Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 55

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  15.07.1975
Startzeit:  19:50 UTC
Startort:  Cape Canaveral
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  170 - 228 km
Inklination:  51,76°
Ankopplung Sojus 19:  17.07.1975, 16:09:09 UTC
Abkopplung Sojus 19:  19.07.1975, 15:26:12 UTC
Landedatum:  24.07.1975
Landezeit:  21:18 UTC
Landeort:  21° 52' N, 162° 45' W

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Stafford  Thomas Patten "Tom"  CDR 4 9d 01h 28m  138 
2  Brand  Vance DeVoe  PLT 1 9d 01h 28m  138 
3  Slayton  Donald Kent "Deke"  DMP 1 9d 01h 28m  138 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Stafford
2  Brand
3  Slayton
Landung
1  Brand
2  Stafford
3  Slayton

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Bean  Alan LaVern  CDR
2  Evans  Ronald Ellwin, Jr. "Ron"  PLT
3  Lousma  Jack Robert  DMP
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Flugverlauf

Das Raumschiff startete von Cape Canaveral und wasserte in der Nähe von Hawaii. Die Mission markierte das gemeinsame amerikanisch-sowjetische Raumflugunternehmen Apollo-Sojus.

In den frühen 70er Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass Rettungsmissionen für gestrandete Raumschiffe durch die jeweils andere Nation unmöglich waren. Die verwendeten Systeme waren von ihrer Konzeption zu unterschiedlich. Zu den wesentlichen Hindernissen von gemeinsamen Kopplungen gehörten - neben dem gegenseitigen Misstrauen nach der langen Zeit des kalten Krieges zwischen den beiden Supermächten - die verschiedenen Kopplungsmechanismen in den Sojus- und Apollo-Raumschiffen. Um die Kopplung eines sowjetischen und amerikanischen Raumschiffes überhaupt zu ermöglichen, musste ein universell verwendbares Kopplungssystem entwickelt werden. Bisher wäre es nicht mal möglich gewesen, zwei Apollo-Kapseln oder zwei Sojus-Raumschiffe miteinander koppeln zu lassen.
So kam die Idee eines androgynen Kopplungsstutzens auf. Die Idee dazu hatte der sowjetische Techniker Wladimir Syromjatnikow. Sein Plan sah vor, dass jedes Raumfahrzeug das von ihm verwendete Kopplungselement aktiv und passiv benutzen können soll. Daraus entstand das sogenannte APAS-System. Es bestand aus einem peripheren ausfahrbaren Führungsring, drei Führungsplatten, drei Halteklauen und sechs Hydraulikarmen zum Federn und festen Verbinden mit dem entsprechenden Gegenstück. Ein Kabelsystem gestattete dann das Einschnappen von acht "Schlössern", wodurch die hermetische Verbindung gewährleistet wurde. Ein auf dem APAS-System basierendes Kopplungssystem war im Modul Kristall der Raumstation MIR war dort bereits eingebaut worden. Es sollten Kopplungen mit der sowjetischen Raumfähre Buran ermöglichen. Erfolgreich getestet wurde das neue System bei Sojus TM-16.
Für die geplante Kopplung eines amerikanischen Apollo-Raumschiffs mit einer sowjetischen Sojus-Kapsel stand dieses System aber noch nicht zur Verfügung. Für diese erste gemeinsame Mission musste somit zuerst ein Kopplungsadapter auf dieser Basis entwickelt werden. Dazu wurde eine Kabine geschaffen, über die ein Umstieg in das jeweils andere Raumschiff möglich sein sollte. Dieses "Docking Module" basierte auf einem Übergangstunnel mit zwei Kopplungsstutzen. Auf der einen Seite war der bei Apollo für den Überstieg in die Mondlandefähre verwendete Kopplungsmechanismus eingebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich das APAS-System, damit die Sojus dort anlegen konnte.
Das "Docking Module" war 3,15 Meter lang und hatte an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 1,4 Metern. Die Gesamtmasse betrug etwas mehr als 2 Tonnen. Auf jeder Seite waren hermetisch verschließbare Luken angebracht. Im Innern der Aluminiumröhre waren Sauerstoffmasken, Feuerlöscher, Notleuchten und Taschenlampen untergebracht. Ebenso waren Kommunikationseinrichtungen vorhanden.
Für den Transport ins All war die amerikanische Seite zuständig. Das "Docking Module" wurde statt einer Mondlandefähre in der Oberstufe der Saturn-Rakete untergebracht. Nach Erreichen der Erdumlaufbahn musste es von der Apollo-Kapsel von dort herausgezogen und angekoppelt werden. Erst danach war das System einsatzfähig.
Ein weiteres Hindernis für eine unmittelbare Kopplung waren die in den beiden Raumschiffen verwendeten Kabinenatmosphären. Als Atmosphäre an Bord der Apollo wurde reiner Sauerstoff mit einem Druck von 34 % der Erdatmosphäre verwendet. An Bord der Sojus wurde dagegen normale Luft (Stickstoff-Sauerstoff-Gemisch) unter normalem Druck geatmet. Der übliche Druck von 100 % der Erdatmosphäre musste für diese Mission auf 68 % reduziert, damit sich beim Umsteigen von einem Raumschiff in das andere die Atmung leichter anpassen konnte.
Selbstverständlich war es erforderlich, dass die für diesen Flug ausgewählten Astronauten und Kosmonauten auch die Grundzüge der jeweils anderen Sprache erlernen mussten.

Im Mai 1972 unterzeichneten die USA und die Sowjetunion einen Vertrag über einen gemeinsamen Raumflug. Dieser war für das Jahr 1975 vorgesehen. Die amerikanische Bezeichnung lautete "Apollo-Sojus Test Project" (ASTP), während die sowjetische Seite das Unternehmen "Experimentalnaja Programma Apollo-Sojus" (EPAS) nannte. Für die Vorbereitung waren gegenseitige Besuche vereinbart worden, damit die unterschiedlichen Arbeitsweisen kennengelernt werden konnten.

Die Pläne sahen vor, dass ein Apollo-Raumschiff siebeneinhalb Stunden nach der Sojus gestartet werden sollte. Da die Sojus nur für eine Flugdauer von fünf Tagen ausgelegt war, hätte bei mehrmaligen Startverzögerungen der Apollo ein neues Sojus-Raumschiff gestartet werden müssen. Ein weitere Sojus und die notwendige Rakete wurden für diesen Fall in Baikonur bereitgehalten.

Jack Swigert war ursprünglich für diesen Flug vorgesehen, wurde jedoch wegen seiner Verwicklung um den Briefmarkenschmuggel bei Apollo 15 zurückgesetzt.

Nach einem reibungslosen Countdown sowohl in der UdSSR als auch in den USA startete zuerst Sojus 19 EPAS am 15. Juli 1975 vom Kosmodrom Baikonur zum historischen ersten gemeinsamen Raumflugunternehmen. Der Aufstieg in die Erdumlaufbahn verlief völlig normal. Das Raumschiff hatte eine Anfangsumlaufbahn von 188 x 228 Kilometern erreicht. Dort entfaltete es die Solarzellenflächen und die Antennen wurden ausgefahren. Die Kommunikationsverbindungen sowohl zu den sowjetischen Bodenstationen als auch zur amerikanischen Seite funktionierten problemlos. Mit einer kleinen Kurskorrektur erreichte die Sojus den für die Kopplung vorgesehenen Orbit.
Etwa siebeneinhalb Stunden später hob von Cape Canaveral die Saturn IB mit dem Apollo-Raumschiff ab. Wie bei den Skylab-Starts war die Saturn wieder auf einen Plattform gestellt worden, da die Startrampe eigentlich auf die 110 Meter hohe Saturn V ausgelegt war. Auch das Apollo-Raumschiff erreichte ohne Probleme die vorgesehene Umlaufbahn.

Ähnlich wie bei den Mondflügen löste sich die Apollo von der Oberstufe der Saturn, drehte sich und koppelte mit dem darin befindlichen "Docking Module". Mit Hilfe ihrer Steuertriebwerke zog die Apollo das "Docking Module" aus der Raketenstufe heraus und entfernte sich von der Saturn. Nach diesem ersten Schritt für ein erfolgreiches Kopplungsmanöver mussten die Apollo-Astronauten zwei Kurskorrekturen vornehmen und erreichte damit eine Umlaufbahn von 169 x 255 Kilometer. Allerdings konnte im Kopplungs- und Umstiegstunnel zunächst das Kopplungs-Führungs-Aggregat nicht gelöst werden. Das Problem konnte aber noch vor dem Rendezvous-Manöver gelöst werden.

An Bord von Sojus 19 EPAS streikte zunächst die TV-Kamera. Die beiden Kosmonauten nahmen das Gerät auseinander und bauten die Verstärkereinheit aus. Schließlich gelang ihnen die Reparatur.

Da beide Raumschiffe sehr präzise Umlaufbahnen erreicht hatten, waren nur noch wenige Bahnänderungsmanöver durch die Apollo-Kapsel erforderlich, um das Rendezvous einzuleiten. Die weitere Annäherung verlief völlig problemlos, sodass die beiden Besatzungen das jeweils andere Raumschiff sehen konnten. Die Entfernung verringerte sich schnell und das Apollo-Raumschiff koppelte am 17. Juli 1975 mit Sojus 19 EPAS. Es war die erste Kopplung in der Geschichte der bemannten Raumfahrt, die von zwei Raumschiffen durchgeführt wurde, die aus unterschiedlichen Ländern gestartet waren. Als alle elektrischen und mechanischen Verbindungen hergestellt worden waren und die Überprüfung aller Systeme der beiden Raumschiffe abgeschlossen war, konnte der Druckausgleich hergestellt werden. Wenige Minuten später wurde zuerst auf Seiten der Sojus die Luke geöffnet, ehe auch im "Docking Module" die Luke geöffnet wurde. Es folgte eine herzliche Begrüßung der beiden Kommandanten Thomas Stafford und Alexej Leonow. Beide Seiten hatten Gastgeschenke mitgebracht. Dazu gehörte eine Plakette, die aus zwei Teilen bestand und an Bord zusammengefügt wurde. Auch Samen heimischer Bäume tauschten die Astronauten und Kosmonauten aus. Der historische Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen.

Die beiden Mannschaften führten einen 52-stündigen Gemeinschaftsflug mit gegenseitigem Umsteigen und gemeinsamen Experimenten durch. Dazu gehörten Foto- und Filmarbeiten ebenso wie Arbeiten mit einem Schmelzofen. Wachstumsexperimente mit Pilzen rundeten das wissenschaftliche Programm ab.

Während der vorübergehenden Trennung beider Raumschiffe verdeckte die Apollo-Kapsel für Sojus die Sonne, so dass eine künstliche Sonnenfinsternis entstand. Die Kosmonauten fertigten zahlreiche Film- und Fotoaufnahmen an, wobei die Apollo jeweils in Abständen von 20, 50 und 200 Metern ihre Position im Raum hielt.

Im Anschluss an dieses Experiment erfolgte ein erneutes Kopplungsmanöver mit Sojus 19 EPAS als aktivem Raumschiff. Dabei wurden aber keine weiteren Besuche durchgeführt. Auch die Luken blieben verschlossen.

Nach der endgültigen Trennung führte die Apollo-Besatzung noch 23 verschiedene Experimente wie Erdbeobachtung, geodynamische Experimente, Kristallwachstumsexperimente usw. durch. In einem Experiment ging es um die Untersuchung der Ozonschicht sowie anderer Gaskomponenten in der Erdatmosphäre mittels spezieller Lichtreflexe.

Aus einem nicht mehr nachvollziehbaren Grund wurden nach dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zwei Schalter nicht betätigt, die das automatische Landesystem auslösen sollten. Als in rund sieben Kilometer Höhe die Hilfs-Bremsfallschirme nicht wie vorgesehen automatisch ausgelöst wurden, nahmen dies die Astronauten manuell vor. Die Stabilisationsdüsen, die automatisch hätten deaktiviert werden sollen, zündeten jedoch, weil die Lage der Landekapsel nun nicht mehr mit der voreingestellten übereinstimmte. Dadurch kam die Kapsel ins Trudeln. Nach etwa einer halben Minute wurden die Düsen von den Astronauten ausgeschaltet. Während dieser Zeit drangen aber unverbrannte Gase durch ein Ausgleichsventil in die Kapsel ein. Da die Hauptfallschirme ebenfalls nicht automatisch ausgelöst wurden, betätigte Vance Brand auch diese manuell in einer Höhe von 2700 Metern. Nach der etwas harten Wasserung schwamm die Kapsel kopfüber und Vance Brand musste das Aufrichtsystem manuell betätigen, um sie in eine aufrechte Position zu bringen.
Vance Brand war etwa 40 Sekunden bewusstlos. Thomas Stafford gelang es, ihm eine Sauerstoffmaske überzustülpen. Nachdem sich die Kapsel aufgerichtet hatte und die Luke geöffnet werden konnte, strömte Frischluft herein und die Gase verflüchtigten sich. Die Besatzung musste nach der Bergung noch zwei Wochen im Krankenhaus zur Beobachtung bleiben.

Bergungsschiff war die USS New Orleans. Im Gegensatz zu den Apollo-Landungen blieben die Astronauten nach der Landung an Bord ihres Raumschiffes und warteten ab, bis es vom Bergungsschiff an Deck gehievt worden war. Dies war dann gleichzeitig für längere Zeit der letzte Raumflug der USA bzw. NASA. Das Apollo-Programm war endgültig abgeschlossen. Die Planungen konzentrierten sich nur noch auf eine wiederverwendbare Raumfähre.

Fotos / Zeichnungen

Integration ASTP
 

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Letztes Update am 17. September 2013.