Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 42

Apollo 16

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  16.04.1972
Startzeit:  17:54 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe Erde:  167 - 168 km
Bahnhöhe Mond:  107 - 315 km
Inklination Erde:  32,54°
Inklination Mond:  169,5°
Abkopplung CSM-LM:  20.04.1972, 18:07:31 UTC
Mondlandung:  21.04.1972, 02:23:35 UTC
Landepunkt:  8° 58' 22.84" S 15° 30' 0.68" O
Ankopplung CSM-LM:  24.04.1972, 03:35:18 UTC
Landedatum:  27.04.1972
Landezeit:  19:45 UTC
Landeort:  0° 70' S, 156° 22' W

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Young  John Watts  CDR 4 11d 01h 51m  1,5 
2  Mattingly  Thomas Kenneth II "Ken"  CMP 1 11d 01h 51m  1,5 
3  Duke  Charles Moss, Jr. "Chuck"  LMP 1 11d 01h 51m  1,5 

Sitzverteilung der Besatzung

1  Young
2  Mattingly
3  Duke

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Haise  Fred Wallace, Jr. "Pecky"  CDR
2  Roosa  Stuart Allen "Stu"  CMP
3  Mitchell  Edgar Dean "Ed"  LMP

mit freundlicher Genehmigung von J.L. Pickering

alternatives Crewfoto

Unterstützungs-Mannschaft

  Surname Given names
 Hartsfield  Henry Warren, Jr. "Hank"
 England  Anthony Wayne
 Peterson  Donald Herod

Flugverlauf

Der Start erfolgte von Cape Canaveral (KSC). Die Apollo-Kapsel wasserte 2000 km südlich von Hawaii im Pazifik.

Drei Tage nach dem Start fiel das Navigationssystem aus. Die Positionsbestimmung musste daher ohne technisches Gerät, nur mit Hilfe eines klassischen Sextanten erfolgen. Zudem fiel, kurz nachdem die Mondlandefähre "Orion" sich von dem Kommandomodul "Casper" in der Mondumlaufbahn getrennt hatte, der Schwenkantrieb des Haupttriebwerks der Apollo teilweise aus. Die Bodenkontrolle stellte nach Simulationen fest, dass die redundanten Systeme noch arbeiteten, so dass die Mission wie geplant fortgesetzt werden konnte.

Mit Apollo 16 wurde das fünfte bemannte Mondlandeunternehmen durchgeführt. Ziel war das Cayley-Hochland, in der Nähe des Descartes-Kraters, welches John Young und Charles Duke mit knapp sechs Stunden Verspätung erreichten. Dies war der südlichste Landeplatz des Programmes. Der Ausstieg aus der Fähre und die ersten Schritte der Astronauten auf der Mondoberfläche konnten erstmals nicht im Fernsehen übertragen werden, da der Sender der Mondlandefähre ausgefallen war. Erst als die Anlage des Mondautos montiert war, konnte das Geschehen wieder verfolgt werden. Drei Ausstiege auf die Mondoberfläche wurden von John Young und Charles Duke bei 71 Stunden 2 Minuten Gesamtaufenthalt durchgeführt. Das Mondauto LRV kam zu seinem zweiten Einsatz.

Das wissenschaftliche Programm der Mannschaft auf dem Mond umfasste im nuklear betriebenen ALSEP (Apollo Lunar Surface Experiments Package):
- ein passives und aktives seismisches Experiment
- ein festes, wie auch ein tragbares Magnetometer
- ein Wärmefluss-Experiment
- ein Strahlungsdetektor für kosmische Strahlung
- einige Sonnenwind-Kollektoren
- und einen Transponder zur Schwerefeldmessung.
Es wurden erstmals auch astronomische Aufnahmen mittels einer UV-Kamera durchgeführt (Spektrograf). Der Film wurde auf der Erde ausgewertet.

Die erste EVA erfolgte am 21. April 1972 (7h 11m). Unmittelbar nach dem Ausstieg aus der Mondlandefähre begannen John Young und Charles Duke mit ihrer Arbeit. Innerhalb einer viertel Stunde hatten sie den Lunar Rover aus seiner Bucht im Abstiegsteil des LM herausgeholt und begannen mit dem Checkout der Systeme. Nach dem verzögerten Beginn der Live-Übertragung stellten die beiden Astronauten die amerikanische Flagge auf und machten Fotos.
Dann war es Zeit, die vierte ALSEP-Station des Apollo-Programms auf dem Mond aufzubauen. Dazu verluden die Astronauten alle erforderlichen Geräte auf den Lunar Rover und fuhren zu einem Punkt etwa 100 Meter von der Mondlandefähre entfernt. Zum Aufbau der ALSEP-Station gehörte auch das Bohren von etwa 3 Meter tiefen Löchern für das Hitzefluß-Experiment. Zunächst ging alles ganz glatt. Als John Young jedoch von der Zentralstation wegging, verhedderte er sich im etwa neun Meter langen Kabel des Hitzefluß-Experimentes und riss es aus seiner Verbindung mit der Zentralstation. Das Problem blieb ungelöst.
Nach dem Aufbau der ALSEP-Station fuhren John Young und Charles Duke zu ihrer ersten Station auf ihrer ersten Traverse, dem Flag-Krater. Ziel war es, vulkanisches Gestein zu finden. Am Flag-Krater angekommen, begannen sie sofort mit dem Einsammeln von Bodenproben. Vulkanisches Gestein war nicht dabei. Auf Wunsch der Geologen am Boden gruben die beiden Mondmänner einen großen Stein aus, der wegen des Durchscheinens von kristallinen Strukturen auf der Oberfläche auf möglicherweise vulkanischen Ursprung hindeutete. Der Stein hatte - wie sich im Nachhinein herausstellte - ein Gewicht von 11,8 kg und war der größte jemals von Mond mitgebrachte Felsbrocken.
Auf dem Rückweg zur Mondlandefähre legten John Young und Charles Duke am Spook-Krater noch für etwa 20 Minuten einen Zwischenstopp ein. Auch dort sammelten sie Bodenproben und untersuchten das Magnetfeld des Mondes.

Die zweite EVA wurde am 22. April 1972 (7h 23m) unternommen. Einziges Ziel dieses zweiten Ausfluges war Stone Mountain, ein Berg etwa fünf Kilometer südlich des Landeplatzes gelegen. Die Fahrt dorthin dauerte etwa 30 Minuten. John Young parkte den Lunar Rover in einem 10 Meter durchmessenden Krater am Stone Mountain, damit dieser am etwa 12 Grad steilen Hang nicht abrutschen konnte. Den Rest des Aufstieges bewältigten die Astronauten zu Fuß. Sie befanden sich nun ca. 200 Meter über dem Talboden der Cayley Plains - höher als alle anderen Apollo-Astronauten vorher und nachher. In Richtung Norden blickte man auf die Hochebene. Der Berg fiel auf dieser Seite in einer Reihe von tiefen Furchen ab. In Richtung Westen sah der Hang noch steiler aus. In der Ferne konnte man von hier aus den South Ray-Krater sehen. Sein Rand sah blendend weiß aus. Von ihm gingen Strahlen von Felsblöcken, sog. Findlingen, in alle Richtungen aus. Kleinere von ihnen waren bei der Entstehung von South Ray bis auf Stone Mountain geschleudert worden.
Um vulkanisches Gestein zu finden, hatten die Geologen fünf Krater, die sog. Cincos, ausgesucht. Diese erschienen tief genug, um ins Grundgebirge eingedrungen zu sein. John Young und Charles Duke fanden jedoch keinen der fünf Krater.
Mit dem LRV ging es wieder bergab zur zweiten Station des Ausfluges. Dort entdeckte John Young an einer Böschung kleinere Felsbrocken, die nicht so schroff waren wie das Auswurfmaterial von South Ray, sondern eher abgerundet wirkten. Dies war allerdings wohl nur auf den ständigen Meteoritenbeschuss zurückzuführen. Auch an den weiteren vier Stationen fand sich kein vulkanisches Material.

Bei der letzten EVA am 23. April 1972 (5h 40m) führte die Fahrt zum North Ray. Nach 40 Minuten Fahrzeit von knapp fünf Kilometern waren die beiden Astronauten an ihrem Ziel angekommen. North Ray maß etwa einen Kilometer im Durchmesser und war über 200 Meter tief. Damit sollte er groß genug sein, um ins Descartes-Gestein am Fuße von Smoky Mountain eingedrungen zu sein. Vom Parkplatz des LRV war es zwar noch ein ganzes Stück bis zum Kraterrand, aber es sah gefährlich aus. Die beiden Astronauten trauten sich daher auch nicht, näher heranzugehen, weil die Kraterwände steil nach unten abfielen. Der Rand hätte jeden Augenblick nachgeben können. John Young beschrieb den North Ray so: "Zuerst fällt der Hang mit etwa 10 bis 15 Grad ab. Danach geht es plötzlich mit 25 bis 30 Grad abwärts, bis die Neigung sogar vielleicht 60 Grad erreicht." Die Astronauten konnten daher den Grund des Kraters nicht einsehen.
John Young und Charles Duke gingen dann zu einem in der Ferne gesichteten schwarzen Felsbrocken. Erst allmählich erkannten sie die wahren Ausmaße des Steins. Mit den Worten "Das ist unser ‚House Rock'" taufte Charles Duke das 10 Meter hohe und 20 Meter lange Ungetüm. Obwohl der Felsen schwarz wie Basalt wird, erwies sich der Felsen auch nur als ein Stück Impakt-Gestein.
Nach der Rückkehr zur Mondlandefähre packten die Astronauten noch das Solarsegel ein, holten die Filme der UV-Kamera ab und parkten den Lunar Rover für die Live-Übertragung des Rückstarts.
Ursprünglich hätte diese EVA ebenfalls etwa 7 h dauern sollen, musste aber wegen der Verspätung verkürzt werden; zwischenzeitlich war sogar der Verzicht erwogen worden.

Insgesamt wurden von den drei Außenbordeinsätzen 95,71 kg Mondgestein und sonstige Materialien mit zurückgebracht.

Nachdem John Young und Charles Duke in die Kommandokapsel Casper umgestiegen waren, sollte die Mondfähre wie üblich kontrolliert auf den Mond stürzen. Nach dem Abkoppeln begann die Fähre jedoch zu taumeln. Das geplante Zünden der Triebwerke wurde nicht durchgeführt, so dass die Aufstiegsstufe noch etwa ein Jahr in der Mondumlaufbahn blieb, bis sie an einem unbekannten Ort abstürzte.

Vor dem Verlassen des Orbits wurde noch ein kleiner Satellit aus der SIM Bay des Apollo-Raumschiffs ausgesetzt. Dabei handelte es sich um das gleiche Modell, das auch schon Apollo 15 in eine Mondumlaufbahn gebracht hatte. Der Satellit untersuchte die Erscheinungen der Erdmagnetosphäre sowie den Sonnenwind in Mondnähe und dessen Einfluss auf das Magnetfeld, bis er auf dem Mond zerschellte.

Eine EVA wurde von Thomas Mattingly am 25. April 1972 (1h 24m) während des Rückfluges zur Erde zur Bergung von Filmkassetten ausgeführt. Außerdem wurde von ihm das Equipment überprüft und ein Detektor an die Kapsel angebracht. Die Crew absolvierte darüber hinaus noch einige wissenschaftliche Experimente.

Das Raumschiff "Casper" landete 5 km entfernt vom Bergungsschiff USS Ticonderoga. Beim Wiedereintritt mussten die Astronauten eine Verzögerung von 7,19 g ertragen, der höchste Wert, der für eine Apollo-Mission gemessen wurde.

Fotos / Zeichnungen

Quelle: www.astronautix.com/

 
Apollo 16 Wegekarte

mehr Fotos vom Mond


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Letztes Update am 25. November 2014.