Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 43

Apollo 17

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  07.12.1972
Startzeit:  05:33 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  167 km
Inklination:  28,53°
Abkopplung CSM-LM:  11.12.1972, 17:20:56 UTC
Mondlandung:  11.12.1972, 19:55:14 UTC
Landepunkt:  20° 11' 26.88" N 30° 46' 18.05" O
Ankopplung CSM-LM:  15.12.1972, 01:10:15 UTC
Landedatum:  19.12.1972
Landezeit:  19:25 UTC
Landeort:  17° 88' S, 166° 11' W

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Cernan  Eugene Andrew "Gene"  CDR 3 12d 13h 52m  1,5 
2  Evans  Ronald Ellwin, Jr. "Ron"  CMP 1 12d 13h 52m  1,5 
3  Schmitt  Harrison Hagan "Jack"  LMP 1 12d 13h 52m  1,5 

Sitzverteilung der Besatzung

1  Cernan
2  Evans
3  Schmitt

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Young  John Watts  CDR
2  Roosa  Stuart Allen "Stu"  CMP
3  Duke  Charles Moss, Jr. "Chuck"  LMP

Flugverlauf

Apollo 17 trat seinen Weg zum Mond von Cape Canaveral (KSC) aus an. Es war der erste Nachtstart im Apollo-Programm. Zum ersten Mal musste der Start wegen eines Hardware-Fehlers um 2 Stunden und 40 Minuten verschoben werden. Ein Countdown-Sequenzer funktionierte nicht. Die Wasserung erfolgte 560 km westlich der Samoa-Inseln im Pazifik.

Auf dem Weg zum Mond gelang der Besatzung das berühmte, einzigartige Bild einer „Voll-Erde“ "Blue Marble" mit Blick auf Afrika und den indischen Ozean. Zu dieser Konstellation kam es, weil der vorgesehene Landeplatz der östlichste des Apollo-Programms war; die Anforderung nach einer günstigen, nicht zu hoch stehenden Sonne auf dem Mond führte daher zu einem Start nur 34 h nach Neumond.

Apollo 17 war das sechste und letzte bemannte Mondlandeunternehmen. Während des Hinfluges führten die Astronauten einige wissenschaftliche Experimente durch. Als Landegebiet war von den Wissenschaftlern das gelogisch interessant erscheinende Taurus-Littrow-Gebirge ausgewählt worden. Eugene Cernan und Harrison Schmitt landeten mit der Mondfähre „Challenger“ nördlich des Mons Vitruvius an einem Ausläufer des Mare Serenitatis. Auf der Mondoberfläche erfolgten drei Ausstiege von Eugene Cernan und Harrison Schmitt bei ca. 75 Stunden Gesamtaufenthalt auf dem Mond.

Die erste EVA führten die beiden Astronauten am 11. Dezember 1972 (7h 12m) durch. Zu Beginn des Ausfluges nahmen die beiden Astronauten die "Contingency Sample", eine Notfallprobe Mondgestein, falls ein unerwartet vorzeitiger Rückstart erforderlich würde. Die nächste wichtige Aufgabe der Crew war das Ausladen des Lunar Roving Vehicle (LRV). Dazu lösten die Astronauten die Verriegelung des Fahrzeugs an der Abstiegsstufe und ließen mit einigen Kraftaufwand das Chassis durch Ziehen an zwei Leinen auf den Boden schwenken. Sowohl die Hinter- als auch die Vorderräder klappten durch Federkraft problemlos in die vorgesehene Position. Nach einer Testfahrt wurde das LRV weiter ausgerüstet und beladen. In einem unbedachten Moment machte Eugene Cernan kurz darauf einen Fehler. Beim Einladen von geologischem Werkzeug in die hintere Palette des LRV stieß er mit dem mitgeführten großen Hammer gegen den rückwärtigen rechten Kotflügel, dessen hintere Hälfte dadurch fast völlig durchbrach.
Als nächstes stellten Eugene Cernan und Harrison Schmitt die amerikanische Flagge auf. Es handelte sich hierbei um die Flagge, die bisher im Kontrollzentrum Houston hing.
Die mit einer atomaren Energiequelle ausgestatteten „Apollo lunar surface experiment package“ (ALSEP) wurde während dieser EVA in der Nähe des Landeplatzes errichtet, etwas weiter entfernt als die verbliebenen Experimente. Die Versuchs- und Messsysteme umfassten im Einzelnen:
- ein Wärmefluss-Experiment
- eine Gravimeter-Profilmessung
- eine Gravimeter-Gangmessung
- einen Meteoritenzähler
- Systeme für bodenelektrische Messungen
- Systeme für bodenmechanische Experimente
- Geräte für Atmosphären-Messungen
- Detektoren für kosmische Strahlung
- einen Detektor und eine Quelle für Neutronen
- einen Transponder zur Schwerefeldmessung
- aktive Seismometer-Experimente
Um 04:57 Uhr erreichten die Astronauten, unterstützt durch die Navigationsanlage des LRV, nach etwa zehnminütiger Fahrt die Station 1, an der nach einem verkürzten Zeitplan etwa 30 Minuten für Probennahme und -dokumentation zur Verfügung standen. Ziel dieses einzigen geologischen Stopps während des ersten Mondausfluges war die Untersuchung sowohl des Regolithbodens ("dark mantle") als auch von Felsbrocken, die Hinweise über die Strukturen und der Oberfläche des Tals versprachen. Die Astronauten gingen äußerst konzentriert zu Werk und nahmen in der kurzen Zeit an Station 1 eine Reihe von sorgfältig dokumentierten Proben von dem Gestein selbst und vom Material unterhalb der Felsen, wofür sie mit der langstieligen Schaufel eine kleinere Grabung ausführten.
Etwa 100 Meter östlich der Mondlandefähre beendete die Crew die Aufstellung des geophysikalischen Experimentes. Ein ungeplanter Abstecher zum ALSEP war wegen Checks am Lunar Surface Gravimeter erforderlich. Vor dem Einstieg in die LM verbrachten Eugene Cernan und Harrison Schmitt geschlagene 15 Minuten damit, sich gegenseitig den Staub von den Anzügen zu bürsten, der wegen des defekten Kotflügels auf sie geregnet war.

Während der zweiten EVA am 12. Dezember 1972 (7h 37m) mussten die Astronauten zunächst den defekten Kotflügel reparieren. Hierzu verwendeten sie überschüssige Mondkarten. Eugene Cernan legte eine der auf Karton gedruckten Karten an das verbliebende "Blech" an und positionierte dann zusätzliche eine zweite Karte über der ersten.
Die Fahrt mit dem LRV ging zunächst in südwestliche Richtung zur 8 km entfernten Station 2 am südlichen Ende des Nansen-Kraters direkt an der Basis des South Massif. Station 2 im muldenähnlichen Krater Nansen lag so weit unterhalb des des allgemeinen Bodenniveaus von Taurus-Littrow, dass die Sicht zum LM versperrt war. Die vom Rest von Taurus-Littrow isolierte Senke des Breiten Grabens wirkte auf Harrison Schmitt wie ein alpines Tal oberhalb der Bewaldungsgrenze. Die vielen kleinen Krater waren von einer hellen Staubschicht bedeckt, die das Sonnenlicht grell wie frischer Schnee reflektierte.. Ferner war der Boden von unzähligen Gesteinsbrocken übersät, die vermutlich durch den Erdrutsch von den aufragenden 2.300 Meter hohen Bergen des South Massif in das Muldengebiet transportiert worden waren. Eugene Cernan machte einige Teleobjektiv-Aufnahmen von der Wand des South Masif. Im Gegensatz zu ersten Beobachtungen vom LM aus, zeigte sich die Bergformation nicht mehr als uniforme Fläche, sondern es waren in verschiedenen Höhenniveaus einige horizontale Streifen von blau-grauer und beige-grauer Farbe zu erkennen.
Nach Station 3 erreichten die beiden Mondmänner die Station 4 am Shorty-Krater. Der Krater hat einen Durchmesser von 110 Metern und ist von einem Ring dunklen Materials umgeben. Diese könnte ein Anzeichen von vulkanischer Aktivität sein. Der 110-Meter-Krater präsentierte dem Geologen Harrison Schmitt eine Fülle interessanter Details. Die Wände von Shorty erschienen relativ glatt und von feinem Material dominiert, während der innerste Boden eine nahezu ebene Fläche bildete.
Harrison Schmitt ging zum Südrand des Kraters, wo sich ein komplex strukturierter Gesteinsblock befand, den er aus der Nähe fotografieren wollte. Zu seinen Füßen sah er, dass er eine obere graue Staubschicht beiseite gescharrt hatte, unter der ungewöhnliches Material zum Vorschein gekommen war: orangefarbener Boden. "There is ‚orange soil'" funkte er zu Eugene Cernan, der sich daraufhin sofort zu seinem Kameraden in Bewegung setzte. Das orangefarbene Material könnte auf jungen Vulkanismus hindeuten. Danach würde es sich bei dem dunkel umrandeten Krater Shorty um ein sogenanntes "Fumarol" handeln, um eine Ausgasungsquelle für vulkanische, mineralhaltige Gase aus dem Mondinnern. Trotz fortgeschrittener Zeiten sammelten die beiden Mondmänner mehrere Schaufeln des orangenfarbenen Staubes. Sie trieben noch eine Tiefenstange in den Boden. Nach dem Herausziehen der 1,5 Meter langen Stange sahen sie, dass das untere Ende des Kerns nahezu vollkommen schwarz war. Aus Zeitnot konnte ein zweiter orangefarbiger Fleck nicht mehr untersucht werden.
Station 5 war der letzte geologische Stopp während der zweiten EVA. Es handelte sich um den Südrand des 700-Meter-Kraters Camelot. In der knappen halben Stunde, die Eugene Cernan und Harrison Schmitt an Camelot verbrachten, sammelten sie Bodenproben und fotografierten eine Reihe großer Felsen. Dahinter zeichnete sich das North Massif - Ziel der dritten EVA - ab.

Die dritte und letzte EVA erfolgte schließlich am 13. Dezember 1972 (7h 19m). Nach einer Fahrstrecke von rund 3 km erreichten die Astronauten die Ausläufer des North Massif und bogen am "Turning Point Rock" scharf nach Osten ab. Die Mondmänner befanden sich nun im Gebiet um Station 6 am Fuß des Bergmassivs und den angesteuerten großen Felsbrocken. Vor der Fahrt zu dem Felsen legten sie noch einen kurzen Stopp zwischen dem Nordrand des Kraters Henry und dem North Massif ein.
Das LRV bewegte sich dann weiter in östlicher Richtung zu dem Felsbrocken. Der Felsen war von den Bergen des North Massif heruntergekollert und hatte eine 500 Meter lange Rollspur hinterlassen. An dem Felsen angekommen hatten Eugene Cernan und Harrison Schmitt Mühe, das LRV zu verlassen, weil das Gelände von einem starken Gefälle von 20 Grad geprägt war. Der Felsbrocken selbst war 10 x 4 Meter groß und größtenteils von braun-grauer Farbe. Es fanden sich aber auch blau-graue Einschlüsse, die ihrerseits kleine Stücke weißen Gesteins enthielten. Da der Brocken bei seinem Herabrollen in fünf Segmente zerbrochen war, erhielt er den Namen "Split Rock". Die Astronauten schlugen Stücke des Felsens ab und nahmen Bodenproben der Rollspur.
Die Fahrt ging dann weiter zur etwa 800 Meter weiter östlich gelegenen Station 7. Wegen der bereits fortgeschrittenen Zeit nahmen die Astronauten dort nur einige ausgewählte Gesteins- und Bodenproben.
Das Ziel bei Station 8 war das Areal am Fuß der Sculptured Hills, die das Tal Taurus-Littrow im Nordosten abschließen. Die beiden Mondmänner wählten sechs Brocken aus, von denen sie mit dem Hammer Fragmente zur Einsammlung abschlugen. Beim nächsten geplanten Stopp - Station 9 - handelte es sich um den jungen und dunkel umrandeten Krater Van Serg. Dort entdeckte Harrison Schmitt eine ungewöhnliche weiße Materialschicht am Rand des Kraters.
Auf den Besuch der Station 10 - dem 500-Meter-Krater Sherlock - musste verzichtet werden, da an den vorhergehenden Stationen zu viel Zeit benötigt wurde.
Zum Abschluss wurde eine Plakette an den auf dem Mond verbleibenden Teil der Landekapsel angebracht, in der alle Mondlandungen dargestellt waren. Eugene Cernan verließ als letzter Mensch die Mondoberfläche, die bis heute nicht wieder von Menschen betreten wurde. Insgesamt legten die Astronauten mit ihrem Mondauto 34 Kilometer zurück. Dabei erklommen sie mehrere Krater sowie das Taurus-Gebirge und sammelten in der Summe 110,4 kg Mondgestein zum Rücktransport auf die Erde ein. Es war mit 3 Tagen und 3 Stunden Verweildauer auf dem Mond die längste Mission der Apollo-Serie.

Die Übertragung des Rückstarts vom Mond mit der ferngesteuerten Kamera gelang dieses Mal perfekt. Das Training der zwei vorhergegangenen Missionen erlaubte, das Schwenken der Kamera trotz der Signallaufzeit von insgesamt 2,5 Sekunden so zu steuern, dass die Aufstiegsstufe fast in der Bildmitte blieb.

Nachdem Eugene Cernan und Harrison Schmitt wieder in das Apollo-Raumschiff umgestiegen waren, wurde die Aufstiegsstufe der Mondfähre gezielt zum Absturz gebracht. Sie schlug in etwa 10 km Entfernung von der zurückgelassenen Abstiegsstufe auf. Das ausgelöste Mondbeben wurde auch von den Seismometern an den fünf anderen Apollo-Landestellen registriert.
Die von den Astronauten installierten Sprengladungen des aktiven seismischen Experiments (ASE) wurden in den folgenden Tagen ferngezündet.

Während seine Kameraden auf dem Mond waren, absolvierte Ronald Evans diverse wissenschaftliche Experimente an Bord des Mutterschiffs America. Dabei kamen erstmalig zum Einsatz ein Infrarot-Radiometer, ein Ultraviolett-Spectrometer und ein Mond-Sonar.

Wissenschaftliche Experimente dieser und anderer Art fanden auch wieder auf dem Rückflug statt. Dazu kam dann noch eine EVA von Ronald Evans am 17. Dezember 1972 während des Rückfluges zur Erde zur Bergung einer Film-Kassette (66 Minuten).

Das Bergungsschiff war erneut die USS Ticonderoga, von der das Raumschiff nur 6,4 km entfernt wasserte.

Fotos / Zeichnungen

Quelle: www.astronautix.com/

 

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Letztes Update am 21. März 2014.