiff so aus, das die Triebwerke des Geräteteils in Flugrichtung zeigten. Diese wurden kurz darauf für 105,6 Sekunden gezündet und leiteten den Abstieg zur Erdoberfläche ein. Im nächsten Schritt erfolgte das planmäßige Abtrennen der Orbitalsektion und des Geräteteils, die beide in der Erdatmosphäre verglühten. Das verbleibende Landemodul wurde so ausgerichtet, dass der Eintrittswinkel für eine möglichst genaue Landung in Kasachstan erreicht wurde. Nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre brach der Funkkontakt wegen der heißen Plasmagase rund um die Kapsel ab. Dann löste sich der Deckel des Fallschirmbehälters und der Bremsfallschirm wurde ausgestoßen. Nachdem auch der Hitzeschutzschild abgetrennt worden war, schwebte die Sojus an ihrem Hauptfallschirm Richtung Erdboden. Kleine Feststoff-Bremsraketen, die kurz vor dem Berühren des Bodens ausgelöst worden waren, verminderten die Aufprallgeschwindigkeit. Sofort nach der erfolgreichen Landung wurden die Fallschirmleinen gekappt, damit die Kapsel nicht durch den Wind über den Boden gezogen werden konnte. Nach der Landung gehört es zum Ritual, dass die Kosmonauten das Raumschiff mit ihrer Unterschrift versehen.

Während ihres Aufenthaltes an Bord der ISS führte die Crew der Expedition 11 folgende wissenschaftlichen Experimente durch (vollständige Auflistung):
ADUM (Advanced Diagnostic Ultrasound in Microgravity),
ARISS (Amateur Radio on the International Space Station),
Biodegradation (Initial stage of Biodegradation and Biodeterioration in Space),
Bioekologia (Generation of High Efficiency of Microorganisms for the Production of Preparations of Biodegradable Oil, Organophosphorus Material, Measures for the Protection of Plants, as well as, of Exopolysaddharides Uses in the Petroleum Industry),
Biopsy (Effect of Prolonged Space Flight on Human Skeletal Muscle),
Biorisk (Influence of Factors of the Space Environment on the Condition of the System of Microorganisms-Hosts Relating to the Problem of Environmental Safety of Flight Techniques and Planetary Quarantine),
Biotest (Biochemical Status of Humans in Long Duration Space Flight),
BOP (Bone Proteomics),
Brados (Acquisition of Data About the Radiological, Electromagnetic and Different Physical Environments on Board ISS, and Their Effects on the Safety of the Crew, Space Equipment and Materials),
Cardio-ODNT (Dynamics of the Main Factors of Cardiac Function, of Central and Regional Circulation in Rest and During the Influence of Lower Body Negative Pressure),
CEO (Crew Earth Observations),
Chromosome-1 (Chromosomal Aberrations in Blood Lymphocytes of Astronauts-1),
Clinical Nutrition Assessment (Clinical Nutrition Assessment of ISS Astronauts, SMO-016E),
Diatomeya (Stability of Geographical Position and Configuration of Borders of Bioproductive Water Zones of the World Oceans, Observations by Orbition Station Crews),
Diurez (Fluid and Electrolyte Metabolism and Hormonal Regulaltion of Fluid Volume),
EarthKAM (Earth Knowledge Acquired by Middle School Students),
Ekon (Experimental Survey on Evaluating the Possibility of Using th Russian Segment of ISS for Environmental Inspection of Work Areas of Various Facilities (Features)),
Environmental Monitoring (Environmental Monitoring of the International Space Station),
EPO-Demos (Education Payload Operation - Demonstrations),
Epstein-Barr (Space Flight Induced Reactivation of Latent Epstein-Barr Virus),
ETD (Eye Tracking Device),
Farma (Characteristics of Pharmacological Responses (absorption, distribution and elimination of acetominophene) in Long Duration Space Flight),
Fischer Rat Thyroid Low Serum 5 (Fischer Rat Thyroid Low Serum 5%),
FMVM (Fluid Merging Viscosity Measurement),
Foot (Foot Reaction Forces During Space Flight),
Gematologia (Morphofunctional Characteristic of Blood Cells and the Intensity of Erythropoiesis in Humans by the Influence of Factors of Space Flight),
HPA (Hand Posture Analyzer),
Identifikatsia (Identification of the Sources of Dynamic Loads on ISS),
Inflight Education Downlinks (International Space Station Inflight Education Downlinks),
Interleukin-K (Production of Hight Quality Crystals of Interleukin -1Alpha, -1Beta and Receptor of Antagonist of Interleukin-1),
ISS Acoustics (International Space Station Acoustic Measurement Program),
Journals (Behavioral Issues Associated with isolation and Confinement: Review and Analysis of Astronaut Journals),
Kromka (Verification of the Effectiveness of Devices for the Protection of the Exterior Surface of ISS from Contaminants Deposited by Pulsed Cycling of Liquid-Jet),
Latent Virus (Incidence of Latent Virus Shedding During Space Flight),
Meteoroid (Recording Meteoroidal and Technogenic Particles on the External Surface of the Service Module of the Russian Segment of ISS),
Mezhkletochnoe Vzaimodeistvie (Intercellular Interactions in Space Flight),
MFMG (Miscible Fluids in Microgravity),
Microspace (Microbial Life in Space: Response to Environmental Factors in a Space Vehicle),
Mimetik-K (Crystalization of antigen Binding Fragment of Monoclonalical Antibody to Glucosaminilmuramildepeptide),
MISSE-1 and 2 (Materials International Space Station Experiment - 1 and 2),
MISSE-5 (Materials International Space Station Experiment - 5),
Mobility (Promoting Sensorimotor Response Generalizability: A Countermeasure to Mitigate Locomotor Dysfunction After Long-Duration Space Flight),
MOP (Motion Perception: Vestibular Adaptation to G-Transitions),
OVAR (Off-Vertical Axis Rotation: Eye Movements and Motion Perception Induced By Off-Axis Rotation at Small Angles of Tilt After Spaceflight, DSO 499),
PCG-STES-RGE (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Regulation of Gene Expression),
PCG-STES-SA (Protein Crystal Growth-Single Locker Thermal Enclosure System-Science and Applications of Facility Hardware for Protein Crystal Growth),
Pilot (Individual Characteristics of Psychophysiological Regulatory Status and Reliaility of Professional Activities of Cosmonauts in Long Duration Space Flight),
Plasma-MKS (Plasma-ISS: Examination of Plasmic Environments on the External Surface of ISS Through the Characterization of Optical Radiance),
Plasma Crystal (Dusty and Liquid Plasma Crystals in Conditions of Microgravity),
Plasma Interaction Model (Analysis of International Space Station Plasma Interaction),
PMZ (Bioavailability and Performance Effects of Promethazine During Space Flight),
Profilaktika (Mechanisms of Action and Influence, and Effectiveness of Various Methods of Phrophylaxis Directed Toward Prevention of Disturbances of the Human Locomotion System in Weightlessness),
Prognoz (Development of a Method of Operational Prediction of Work Load on Crew Piloting Objectives),
Pulse (Vegatative (Autonomic) Regulation of the Cardio-Respiratory System of Humans in Conditions of Weightlessness),
Rastenia (Growth and Development of Higher Plants through Multiple Generations),
Regeneratsia (Effect of Weightlessness on Processes of Regeneration by Electrophysiological and Morphological Factors),
Relaksatia (Processes of Relaxation in the Ultraviolet Band Spectrum by High Velocity Interaction of Exhaust Products on ISS),
Renal Stone (Renal Stone Risk During Spaceflight: Assessment and Countermeasure Validation),
ROKVISS (Robotic Component Verification on the ISS: Verification of Lightweight Robotic Hinge Elements in Space),
SEM (Space Experiment Module),
SKR (Skorpion: Development and Acquisition of Multifunctional Control-Measurement Device for Controlling the Environment of Scientific Experiments Inside a Pressurized Station),
Sleep-Short (Sleep-Wake Actigraphy and Light Exposure During Spaceflight-Short),
SNFM (Serial Network Flow Monitor),
Sprut-MBI (Determination of Intracellular and Extracellular Fluid Volume in Humans in Space Flight),
Statokonia (Growth Potency of Statoconia (Otoliths) in the Organ of Equilibrium of Gastropod Mollusks in Weightlessness),
SVS (CBC: Self-Propogating Hyperthermal Synthesis in Space),
Toksichnost (Development of a Metod of Express Monitoring of Toxicity of Water in Space Flight),
Uragan (Hurricane: Experimental Development of Groundbased System of Monitoring and Predicting the Progression of a Naturally Occurring Technogenic Catastrophe),
Vaktsina-K (Structural Study of Protein Candidats in a Vaccine for AIDS on Earth and in Space),
Volny (Waves: Observation in near Infrared Spectral Band Undulatory Disturbance in the Middle Atmosphere Layers of the Earth of Technogenic and Naturally Occurring Origin).

Roberto Vittori führte mehrere wissenschaftliche Experimente im Rahmen der europäischen Eneide-Mission durch.

Anmerkung

Roberto Vittori am 24. April 2005 um 22:08 UTC mit Sojus TMA-5 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

mehr EVA-Fotos


©      

Letztes Update am 19. September 2014.