Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 216

STS-92

Discovery (28)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  11.10.2000
Startzeit:  23:17 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  328 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung ISS:  13.10.2000, 17:45:10 UTC
Abkopplung ISS:  20.10.2000, 15:08:39 UTC
Landedatum:  24.10.2000
Landezeit:  20:59 UTC
Landeort:  Edwards AFB

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Duffy  Brian  CDR 4 12d 21h 43m  203 
2  Melroy  Pamela Ann  PLT 1 12d 21h 43m  203 
3  Chiao  Leroy  MSP 3 12d 21h 43m  203 
4  McArthur  William Surles, Jr. "Bill"  MSP 3 12d 21h 43m  203 
5  Wisoff  Peter Jeffrey Kelsay "Jeff"  MSP 4 12d 21h 43m  203 
6  Lopez-Alegria  Michael Eladio "LA"  MSP 2 12d 21h 43m  203 
7  Wakata  Koichi  MSP 2 12d 21h 43m  203 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Duffy
2  Melroy
3  Wakata
4  McArthur
5  Wisoff
6  Lopez-Alegria
7  Chiao
Landung
1  Duffy
2  Melroy
3  Lopez-Alegria
4  McArthur
5  Wisoff
6  Wakata
7  Chiao

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf der Edwards AFB.

Hauptaufgabe der Mission ISS-05-3A war die Auslieferung und Montage des 9 Tonnen schweren Z1 Integrated Truss Segment, kurz: Z1 (-Truss) genannt (Gitterstrukturelement) (Z steht für Zenit).

Die Integrated Truss Structure (ITS; dt.: Integrierte Gitterstruktur) ist die tragende Gitterstruktur der Internationalen Raumstation (ISS). Sie bildet deren Rückgrat und ist senkrecht zur Flugrichtung ausgerichtet.
Die ITS ist wie die gesamte Raumstation modular aufgebaut. Die einzelnen Elemente tragen Bezeichnungen aus einer Buchstaben-/Zahlenkombination ("P" steht für Port, von engl. Backbord; "S" steht für Starboard, von engl. Steuerbord): P1, P3/4, P5 und P6 sind in Flugrichtung links angeordnet, während auf der rechten Seite die Elemente S1, S3/4, S5 und S6 montiert sind. Das Element S0 liegt in der Mitte und ist über das Destiny Labor mit dem bewohnten Teil der Station verbunden.
Die Integrated Truss Structure ist eine im Querschnitt trapezförmige, starre Leichtmetallstruktur mit zusätzlichen Querstreben. Für die Verbindung der einzelnen Segmente der Gitterstruktur existiert ein spezielles "Module-to-Truss Segment Attachment System". Für jede Verbindung gibt es einen fernbedienbaren Fangriegel, der beide Elemente zunächst locker verbindet und danach festgezogen wird. Außerdem greifen dann vier motorgetriebene Bolzen, die zusätzlich gesichert werden.

Das Z1-Gitterlement ("Z" steht für Zenit) wurde auf der Oberseite des Moduls Unity montiert. Im Z1 sind vier Gyroskope zur Lageregelung der Station nebst Motoren und Heizungen installiert. Die Gyros haben jeweils eine Masse von 315 kg und erreichen eine maximale Drehzahl von 6.600 Umdrehungen pro Minute (Drehimpuls: etwa 2.300 Js). Seine Abmessungen sind 4,9 m × 4,2 m bei einer Gesamtmasse von 8,8 t. An Z1 sind zwei Kommunikationsantennen für Daten und Videobilder montiert. Z1 wurde in der Aufbauphase der Station auch als Träger des P6-Gittermastes mit seinen Solarzellenflächen genutzt. Deshalb gehören Stromkonverter ebenfalls zur Ausrüstung. Im Inneren des Moduls befindet sich ein kleiner Stauraum, der zur Lagerung von Ausrüstungsgegenständen und Ersatzteilen benutzt wird. Dieser ist von Unity Zenit aus durch eine verschließbare Luke zugänglich.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Discovery, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant Brian Duffy das spätere Docking erleichtern soll.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Discovery von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 13. Oktober 2000, hatte die Discovery einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Discovery schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm Brian Duffy die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. Nach den üblichen Haltepunkten bei 52 Meter und 9 Meter vor der ISS reduzierte er die Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Aufgrund eines Defekts an der Ku-Band-Antenne waren während der gesamten Mission keine Fernsehübertragungen möglich. Einige weitere Probleme, darunter ein Kurzschluss, konnten durch die Crew relativ schnell gelöst werden.

Am 14. Oktober 2000 wurde das 9 Tonnen schwere Gitterstrukturelement Z1 (Z steht für Zenit) mit dem Greifarm der Raumfähre aus der Ladebucht der Discovery gehievt und an den vorgesehenen Andockplatz am Modul Unity manövriert. Dabei orientierte sich der japanische Astronaut Koichi Wakata auch mittels verschiedener Kameras, die in der Ladebucht des Shuttle und in Unity installiert waren. Als die entsprechenden Sensoren die korrekte Position des Bauteils anzeigten, wurde der Verschlussmechanismus ausgelöst.

Die erste EVA durch William McArthur und Leroy Chiao erfolgte am 15. Oktober 2000 (6h 28m). Die beiden Astronauten verbanden 10 elektrische Kabel mit den entsprechenden Anschlüssen. Außerdem verlagerten sie die S-Band-Antenne aus ihrer Startposition. An ihrem endgültigen Standort wurde sie erst bei der nächsten Shuttle-Mission installiert. Im S-Band werden Daten über das TDRS-System mit maximal 192 kBit pro Sekunde übertragen. Die Space-To-Ground-Antenna (Weltraum-Boden-Antenne) hingegen erlaubt eine Datenrate von bis zu 50 MBit pro Sekunde und ist für die gleichzeitige Übertragung von 4 Videokanälen gedacht. Sie wurde während des Ausstieges in ihre endgültige Position gebracht. Schließlich montierten William McArthur und Leroy Chiao eine Werkzeugbox für zukünftige Einsätze.

Die zweite EVA unternahmen Peter Wisoff und Michael Lopez-Alegria am 16. Oktober 2000 (7h 07m). Dabei waren sie mit Unterstützungsarbeiten beschäftigt, während Koichi Wakata mit Hilfe des Robotarmes den Pressurized Mating Adapter 3 (PMA-3) an die Station anbrachte. Langsam wurde der 1,5 Tonnen schwere Adapter an seine vorgesehene Position dirigiert. Als diese erreicht war, wurden ferngesteuert mehrere Verbindungsbolzen aktiviert. Die weiteren Verbindungen wurden erst nach einer Temperaturangleichung realisiert. Dieser Verbindungsadapter, der mechanische Schnittstellen, elektrische Systeme und diverse Hardware beinhaltet, liefert dem Shuttle einen Dockingplatz zur ISS, der für die Installation des Destiny-Labormoduls benötigt wird.

Die dritte EVA durch William McArthur und Leroy Chiao erfolgte am 17. Oktober 2000 (6h 48m) bei der die letzten Kabelverbindungen zwischen Unity und PMA-3 hergestellt wurden. Außerdem brachten sie zwei Konverter an Z1 an und begannen mit vorbereitetenden Arbeiten für die Mission STS-97 zum weiteren Aufbau der Raumstation. Dazu gehörten Haltevorrichtungen für die Ankunft des Solarzellenmoduls. Schließlich installierten sie eine zweite Werkzeugbox.

Die vierte und letzte EVA unternahmen Peter Wisoff und Michael Lopez-Alegria am 18. Oktober 2000 (6h 56m). Die Astronauten Peter Wisoff und Michael Lopez-Alegria testeten dabei zunächst einen Verriegelungsmechanismus an Z1 und brachten einen Kabelschacht in Position, durch den Verbindungsleitungen zum 2001 eingetroffenen US-Labor Destiny laufen. Dann führten beide einen gesteuerten Flug innerhalb der Ladebucht der Discovery durch, wobei sie das neue Rettungssystem SAFER einsetzten. SAFER ist eine auf dem Rücken der Raumfahrer montierte Rettungshilfe mit Antriebsdüsen, die mit Stickstoffgas betrieben werden. Das System ist für den Fall gedacht, dass ein Raumfahrer während eines Außenbordeinsatzes trotz der vorgesehenen Sicherungsleine den Kontakt mit dem Shuttle oder der Station verliert.

Mit den Triebwerken der Discovery wurde die Bahn des Komplexes während dreier halbstündiger Antriebsphasen um etwa 8 Kilometer angehoben. Gleichzeitig wurden strukturelle Tests durchgeführt. Nach den erfolgreichen Montagearbeiten im Weltraum wurden die Gyroskope in Z1 angewärmt und kurzzeitig auf 100 Umdrehungen pro Minute angefahren. Außerdem wurden innerhalb des Moduls Unity Kabel zum neuen Kopplungsadapter verlegt sowie Computerausrüstung und Filmzubehör (IMAX) in die Station transportiert und ein Experiment zur Züchtung von Proteinkristallen in der Schwerelosigkeit ins Shuttle gebracht. Das Experiment war mit der Atlantis im September 2000 an Bord von STS-106 in die Station gelangt. Routineexperimente betrafen die Erfassung von GPS-Daten zur Navigation und den Test eines Halbleiter-Sternsensors zur Bahnverfolgung großer und heller Ziele. Damit soll die Navigation in der Nähe der Station erleichtert werden.

Am 20. Oktober 2000 koppelte die Discovery-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Pamela Melroy die Orbitalstation eineinhalb Mal, ehe die Triebwerke der Discovery erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.

Wegen schlechten Wetters an beiden Landeorten musste die Discovery zwei zusätzliche Tage im All bleiben und wurde schließlich zur Edwards AFB umgeleitet.

Fotos / Zeichnungen

Leben an Bord Leben an Bord
 

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Letztes Update am 11. April 2014.