Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 279

STS-134

Endeavour (25)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  16.05.2011
Startzeit:  12:56 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  321 - 343 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung ISS:  18.05.2011, 10:14 UTC
Abkopplung ISS:  30.05.2011, 03:55 UTC
Landedatum:  01.06.2011
Landezeit:  06:35 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Kelly  Mark Edward  CDR 4 15d 17h 39m  249 
2  Johnson  Gregory Harold "Box"  PLT 2 15d 17h 39m  249 
3  Fincke  Edward Michael "Mike"  MSP 3 15d 17h 39m  249 
4  Chamitoff  Gregory Errol  MSP 2 15d 17h 39m  249 
5  Feustel  Andrew Jay "Drew"  MSP 2 15d 17h 39m  249 
6  Vittori  Roberto  MSP 3 15d 17h 39m  249 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Kelly
2  Johnson
3  Fincke
4  Vittori
5  Feustel
6  Chamitoff
7  
Landung
1  Kelly
2  Johnson
3  Fincke
4  Vittori
5  Feustel
6  Chamitoff
7  

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Sturckow  Frederick Wilford "Rick"  CDR
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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC).

Notwendige Arbeiten zum Austausch eines Magneten an dem Physik-Experiment AMS zwangen die NASA den ursprünglich für 29. Juli 2010 geplanten Flug der Endeavour auf Mitte November 2010 zu verschieben. Später erfolgte eine Verschiebung auf zunächst Mitte April 2011 und dann Mitte Mai 2011.

Am 13. Januar 2011 gab die NASA bekannt, dass Astronaut Frederick Sturckow wegen der Abwesenheit von Kommandant Mark Kelly nach dem Attentat auf dessen Frau als Ersatz-Kommandant fungieren wird.

Am 04. April 2011 entschied die NASA, als neues Startdatum den 29. April 2011 festzusetzen. Die Verzögerung sollte einen Konflikt mit einem russischen Progress-Transporter verhindern, der am 27. April 2011 starten und zwei Tage später an die Raumstation ankoppeln sollte.

Die Hauptaufgabe der Mission (ISS-ULF-6 ELC-3 / AMS) bestand darin, das Alpha-Magnet-Spektrometer und den EXPRESS Logistics Carrier 3 zur Internationalen Raumstation (ISS) zu befördern und dort zu installieren.

Die EXPRESS Logistics Carriers (ELC) (EXpedite the PRocessing of Experiments to the Space Station) sind externe Transport- und Trägerplattformen für Experimente und Ersatzteile, so genannte ORUs, auf der Internationalen Raumstation ISS.
Ein ELC besteht jeweils aus einer grauen, quaderförmigen Gitterstruktur, auf der sich gewünschte Elemente positionieren lassen, wobei auf jeder Gitterfläche in etwa ein halbes Dutzend Bauteile Platz findet. Außerdem sind zur Montage der Plattform und anderen Arbeiten Haltepunkte für den Greifarm angebracht.
Die ersten beiden, ELC-1 und ELC-2, wurden am 18. November 2009 mit der Space-Shuttle-Mission STS-129 zur ISS transportiert. ELC-4 folgte am 26. Februar 2011 mit STS-133. ELC-3 wurde am 18. Mai 2011 während der Shuttle-Mission STS-134 an der ISS montiert. Während ELC-1 unten (Nadir) und ELC-3 oben (Zenit) am P3-Element der Integrated Truss Structure montiert wurde, befestigte man ELC-2 oben und ELC-4 unten am gegenüberliegenden S3-Truss. Die ELCs sind 1,6 Tonnen schwer, 4 mal 5 Meter groß, besitzen viereinhalb Tonnen Nutzlastkapazität und 30 Kubikmeter Stauraum.

Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS) bezeichnet zwei Magnetspektrometer (Teilchendetektoren) zur Untersuchung der kosmischen Höhenstrahlung. AMS-01 war bei einer Mission mit dem Space Shuttle im All, AMS-02 ist langfristig an der Internationalen Raumstation im Einsatz.
Das AMS-02-Experiment ist ein moderner Teilchendetektor, der ab dem Jahre 2010 für einen Zeitraum von ursprünglich drei Jahren auf der ISS die Zusammensetzung der kosmischen Höhenstrahlung vermessen sollte. Durch die Entscheidung, die ISS bis zum Jahr 2020 zu betreiben, wurde das Spektrometer im Jahr 2010 kurzfristig noch einmal überarbeitet. Dabei wurde der mit flüssigem Helium gekühlte supraleitende Magnet des Spektrometers gegen einen normalen Neodym-Permanentmagneten ausgetauscht, um einen Betrieb des AMS-2 für bis zu 18 Jahre zu ermöglichen. Der supraleitende Magnet hätte nur etwa drei Jahre überstanden. Zwar bedeutet der Verzicht auf den gekühlten Magneten auch eine Einbuße an Messpräzision, da der Magnet die geladenen kosmischen Partikel durch fünf verschiedene Detektoren leiten muss. Diese Einbuße lässt sich aber durch empfindlichere Detektoren und die längere Messdauer mehr als kompensieren. Durch den Absturz des Space Shuttles Columbia im Jahre 2003 hat sich der ursprüngliche Starttermin von 2003 auf 2011 verschoben. AMS-02 wurde an der erdabgewandten Seite des Truss-Elements S3 angebracht.
Zu den Aufgaben von AMS-02 gehört die Suche nach Antimaterie, wie sie im Rahmen von einigen kosmologischen Modellen als Relikt aus dem Urknall erwartet wird. Der Nachweis eines einzigen Antikohlenstoffkerns würde die Existenz von Sternen aus Antimaterie im Universum beweisen, da Kohlenstoff nicht beim Urknall gebildet werden konnte. Darüber hinaus ist AMS-02 in der Lage, die Energiespektren von schweren Kernen bis hin zu Eisen zu vermessen. Diese Daten werden es ermöglichen, die Propagationsmechanismen von geladenen Teilchen in der Milchstraße besser zu verstehen und damit den Schlüssel liefern, um mit großer Genauigkeit nach den Annihilationsprodukten von Dunkler Materie zu suchen. Im Rahmen von supersymmetrischen Modellen oder von Kaluza-Klein-Theorien werden Anomalien in den Energiespektren von Positronen, Antiproton und Photonen vorhergesagt, die mit AMS-02 möglicherweise nachgewiesen werden könnten.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Endeavour, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant Mark Kelly das spätere Docking erleichtern soll.
Außerdem wurde der Hitzeschild der Endeavour auf eventuelle Schäden untersucht, die beim Start durch sich vom Außentank ablösende Isolierschaumstücke entstanden sein könnten. Dabei wurde der OBSS-Inspektionsarm eingesetzt, der nach dem Columbia-Unglück entwickelt wurde. Der OBSS ist ein 15 Meter langer "Aufsatz", der mit dem Roboterarm des Shuttles verbunden wird. Der Kopf des OBSS ist mit Laser-Sensoren und hoch auflösenden Kameras ausgestattet und tastet halbautomatisch die Hitzeschutzkacheln des Orbiters ab.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Endeavour von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 18. Mai 2011, hatte die Endeavour einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Endeavour schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm Mark Kelly die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. In der Nähe der Station führte Mark Kelly ein spektakuläres 360°-Manöver - das Rendezvous Pitch Maneuver (RPM) - durch, wobei er die Raumfähre innerhalb weniger Minuten um ihre Querachse drehen ließ. Die Besatzung der Raumstation fertigte währenddessen hochauflösende Aufnahmen des Shuttle-Hitzeschildes an. Die Aufnahmen werden später zur Erde übertragen und von Fachleuten ausgewertet. Mit einer direkt vor der ISS reduzierten Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde flog der Orbiter auf den Ankopplungsstutzen der Internationalen Raumstation zu. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Nach den üblichen Dichtigkeitsprüfungen wurden die Luken zwischen den Raumfahrzeugen geöffnet und die Mannschaften von STS-134 und der ISS Expedition 27 hatten Gelegenheit zu einer kurzen Begrüßungszeremonie.
Am selben Tag wurde der Express Logistics Carrier-3 (ELC-3) vom Greifarm der Endeavour dem Roboterarm der International Space Station übergeben und an der linke Seite der Gitterstruktur ITS befestigt. ELC-3 enthält Ersatzteile für den künftigen Bedarf der Raumstation, einschließlich eines Ammoniaktanks, eines Hochdruck-Gastanks, einem Transportbehälter, zwei S-Band-Antennen sowie einem Ersatzarm für Dextre, dem Special Purpose Dexterous Manipulator.

Am 19. Mai 2011 wurde das Alpha Magnetic Spectrometer-2 (AMS) erfolgreich an der rechten Außenseite der International Space Station installiert. Die Missionsspezialisten Andrew Feustel und Roberto Vittori verwendeten den Greifarm des Space Shuttle, um das Gerät aus der Nutzlastbucht der Endeavour herauszuheben. Sie übergaben es dem Greifarm der Station Canadarm2. Pilot Gregory Johnson und Missionsspezialist Gregory Chamitoff nutzten den Greifarm dann, um AMS an der Steuerbordseite der Gitterstruktur ITS der Station zu befestigen.

Die erste EVA durch Andrew Feustel und Gregory Chamitoff wurde am 20. Mai 2011 (6h 19m) ausgeführt. Sie bargen zwei Experimente und installierten zwei neue Experimentalpakete an den Express Logistics Carrier 2 (ELC-2), das schon an der Station montiert war. Als Nächstes installierten sie sogenannte Jumper zwischen Segmenten der linken Seite der Gitterstruktur ITS (also am hinteren Teil der Station) für das Wiederbefüllen mit Ammoniak, ließen Stickstoff von einem Ammoniak Servicer ab und installierten eine externe kabellose Antenne am Destiny Labor, das die drahtlose Kommunikation zum angedockten ELC-2 unterstützen soll. Außerdem tauschten Andrew Feustel und Gregory Chamitoff das Experiment MISSE 7 gegen das neue Experimentenpaket MISSE 8 aus.

Die zweite EVA durch Andrew Feustel und Michael Fincke erfolgte am 22. Mai 2011 (8h 07m). Die Astronauten befüllten Radiatoren mit Ammoniak und ließen bei einem älteren Ammoniak-System die Flüssigkeiten ab. Dann folgten Schmierarbeiten, sowohl an einem Solarzellenausleger auf der rechten Seite der Station als auch an Teilen von Dextre, jener zweiarmigen ferngesteuerten Einheit, die zum Hantieren mit komplizierten Gerätschaften gedacht ist.

Die dritte EVA unternahmen Andrew Feustel und Michael Fincke am 25. Mai 2011 (6h 54m). Sie installierten einen Greifer am Greifarm der Raumstation (genauer: am Sarja Modul). Damit können zukünftig auch vom russischen Segment aus Robotoperationen vorgenommen werden. Daneben wurden noch weitere Kabel für die Notfall-Stromzufuhr am russischen Teil der Station installiert.

Die vierte und letzte EVA durch Michael Fincke und Gregory Chamitoff wurde am 27. Mai 2011 (7h 24m) unternommen. Die Astronauten befestigten einen 50-Fuß langen Ausleger am rechten Teil der Gitterstruktur ITS auf einen Träger, bargen einen Greifer vom linken Truss der Station, um diesen dann mit einem vorhandenen Greifer am Ausleger auszutauschen. Danach entfernten sie einige Halterungen von einem der Arme von Dextre und beseitigen Isolationsmaterial von einem der Ersatz Gastanks für das Quest-Modul.

Während die Endeavour angedockt war, legte die Sojus TMA-20 ab, so dass von dort aus erstmals Außenaufnahmen von einem an der Station angedockten Shuttle möglich waren.

Am 30. Mai 2011 koppelte die Endeavour-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Gregory Johnson die Orbitalstation eineinhalb Mal, ehe die Triebwerke der Endeavour erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte. Der Orbiter stoppte dann in einer Entfernung von etwa 75 Kilometern. Mit Hilfe des OBSS wurde eine letzte Überprüfung des Hitzeschutzschildes vorgenommen. Im Notfall hätte das Space Shuttle zur Internationalen Raumstation zurückkehren können.

Fotos / Zeichnungen

ISS
 

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Letztes Update am 29. November 2014.