Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 180

STS-73

Columbia (18)

USA

hochauflösende Version (833 KB)

hochauflösende Version (767 KB)

 

Quelle: www.spacepatches.nl

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  20.10.1995
Startzeit:  13:53 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  241 - 241 km
Inklination:  39,0°
Landedatum:  05.11.1995
Landezeit:  11:45 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

hochauflösende Version (910 KB)

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Bowersox  Kenneth Dwane "Sox"  CDR 3 15d 21h 53m  255 
2  Rominger  Kent Vernon  PLT 1 15d 21h 53m  255 
3  Coleman  Catherine Grace "Cady"  MSP 1 15d 21h 53m  255 
4  Lopez-Alegria  Michael Eladio "LA"  MSP 1 15d 21h 53m  255 
5  Thornton  Kathryn Cordell Ryan  MSP 4 15d 21h 53m  255 
6  Leslie  Fred Weldon  PSP 1 15d 21h 53m  255 
7  Sacco  Albert, Jr. "Al"  PSP 1 15d 21h 53m  255 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Bowersox
2  Rominger
3  Coleman
4  Lopez-Alegria
5  Thornton
6  Leslie
7  Sacco
Landung
1  Bowersox
2  Rominger
3  Thornton
4  Lopez-Alegria
5  Coleman
6  Leslie
7  Sacco

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
6  Holt  Ray Glynn  PSP
7  Matthiesen  David Henry  PSP

hochauflösende Version (1,08 MB)

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung in Cape Canaveral (KSC).

Ursprünglich war der Start von STS-73 für den 21. September 1995 geplant. Die ersten Verzögerungen traten durch die Probleme mit den Dichtungsringen ("O-Ring") bei der vorhergehenden Mission STS-69 auf. Dann musste ein Triebwerk der Columbia ausgewechselt werden. Am 28. August 1995 konnte der Orbiter mit den Feststoffraketen und dem Außentank zur Startrampe gerollt werden. Dort angekommen mussten ähnliche Reparaturen wie bei STS-69 an den Schubdüsen der Feststoffraketen durchgeführt werden. Danach wurde der 28. September 1995 als neuer Starttermin festgesetzt. Während der Betankung wurde ein Flüssigwasserstoff-Leck an dem vor dem Triebwerk liegenden Hauptventil entdeckt. Die Techniker stuften das Leck als kritisch ein, stoppten sofort die weitere Betankung und der Startversuch wurde offiziell abgebrochen. Nachdem ein neues Hauptventil eingebaut worden war, setzte die NASA den 05. Oktober 1995 als neuen Starttermin fest. An diesem Tag spielte jedoch das Wetter nicht mit. Dichte Wolken und Regen gestatteten keinen Shuttle-Start, der daraufhin auf den folgenden Tag neu festgesetzt wurde. In der vorhergehenden Nacht traten aber Probleme mit einer Pumpe des Hydrauliksystems auf. Als Ursache wurde ermittelt, dass beim Austausch des Hauptventils Luft in das Hydrauliksystem geraten war, die abgelassen werden musste. Da dieser Vorgang schnell zu bewerkstelligen war, wurde der nächste Startversuch auf den folgenden Tag festgesetzt. Zwanzig Minuten vor dem geplanten Start traten Probleme mit einem der beiden "Master Events Controller" auf, der gerade für die Startphase von erheblicher Bedeutung ist. Der Start wurde daher auch für diesen Tag abgesagt und als vorläufiges neues Startdatum wurde der 14. Oktober 1995 genannt. Weil bei einem routinemäßigen Testlauf eines Haupttriebwerkes ein Riss in einer Schweißnaht am Auslassrohr der Hochdruck-Sauerstoffturbopumpe entdeckt worden war, wurde der Starttermin um weitere 24 Stunden verschoben. Die Techniker wollten sicher gehen, dass an den drei Haupttriebwerken der Columbia keine ähnlichen Mängel vorliegen. An diesem 15. Oktober 1995 gab es erneut kleinere technische Probleme, die aber alle kurzfristig gelöst werden konnten. Allerdings hatte es im Bereich der Startkomplexe angefangen zu regnen und es gab tiefliegende Wolken. Die Konsequenz daraus war die Verlegung des Starts auf den 20. Oktober 1995.

STS-73 war eine reine Wissenschaftsmission, die unter den Namen "United States Microlaboratory" (USML-2) geführt wurde. Zum zweiten Mal wurde das für diesen Einsatz speziell ausgerüstete Spacelab-Modul verwendet. Die erste USML-Mission war 1992 unter der Bezeichnung STS-50 geflogen.
Um alle wissenschaftlichen Experimente rund um die Uhr betreuen zu können, waren wie bei fast allen Spacelab-Missionen zwei 12-Stunden-Schichten eingeteilt worden. Zum roten Team gehörten Kenneth Bowersox, Kent Rominger, Kathryn Thornton und Albert Sacco. Die Astronauten Catherine Coleman, Michael Lopez-Alegria und Fred Leslie bildeten das blaue Team.

Die 14 Hauptexperimente von USML-2 betrafen die Bereiche Physik, Materialwissenschaft, Biotechnologie, Verbrennungsuntersuchungen und Raumfahrttechnologie. Zu den wesentlichen Experimenten gehörten:

"Surface Tension Driven Convection Experiment Apparatus": Damit sollte das dynamische Verhalten von Flüssigkeiten bei Erwärmung und Abkühlung untersucht werden. Dazu beleuchtete ein Laser in Silikonöl verteilte Feststoffteilchen (Aluminiumoxid), um kleinste Thermokapillarkräfte sichtbar und messbar zu machen.

"Geophysical Fluid Flow Cell Experiment": Mit diesem Experiment sollte das Verhalten von großen Flüssigkeitsmengen wie z.B. in Ozeanen, in Atmosphären von Planeten oder im Inneren von Sternen untersucht werden. Es bestand aus zwei ineinander liegenden, beweglichen Halbkugeln. Zwischen den beiden Halbkugeln befand sich Silikonöl, versetzt mit einem nur unter UV-Licht sichtbaren Farbstoff.

"Drop Physics Module": Das Modul lieferte alle Voraussetzungen, um das dynamische Verhalten großer, freischwebender Flüssigkeitstropfen untersuchen zu können. In der rechteckigen Experimentkammer waren vier Lautsprecher so angeordnet, dass Schallwellen die Tropfen in jeder beliebigen Lage halten konnten. Ebenso konnte man Tropfen vibrieren, rotieren lassen, sie teilen und wieder vereinen.

"Crystal Growth Furnace": Mit dem Schmelzofen konnten Werkstoffproben unterschiedlicher Größe auf bis zu 1.000 Grad Celsius erhitzt werden. In den Experimenten bei STS-73 ging es darum, verschiedene Materialproben (Halbleiter, Metalle, Legierungen) aufzuschmelzen. Beim Wiedererstarren unter Schwerelosigkeit sollten sich die einzelnen Atome anders formieren als auf der Erde. Derartige Versuche sollen letztlich zu neuen Materialien mit verbesserten Eigenschaften führen.

"Glovebox Facility": In der Versuchsanordnung wurden sieben materialwissenschaftliche Experimente durchgeführt. Dabei hat sich die Glovebox als sehr vielseitig verwendbares Instrument erwiesen, in dem Versuche zur Fluid-Physik genauso gut abliefen wie Kristall-Züchtungen und Brand-Experimente. Um eine Kontamination des Spacelab zu vermeiden, herrschte in der Glovebox leichter Unterdruck und die Astronauten hatten nur über integrierte Handschuhe Zugang zu den Experimenten.

Neben diesen Hauptexperimenten befanden sich noch weitere Experimente an Bord der Columbia: "Particle Dispersion Experiment", "Colloidal Disorder-Order Experiment", "Interface Configuration Experiment", "Zeolite Crystal Growth", "Astroculture Plant Growth Facility", "Commercial Generic Bioprocessing Apparatus", "Protein Crystal Growth", "Fiber Supported Droplet Combustion Experiment", "Suppression of Transient Acceleration By Levitation Evaluation", "Three Dimensional Microgravity Accelerometer".

Die Experimente SAMS und OARE ermittelten Beschleunigungswerte des Orbiters. Diese wurden aufgezeichnet und konnten nach dem Flug ausgewertet werden. Falls während eines Experimentes besonders starke Störungen gemessen wurden, kann man im Nachhinein feststellen, welche Auswirkungen diese hatten. SAMS wird bei den meisten Shuttle-Missionen eingesetzt. Über das Hi-Pack TV waren die Experimentatoren im All und die Entwickler am Boden ständig miteinander verbunden. So konnten die Entwicklerteams unmittelbar Einfluss auf die Durchführung ihrer Experimente nehmen, wobei sie das Geschehen live am Bildschirm verfolgten. Bis zu 6 Videokanäle konnten in komprimierter Form gleichzeitig übertragen werden.

Während des Fluges gab es kaum technische Probleme. Um den Luftdruck in den Rädern des Fahrwerkes nicht unter einen kritischen Wert absinken zu lassen, wurde die Columbia viermal so im Raum orientiert, dass die Sonne direkt auf die Unterseite des Shuttles schien und damit auch die Fahrwerksräume erwärmte.

Mit der Landung im Kennedy Space Center ging am 05. November 1995 der bis dahin zweitlängste Shuttleflug erfolgreich zu Ende.

Fotos / Zeichnungen


©      

Letztes Update am 24. November 2014.