Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 44

Skylab 2

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  25.05.1973
Startzeit:  13:00 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  415 - 424 km
Inklination:  50,04°
Ankopplung Skylab:  26.05.1973, 21:56:00 UTC
Abkopplung Skylab:  22.06.1973, 08:55 UTC
Landedatum:  22.06.1973
Landezeit:  13:49 UTC
Landeort:  25° 45' N, 127° 2' W

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Conrad  Charles Jr., "Pete"  CDR 4 28d 00h 50m  404 
2  Kerwin  Joseph Peter  SPT 1 28d 00h 50m  404 
3  Weitz  Paul Joseph  PLT 1 28d 00h 50m  404 

Sitzverteilung der Besatzung

1  Conrad
2  Kerwin
3  Weitz

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Schweickart  Russell Louis "Rusty"  CDR
2  Musgrave  Franklin Story  SPT
3  McCandless  Bruce II  PLT

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Unterstützungs-Mannschaft

  Surname Given names
 Crippen  Robert Laurel "Crip"
 Truly  Richard Harrison "Dick"
 Hartsfield  Henry Warren, Jr. "Hank"
 Thornton  William Edgar

Flugverlauf

Das Apollo-Raumschiff startete von Cape Canaveral (KSC) und wasserte 1320 km südwestlich von San Diego im Pazifik.

Die Raumstation Skylab bestand aus fünf Hauptkomponenten: der Orbitalen Werkstatt (OWS), den Solarflügeln (SAG), der Luftschleuse (AM), dem Mehrfachkopplungs-Adapter (MDA) und dem Sonnenteleskop (ATM). Insgesamt hatte Skylab eine Masse von 88.906 kg (einschließlich Ausrüstung). Die drei Astronauten verfügten über ein Raumvolumen von 347 Kubikmeter. Die Gesamtlänge betrug 26,3 m (ohne angekoppeltes Raumschiff), bei einer Spannweite von 17,0 m (mit nur einem Solarflügel) und einer Höhe von 7,4 m (mit dem ATM). Gestartet wurde Skylab am 14. Mai 1973.
Mit Abstand größter Teil der Raumstation war die Orbitale Werkstatt (OWS), die aus der S-IV-B-Trägerstufe der Saturn IB bestand. Sie war 14,4 m lang, war 6,6 m im Durchmesser, hatte ein Gewicht von 35.100 kg und bot 270 Kubikmeter Platz. Die Leben im OWS spielte sich im Wesentlichen im ehemaligen Wasserstofftank der S-IV-B-Trägerstufe ab, während der Sauerstofftank lediglich als Mülleimer genutzt wurde. Der Wasserstofftank bestand aus zwei Stockwerken.
Das untere Geschoß diente als Aufenthalts- und Schlafraum für die Astronauten. Für jedes Besatzungsmitglied gab es einen abgegrenzten Bereich mit Schlafgelegenheit und Schrankfächern. In dieser Etage waren auch der Waschraum, die Küche und ein Mehrzweckarbeitsraum untergebracht. Ebenso waren hier Teile der Flugkontrolle und Fitnesseinrichtungen eingebaut. Sämtliche Wasser- und Lebensmittelvorräte, die wissenschaftlichen Experimente und die Bekleidung der Astronauten waren beim Start der Station schon an Bord. Gebrauchte Kleidungsstücke wurden in den riesigen Mülleiner entsorgt. Um Geruchsbelästigungen zu vermeiden, gab es eine Müllschleuse zu dem entlüfteten Mülleimer.
Der eigentliche Arbeitsraum der Besatzung war das obere Stockwerk. Hier wurde ein Großteil der wissenschaftlichen Experimente durchgeführt. Daneben waren auch in diesem Bereich Gegenstände des täglichen Bedarfs und Kegeltank mit jeweils 272 Liter Wasser untergebracht.
Zum Schutz vor Mikrometeoriten war der OWS auf der Außenseite mit einer Aluminiumschutzfolie von 0,6 mm Stärke versehen worden. Diese Schutzfolie diente auch als zusätzlicher Sonnenschutz und damit zur Vermeidung zu großer Aufheizung.
Die Solar Array Group (SAG) bestand eigentlich aus zwei Solarflächen mit jeweils 9,5 mal 8,3 Meter Größe und insgesamt 147.840 Solarzellen. Bei einer Gesamtfläche von 219 Quadratmetern sollten sie durchschnittlich 12,4 kW elektrischer Leistung liefern. Da beim Start der Station ein Solarflügel abgerissen war, musste zur Kompensation auf die Solarflächen des Sonnenteleskops zurückgegriffen werden.
Das Airlock Module (AM), also die Luftschleuse, war oberhalb des OWS auf einem Gerätering (Instrument Unit) montiert. Die Luftschleuse war ein Zylinder mit 5,3 m Länge und einem Volumen von 17,4 Kubikmetern bei einem Gewicht von 22,2 Tonnen. Mit zwei Druckschotts nach hinten zum OWS und nach vor zum Kopplungsadapter wurde ein Außenbordeinsatz möglich, ohne die gesamte Station zu entlüften.
Der Multiple Docking Adapter (MDA), also der Mehrfachkopplungsadapter, war zum Betreten der Raumstation vom Apollo-Zubringerschiff aus konzipiert. Es war zwei Andockmöglichkeiten vorhanden. Primar wurde der Adapter axial zur Raumstation genutzt. Der seitlich angebrachte Knoten war als Reserve z.B. beim Einsatz eines Rettungsraumschiffs gedacht. Der MDA hatte eine Länge von 5,1 m bei einem Durchmesser von 3,0 m und einer Masse von 6.210 kg. Das Volumen betrug 32,40 Kubikmeter, in den auch einige technische Ausrüstungen für den Stationsbetrieb untergebracht waren.
Die Apollo Telescope Mount (ATM), das Sonnenteleskop von Skylab, wurde zur Erforschung des Himmels und insbesondere der Sonne genutzt. Beim Start saß es direkt vor dem Kopplungsstutzen und wurde erst in der Umlaufbahn zur Seite geschwenkt. Es hatte eine Höhe von 4,3 m und eine Breite von 3,3 m. Die Masse betrug 11.092 kg. Die Spannweite der Solarflächen erreichte 29,4 m. Mit den wissenschaftlichen Geräten der ATM waren herkömmliche Fotos, Aufnahmen in verschiedenen Wellenlängen und diverse Messungen möglich. Die Filmkassetten mussten von den Astronauten während eines Außenbordeinsatzes geborgen werden.

Das Command Module (CM) hatte einen Basisdurchmesser von 3,91 m und eine Höhe von 3,48 m. Die Masse der Kapsel unterschied sich je nach Mission geringfügig voneinander und betrug zwischen 5.569 kg und 5.840 kg.
Die Kommandokapsel bestand aus zwei ineinander verschachtelten Hüllen, der inneren Druckkabine und dem äußeren Hitzeschild. Die Bauteile wurden nach besonderen Verfahren verschweißt, um der Konstruktion eine möglichst hohe Stabilität bei gleichzeitiger Elastizität zu geben.
In der Mannschaftskabine befanden sich drei Liegesitze und alle wesentlichen Steuerungs- und Überwachungsanlagen. Die Liegesitze waren mit Stoßdämpfern versehen, um die Astronauten bei einer eventuellen Landung auf dem Erdboden vor Verletzungen zu bewahren.
Der Hitzeschild umgab die gesamte Kapsel, um bei der Abbremsung in der Erdatmosphäre die auftretende Hitze von bis zu 3.000 Grad Celsius nicht in die Kabine eindringen zu lassen. Der Hitzeschild bestand aus rostfreiem Stahl und einem darüber befindlichen abschmelzbaren Kunststoff. An der Unterseite des CM war er besonders dick ausgeführt.
Die Isolierung des Innenraumes vor großer Hitze war durch die Luke, vier Fenster und zwei Öffnungen für astronomische Sextanten besonders schwierig. Der Hitzeschutzschild am oberen Teil des Konus, also im Bereich des Umstiegstunnels wurde kurz vor der Landung abgesprengt, um die Behälter für die Fallschirme freizugeben.
Die Anordnung der Instrumentengruppen zwischen Außenwand und Druckkabine gewährleistete einen zusätzlichen Strahlenschutz. Ebenso konnten Mikrometeoriten durch diese Konstruktion aufgehalten werden.
Der Schwerpunkt der Kapsel war von der Symmetrieachse versetzt, um beim Eintritt in die Erdatmosphäre den korrekten Anstellwinkel zu erreichen. Durch Drehen der Kapsel um die Längsachse konnte die Richtung des Auftriebsvektors während des Fluges durch die höheren Luftschichten geändert und damit der Landeplatz in Grenzen verändert werden.
Mit dem Lebenserhaltungssystem (LSS) wurde der Innenraum mit Sauerstoff, verträglichen Temperaturen sowie dem korrekten Luftdruck und Feuchtigkeit versorgt. Es wurde eine reine Sauerstoffatmosphäre mit einem Druck von 353 hPa verwendet.

Zur Hygiene dienten feuchte Tücher. Der Urin wurde über Bord gepumpt, während die festen Abfallstoffe gesammelt wurden.
Die Bordapotheke umfasste verschiedene Spritzen, Antibiotika und verschiedene Medikamente. Darunter befanden sich 72 Aspirin, 21 Schlaftabletten, Augentropfen, Nasenspray, Verbandsstoffe und Fieberthermometer.
In zwei Rucksäcken war ein Überlebenspaket für Landungen fernab der vorgesehenen Zielgebiete untergebracht. Sie enthielten Signallampen, Notsender, Batterien, Messer, Wasserflaschen, Sonnenbrillen, Sonnencreme, ein Schlauchboot, Markierungssysteme, Anker und Notrationen. Im Notfall wäre damit eine zweitägige Suche der Astronauten im geografischen Bereich von 40 Grad Süd bzw. Nord abgedeckt gewesen.
Das Steuerungs- und Navigationssystem bestand aus einem Trägheits-Kreiselsystem, das mit einem Sextanten, einem Teleskop und einem Fotometer zur Horizontsuche gekoppelt war. Damit konnten die Astronauten die Position des Raumschiffs, seine Geschwindigkeit und die Beschleunigungswerte feststellen. Der Bordrechner hatte zwar im Vergleich zu heutigen Rechnern nur das Niveau hochwertiger Taschenrechner, war aber zur Ermittlung der Flugbahn oder -lage und eventuell notwendiger Korrekturen ausreichend. Die Anlage zur Stabilisierung und Überwachung der Fluglage bestand aus zwei Fluglage-Messgeräten, vier Anzeigetafeln, vier Handsteuerungsknüppeln und fünf elektronischen Kontrollbaugruppen.
Zur Änderung der Fluglage dienten die Triebwerke des Reaction Control System (RCS). Durch die Aktivierung bestimmter Düsenpaare konnte das Raumschiff um alle drei Achsen gedreht werden.
Der Sprechfunkverkehr und die Digitaldaten wurden auf der Erde über einen S-Band Transponder empfangen, der auf einer Frequenz von 2.287,5 MHz arbeitete.
Die Stromversorgung wurde durch drei Brennstoffzellen gewährleistet, bei denen als Nebenprodukt Trinkwasser abfiel. Eine Brennstoffzelle lieferte zwischen 563 und maximal 2.295 Watt elektrische Leistung. Die Ausgangsspannung lag bei 29 Volt. Zur Versorgung des CM während der Landung standen drei chemische Batterien zur Verfügung.
Die Kommandokapsel und Skylab wurden durch einen Kopplungsmechanismus miteinander verbunden. Er bestand aus einem Kopplungstrichter an Skylab, in den ein Führungsstab eingeführt werden musste. Stoßdämpfer und Gelenke zum Ausgleich seitlicher Bewegungen sowie 12 Verschlussbolzen und verschiedene Dichtungen sorgten für eine sichere Verbindung. Nach Herstellen der sicheren Verbindung wurde das Führungselement aus dem Tunnel entfernt.
Kurz vor der Wasserung - etwa in 15 km Höhe - wurde der Kegel am spitzen Ende des CM abgesprengt, um die Fallschirme freizugeben. In 7.600 m Höhe wurden zuerst zwei Stabilisierungsfallschirme mit je 4 m Durchmesser ausgestoßen. Nach deren Abwurf wurden in 4.600 m Höhe drei Hilfsschirme von je 3 Meter Durchmesser freigesetzt, die die drei Hauptfallschirme mit je einem Durchmesser von 25,4 m herauszogen. Bereits mit zwei Hauptschirmen war eine sichere Landung möglich.

Das Service Module (SM) befand sich direkt hinter der Kommandokapsel und diente der Unterbringung wichtiger Systeme. Dazu gehörten die Lageregelungs-Triebwerke (RCS), das Haupttriebwerk (Service Propulsion System = SPS), die Treibstoffe (Hydrazin), die Druckgasförderung (Helium), das Lebenserhaltungs- und Energieversorgungssystem und der Wasservorrat.
Das Gehäuse hatte die Form eines Zylinders mit einem Durchmesser von 3,91 m bei einer Höhe von 3,94 m. Mit der SPS-Düse und dem oberen Radiator ergab sich eine Gesamthöhe von 7,49m. Die Masse betrug zwischen 8.949 kg (bei Apollo 7) und 24.514 kg (bei Apollo 16).
Das SM war aus einer Aluminiumlegierung gefertigt und in sechs Sektionen aufgeteilt, die um einen zentralen Helium-Druckgasbehälter angeordnet waren. Die Sektoren 2, 3, 5 und 6 enthielten Treibstoff und Oxidator für das Haupttriebwerk SPS. In Sektor 4 waren die Brennstoffzellen sowie der Sauerstoff- und Wasserstoffvorrat untergebracht.
Das RCS-Steuerungssystem bestand aus 16 Triebwerken mit je etwa 440 N Schub, die zu je vier unabhängigen Gruppen im Abstand von 90 Grad zusammengefasst waren. Jedes dieser Hydrazin-Triebwerke hatte eine Masse von 2,3 kg, einen Durchmesser von 14 cm und eine Länge von 35 cm.
Wichtiger war jedoch das SPS mit einer Länge von 2,6 m. Dieses Haupttriebwerk lieferte einen Vakuumschub von 98 kN und brannte bis zu 10,5 Minuten. Der Schwenkmechanismus des SPS bestand aus Elektromotoren, Zahnrad-Getrieben und magnetischen Kupplungen.

Das verwendete Raumschiff war in wesentlichen Teilen identisch mit dem Command & Service Module der Apollo-Missionen. Es wurden lediglich Modifikationen vorgenommen, damit das Raumschiff während der Skylab-Langzeitmissionen im Standby-Modus an der Raumstation verbleiben konnte. Aufgabe des Raumschiffs war es nur, um eine dreiköpfige Besatzung zu Skylab und zurück zur Erde zu transportieren.

Seit dem Flug von Apollo 7 im Oktober 1968 waren keine Starts der Rakete Saturn 1B mehr vorgenommen worden. Die damalige Startrampe war nicht mehr zu verwenden, so dass für die bemannten Skylab-Starts eine Rampe im Kennedy Space Center umgebaut werden musste. Dabei wurde die kürzere Saturn 1B auf ein Podest gestellt, damit der für die Saturn V vorgesehene Startturm verwendet werden konnte.

Ursprünglich war der Start von Skylab 2 für den 15. Mai 1973 geplant, einen Tag nachdem mit Skylab 1 das Weltraumlabor in die Erdumlaufbahn gebracht wurde. Da das Labor aber beim Start beschädigt wurde, musste Skylab 2 so lange verschoben werden, bis man ein klares Bild von den Schäden und den Reparaturmöglichkeiten hatte.

Zehn Minuten nach dem Start war das Apollo-Raumschiff, das übrigens kein eigenes Rufzeichen hatte, im Orbit. Fünf Erdumrundungen später konnten die Astronauten erstmals die Raumstation sehen. Nach einer Kurskorrektur sendete Charles Conrad die ersten Fernsehbilder zur Erde. Er schilderte, dass das Solarpaddel Nr. 1 nur teilweise, nämlich höchstens zu 15 Prozent, ausgefahren war. Er sehe aber unbeschädigt aus. Auf der anderen Seite fehle der Solarflügel völlig und er könne lediglich ein paar Drähte und Schläuche sehen. Ebenso fehle auf einer Seite der Meteoritenschutzschild. Er sehe aus wie Gold.

Nach diesem ersten Lagebericht steuerte Charles Conrad das Apollo-Raumschiff an den Kopplungsstutzen von Skylab heran führte ein sogenanntes "Soft-Docking" aus. Dabei gehen das Raumschiff und die Station eine Verbindung ohne Verriegelung und ohne hermetischen Abschluss ein.

Nach einer Beratungspause koppelte die Apollo-Kapsel wieder von der Raumstation ab, um ein Außenbordmanöver zum Lösen des verklemmten Solarpaddels vorzunehmen. Charles Conrad steuerte sein Raumschiff so nah es ging an Skylab heran. Dann öffnete Paul Weitz am 25. Mai 1973 für das erste Außenbordmanöver (0h 35m) die Apollo-Luke. Während er sich hinausbeugte, hielt ihn Joseph Kerwin an den Beinen fest. Zuerst versuchte Paul Weitz die verbogene Aluminiumlasche, die das Solarpaddel an der vollständigen Entfaltung hinderte, zur Seite zu biegen. Dafür benutzte er eine Art Enterhaken. Trotz hohem Kraftauswand scheiterte er in mehreren Versuchen. Er versuchte dann noch, den Enterhaken an der Verbindungsstelle zwischen Alulasche und Skylab anzusetzen. Auch dieser Versuch brachte nicht den gewünschten Erfolg. Daraufhin brach er die EVA ab.

Nach diesem gescheiterten Versuch sollte die Apollo endgültig an Skylab ankoppeln. Charles Conrad steuerte das Raumschiff zwar gegen den Kopplungsmechanismus, aber von dort prallte die Kapsel wieder zurück. Zwei weitere Versuche blieben ebenfalls erfolglos. Nach eingehenden Beratungen mit der Bodenstation legten die drei Astronauten ihre Raumanzüge wieder an, Charles Conrad steuerte die Apollo ein Stück von dem Raumlabor weg und die Besatzung baute den Kopplungsmechanismus der Kapsel aus. Dabei stellten sie fest, dass ein kleiner Motor aufgrund einer fehlerhaften Verkabelung nicht richtig funktionierte. Nach einer Neuverkabelung wurde der Kopplungsmechanismus wieder eingebaut und Charles Conrad unternahm einen neuen Kopplungsversuch. Erst im sechsten Anlauf konnte er sein Raumschiff erfolgreich an Skylab ankoppeln.

Nach einer Nachtruhe in der Apollo wechselten die drei Astronauten in die Raumstation über. Dazu mussten sie zunächst den Kopplungsmechanismus wieder ausbauen und den Druckausgleich herstellen. Während im Kopplungsadapter wegen einer guten Wärmeisolierung nur eine Temperatur von 10 Grad Celsius herrschte, war im "Orbital Workshop" (OWS), dem Hauptteil von Skylab, die Temperatur auf über 40 Grad Celsius angestiegen. Die Astronauten überprüften alle Systeme und konnten feststellen, dass sich nirgendwo giftige Gase befanden. Daraufhin setzten sie alle Skylab-Systeme in Betrieb. Im nächsten Schritt sollte eine Art Sonnen-Schutzschirm installiert werden, um die Temperatur an Bord zu senken. Die Entwicklung und Herstellung dieser Folie war am Boden nach Bekanntwerden der Skylab-Probleme innerhalb von sieben Tagen durchgeführt worden. Der Mannschaft gelang es, durch eine der beiden kleinen Schleusen, die eigentlich für Experimente vorgesehen gewesen war, diese schirmartige Hitzeschutzfolie außerhalb der Station zu entfalten und aufzuspannen. Zwar entfaltete sich der Schirm nur etwa zu 80 Prozent, jedoch begann danach die Temperatur an Bord allmählich zu sinken.

Nach einer weiteren Nacht an Bord der Apollo-Kapsel deaktivierten die Astronauten die Systeme des Raumschiffes und wechselten endgültig in die Raumstation über. Für die weitere Inbetriebnahme waren zuerst Umzugsarbeiten nötig. Zahlreiche Versorgungsgüter wie Medikamente und Ersatzfilme wurden in die Station transferiert. Die an Bord von Skylab befindlichen Medikamente und Filme waren wegen der großen Hitze verdorben. Zu den ersten Arbeiten gehörte auch die Gangbarmachung der Wasserversorgung und der Abfallbeseitigung. Schließlich aktivierten die Astronauten einen Großteil der wissenschaftlichen Geräte.

In Skylab begann nun die wissenschaftliche Routinearbeit. Der Arzt Joseph Kerwin zapfte sich und seinen Kollegen täglich Blut ab, untersuchte es unter einen Mikroskop und konservierte die Proben für spätere genauere Untersuchung auf der Erde. Mit einem Unterdruckanzug, den Paul Weitz als erster Astronaut anlegen musste, wurden die körperlichen Funktionen und der Blutdruck unter Schwerelosigkeit gemessen. Zur Erhaltung der körperlichen Fitness mussten alle drei Astronauten täglich ein Trainingsrad oder ein Laufband benutzen.

In den nächsten Tagen rückte die Beobachtung der Sonne und ihrer Strahlungsausbrüche in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Dafür stand an Bord ein Teleskop (ATM) zur Verfügung. Im Verlauf der Mission lieferte es zahlreiche Ergebnisse von hoher wissenschaftlicher Qualität.
Schwierigkeiten bereitete den Astronauten anfangs die Ernährung. Sie hatten Mühe, in den vollen Nahrungsmittelschränken etwas zu finden. Dies legte sich aber im weiteren Verlauf des Fluges.

Am 31. Mai 1973 fielen fünf Speicherbatterien im ATM aus. Diese gehörten zu den wichtigsten Energiespendern, da von dem verbliebenen Solarpaddel weiterhin kaum Energie zufloss. Daraufhin wurden wissenschaftliche Versuche vorläufig eingestellt und die Astronauten schalteten das Raumlabor auf Notbeleuchtung um. Der Bodenstation gelang es, vier der fünf Batterien wieder aufzuladen, jedoch wurde das wissenschaftliche Programm weiter eingeschränkt. Da an diesem Tag ein 200.000 Kilometer großes Loch in der Sonnenkorona entdeckt worden war, blieb die Sonnenbeobachtung von diesen Einschränkungen aber ausgenommen.

In Anbetracht der Energieprobleme an Bord entschied die Missionskontrolle, die aufgeschobene EVA zur Reparatur des nicht ausgefahrenen Solarpaddels nunmehr durchzuführen. Zuvor war erwogen worden, diese Aufgabe mit der abschließenden Außenbordtätigkeit zur Bergung von Filmen und Experimenten zu kombinieren oder diese Arbeit von der zweiten Skylab-Besatzung durchführen zu lassen.

Am 07. Juni 1973 verließen Charles Conrad und Joseph Kerwin die Raumstation für die zweite EVA (3h 23m). Zuerst setzten die beiden Astronauten eine Blechschere zusammen, die an einer 7,5 Meter langen Stange aus mehreren Einzelteilen befestigt wurde. Dann kletterte Charles Conrad etwa 8 Meter entlang der Stange bis er den Bereich des klemmenden Solarpaddels erreicht hatte. Dort betätigte er die Blechschere und führte sie entsprechend an der Alu-Lasche ein. Mit großer Kraftanstrengung gelang es Joseph Kerwin an einem Zugseil ziehend nach mehreren Versuchen, die Alu-Lasche zu durchschneiden. Trotzdem klappte das Solarpaddel nicht aus, weil die Scharniere zwischenzeitlich in der Kälte des Weltraumes eingefroren waren. Im nächsten Schritt band Charles Conrad das Zugseil an den Solarflügel, während Joseph Kerwin das andere Ende am Skylab-Körper befestigte. Dann nahm Charles Conrad das Seil auf seine Schultern und zog mit aller Kraft daran. Um die Wirkung zu verstärken, stemmte er sich mit den Füßen gegen den Entfaltungsmechanismus der Solarfläche. Dadurch brachen die gefrorenen Stellen auf und das Paddel entfaltete sich vollständig.
Zum Abschluss der EVA befestigten Charles Conrad und Joseph Kerwin weitere Halteleinen an dem über Skylab provisorisch entfalteten und befestigten Sonnenschutzschirm, der sich damit voll entfaltete.

Befreit von allen Energieproblemen konnte das wissenschaftliche Programm intensiviert werden. Im Rahmen der Erdbeobachtungen machten die Astronauten Aufnahmen von Ozeanströmungen an der amerikanischen Atlantikküste, Rohstoffvorkommen in Illinois, Rohstoffvorkommen im Amazonasbecken und Erdöllagerstätten in Venezuela. Fortgesetzt wurden auch die Studien der Sonne und ihrer Korona. So machte Charles Conrad am 11. Juni 1973 mit dem Teleskop einige hochinteressante Aufnahmen der Sonne und ihrer Umgebung. Bei den Werkstoffexperimenten wurden verschiedene Metalle mit Laserstrahlen eingeschmolzen und ihr Verhalten unter Schwerelosigkeit untersucht. Zu den materialwissenschaftlichen Experimenten zählten auch Schmelz- und Lötversuche, Entflammbarkeitstests in reinem Sauerstoff und die Züchtung von Gallium-Arsenid-Kristallen. Medizinische Selbstversuche und Untersuchungen rundeten das wissenschaftliche Arbeitsprogramm ab.

Bis Mitte Juni 1973 war die Temperatur an Bord von Skylab bis auf 23 Grad Celsius gesunken. Um die Station nicht weiter auskühlen zu lassen, wurde sie ein wenig mehr zur Sonne gedreht.

Gegen Ende ihres Aufenthaltes an Bord von Skylab trainierten die Astronauten vermehrt die Rückkehr zur Erde und die Deaktivierung der Raumstation für die Zeit des unbemannten Betriebes. Charles Conrad holte durch die Experimenten-Luftschleuse ein Probensammelgerät zurück in die Station, mit dem Staubpartikel für die spätere Untersuchung auf der Erde eingesammelt werden sollten.

Vor der Landung stand am 19. Juni 1973 noch eine Außenbordtätigkeit durch Charles Conrad und Paul Weitz (1h 36m) auf dem Flugplan. Sie diente ausschließlich der Bergung von belichtetem Filmmaterial und dem Einsetzen neuer Filmkassetten. Die beiden Astronauten kletterten an den Solarflügeln des Teleskops ATM vorbei und erreichten die Montageschächte der Filmkassetten. Problemlos konnten sie die Filme mit über 30.000 Fotos entnehmen. Charles Conrad behob danach noch einen Wackelkontakt der bis zu letzt streikenden fünften Batterie des ATM. Zwischenzeitlich reinigte Paul Weitz die Linsen des ATM mit einem kleinen Handbesen.

In den letzten beiden Arbeitstagen räumten die drei Astronauten alle nicht mehr benötigten Gegenstände weg, reinigten die Schlafkabinen, entsorgten Kleidung und Hygieneartikel im Mülleimer und brachten die Experimentproben sowie Filme an Bord des Apollo-Raumschiffs. Nachdem Skylab in den automatischen Betriebsmodus umgeschaltet worden war, wurden die Luken zwischen Raumschiff und Raumstation geschlossen und die Apollo-Kapsel legte von der Station ab. Charles Conrad umkreiste Skylab ein Mal, ehe er die Landung einleitete.

Kapsel und Besatzung wurden nach der Wasserung vom Flugzeugträger USS Ticonderoga geborgen. Anders als bei den Mondflügen blieben die Astronauten nach der Landung an Bord des Raumschiffs und verließen es erst an Deck des Bergungsschiffs. Mit dieser Mission stellte die Besatzung einen neuen Daueraufenthaltsrekord auf.

Fotos / Zeichnungen

Apollo CSM
Skylab
Crew Skylab 2
Crew Skylab 2 Conrad im Training
Erdbeobachtung
 

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Letztes Update am 13. März 2016.