Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 45

Skylab 3

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  28.07.1973
Startzeit:  11:10:50,48 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  415 - 424 km
Inklination:  50,04°
Ankopplung Skylab:  28.07.1973, 19:37:00 UTC
Abkopplung Skylab:  25.09.1973, 11:16:42 UTC
Landedatum:  25.09.1973
Landezeit:  22:19:54 UTC
Landeort:  30° 47' N, 120° 29' W

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Bean  Alan LaVern  CDR 2 59d 11h 09m 04s  858 
2  Garriott  Owen Kay  SPT 1 59d 11h 09m 04s  858 
3  Lousma  Jack Robert  PLT 1 59d 11h 09m 04s  858 

Sitzverteilung der Besatzung

1  Bean
2  Garriott
3  Lousma

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Brand  Vance DeVoe  CDR
2  Lenoir  William Benjamin "Bill"  SPT
3  Lind  Don Leslie  PLT

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Unterstützungs-Mannschaft

  Surname Given names
 Crippen  Robert Laurel "Crip"
 Truly  Richard Harrison "Dick"
 Hartsfield  Henry Warren, Jr. "Hank"
 Thornton  William Edgar

Flugverlauf

Der Start erfolgte von Cape Canaveral (KSC). Das Apollo-Raumschiff wasserte 370 km südwestlich von San Diego im Pazifik.

Die Raumstation Skylab bestand aus fünf Hauptkomponenten: der Orbitalen Werkstatt (OWS), den Solarflügeln (SAG), der Luftschleuse (AM), dem Mehrfachkopplungs-Adapter (MDA) und dem Sonnenteleskop (ATM). Insgesamt hatte Skylab eine Masse von 88.906 kg (einschließlich Ausrüstung). Die drei Astronauten verfügten über ein Raumvolumen von 347 Kubikmeter. Die Gesamtlänge betrug 26,3 m (ohne angekoppeltes Raumschiff), bei einer Spannweite von 17,0 m (mit nur einem Solarflügel) und einer Höhe von 7,4 m (mit dem ATM). Gestartet wurde Skylab am 14. Mai 1973.
Mit Abstand größter Teil der Raumstation war die Orbitale Werkstatt (OWS), die aus der S-IV-B-Trägerstufe der Saturn IB bestand. Sie war 14,4 m lang, war 6,6 m im Durchmesser, hatte ein Gewicht von 35.100 kg und bot 270 Kubikmeter Platz. Die Leben im OWS spielte sich im Wesentlichen im ehemaligen Wasserstofftank der S-IV-B-Trägerstufe ab, während der Sauerstofftank lediglich als Mülleimer genutzt wurde. Der Wasserstofftank bestand aus zwei Stockwerken.
Das untere Geschoß diente als Aufenthalts- und Schlafraum für die Astronauten. Für jedes Besatzungsmitglied gab es einen abgegrenzten Bereich mit Schlafgelegenheit und Schrankfächern. In dieser Etage waren auch der Waschraum, die Küche und ein Mehrzweckarbeitsraum untergebracht. Ebenso waren hier Teile der Flugkontrolle und Fitnesseinrichtungen eingebaut. Sämtliche Wasser- und Lebensmittelvorräte, die wissenschaftlichen Experimente und die Bekleidung der Astronauten waren beim Start der Station schon an Bord. Gebrauchte Kleidungsstücke wurden in den riesigen Mülleiner entsorgt. Um Geruchsbelästigungen zu vermeiden, gab es eine Müllschleuse zu dem entlüfteten Mülleimer.
Der eigentliche Arbeitsraum der Besatzung war das obere Stockwerk. Hier wurde ein Großteil der wissenschaftlichen Experimente durchgeführt. Daneben waren auch in diesem Bereich Gegenstände des täglichen Bedarfs und Kegeltank mit jeweils 272 Liter Wasser untergebracht.
Zum Schutz vor Mikrometeoriten war der OWS auf der Außenseite mit einer Aluminiumschutzfolie von 0,6 mm Stärke versehen worden. Diese Schutzfolie diente auch als zusätzlicher Sonnenschutz und damit zur Vermeidung zu großer Aufheizung.
Die Solar Array Group (SAG) bestand eigentlich aus zwei Solarflächen mit jeweils 9,5 mal 8,3 Meter Größe und insgesamt 147.840 Solarzellen. Bei einer Gesamtfläche von 219 Quadratmetern sollten sie durchschnittlich 12,4 kW elektrischer Leistung liefern. Da beim Start der Station ein Solarflügel abgerissen war, musste zur Kompensation auf die Solarflächen des Sonnenteleskops zurückgegriffen werden.
Das Airlock Module (AM), also die Luftschleuse, war oberhalb des OWS auf einem Gerätering (Instrument Unit) montiert. Die Luftschleuse war ein Zylinder mit 5,3 m Länge und einem Volumen von 17,4 Kubikmetern bei einem Gewicht von 22,2 Tonnen. Mit zwei Druckschotts nach hinten zum OWS und nach vor zum Kopplungsadapter wurde ein Außenbordeinsatz möglich, ohne die gesamte Station zu entlüften.
Der Multiple Docking Adapter (MDA), also der Mehrfachkopplungsadapter, war zum Betreten der Raumstation vom Apollo-Zubringerschiff aus konzipiert. Es war zwei Andockmöglichkeiten vorhanden. Primar wurde der Adapter axial zur Raumstation genutzt. Der seitlich angebrachte Knoten war als Reserve z.B. beim Einsatz eines Rettungsraumschiffs gedacht. Der MDA hatte eine Länge von 5,1 m bei einem Durchmesser von 3,0 m und einer Masse von 6.210 kg. Das Volumen betrug 32,40 Kubikmeter, in den auch einige technische Ausrüstungen für den Stationsbetrieb untergebracht waren.
Die Apollo Telescope Mount (ATM), das Sonnenteleskop von Skylab, wurde zur Erforschung des Himmels und insbesondere der Sonne genutzt. Beim Start saß es direkt vor dem Kopplungsstutzen und wurde erst in der Umlaufbahn zur Seite geschwenkt. Es hatte eine Höhe von 4,3 m und eine Breite von 3,3 m. Die Masse betrug 11.092 kg. Die Spannweite der Solarflächen erreichte 29,4 m. Mit den wissenschaftlichen Geräten der ATM waren herkömmliche Fotos, Aufnahmen in verschiedenen Wellenlängen und diverse Messungen möglich. Die Filmkassetten mussten von den Astronauten während eines Außenbordeinsatzes geborgen werden.

Das Command Module (CM) hatte einen Basisdurchmesser von 3,91 m und eine Höhe von 3,48 m. Die Masse der Kapsel unterschied sich je nach Mission geringfügig voneinander und betrug zwischen 5.569 kg und 5.840 kg.
Die Kommandokapsel bestand aus zwei ineinander verschachtelten Hüllen, der inneren Druckkabine und dem äußeren Hitzeschild. Die Bauteile wurden nach besonderen Verfahren verschweißt, um der Konstruktion eine möglichst hohe Stabilität bei gleichzeitiger Elastizität zu geben.
In der Mannschaftskabine befanden sich drei Liegesitze und alle wesentlichen Steuerungs- und Überwachungsanlagen. Die Liegesitze waren mit Stoßdämpfern versehen, um die Astronauten bei einer eventuellen Landung auf dem Erdboden vor Verletzungen zu bewahren.
Der Hitzeschild umgab die gesamte Kapsel, um bei der Abbremsung in der Erdatmosphäre die auftretende Hitze von bis zu 3.000 Grad Celsius nicht in die Kabine eindringen zu lassen. Der Hitzeschild bestand aus rostfreiem Stahl und einem darüber befindlichen abschmelzbaren Kunststoff. An der Unterseite des CM war er besonders dick ausgeführt.
Die Isolierung des Innenraumes vor großer Hitze war durch die Luke, vier Fenster und zwei Öffnungen für astronomische Sextanten besonders schwierig. Der Hitzeschutzschild am oberen Teil des Konus, also im Bereich des Umstiegstunnels wurde kurz vor der Landung abgesprengt, um die Behälter für die Fallschirme freizugeben.
Die Anordnung der Instrumentengruppen zwischen Außenwand und Druckkabine gewährleistete einen zusätzlichen Strahlenschutz. Ebenso konnten Mikrometeoriten durch diese Konstruktion aufgehalten werden.
Der Schwerpunkt der Kapsel war von der Symmetrieachse versetzt, um beim Eintritt in die Erdatmosphäre den korrekten Anstellwinkel zu erreichen. Durch Drehen der Kapsel um die Längsachse konnte die Richtung des Auftriebsvektors während des Fluges durch die höheren Luftschichten geändert und damit der Landeplatz in Grenzen verändert werden.
Mit dem Lebenserhaltungssystem (LSS) wurde der Innenraum mit Sauerstoff, verträglichen Temperaturen sowie dem korrekten Luftdruck und Feuchtigkeit versorgt. Es wurde eine reine Sauerstoffatmosphäre mit einem Druck von 353 hPa verwendet.

Zur Hygiene dienten feuchte Tücher. Der Urin wurde über Bord gepumpt, während die festen Abfallstoffe gesammelt wurden.
Die Bordapotheke umfasste verschiedene Spritzen, Antibiotika und verschiedene Medikamente. Darunter befanden sich 72 Aspirin, 21 Schlaftabletten, Augentropfen, Nasenspray, Verbandsstoffe und Fieberthermometer.
In zwei Rucksäcken war ein Überlebenspaket für Landungen fernab der vorgesehenen Zielgebiete untergebracht. Sie enthielten Signallampen, Notsender, Batterien, Messer, Wasserflaschen, Sonnenbrillen, Sonnencreme, ein Schlauchboot, Markierungssysteme, Anker und Notrationen. Im Notfall wäre damit eine zweitägige Suche der Astronauten im geografischen Bereich von 40 Grad Süd bzw. Nord abgedeckt gewesen.
Das Steuerungs- und Navigationssystem bestand aus einem Trägheits-Kreiselsystem, das mit einem Sextanten, einem Teleskop und einem Fotometer zur Horizontsuche gekoppelt war. Damit konnten die Astronauten die Position des Raumschiffs, seine Geschwindigkeit und die Beschleunigungswerte feststellen. Der Bordrechner hatte zwar im Vergleich zu heutigen Rechnern nur das Niveau hochwertiger Taschenrechner, war aber zur Ermittlung der Flugbahn oder -lage und eventuell notwendiger Korrekturen ausreichend. Die Anlage zur Stabilisierung und Überwachung der Fluglage bestand aus zwei Fluglage-Messgeräten, vier Anzeigetafeln, vier Handsteuerungsknüppeln und fünf elektronischen Kontrollbaugruppen.
Zur Änderung der Fluglage dienten die Triebwerke des Reaction Control System (RCS). Durch die Aktivierung bestimmter Düsenpaare konnte das Raumschiff um alle drei Achsen gedreht werden.
Der Sprechfunkverkehr und die Digitaldaten wurden auf der Erde über einen S-Band Transponder empfangen, der auf einer Frequenz von 2.287,5 MHz arbeitete.
Die Stromversorgung wurde durch drei Brennstoffzellen gewährleistet, bei denen als Nebenprodukt Trinkwasser abfiel. Eine Brennstoffzelle lieferte zwischen 563 und maximal 2.295 Watt elektrische Leistung. Die Ausgangsspannung lag bei 29 Volt. Zur Versorgung des CM während der Landung standen drei chemische Batterien zur Verfügung.
Die Kommandokapsel und Skylab wurden durch einen Kopplungsmechanismus miteinander verbunden. Er bestand aus einem Kopplungstrichter an Skylab, in den ein Führungsstab eingeführt werden musste. Stoßdämpfer und Gelenke zum Ausgleich seitlicher Bewegungen sowie 12 Verschlussbolzen und verschiedene Dichtungen sorgten für eine sichere Verbindung. Nach Herstellen der sicheren Verbindung wurde das Führungselement aus dem Tunnel entfernt.
Kurz vor der Wasserung - etwa in 15 km Höhe - wurde der Kegel am spitzen Ende des CM abgesprengt, um die Fallschirme freizugeben. In 7.600 m Höhe wurden zuerst zwei Stabilisierungsfallschirme mit je 4 m Durchmesser ausgestoßen. Nach deren Abwurf wurden in 4.600 m Höhe drei Hilfsschirme von je 3 Meter Durchmesser freigesetzt, die die drei Hauptfallschirme mit je einem Durchmesser von 25,4 m herauszogen. Bereits mit zwei Hauptschirmen war eine sichere Landung möglich.

Das Service Module (SM) befand sich direkt hinter der Kommandokapsel und diente der Unterbringung wichtiger Systeme. Dazu gehörten die Lageregelungs-Triebwerke (RCS), das Haupttriebwerk (Service Propulsion System = SPS), die Treibstoffe (Hydrazin), die Druckgasförderung (Helium), das Lebenserhaltungs- und Energieversorgungssystem und der Wasservorrat.
Das Gehäuse hatte die Form eines Zylinders mit einem Durchmesser von 3,91 m bei einer Höhe von 3,94 m. Mit der SPS-Düse und dem oberen Radiator ergab sich eine Gesamthöhe von 7,49m. Die Masse betrug zwischen 8.949 kg (bei Apollo 7) und 24.514 kg (bei Apollo 16).
Das SM war aus einer Aluminiumlegierung gefertigt und in sechs Sektionen aufgeteilt, die um einen zentralen Helium-Druckgasbehälter angeordnet waren. Die Sektoren 2, 3, 5 und 6 enthielten Treibstoff und Oxidator für das Haupttriebwerk SPS. In Sektor 4 waren die Brennstoffzellen sowie der Sauerstoff- und Wasserstoffvorrat untergebracht.
Das RCS-Steuerungssystem bestand aus 16 Triebwerken mit je etwa 440 N Schub, die zu je vier unabhängigen Gruppen im Abstand von 90 Grad zusammengefasst waren. Jedes dieser Hydrazin-Triebwerke hatte eine Masse von 2,3 kg, einen Durchmesser von 14 cm und eine Länge von 35 cm.
Wichtiger war jedoch das SPS mit einer Länge von 2,6 m. Dieses Haupttriebwerk lieferte einen Vakuumschub von 98 kN und brannte bis zu 10,5 Minuten. Der Schwenkmechanismus des SPS bestand aus Elektromotoren, Zahnrad-Getrieben und magnetischen Kupplungen.

Das verwendete Raumschiff war in wesentlichen Teilen identisch mit dem Command & Service Module der Apollo-Missionen. Es wurden lediglich Modifikationen vorgenommen, damit das Raumschiff während der Skylab-Langzeitmissionen im Standby-Modus an der Raumstation verbleiben konnte. Aufgabe des Raumschiffs war es nur, um eine dreiköpfige Besatzung zu Skylab und zurück zur Erde zu transportieren.

Der Start von Skylab 3 wurde mehrfach nach vorne verlegt. Die NASA wollte vermeiden, dass durch die Sonneneinstrahlung Defekte an den Solaranlagen auftreten könnten, die zum Verlust der gesamten Raumstation führen könnten. Das verbliebene Solarpaddel musste ohnehin mit voller Leistung gefahren werden. Außerdem wollte man den günstigen Einfallswinkel der Sonne nutzen, um die Station zur Temperaturregulierung nicht ständig drehen zu müssen.

Skylab 3 hob am 28. Juli 1973 ab und erreichte wenige Minuten später die Erdumlaufbahn. Etwa acht Stunden später erreichten sie die Raumstation, die etwa einen Monat unbemannt geblieben war. Nach einer Umkreisung des Raumlabors koppelte die Apollo problemlos an. Es folgten die üblichen Dichtigkeitsprüfungen, ehe der Druckausgleich hergestellt wurde und die Besatzung umsteigen konnte.
Im Gepäck hatten die Astronauten eine zusätzliche Kreisel-Gyroskopanlage zur Unterstützung der defekten Kreiselanlage. Zur Ergänzung des wissenschaftlichen Programms führte Skylab 3 auch einige lebende Tiere für wissenschaftliche Untersuchungen mit. Darunter befanden sich zwei Kreuzspinnen, vier Mäuse, Mücken und Essigfliegen. In einem Plastiksack flogen einige kleine Fische mit.

Zwischenzeitlich waren an Bord der Raumstation die Lebenserhaltungssysteme wieder hochgefahren worden und die Innentemperatur war nach vorübergehenden 37 Grad Celsius wieder auf 26 Grad Celsius abgesunken.

Nach dem erfolgreichen Start meldete Alan Bean, dass er an seinem Fenster glänzende Teilchen sehen könne. Eine Überprüfung erbrachte, dass durch ein Leck in einem der Helium-Drucktanks bereits ein Druckabfall zu verzeichnen war. Als Sofortmaßnahme wurde der Tank von den Astronauten verschlossen. Möglicherweise funktionierte auch eine der vier RCS-Steuerdüsen nicht ordnungsgemäß. Das Problem sollte später näher untersucht werden.

In den ersten Tagen litten alle drei Astronauten unter der Raumkrankheit. Dies war verwunderlich, denn keiner der drei hatte sich bei Untersuchungen als anfällig herausgestellt. Zwar waren bei früheren Apollo-Flügen immer wieder einzelne Astronauten von der Raumkrankheit befallen worden, niemals aber eine komplette Mannschaft. Zeitweise lag Skylab 3 einen ganzen Tag hinter dem Plan, doch sowie sich ihr Gesundheitszustand besserte, holten die Astronauten den Rückstand rasch wieder auf. Zeitweise war sogar erwogen worden, die Mission vorzeitig zu beenden.

Am 02. August 1973 zeichnete sich ein weiteres Problem mit den Steuerdüsen (RCS Quads) des Apollo-Raumschiffs ab. Schon am Starttag war eines der vier Düsenquartette ausgefallen, und nun leckte ein zweites. Zwar war es möglich, auch mit nur zwei funktionierenden Quads zur Erde zurückzukehren, doch war nicht sicher, ob die beiden Ausfälle zusammenhingen und auch die zwei verbleibenden Düsen betroffen wären. Sicherheitshalber begann man in Cape Canaveral mit den Vorbereitungen für einen Rettungsflug. Hierzu waren schon vor mehreren Jahren Pläne mit der Bezeichnung Skylab Rescue ausgearbeitet worden.

Es war geplant, dass die Ersatzleute Vance Brand und Don Lind mit dem für Skylab 4 vorgesehen Raumschiff starten würden. Allerdings hätte man es so modifiziert, dass statt der üblichen drei sogar fünf Besatzungsmitglieder Platz hatten. Vance Brand und Don Lind hätten am zweiten Kopplungsadapter angedockt, so dass Alan Bean, Jack Lousma und Owen Garriott hätten zusteigen können. Je nach dem Zeitpunkt des Notfalls betrug die Vorlaufzeit dieses Rettungsfluges 10 bis 45 Tage. In diesem Fall hätte ein Apollo-Raumschiff frühestens am 09. September 1973 starten können. Hätte man diese Möglichkeit nicht vorgesehen, wäre die Mission aus Sicherheitsgründen sofort abgebrochen worden. Doch auf diese Weise stand man nicht unter Zeitdruck und konnte das Problem in Ruhe analysieren. Es stellte sich heraus, dass die Ausfälle der Apollo-Steuerdüsen nicht miteinander zusammenhingen, so dass der Verlauf von Skylab 3 nicht gefährdet war. Allerdings begannen die Ingenieure am Boden mit der Ausarbeitung von Landevarianten mit nur zwei funktionierenden Steuerdüsen.

Der mehrfach verschobene erste Außenbordeinsatz wurde nun auf den 06. August 1973 festgesetzt. Owen Garriott und Jack Lousma verließen an diesem Tag die Raumstation für 6 Stunden und 31 Minuten. Im freien Weltraum bereiteten die beiden Astronauten zuerst das Doppelstangensegel vor. Es sollte zum weiteren Hitzeschutz über den provisorischen Sonnenschirm aus Folie angebracht werden. Dazu mussten sie einige Halteseile lösen, die Charles Conrad und Joseph Kerwin am 07. Juni 1973 während der Mission Skylab 2 festgeknotet hatten. Das Lösen der Knoten erwies sich als sehr zeitaufwändig, so dass die Astronauten in Zeitverzog gerieten. Schließlich konnten sie den alten Schirm ein wenig zur Seite schieben und begannen mit der Montage des neuen Sonnensegels. Die beiden Stangen, die aus Einzelrohren von jeweils 1,5 Metern bestanden, fügten sie zu einer Gesamtlänge von 16,5 Meter zusammen und befestigten das Gebilde an der Außenfläche des Raumlabors. Danach zogen sie die neue Schutzfolie komplett über den Hauptteil von Skylab. Mit Stricken sicherten sie die Folie gegen ein Verrutschen.
Der zweite Teil dieser EVA bestand für Owen Garriott und Jack Lousma aus Routinearbeiten. Sie kletterten zum Teleskop ATM und tauschten dort die Filmkassetten aus. Die Filme waren während der unbemannten Flugphase von Skylab belichtet worden. Eine zusätzliche Aufgabe des Außenbordmanövers bestand in der Inspizierung der beschädigten RCS-Triebwerkseinheiten ihres Apollo-Raumschiffs. Allerdings konnten sie dort keine Lecks oder sonstigen Gründe für die Fehlfunktion entdecken.

Zu den wissenschaftlichen Untersuchungen gehörte die Beobachtung von Kleintieren unter Schwerelosigkeit. So wollte man wissen, ob Kreuzspinnen in diesem Zustand ihr Netz bauen können. Die beiden Spinnen Arabella und Anita bereitete dies keine Probleme. Aus einem der Fischeier schlüpfte Nachwuchs. Anita ging später jedoch ein.
Fortgeführt wurden auch die Beobachtungen der Sonne. Die Astronauten nahmen zahlreiche Röntgenstrahlungsbestimmungen und Strahlungsquellenanalysen der Sonne vor. Eine große Sonneneruption konnte die Besatzung in der zweiten August-Hälfte beobachten.
Zum Arbeitsprogramm gehörten ebenso Erduntersuchungen und Erdkartografierungen. Für die Städte- und Raumplanung der USA fertigten die Astronauten zahlreiche Fotos. Aufnahmen wurden ebenso für die Agrarentwicklung in Malaysia, Australien und Neuseeland aufgenommen. Auf dem Erdbeobachtungs-Programm standen auch Nord-Paraguay, Süd-Kalifornien und der Golf von Mexiko.
Am 19. August 1973 testeten die Astronauten eine Art Raketenstuhl, einem Vorläufer der "Manned Maneuvering Unit" (MMU). Mit dem Gerät konnten sie sich frei innerhalb des Hauptmoduls von Skylab bewegen. Die Tests verliefen so zufriedenstellend, dass das Projekt weiterverfolgt werden sollte.
Im weiteren Verlauf der Mission traten medizinische Untersuchungen in den Vordergrund. Die Wissenschaftler am Boden erhofften sich weitere Erkenntnisse über die Veränderungen des menschlichen Körpers bei Langzeit-Raumflügen. Dazu wurden zahlreiche Blut- und Urinproben eingesammelt und für die genauere Analyse auf der Erde konserviert. Jeder Astronaut musste auch alle drei Tage in die Unterdruckkammer, in der auf den Unterkörper ein Andruck von 7g erreicht werden konnte. Für die Erhaltung der körperlichen Fitness verwendeten die Astronauten ein Fahrrad-Ergometer.
In einem Drehstuhl-Experiment wurde der jeweilige Astronaut mit 30 Umdrehungen pro Minute gedreht. Dabei wurde sein Funktionssystem untersucht. Die Astronauten hatten keine Probleme während dieser Versuchsreihe.

Am 24. August 1993 unternahmen Owen Garriott und Jack Lousma eine weitere EVA (4h 30m). Dabei standen zuerst Routineaufgaben an. Die Astronauten kletterten erneut zum Teleskop ATM, entnahmen dort die belichteten Filmkassetten und ersetzten sie durch neue Einheiten.
Anschließend installierten Owen Garriott und Jack Lousma die mitgebrachte Lageregulierungsanlage. Für die Betriebsbereitschaft mussten sie Kabelverbindungen zur Primäranlage herstellen. Die neue Anlage konnte problemlos gestartet werden.

Ende August 1973 wurde bei einer Routineüberprüfung ein erheblicher Spannungsabfall in fünf der 17 Speicherakkus festgestellt. Daraufhin erwogen die Ingenieure am Boden, neue Akku-Speicher mit dem nächsten Flug zu Skylab zu transportieren.

Am 01. September 1973 konnten die Astronauten den Wirbelsturm Christine 1.400 Kilometer östlich von Barbardos beobachten. Mit der genauen Beobachtung wollten die Wissenschaftler mehr Rückschlüsse auf die Wetterzyklen gewinnen.

In den erdgebundenen Observatorien entdeckten die Astronomen am 06. September 1973, dass die Sonne eine riesige Gaswolke ausgestoßen hatte. Da die Astronauten an Bord von Skylab zu dieser Zeit noch schliefen, schaltete die Bodenstation das ATM kurzerhand per Funkbefehl ein. Später setzte die Besatzung die Beobachtungen fort. Die Ausbrüche waren so stark, dass damit der Energiebedarf der Erde für die nächsten 10.000 Jahre hätte abgedeckt werden können.

Mitte September 1973 konnten die Astronauten mitteilen, dass die mittlerweile im Weltraum geschlüpften Fische sich sehr gut an die Schwerelosigkeit angepasst hatten. Neben Erd- und Astronomieaufnahmen stand in dieser Zeit auch die Züchtung von Kristallen höchster Reinheit auf dem Programm. In einer medizinischen Zwischenbilanz waren die Ärzte am Boden zu dem Ergebnis gelangt, dass der Muskelschwund der Astronauten nach etwa 30 Tagen zum Stillstand gekommen war. Auch das Körpergewicht nahm nicht weiter ab.

Vor dem Ende der zweiten Langzeit-Mission zum Raumlabor Skylab mussten erneut Filmkassetten geborgen werden. Für diese Aufgabe verließen Alan Bean und Owen Garriott die Raumstation am 22. September 1973 und verbrachten 2 Stunden und 41 Minuten im freien Weltraum. Wieder entnahm Owen Garriott dem ATM die belichteten Filmkassetten und legte neue ein. Während dieser Zeit reinigte Alan Bean die Objektive.
Danach entnahmen die Astronauten dem Erdabtastinstrument die Magnetbänder mit Informationen über die Erdbeschaffenheit und ersetzten sie durch neue Bänder. Zum Ende der EVA inspizierten sie die defekte Radarantenne des Instrumentes. Sie mussten aber feststellen, dass sie mit dem vorhandenen Gerät keine Reparatur vornehmen konnten.

Während ihres Aufenthaltes an Bord von Skylab hatten sich die Astronauten 305 Stunden mit der Sonnenastronomie, 312 Stunden mit medizinischen Wissenschaften, 223 Stunden mit Erdbeobachtungen, 103 Stunden mit Astrophysik, 117 Stunden mit Technologie-Experimenten, 8 Stunden mit Materialversuchen und 10 Stunden mit Studentenexperimenten beschäftigt. In dieser Zeit hatte die Besatzung fast 25.000 Sonnenaufnahmen, 16.800 Erdaufnahmen gefertigt und rund 28.500 Erdabtastungen auf Magnetband aufgezeichnet.

Vor der Rückkehr zur Erde standen noch Aufräumarbeiten an. Nicht länger benötigte Gegenstände wurden verstaut, Müll entsorgt und Filme, Magnetbänder sowie Materialproben im Apollo-Raumschiff verstaut. Für ihre Nachfolger hatten die Astronauten in einem von Kameras nicht einsehbaren Bereich drei selbstgebastelte Puppen aufgestellt, die die Astronauten von Skylab 4 begrüßen sollten.

Nach der Abkopplung leitete Alan Bean mit den beiden verbliebenen Steuerdüsen in einer Art Notsteuerungsprogramm den Rückflug zur Erde ein.

Die Besatzung war bei der Landung in wesentlich besserer Verfassung als die Skylab 2-Mannschaft. Kapsel und Besatzung wurden vom Flugzeugträger USS New Orleans geborgen. Gleichzeitig wurde ein neuer Dauerflug-Rekord aufgestellt. Nach der Landung blieben die Astronauten in ihrer Kapsel. Diese wurde mit ihren Insassen an Bord des Bergungsschiffs gehoben, weil dort eine bessere medizinische Versorgung der Astronauten als auf einem schaukelnden Schlauchboot möglich war.

Fotos / Zeichnungen

Apollo CSM
Skylab
Mannschaftstraining Mannschaftstraining
Skylab 3 auf dem Weg zur Startrampe
Erdbeobachtung
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EVA Bean
Skylab

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Letztes Update am 25. Juni 2016.