Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 45

Skylab 3

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  28.07.1973
Startzeit:  11:11 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  415 - 424 km
Inklination:  50,04°
Ankopplung Skylab:  28.07.1973, 19:37:00 UTC
Abkopplung Skylab:  25.09.1973, 11:16:42 UTC
Landedatum:  25.09.1973
Landezeit:  22:19 UTC
Landeort:  30° 47' N, 120° 29' W

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Bean  Alan LaVern  CDR 2 59d 11h 09m  858 
2  Garriott  Owen Kay  PLT 1 59d 11h 09m  858 
3  Lousma  Jack Robert  CMP 1 59d 11h 09m  858 

Sitzverteilung der Besatzung

1  Bean
2  Garriott
3  Lousma

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Brand  Vance DeVoe  CDR
2  Lenoir  William Benjamin "Bill"  PLT
3  Lind  Don Leslie  CMP

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Flugverlauf

Der Start erfolgte von Cape Canaveral (KSC). Das Apollo-Raumschiff wasserte 370 km südwestlich von San Diego im Pazifik.

Der Start von Skylab 3 wurde mehrfach nach vorne verlegt. Die NASA wollte vermeiden, dass durch die Sonneneinstrahlung Defekte an den Solaranlagen auftreten könnten, die zum Verlust der gesamten Raumstation führen könnten. Das verbliebene Solarpaddel musste ohnehin mit voller Leistung gefahren werden. Außerdem wollte man den günstigen Einfallswinkel der Sonne nutzen, um die Station zur Temperaturregulierung nicht ständig drehen zu müssen.

Skylab 3 hob am 28. Juli 1973 ab und erreichte wenige Minuten später die Erdumlaufbahn. Etwa acht Stunden später erreichten sie die Raumstation, die etwa einen Monat unbemannt geblieben war. Nach einer Umkreisung des Raumlabors koppelte die Apollo problemlos an. Es folgten die üblichen Dichtigkeitsprüfungen, ehe der Druckausgleich hergestellt wurde und die Besatzung umsteigen konnte.
Im Gepäck hatten die Astronauten eine zusätzliche Kreisel-Gyroskopanlage zur Unterstützung der defekten Kreiselanlage. Zur Ergänzung des wissenschaftlichen Programms führte Skylab 3 auch einige lebende Tiere für wissenschaftliche Untersuchungen mit. Darunter befanden sich zwei Kreuzspinnen, vier Mäuse, Mücken und Essigfliegen. In einem Plastiksack flogen einige kleine Fische mit.

Zwischenzeitlich waren an Bord der Raumstation die Lebenserhaltungssysteme wieder hochgefahren worden und die Innentemperatur war nach vorübergehenden 37 Grad Celsius wieder auf 26 Grad Celsius abgesunken.

Nach dem erfolgreichen Start meldete Alan Bean, dass er an seinem Fenster glänzende Teilchen sehen könne. Eine Überprüfung erbrachte, dass durch ein Leck in einem der Helium-Drucktanks bereits ein Druckabfall zu verzeichnen war. Als Sofortmaßnahme wurde der Tank von den Astronauten verschlossen. Möglicherweise funktionierte auch eine der vier RCS-Steuerdüsen nicht ordnungsgemäß. Das Problem sollte später näher untersucht werden.

In den ersten Tagen litten alle drei Astronauten unter der Raumkrankheit. Dies war verwunderlich, denn keiner der drei hatte sich bei Untersuchungen als anfällig herausgestellt. Zwar waren bei früheren Apollo-Flügen immer wieder einzelne Astronauten von der Raumkrankheit befallen worden, niemals aber eine komplette Mannschaft. Zeitweise lag Skylab 3 einen ganzen Tag hinter dem Plan, doch sowie sich ihr Gesundheitszustand besserte, holten die Astronauten den Rückstand rasch wieder auf. Zeitweise war sogar erwogen worden, die Mission vorzeitig zu beenden.

Am 02. August 1973 zeichnete sich ein weiteres Problem mit den Steuerdüsen (RCS Quads) des Apollo-Raumschiffs ab. Schon am Starttag war eines der vier Düsenquartette ausgefallen, und nun leckte ein zweites. Zwar war es möglich, auch mit nur zwei funktionierenden Quads zur Erde zurückzukehren, doch war nicht sicher, ob die beiden Ausfälle zusammenhingen und auch die zwei verbleibenden Düsen betroffen wären. Sicherheitshalber begann man in Cape Canaveral mit den Vorbereitungen für einen Rettungsflug. Hierzu waren schon vor mehreren Jahren Pläne mit der Bezeichnung Skylab Rescue ausgearbeitet worden.

Es war geplant, dass die Ersatzleute Vance Brand und Don Lind mit dem für Skylab 4 vorgesehen Raumschiff starten würden. Allerdings hätte man es so modifiziert, dass statt der üblichen drei sogar fünf Besatzungsmitglieder Platz hatten. Vance Brand und Don Lind hätten am zweiten Kopplungsadapter angedockt, so dass Alan Bean, Jack Lousma und Owen Garriott hätten zusteigen können. Je nach dem Zeitpunkt des Notfalls betrug die Vorlaufzeit dieses Rettungsfluges 10 bis 45 Tage. In diesem Fall hätte ein Apollo-Raumschiff frühestens am 09. September 1973 starten können. Hätte man diese Möglichkeit nicht vorgesehen, wäre die Mission aus Sicherheitsgründen sofort abgebrochen worden. Doch auf diese Weise stand man nicht unter Zeitdruck und konnte das Problem in Ruhe analysieren. Es stellte sich heraus, dass die Ausfälle der Apollo-Steuerdüsen nicht miteinander zusammenhingen, so dass der Verlauf von Skylab 3 nicht gefährdet war. Allerdings begannen die Ingenieure am Boden mit der Ausarbeitung von Landevarianten mit nur zwei funktionierenden Steuerdüsen.

Der mehrfach verschobene erste Außenbordeinsatz wurde nun auf den 06. August 1973 festgesetzt. Owen Garriott und Jack Lousma verließen an diesem Tag die Raumstation für 6 Stunden und 31 Minuten. Im freien Weltraum bereiteten die beiden Astronauten zuerst das Doppelstangensegel vor. Es sollte zum weiteren Hitzeschutz über den provisorischen Sonnenschirm aus Folie angebracht werden. Dazu mussten sie einige Halteseile lösen, die Charles Conrad und Joseph Kerwin am 07. Juni 1973 während der Mission Skylab 2 festgeknotet hatten. Das Lösen der Knoten erwies sich als sehr zeitaufwändig, so dass die Astronauten in Zeitverzog gerieten. Schließlich konnten sie den alten Schirm ein wenig zur Seite schieben und begannen mit der Montage des neuen Sonnensegels. Die beiden Stangen, die aus Einzelrohren von jeweils 1,5 Metern bestanden, fügten sie zu einer Gesamtlänge von 16,5 Meter zusammen und befestigten das Gebilde an der Außenfläche des Raumlabors. Danach zogen sie die neue Schutzfolie komplett über den Hauptteil von Skylab. Mit Stricken sicherten sie die Folie gegen ein Verrutschen.
Der zweite Teil dieser EVA bestand für Owen Garriott und Jack Lousma aus Routinearbeiten. Sie kletterten zum Teleskop ATM und tauschten dort die Filmkassetten aus. Die Filme waren während der unbemannten Flugphase von Skylab belichtet worden. Eine zusätzliche Aufgabe des Außenbordmanövers bestand in der Inspizierung der beschädigten RCS-Triebwerkseinheiten ihres Apollo-Raumschiffs. Allerdings konnten sie dort keine Lecks oder sonstigen Gründe für die Fehlfunktion entdecken.

Zu den wissenschaftlichen Untersuchungen gehörte die Beobachtung von Kleintieren unter Schwerelosigkeit. So wollte man wissen, ob Kreuzspinnen in diesem Zustand ihr Netz bauen können. Die beiden Spinnen Arabella und Anita bereitete dies keine Probleme. Aus einem der Fischeier schlüpfte Nachwuchs. Anita ging später jedoch ein.
Fortgeführt wurden auch die Beobachtungen der Sonne. Die Astronauten nahmen zahlreiche Röntgenstrahlungsbestimmungen und Strahlungsquellenanalysen der Sonne vor. Eine große Sonneneruption konnte die Besatzung in der zweiten August-Hälfte beobachten.
Zum Arbeitsprogramm gehörten ebenso Erduntersuchungen und Erdkartografierungen. Für die Städte- und Raumplanung der USA fertigten die Astronauten zahlreiche Fotos. Aufnahmen wurden ebenso für die Agrarentwicklung in Malaysia, Australien und Neuseeland aufgenommen. Auf dem Erdbeobachtungs-Programm standen auch Nord-Paraguay, Süd-Kalifornien und der Golf von Mexiko.
Am 19. August 1973 testeten die Astronauten eine Art Raketenstuhl, einem Vorläufer der "Manned Maneuvering Unit" (MMU). Mit dem Gerät konnten sie sich frei innerhalb des Hauptmoduls von Skylab bewegen. Die Tests verliefen so zufriedenstellend, dass das Projekt weiterverfolgt werden sollte.
Im weiteren Verlauf der Mission traten medizinische Untersuchungen in den Vordergrund. Die Wissenschaftler am Boden erhofften sich weitere Erkenntnisse über die Veränderungen des menschlichen Körpers bei Langzeit-Raumflügen. Dazu wurden zahlreiche Blut- und Urinproben eingesammelt und für die genauere Analyse auf der Erde konserviert. Jeder Astronaut musste auch alle drei Tage in die Unterdruckkammer, in der auf den Unterkörper ein Andruck von 7g erreicht werden konnte. Für die Erhaltung der körperlichen Fitness verwendeten die Astronauten ein Fahrrad-Ergometer.
In einem Drehstuhl-Experiment wurde der jeweilige Astronaut mit 30 Umdrehungen pro Minute gedreht. Dabei wurde sein Funktionssystem untersucht. Die Astronauten hatten keine Probleme während dieser Versuchsreihe.

Am 24. August 1993 unternahmen Owen Garriott und Jack Lousma eine weitere EVA (4h 30m). Dabei standen zuerst Routineaufgaben an. Die Astronauten kletterten erneut zum Teleskop ATM, entnahmen dort die belichteten Filmkassetten und ersetzten sie durch neue Einheiten.
Anschließend installierten Owen Garriott und Jack Lousma die mitgebrachte Lageregulierungsanlage. Für die Betriebsbereitschaft mussten sie Kabelverbindungen zur Primäranlage herstellen. Die neue Anlage konnte problemlos gestartet werden.

Ende August 1973 wurde bei einer Routineüberprüfung ein erheblicher Spannungsabfall in fünf der 17 Speicherakkus festgestellt. Daraufhin erwogen die Ingenieure am Boden, neue Akku-Speicher mit dem nächsten Flug zu Skylab zu transportieren.

Am 01. September 1973 konnten die Astronauten den Wirbelsturm Christine 1.400 Kilometer östlich von Barbardos beobachten. Mit der genauen Beobachtung wollten die Wissenschaftler mehr Rückschlüsse auf die Wetterzyklen gewinnen.

In den erdgebundenen Observatorien entdeckten die Astronomen am 06. September 1973, dass die Sonne eine riesige Gaswolke ausgestoßen hatte. Da die Astronauten an Bord von Skylab zu dieser Zeit noch schliefen, schaltete die Bodenstation das ATM kurzerhand per Funkbefehl ein. Später setzte die Besatzung die Beobachtungen fort. Die Ausbrüche waren so stark, dass damit der Energiebedarf der Erde für die nächsten 10.000 Jahre hätte abgedeckt werden können.

Mitte September 1973 konnten die Astronauten mitteilen, dass die mittlerweile im Weltraum geschlüpften Fische sich sehr gut an die Schwerelosigkeit angepasst hatten. Neben Erd- und Astronomieaufnahmen stand in dieser Zeit auch die Züchtung von Kristallen höchster Reinheit auf dem Programm. In einer medizinischen Zwischenbilanz waren die Ärzte am Boden zu dem Ergebnis gelangt, dass der Muskelschwund der Astronauten nach etwa 30 Tagen zum Stillstand gekommen war. Auch das Körpergewicht nahm nicht weiter ab.

Vor dem Ende der zweiten Langzeit-Mission zum Raumlabor Skylab mussten erneut Filmkassetten geborgen werden. Für diese Aufgabe verließen Alan Bean und Owen Garriott die Raumstation am 22. September 1973 und verbrachten 2 Stunden und 41 Minuten im freien Weltraum. Wieder entnahm Owen Garriott dem ATM die belichteten Filmkassetten und legte neue ein. Während dieser Zeit reinigte Alan Bean die Objektive.
Danach entnahmen die Astronauten dem Erdabtastinstrument die Magnetbänder mit Informationen über die Erdbeschaffenheit und ersetzten sie durch neue Bänder. Zum Ende der EVA inspizierten sie die defekte Radarantenne des Instrumentes. Sie mussten aber feststellen, dass sie mit dem vorhandenen Gerät keine Reparatur vornehmen konnten.

Während ihres Aufenthaltes an Bord von Skylab hatten sich die Astronauten 305 Stunden mit der Sonnenastronomie, 312 Stunden mit medizinischen Wissenschaften, 223 Stunden mit Erdbeobachtungen, 103 Stunden mit Astrophysik, 117 Stunden mit Technologie-Experimenten, 8 Stunden mit Materialversuchen und 10 Stunden mit Studentenexperimenten beschäftigt. In dieser Zeit hatte die Besatzung fast 25.000 Sonnenaufnahmen, 16.800 Erdaufnahmen gefertigt und rund 28.500 Erdabtastungen auf Magnetband aufgezeichnet.

Vor der Rückkehr zur Erde standen noch Aufräumarbeiten an. Nicht länger benötigte Gegenstände wurden verstaut, Müll entsorgt und Filme, Magnetbänder sowie Materialproben im Apollo-Raumschiff verstaut. Für ihre Nachfolger hatten die Astronauten in einem von Kameras nicht einsehbaren Bereich drei selbstgebastelte Puppen aufgestellt, die die Astronauten von Skylab 4 begrüßen sollten.

Nach der Abkopplung leitete Alan Bean mit den beiden verbliebenen Steuerdüsen in einer Art Notsteuerungsprogramm den Rückflug zur Erde ein.

Die Besatzung war bei der Landung in wesentlich besserer Verfassung als die Skylab 2-Mannschaft. Kapsel und Besatzung wurden vom Flugzeugträger USS New Orleans geborgen. Gleichzeitig wurde ein neuer Dauerflug-Rekord aufgestellt. Nach der Landung blieben die Astronauten in ihrer Kapsel. Diese wurde mit ihren Insassen an Bord des Bergungsschiffs gehoben, weil dort eine bessere medizinische Versorgung der Astronauten als auf einem schaukelnden Schlauchboot möglich war.

Fotos / Zeichnungen

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Letztes Update am 13. Dezember 2013.