Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 207

STS-88

Endeavour (13)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  04.12.1998
Startzeit:  08:35 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  388 - 401 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung ISS:  07.12.1998, 02:07:00 UTC
Abkopplung ISS:  13.12.1998, 20:24:30 UTC
Landedatum:  15.12.1998
Landezeit:  13:53 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Cabana  Robert Donald  CDR 4 11d 19h 18m  185 
2  Sturckow  Frederick Wilford "Rick"  PLT 1 11d 19h 18m  185 
3  Ross  Jerry Lynn  MSP 6 11d 19h 18m  185 
4  Currie  Nancy Jane Sherlock  MSP 3 11d 19h 18m  185 
5  Newman  James Hansen  MSP 3 11d 19h 18m  185 
6  Krikaljow  Sergej Konstantinowitsch  MSP 4 11d 19h 18m  185 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Cabana
2  Sturckow
3  Ross
4  Currie
5  Newman
6  Krikaljow
Landung
1  Cabana
2  Sturckow
3  Newman
4  Currie
5  Ross
6  Krikaljow

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC).

Nach den ursprünglichen Planungen sollte STS-88 bereits am 04. Dezember 1997 von Cape Canaveral abheben. Der erste Aufbauflug für die Internationale Raumstation (ISS) (ISS-01-2A) war jedoch abhängig vom Start des russischen Kernmoduls Sarja. Aus technischen und finanziellen Gründen war es aus russischer Seite immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Ende April 1998 zeichnete sich ab, dass der Start von STS-88 nicht vor dem 03. September 1998 erfolgen konnte. Nachdem die russische Seite den Start von Sarja auf den 20. November 1998 festgelegt hatte, setzte die NASA den 03. Dezember 1988 als Starttermin für STS-88 fest. Tatsächlich startete Russland das erste Raumstationsmodul Sarja am 20. November 1998 mit einer Proton-Rakete erfolgreich in die vorgesehene Erdumlaufbahn. Damit stand auch der Mission STS-88 nichts mehr im Wege. Von kleineren technischen Problemen abgesehen verlief der Countdown reibungslos. Am vorgesehenen Starttag trat beim Anlaufen der "Auxiliary Power Units" (APU) doch noch ein technisches Problem auf. Zwar stellte sich dies als Fehler eines Sensors heraus, jedoch war das Startfenster wegen der notwendigen Überprüfungen für diesen Tag wieder geschlossen. So musste der Start um 24 Stunden verschoben werden.

Wesentliche Missionsaufgaben waren der Transport des Moduls Unity, das erste Verbindungsmodul der Raumstation nebst zweier Kopplungsadapter (PMA-1 und PMA-2). Die Bauteile sollten im Orbit auf das "Orbiter Docking System" (ODS) aufgesetzt werden und dann an Sarja angekoppelt werden. Danach sollten in drei Außenbordeinsätzen Ausrüstungsarbeiten an den Modulen ausgeführt werden.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Endeavour, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zum Modul Sarja. Am zweiten Flugtag standen vorbereitende Arbeiten für die Außenbordmanöver von Jerry Ross und James Newman im Vordergrund. Dazu wurde auch bereits der Kabinendruck abgesenkt. Das "Orbiter Space Vision System" (OSVS), das präzise Positionsdaten beim Rendezvous-Manöver liefern soll, wurde ebenfalls getestet.

Am dritten Flugtag hob Nancy Currie mit dem Greifarm der Endeavour Unity zunächst senkrecht an, drehte das Modul um 90 Grad und setzte Unity auf das "Orbiter Docking System" (ODS). Dabei war der ODS-Kopplungsmechanismus APDS der aktive Teil, während jener vom PMA-2 den passiven Part darstellte. Das Manöver lief so ähnlich ab, wie bei STS-74 mit dem "Docking Module" für die Raumstation MIR. Allerdings war Unity deutlich größer, denn es füllte den Durchmesser des Frachtraums der Endeavour bis auf wenige Zentimeter aus. Als nur noch wenige Zentimeter Abstand zwischen Orbiter und Unity erreicht waren, feuerte Robert Cabana die Steuerdüsen des Space Shuttle und schob das Raumschiff in das neue ISS-Modul hinein. Nach der Herstellung des Druckausgleichs zwischen dem ODS und PMA-2 konnten Jerry Ross und Robert Cabana die Verbindungsluke öffnen und erstmals in den PMA schweben.
Gegen Ende dieses Flugtages war ein zusätzliches Bahnmanöver der Endeavour erforderlich, um einen sichern Abstand zu einer ausgebrannten Delta-II-Raketenstufe zu erreichen.

Für den vierten Flugtag, dem 06. Dezember 1998, war die "Geburt" der neuen Raumstation vorgesehen. Zunächst hatte sich die Endeavour bis auf etwa 300 Meter Sarja genähert. Das russische Modul war zwischenzeitlich von den Flugkontrolleuren in die Dockinglage gebracht worden, sodass seine Oberseite in Flugrichtung und der Kopplungsstutzen am Heck Richtung Erde zeigte. Die Endeavour flog dann entlang des sogenannten "R-Bar Approach", also entlang des Radius-Vektors, auf das Modul zu. In 180 Metern hatte Robert Cabana eine Position direkt unterhalb von Sarja erreicht. Per Handsteuerung flog er den Orbiter in einer leichten Spirale auf Sarja zu. Dabei zeigte der PMA-1 immer auch das russische Modul. Am Ende des Flugmanövers befand sich Sarja fast am Rand der Nutzlastbucht des Raumgleiters.

Nancy Currie ergriff dann mit dem RMS das Modul Sarja an seinen Stutzen und manövrierte das Kontrollmodul der Raumstation langsam an den Raumgleiter mit dem aufgesetzten Unity-Modul heran bis beide Elemente nur noch 10 Zentimeter voneinander entfernt waren. Es folgte nun ein ähnliches Flugmanöver wie am Vortag, als Unity auf das ODS aufgesetzt wurde. Robert Cabana aktivierte die Steuerdüsen der Endeavour und führte den Orbiter vorsichtig an Sarja heran bis beide Module aneinander koppelten. Die ersten beiden Elemente waren zur Raumstation ISS zusammengefügt und ragten 22 Meter aus der Nutzlastbucht heraus.

Am 07. Dezember 1998 führten Jerry Ross und James Newman die erste EVA während dieser Mission durch (7h 21m). Um die beiden am Vortag mechanisch miteinander verbunden ISS-Module betriebsbereit zu bekommen, mussten die beiden Astronauten 40 Strom- und Datenverbindungen verlegen. James Newman reichte Kabel und Stecker aus dem Werkzeugkasten an und Jerry Ross montierte die Teile. Mit 34 Kabeln wurde Unity mit den beiden PMAs verbunden, während die verbleibenden sechs Kabel die Stromversorgung von Sarja zu Unity sicherstellten. Weiterhin befestigten Jerry Ross und James Newman Abdeckungen über den Steckverbindungen und entfernten eine Thermoschutzfolie von einem externen Computer an Unity. Da die EVA-Astronauten ihrem Zeitplan weit voraus waren, erledigten sie noch Aufgaben, die erst für den nächsten Außenbordeinsatz vorgesehen waren. Dazu gehörte das Anschrauben von sechs Haltegriffen am Modul Unity, die bei künftigen EVAs die Fortbewegung erleichtern sollen. Außerdem inspizierten sie eine der beiden nicht ausgefahrenen Antennen des Sarja-Moduls. Während der Arbeiten hatte Jerry Ross seinen Beutel mit den Sicherungsleinen und ein weiteres Teil verloren. Beide verglühten einige Monate später in der Erdatmosphäre.

Der sechste Flugtag diente in erster Linie der Erholung der Besatzung. Lediglich hoben Robert Cabana und Frederick Sturckow mit Hilfe der Endeavour-Triebwerke die Umlaufbahn des Orbiters und der Raumstation an. Damit sollte eine höhere Lebensdauer der ISS erreicht werden.

Der zweite Außenbordeinsatz von Jerry Ross und James Newman am 09. Dezember 1998 (7h 2m) stand ganz im Zeichen des Antennenbaus. In einem ersten Schritt befestigten sie zwei 45 Kilogramm schwere Übertragungsantennen an beiden Luken des Unity-Moduls. Damit soll in der Frühphase der ISS eine kontinuierliche Datenübertragung über den S-Band-Bereich zur Bodenstation der NASA sichergestellt werden. Das System sollte bei STS-92 gegen ein leistungsfähigeres Ku-Band-System ausgetauscht werden. Durch die Installation eines externen Videokabels konnte die Missionskontrolle die Funktionen von Unity direkt überwachen und ermöglichte Videokonferenzen. Zu den weiteren Aufgaben dieser EVA gehörte das Befestigen von Isolierungen an der Unity-Außenhaut und die Installation eines Sonnenschutzschildes an den externen Computern. Dabei verlor Jerry Ross eine der Hitzeschutzhüllen. In einem letzten Schritt gelang es den Astronauten, eine der beiden verklemmten Antennen des TORU-Rendezvous-Systems von Sarja freizubekommen. Dazu schlug James Newman auf dem Roboterarm stehend mit einer drei Meter langen Stange mehrfach gegen die Antenne.

Am 10. Dezember 1998 erfolgte die historische Inbetriebnahme der Raumstation ISS durch Robert Cabana und Sergej Krikaljow. Innerhalb der beiden Module wurden Transporthalterungen entfernt, Werkzeuge und Aufbauten, die außenbords angebracht werden sollten, entnommen und die Regale mit Materialien gefüllt, die für die erste Stammbesatzung bestimmt waren. Außerdem wurden Ventilatoren aufgebaut, tragbare Computer von der Endeavour zur Raumstation gebracht und Ersatzteile einsortiert. Danach öffneten Robert Cabana und Sergej Krikaljow die Übergangsluke zum Modul Sarja. Hier tauschten Nancy Currie und Sergej Krikaljow ein fehlerhaftes Teil des Batteriesystems und einen Filter aus. Jerry Ross und James Newman überprüften das Videokonferenzsystem. Nach gut 28 Stunden Aufenthaltszeit wurden die Luken zu den beiden Stationsmodulen wieder geschlossen.

Eine dritte und letzte EVA durch Jerry Ross und James Newman wurde am 12. Dezember 1998 (6h 59m) unternommen. Zunächst mussten die beiden Astronauten einige bei der zweiten EVA montierte Kabelverbindungen lösen und neu befestigen. Die Flugkontrolleure hatten festgestellt, dass diese zu straff saßen und bei den extremen Temperaturunterschieden im All nicht genügend Spielraum hatten. Anschließend brachten sie einen Werkzeugbehälter mit Schraubenschlüsseln, Klammern, Stangen, Fußschlaufen und Seilen zum Oberteil von Unity. Am Heck des Moduls brachten sie auch weitere Handgriffe an. Die zweite verklemmte TORU-Antenne löste Jerry Ross mit der gleichen Methode wie James Newman bei der zweiten EVA. Auch er stand auf dem von Nancy Currie gesteuerten Greifarm und versetzte der Antenne mehrere Stöße bis sie aus der Halterung sprang und aufklappte. Schließlich testeten Jerry Ross und James Newman die SAFER-Rucksäcke, mit denen gestrandete Astronauten gerettet werden können, ehe sie ins All abdriften. Bei den Testflügen verbrauchten die SAFER-Rucksäcke aber offenbar mehr Treibstoff als bei den Simulationen auf der Erde. Zum Abschluss dieser EVA fertigten die Astronauten noch eine ausführliche Fotodokumentation der ISS in ihrem jetzigen Zustand an. Dabei wurde vor allem darauf geachtet, ob die Markierungen für das "Space Vision System" gut erkennbar waren. Alle Aktivitäten wurden auch von einer großformatigen IMAX-Kamera (ICBC) gefilmt.

Am 13. Dezember 1998 koppelte die Endeavour-Besatzung wieder von der ISS ab. Die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von 137 Meter. Von dort aus umflog Frederick Sturckow die neue Orbitalstation eineinhalb Mal, ehe die Triebwerke der Endeavour erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte. Die nun wieder unbewohnte ISS wurde von der Missionskontrolle in einen automatischen Betriebsmodus umgeschaltet.

Im weiteren Verlauf des Fluges wurde der kleine argentinische Test-Satellit SAC-A (Satelite de Aplicaciones/Cientifico) ins All ausgesetzt. In die Erdumlaufbahn ausgesetzt wurde auch MightySat, ein militärischer Erprobungssatellit der US-Luftwaffe. Der 320-Kilogramm-Trabant diente ebenfalls der Erforschung neuer Technologien für die Raumfahrt.

Daneben waren noch mehrere kleinere wissenschaftliche Versuchseinrichtungen in der Nutzlastbucht der Endeavour untergebracht. Mit dem "Alkali Metal Thermal-to-Electric Converter" (AMTEC) wurden Versuche für eine effizientere Umwandlung von Wärmeenergie in elektrische Energie unternommen. Mit Hilfe des "Automated Wafer Cartridge System" (AWCS) sollten Bewegungsabläufe von Halbleiterplatten einer speziellen Speicherfläche an ein simuliertes Fertigungsfeld weitergegeben werden. Damit sollte ein automatisierter Herstellungsprozess von hochreinen Halbleiterplatten getestet werden. Studenten-Experimente flogen im "Space Experiment Module" (SEM) mit.

Bei der Landung wurde auf den Einsatz des Bremsschirms verzichtet, nachdem beim Start von STS-95 die Abdeckklappe des Schachtes abgefallen war. Da die Techniker den Grund dafür bis dahin nicht vollständig klären konnten, wurde der Pyrotechnik-Motor zur Auslösung des Schirms ausgebaut und an Stelle der Klappe eine Spezialverkleidung eingefügt.

Fotos / Zeichnungen

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Letztes Update am 25. Juli 2014.