Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 24

Apollo 7

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  11.10.1968
Startzeit:  15:02 UTC
Startort:  Cape Canaveral
Startrampe:  34
Bahnhöhe:  231 - 297 km
Inklination:  31,63°
Landedatum:  22.10.1968
Landezeit:  11:11 UTC
Landeort:  27° 32' N, 64° 4' W

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Schirra  Walter Marty, Jr. "Wally"  CDR 3 10d 20h 08m  163 
2  Eisele  Donn Fulton  CMP 1 10d 20h 08m  163 
3  Cunningham  Ronnie Walter  LMP 1 10d 20h 08m  163 

Sitzverteilung der Besatzung

1  Schirra
2  Eisele
3  Cunningham

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Stafford  Thomas Patten "Tom"  CDR
2  Young  John Watts  CMP
3  Cernan  Eugene Andrew "Gene"  LMP

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Unterstützungs-Mannschaft

  Surname Given names
 Swigert  John Leonard, Jr. "Jack"
 Evans  Ronald Ellwin, Jr. "Ron"
 Pogue  William Reid

Flugverlauf

Der Start erfolgte am 11. Oktober 1968 um 15:02 Uhr UTC vom LC-34 auf Cape Canaveral bei relativ starkem Wind. Die Saturn-1B-Rakete arbeitete planmäßig. Nach etwa zehn Minuten erreichte das Raumschiff die Erdumlaufbahn mit 225 km Perigäum und 294 km Apogäum. Es war die einzige bemannte Mission von diesem Startplatz. Apollo 7 wasserte südöstlich der Bermuda-Inseln im Atlantik.

Das Command Module (CM) hatte einen Basisdurchmesser von 3,91 m und eine Höhe von 3,48 m. Die Masse der Kapsel unterschied sich je nach Mission geringfügig voneinander und betrug zwischen 5.569 kg und 5.840 kg.
Die Kommandokapsel bestand aus zwei ineinander verschachtelten Hüllen, der inneren Druckkabine und dem äußeren Hitzeschild. Die Bauteile wurden nach besonderen Verfahren verschweißt, um der Konstruktion eine möglichst hohe Stabilität bei gleichzeitiger Elastizität zu geben.
In der Mannschaftskabine befanden sich drei Liegesitze und alle wesentlichen Steuerungs- und Überwachungsanlagen. Die Liegesitze waren mit Stoßdämpfern versehen, um die Astronauten bei einer eventuellen Landung auf dem Erdboden vor Verletzungen zu bewahren.
Der Hitzeschild umgab die gesamte Kapsel, um bei der Abbremsung in der Erdatmosphäre von etwa 40.000 km/h auf wenige hundert km/h die auftretende Hitze von bis zu 3.000 Grad Celsius nicht in die Kabine eindringen zu lassen. Der Hitzeschild bestand aus rostfreiem Stahl und einem darüber befindlichen abschmelzbaren Kunststoff. An der Unterseite des CM war er besonders dick ausgeführt.
Die Isolierung des Innenraumes vor großer Hitze war durch die Luke, vier Fenster und zwei Öffnungen für astronomische Sextanten besonders schwierig. Der Hitzeschutzschild am oberen Teil des Konus, also im Bereich des Umstiegstunnels wurde kurz vor der Landung abgesprengt, um die Behälter für die Fallschirme freizugeben.
Die Anordnung der Instrumentengruppen zwischen Außenwand und Druckkabine gewährleistete einen zusätzlichen Strahlenschutz. Ebenso konnten Mikrometeoriten durch diese Konstruktion aufgehalten werden.
Der Schwerpunkt der Kapsel war von der Symmetrieachse versetzt, um beim Eintritt in die Erdatmosphäre den korrekten Anstellwinkel zu erreichen. Durch Drehen der Kapsel um die Längsachse konnte die Richtung des Auftriebsvektors während des Fluges durch die höheren Luftschichten geändert und damit der Landeplatz in Grenzen verändert werden.
Mit dem Lebenserhaltungssystem (LSS) wurde der Innenraum mit Sauerstoff, verträglichen Temperaturen sowie dem korrekten Luftdruck und Feuchtigkeit versorgt. Es wurde eine reine Sauerstoffatmosphäre mit einem Druck von 353 hPa verwendet.
Der Lebensmittelvorrat bestand aus bis zu 60 teils individuell zusammengestellten Menüs. Jeder Astronaut erhielt täglich eine Ration von 635 Gramm mit etwa 2.800 Kalorien. Diese bestanden zu 20 % aus Proteinen, 62 % Kohlehydraten und 18 % Fett.
Zur Hygiene dienten feuchte Tücher. Der Urin wurde über Bord gepumpt, während die festen Abfallstoffe gesammelt wurden.
Die Bordapotheke umfasste verschiedene Spritzen, Antibiotika und verschiedene Medikamente. Darunter befanden sich 72 Aspirin, 21 Schlaftabletten, Augentropfen, Nasenspray, Verbandsstoffe und Fieberthermometer.
In zwei Rucksäcken war ein Überlebenspaket für Landungen fernab der vorgesehenen Zielgebiete untergebracht. Sie enthielten Signallampen, Notsender, Batterien, Messer, Wasserflaschen, Sonnenbrillen, Sonnencreme, ein Schlauchboot, Markierungssysteme, Anker und Notrationen. Im Notfall wäre damit eine zweitägige Suche der Astronauten im geografischen Bereich von 40 Grad Süd bzw. Nord abgedeckt gewesen.
Das Steuerungs- und Navigationssystem bestand aus einem Trägheits-Kreiselsystem, das mit einem Sextanten, einem Teleskop und einem Fotometer zur Horizontsuche gekoppelt war. Damit konnten die Astronauten die Position des Raumschiffs, seine Geschwindigkeit und die Beschleunigungswerte feststellen. Der Bordrechner hatte zwar im Vergleich zu heutigen Rechnern nur das Niveau hochwertiger Taschenrechner, war aber zur Ermittlung der Flugbahn oder -lage und eventuell notwendiger Korrekturen ausreichend. Die Anlage zur Stabilisierung und Überwachung der Fluglage bestand aus zwei Fluglage-Messgeräten, vier Anzeigetafeln, vier Handsteuerungsknüppeln und fünf elektronischen Kontrollbaugruppen.
Zur Änderung der Fluglage dienten die Triebwerke des Reaction Control System (RCS). Durch die Aktivierung bestimmter Düsenpaare konnte das Raumschiff um alle drei Achsen gedreht werden.
Der Sprechfunkverkehr und die Digitaldaten wurden auf der Erde über einen S-Band Transponder empfangen, der auf einer Frequenz von 2.287,5 MHz arbeitete.
Die Stromversorgung wurde durch drei Brennstoffzellen gewährleistet, bei denen als Nebenprodukt Trinkwasser abfiel. Eine Brennstoffzelle lieferte zwischen 563 und maximal 2.295 Watt elektrische Leistung. Die Ausgangsspannung lag bei 29 Volt. Zur Versorgung des CM während der Landung standen drei chemische Batterien zur Verfügung.
Die Kommandokapsel und die Mondlandefähre waren durch einen Kopplungsmechanismus miteinander verbunden (ab Apollo 9). Er bestand aus einem Kopplungstrichter an der Landefähre, in den ein Führungsstab eingeführt werden musste. Stoßdämpfer und Gelenke zum Ausgleich seitlicher Bewegungen sowie 12 Verschlussbolzen und verschiedene Dichtungen sorgten für eine sichere Verbindung. Nach Herstellen der sicheren Verbindung wurde das Führungselement aus dem Tunnel entfernt.
Kurz vor der Wasserung - etwa in 15 km Höhe - wurde der Kegel am spitzen Ende des CM abgesprengt, um die Fallschirme freizugeben. In 7.600 m Höhe wurden zuerst zwei Stabilisierungsfallschirme mit je 4 m Durchmesser ausgestoßen. Nach deren Abwurf wurden in 4.600 m Höhe drei Hilfsschirme von je 3 Meter Durchmesser freigesetzt, die die drei Hauptfallschirme mit je einem Durchmesser von 25,4 m herauszogen. Bereits mit zwei Hauptschirmen war eine sichere Landung möglich.

Das Service Module (SM) befand sich direkt hinter der Kommandokapsel und diente der Unterbringung wichtiger Systeme. Dazu gehörten die Lageregelungs-Triebwerke (RCS), das Haupttriebwerk (Service Propulsion System = SPS), die Treibstoffe (Hydrazin), die Druckgasförderung (Helium), das Lebenserhaltungs- und Energieversorgungssystem und der Wasservorrat.
Das Gehäuse hatte die Form eines Zylinders mit einem Durchmesser von 3,91 m bei einer Höhe von 3,94 m. Mit der SPS-Düse und dem oberen Radiator ergab sich eine Gesamthöhe von 7,49m. Die Masse betrug zwischen 8.949 kg (bei Apollo 7) und 24.514 kg (bei Apollo 16).
Das SM war aus einer Aluminiumlegierung gefertigt und in sechs Sektionen aufgeteilt, die um einen zentralen Helium-Druckgasbehälter angeordnet waren. Die Sektoren 2, 3, 5 und 6 enthielten Treibstoff und Oxidator für das Haupttriebwerk SPS. In Sektor 4 waren die Brennstoffzellen sowie der Sauerstoff- und Wasserstoffvorrat untergebracht. Sektor 1 war zunächst leer und wurde bei den Flügen Apollo 15, 16 und 17 als SIM-Bay (Scientific Instrument Module) genutzt und enthielt verschiedene wissenschaftliche Geräte zur Monderkundung. Die Verkleidung dieses Sektors wurde im Flugverlauf abgeworfen, so dass auf dem Rückflug zur Erde ein Astronaut per Außenbordeinsatz die dort befindlichen Filmkassetten bergen konnte.
Das RCS-Steuerungssystem bestand aus 16 Triebwerken mit je etwa 440 N Schub, die zu je vier unabhängigen Gruppen im Abstand von 90 Grad zusammengefasst waren. Jedes dieser Hydrazin-Triebwerke hatte eine Masse von 2,3 kg, einen Durchmesser von 14 cm und eine Länge von 35 cm.
Wichtiger war jedoch das SPS mit einer Länge von 2,6 m. Dieses Haupttriebwerk lieferte einen Vakuumschub von 98 kN und brannte bis zu 10,5 Minuten. Das SPS musste in hohem Grad zuverlässig sein, da nur mit diesem Triebwerk das Verlassen des Mondorbits möglich war. Der Schwenkmechanismus des SPS bestand aus Elektromotoren, Zahnrad-Getrieben und magnetischen Kupplungen.

Dieser Raumflug war die erste NASA-Mission nach dem Apollo 1-Unglück. Erstmalig startete eine amerikanische 3-Mann-Crew. Sie sollte einen Testflug mit dem neu konzipierten Apollo-Raumschiff durchführen. Die Änderungen der Einstiegsluke gingen dahin, eine einteilige Tür einzusetzen, die binnen zwei bis sieben Sekunden von innen bzw. binnen 10 Sekunden von außen zu öffnen war. Damit sollte ein Ausstieg der Besatzung binnen 15 Sekunden gewährleistet werden. Die Luke selbst wurde nunmehr aus Aluminium und Fiberglas gefertigt. Innerhalb der Kapsel wurde statt Plastik Aluminium und anderes feuerresistentes Material verwendet. Neu war auch ein Notfall-Sauerstoffsystem zum Schutz vor toxischen Gasen. Überarbeitet wurden auch die Raumanzüge. So wurde Nylon mit nichtbrennbarer Beta-Faser überzogen. Im Bereich der Elektrik wurden mit Teflon isolierte Kabel mit einem Metallmantel umgeben.

Die Crew unternahm einige Rendezvous-Manöver mit der Oberstufe der Saturn 1-B Rakete und sendete erstmals Live-TV-Bilder aus einem amerikanischen Raumschiff. Die Zuverlässigkeit des Haupttriebwerks SPS war von besonderer Bedeutung, weil es für den Rückflug aus der Mondumlaufbahn zwingend erforderlich war und es für dieses Triebwerk keine Redundanz gab.

Knapp drei Stunden nach dem Start wurde Apollo 7 von der Oberstufe der Saturn-Rakete getrennt und sas Raumschiff entfernte sich mit Hilfe der RCS-Triebwerke auf eine Entfernung von 15 Metern. Dann wurde die Apollo um 180 Grad gedreht. Da die Saturnstufe in eine Rotationsbewegung geraten war, musste Apollo 7 einen Sicherheitsabstand einhalten. Trotzdem gelang es, das Targetgerät in der Oberstufe genau in Position zu bringen.

Im Laufe der Mission wurde das Triebwerk des Raumschiffs achtmal gezündet, wobei es zwischen einer halben Sekunde und zwölf Minuten lief. Die Flugbahn wurde bis zu einer Höhe von 452 km erhöht. Alle Bahnänderungen verliefen erfolgreich.

Alle drei Astronauten erlitten während des Fluges eine starke Erkältung. Hinzu kam, dass einige Kühlleitungen stark kondensierten, so dass es innen ziemlich feucht war und einiges an Zeit verbraucht wurde, um die Feuchtigkeit mittels aufsaugbaren Materialien herauszubekommen. Durch die Feuchtigkeit beschlugen auch die Scheiben, die ohnehin schon teilweise verrußt waren, so dass die Sicht eingeschränkt war. Dennoch wurden während der Mission auch Sternenbeobachtungen mittels Teleskop und Sextant vorgenommen.

Durch die Erkältung der Astronauten ergab sich ein wohl stark diskutiertes Problem. Da die Schwerkraft im All allenfalls gering ist, „laufen" Nasen nicht, wie wir das auf der Erde gewöhnt sind. Die Astronauten waren also ständig gezwungen sich zu schnäuzen. Daraufhin sahen sie Probleme bei der Landung auf sich zukommen. Da sie einen Helm tragen mussten, konnten sie sich nicht schnäuzen, und sie befürchteten daher, dass ihnen bei dem Landedruck und der verschnupften Nasen das Trommelfell platzen könne, speziell Kommandant Walter Schirra geriet dabei heftig mit der Flugleitung aneinander. Letztlich fügten sie sich und erhielten auch noch Mittel aus der Bordapotheke.

Nach zehn Tagen zündeten die Astronauten zwölf Sekunden lang die Bremsraketen. Vier Minuten danach wurde das Servicemodul vom Kommandomodul getrennt. Beim Wiedereintritt hatten die Astronauten Beschleunigungen bis zu 3,3 g zu ertragen. In den letzten sechs Minuten wurde der Fall durch Fallschirme gebremst. Zuerst wurden die beiden kleineren Pilotfallschirme ausgeworfen, ehe in 3000 Metern Höhe die drei Hauptfallschirme herausgezogen wurden. Vom Zünden der Bremsraketen bis zur Wasserung in der Karibik war eine halbe Stunde vergangen. Die Apollo-Landekapsel lag zuerst mit der Spitze nach unten im Wasser, konnte aber durch Aufblasen von Luftsäcken aufgerichtet werden. Die Landung war ohne die befürchteten gesundheitlichen Probleme vonstattengegangen. Beim Wiedereintritt erhitzten sich allerdings die Brennstoffzellen stärker als geplant, was dazu führte, das dort bis zur nächsten Mission noch Modifikationen vorgenommen wurden.

Die Bergung erfolgte durch den Flugzeugträger USS Essex.

Fotos / Zeichnungen

Apollo CSM
Apollo 7 S-IVB
Leben an Bord Leben an Bord
 

mehr Fotos Erdbeobachtung


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Letztes Update am 08. Oktober 2015.