Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 129

STS-36

Atlantis (6)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  28.02.1990
Startzeit:  07:50 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  198 - 204 km
Inklination:  62,0°
Landedatum:  04.03.1990
Landezeit:  18:08 UTC
Landeort:  Edwards AFB

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Creighton  John Oliver  CDR 2 4d 10h 18m  72 
2  Casper  John Howard  PLT 1 4d 10h 18m  72 
3  Mullane  Richard Michael  MSP 3 4d 10h 18m  72 
4  Hilmers  David Carl  MSP 3 4d 10h 18m  72 
5  Thuot  Pierre Joseph  MSP 1 4d 10h 18m  72 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Creighton
2  Casper
3  Thuot
4  Hilmers
5  Mullane
Landung
1  Creighton
2  Casper
3  Mullane
4  Hilmers
5  Thuot

Flugverlauf

STS-36 startete von Cape Canaveral (KSC). Die Landung erfolgte auf der Edwards AFB.

Da sich die amerikanischen Teilstreitkräfte trotz häufiger Verzögerungen zeitweise ganz auf das Space Shuttle für den Transport ihrer Satelliten und andere Aufgaben verlassen hatten, entstand mit der Explosion der Challenger im Januar 1986 ein erhebliches Problem. Die USA verfügten kaum noch über konventionelle Trägerraketen insbesondere für den Transport von Nachrichtensatelliten in den geostationären Orbit. Die Lage verschärfte sich noch durch die Fehlstarts von zwei Trägerraketen vom Typ Titan 34D, die militärische Nutzlasten an Bord hatten. Darüber hinaus war ein Aufklärungssatellit vom Ausfall bedroht. Die USA drohten im Weltraum zu "erblinden". Als die Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge näher rückte, bestanden die Militärs darauf, dass gleich zu Beginn der Post-Challenger-Ära mehrere Missionen unter strengster Geheimhaltung ablaufen müssten, weil ansonsten die militärische Sicherheit der USA nicht zu gewährleisten sei.

Der Start von STS-36 hatte sich allein schon deshalb verzögert, weil die vorhergehende LDEF-Bergungsmission STS-32 sich um drei Wochen verschoben hatte. Statt des 01. Februar 1990 strebte die NASA nunmehr den 16. Februar 1990 als Starttermin an. Wegen unbestätigten Problemen mit der Nutzlast erfolgte zunächst eine Verschiebung auf den 22. Februar 1990. Dann aber wurde der Start zunächst dreimal wegen Halsschmerzen bzw. Erkältung des Kommandanten John Creighton verschoben. Zuletzt war Apollo 13 von der Erkrankung eines Crewmitgliedes betroffen. Damals gab es aber noch Ersatzmannschaften, auf die zurückgegriffen werden konnte, so dass Apollo 13 pünktlich starten konnte. Da sich zusätzlich noch eine Schlechtwetterfront dem Startplatz näherte, hätte STS-36 auch ohne die Erkrankung des Kommandanten nicht abheben können. Beim nächsten Startversuch am 25. Februar 1990 versagte ein Ersatzcomputer, der für die radarmäßige Bahnverfolgung während des Aufstiegs zuständig ist. Die Techniker fanden zwar den Fehler schnell, aber am 26. Februar 1990 verhinderten starke Winde und eine tiefe Wolkendecke den Start. Erst im sechsten Anlauf erreichte STS-36 den Orbit.

Wesentliche Missionsaufgabe war das Aussetzen eines militärischen Aufklärungssatelliten. Daneben standen noch verschiedene sekundäre militärische Experimente auf dem Flugplan. Da der gesamte Flug einschließlich des Sprechfunkverkehrs der Geheimhaltung unterlag, wurden im Vorfeld nur wenige Einzelheiten bekannt. Erst nach Beendigung der Mission gelangten weitergehende Informationen an die Öffentlichkeit. Sogar die genaue Startzeit wurde erst neun Minuten vor dem Abheben veröffentlicht.

Achteinhalb Minuten nach dem Start erreichte die Discovery die Erdumlaufbahn und öffnete die Frachtraumtüren. Dies geschieht üblicherweise nach 90 Minuten Flugzeit und verhindert die Überhitzung des Orbiters. Der Orbiter flog in einer um 62 Grad gegenüber dem Erdäquator geneigten Umlaufbahn. Bis dahin hatte es geheißen, dass nicht mehr als 57 Grad von Cape Canaveral aus erreichbar seien.

Am zweiten Flugtag setzte die Mannschaft ihre Hauptnutzlast aus. Dabei handelte es sich um einen Aufklärungssatelliten mit der Bezeichnung AFP-731. Der 16,9 Tonnen schwere Raumflugkörper war eigentlich ein sogenannter "Keyhole-Satellit" (KH-12). Seine Aufgabe sollte Bildaufklärung mit hochauflösenden Fotos im sichtbaren Bereich und im Infrarot-Spektrum sein. Ebenso sollte der militärische und diplomatische Funkverkehr im Zielgebiet abgehört werden. Durch ein digitales System wurden die gewonnenen Fotodaten mit im Computer gespeicherten Aufnahmen verglichen und so dreidimensionale Bilder gewonnen. Das Empfängersystem war in der Lage, auf verschiedenen Frequenzbereichen sowohl Telefonate als auch Video-Übertragungen zu verfolgen. Potentielles Ziel waren die nördlichen Regionen der UdSSR mit den dortigen U-Boot-Häfen und den Silos für Langstreckenraketen. Geplant war, den Aufklärungssatelliten etwa eine Woche nach dem Aussetzen mit den bordeigenen Triebwerken auf eine höhere Umlaufbahn zu befördern. Dies ist aber offenbar nicht gelungen. Nur wenige Wochen später zerbrach der Raumflugkörper - vom amerikanischen Verteidigungsministerium immer nur "Hardware" genannt.
AFP-731 gelangte mit dem neuen "Stabilized Payload Deploy System" (SPDS) auf seine Umlaufbahn. Bei diesem Verfahren wird die Nutzlast aus der Ladebucht der Raumfähre herausgerollt und nicht mehr - wie bisher - katapultiert. Die Konstruktion besteht aus zwei Drehgelenken, die von Elektromotoren angetrieben werden. Mit SPDS könnten Raumflugkörper mit fast 23 Tonnen Masse auf eine Umlaufbahn ausgesetzt werden.

Während der verbleibenden Flugtage widmete sich die Besatzung den sekundären Experimenten, die aber auch der Geheimhaltung unterlagen. Wie bereits bei STS-28 flog wieder der menschliche Schädel mit. Er stammte von einem anonymen Spender. Für den Versuch war er mit 100 Strahlendetektoren versehen worden. Mit ihnen sollte die Strahlenmenge gemessen werden, der ein menschlicher Kopf während eines Raumfluges ausgesetzt ist. Hierbei war besonders die Strahlenbelastung bei hochgeneigten Umlaufbahnen von 57 bzw. 62 Grad interessant.

Nach der Landung wurden 62 Risse in den Kacheln gezählt, jedoch musste laut den Ingenieuren nur eine Kachel ersetzt werden. Bremsen und Bereifungen hatten standgehalten, es wurden aber Tropfen der Hydraulikflüssigkeit im rechten Hauptlandungsradschacht und an zwei der Haupttriebwerke festgestellt. Das war nach dem Brand im Heck der Columbia bei STS-9 und dem geplatzten Reifen der Discovery bei STS-41D der dritte schwerwiegende Defekt auf technischem Gebiet mit direktem Bezug zur Landung.

Fotos / Zeichnungen

Fotos Erdbeobachtung


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Letztes Update am 23. November 2014.