Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 260

STS-126

Endeavour (22)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  15.11.2008
Startzeit:  00:55 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  349 - 354 km
Inklination:  51,67°
Ankopplung ISS:  16.11.2008, 22:01 UTC
Abkopplung ISS:  28.11.2008, 14:47 UTC
Landedatum:  30.11.2008
Landezeit:  21:25 UTC
Landeort:  Edwards AFB

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Ferguson  Christopher John  CDR 2 15d 20h 30m  249 
2  Boe  Eric Allen  PLT 1 15d 20h 30m  249 
3  Stefanyshyn-Piper  Heidemarie Martha  MSP 2 15d 20h 30m  249 
4  Pettit  Donald Roy  MSP 2 15d 20h 30m  249 
5  Bowen  Stephen Gerard  MSP 1 15d 20h 30m  249 
6  Kimbrough  Robert Shane  MSP 1 15d 20h 30m  249 
7  Magnus  Sandra Hall  Bordingenieurin 2 133d 18h 18m  2105 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Ferguson
2  Boe
3  Pettit
4  Bowen
5  Stefanyshyn-Piper
6  Kimbrough
7  Magnus
Landung
1  Ferguson
2  Boe
3  Kimbrough
4  Bowen
5  Stefanyshyn-Piper
6  Pettit
7  Chamitoff

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
7  Stott  Nicole Marie Passonno  Bordingenieurin

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf der Edwards AFB.

Als die NASA die Mannschaft im Oktober 2007 bekannt gab, gehörte Joan Higginbotham noch zur Besatzung. Einen Monat später gab sie jedoch ihren Austritt aus der NASA bekannt und wurde durch Donald Pettit ersetzt.

Bei der Mission STS-126 (ISS-ULF-2 MPLM Leonardo) wurde das Logistikmodul (MPLM) Leonardo genutzt, um Fracht zur ISS zu bringen. Das Hauptaugenmerk lag hierbei darin, die Station für die Unterstützung einer Langzeitbesatzung von sechs statt wie bisher drei Personen auszurüsten. Dazu wurden unter anderem zwei weitere Schlafplätze, eine zusätzliche Galley, eine weitere Toilette und ein Trainingsgerät installiert. Des Weiteren wurde mit Hilfe eines speziellen Frachtträgers (LMC) eine Schlauchdrehkupplung zur ISS gebracht und ein leerer Stickstofftank zurück zur Erde transportiert. Außerdem wurde ein Kleinsatellit zum Test zweier neuer Typen von Solarzellen ausgesetzt.
Weiteres wesentliches Missionsziel war das Austausch eines Besatzungsmitgliedes der ISS. Sandra Magnus sollte Gregory Chamitoff als Bordingenieur der ISS Expedition 18 ablösen.

Das Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) Leonardo, (Deutsch Mehrzwecklogistikmodul), wurde verwendet, um bei Space-Shuttle-Missionen Frachten zu und von der Internationalen Raumstation (ISS) in einem unter Luftdruck stehenden Raum zu transportieren.
Das Modul wurde während des Transportes mit dem Shuttle in dessen Ladebucht befestigt. Nach dem Andocken an die ISS wurde das MPLM mit Hilfe des Roboterarmes Canadarm2 aus der Ladebucht gehoben und am Harmony-Modul angekoppelt. Anschließend wurde die Luke des Moduls geöffnet und die Astronauten erhielten Zugang zum MPLM, um es zu entladen sowie mit den zur Erde zu bringenden Frachten zu beladen. Bevor das Shuttle von der Station ablegte, wurde das Modul wieder in der Ladebucht befestigt und kehrte anschließend zusammen mit der Raumfähre zur Erde zurück.
Der wesentliche Vorteil dieses Verfahrens lag darin, dass Transportgüter, insbesondere die sogenannten International Standard Payload Racks, direkt vom MPLM in den amerikanischen Teil der Station verladen werden konnten. Kopplungsadapter vom APAS-Typ russischer Bauart, die auch zum Andocken des Space Shuttles benutzt werden, haben einen wesentlich geringeren Durchmesser und lassen kein Verladen sperriger Gegenstände zu. Weiterhin ermöglichte der Einsatz des MPLM, nicht mehr benötigte Ausrüstung und beendete Experimente zurück zur Erde zu transportieren. Andere Transportschiffe wie die unbemannten Progress- und ATV-Frachter verglühen beim Wiedereintritt und transportieren daher ausschließlich Müll von der Station ab.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Endeavour, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant Christopher Ferguson das spätere Docking erleichtern soll. Außerdem wurde der Hitzeschild der Endeavour auf eventuelle Schäden untersucht, die beim Start durch sich vom Außentank ablösende Isolierschaumstücke entstanden sein könnten. Dabei wurde der OBSS-Inspektionsarm eingesetzt, der nach dem Columbia-Unglück entwickelt wurde. Der OBSS ist ein 15 Meter langer "Aufsatz", der mit dem Roboterarm des Shuttles verbunden wird. Der Kopf des OBSS ist mit Laser-Sensoren und hoch auflösenden Kameras ausgestattet und tastet halbautomatisch die Hitzeschutzkacheln des Orbiters ab.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Endeavour von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 16. November 2008, hatte die Endeavour einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Endeavour schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm Christopher Ferguson die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. In der Nähe der Station führte Christopher Ferguson ein spektakuläres 360°-Manöver - das Rendezvous Pitch Maneuver (RPM) - durch, wobei er die Raumfähre innerhalb weniger Minuten um ihre Querachse drehen ließ. Die Besatzung der Raumstation fertigte währenddessen hochauflösende Aufnahmen des Shuttle-Hitzeschildes an. Die Aufnahmen werden später zur Erde übertragen und von Fachleuten ausgewertet. Mit einer direkt vor der ISS reduzierten Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde flog der Orbiter auf den Ankopplungsstutzen der Internationalen Raumstation zu. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Noch am selben Tag löste Missionsspezialistin Sandra Magnus ISS-Bordingenieur Gregory Chamitoff ab, indem die Sojus-Sitze ausgetauscht wurden. Sandra Magnus baute ihren im Space Shuttle mitgebrachten Schalensitz in das angedockte Raumschiff Sojus TMA-13 ein. Dies geschah nur als Vorsichtsmaßnahme für den Fall einer überhasteten Rückkehr vor Abholung durch das nächste Space Shuttle. Damit gehörte sie offiziell zur 18. Besatzung der Raumstation. Im Gegenzug baute Gregory Chamitoff seinen Schalensitz aus dem Sojus-Raumschiff aus und wurde damit Mannschaftsmitglied von STS-126. Im Mitteldeck der Endeavour war ein Liegesitz für ihn eingebaut, um ihm bei der Landung die Anpassung an die Schwerkraft zu erleichtern.

Der vierte Flugtag diente hauptsächlich den vorbereitenden Aufgaben für die Hauptaufgaben der Gesamtmission. So wurde das MPLM aus der Ladebucht des Shuttles am zur Erde weisenden Kopplungsadapter von Harmony befestigt und erstmals geöffnet. Das Ausladen des Moduls begann erst am Folgetag. In Vorbereitung auf die Weltraumausstiege wurden neben den Raumanzügen auch Ersatzteile für den Steuerbord-SARJ von der Luftschleuse bzw. dem Mitteldeck des Shuttles zur ISS-Luftschleuse Quest transferiert. Dort verbrachten auch Heidemarie Stefanyshyn-Piper und Stephen Bowen die Nachtruhe. Während dieses Campouts atmeten sie reinen Sauerstoff unter reduziertem Luftdruck, um dem Auftreten der Dekompressionskrankheit während des Ausstiegs am fünften Flugtag vorzubeugen

Die erste EVA durch Heidemarie Stefanyshyn-Piper und Stephen Bowen wurde am 18. November 2008 (6h 52m) unternommen. Die beiden Astronauten befassten sich zunächst mit dem Transport eines Stickstofftanks zum Frachtträger am hinteren Ende der Nutzlastbucht Endeavours. Von dort wurde ein Ersatzteil für die Station mitgenommen, welches auf der ESP-3 verstaut wurde. Dieses Ersatzteil, eine Schlauchdrehkupplung (Flex Hose Rotary Coupler), wird zur Verbindung der Kühlmittelleitungen der drehbaren Radiatoren an den Gitterstrukturen P1 und S1 mit der Station benötigt. Nachdem Stephen Bowen allein den Kopplungsadapter für die Außenmodule Kibos geprüft hatte, sollte er zusammen mit Heidemarie Stefanyshyn-Piper die Arbeiten am Steuerbord-SARJ aufnehmen. Diese Aufgaben beinhalteten den Austausch eines Zahnradmotors sowie die Einfettung des Laufrings des SARJ. In Vorfeld jedoch ereignete sich eine Panne. Gegen 20:33 UTC meldete Heidemarie Stefanyshyn-Piper, dass aus ihrer Spritzpistole Schmierfett in die Transporttasche ausgelaufen sei. Während sie mit der Säuberung der Werkzeuge beschäftigt war, schwebte die Tasche mit allen darin befindlichen Werkzeugen (zwei Fettpressen, Bürsten, Tücher, Gurte und Dosen) davon. Heidemarie Stefanyshyn-Piper und Stephen Bowen mussten daraufhin mit nur einem Werkzeugsatz auskommen, welcher jedoch für den Rest des Ausstiegs genügte. Für spätere Ausstiege waren genug Ersatzteile vorhanden.

Am sechsten Flugtag wurden zunächst Wohn- und Schlafracks für ein Besatzungsmitglied auf der Backbordseite des Harmony-Moduls eingebaut. Ein baugleiches Modell wurde im Verlauf des Tages auf der Steuerbordseite montiert. Insgesamt wurden an diesem Tag alle verbleibenden Racks des MPLMs (Leonardo) auf die ISS transferiert. Außerdem wurde die dazugehörige Toilette in Destiny eingebaut und ein Staurack in Leonardo montiert.
Anschließend lag das Hauptaugenmerk auf einem sich über zwei Racks erstreckenden Wasserrecyclingsystem (WRS), welches im Destiny-Modul eingebaut wurde und aus Wasserabfällen und Urin Wasser generieren soll. Dieses soll sowohl zum Trinken, als auch für die elektrolytische Sauerstoffherstellung auf der Station verwendet werden können. Bevor das Wasser zum Trinken freigegeben wird, muss eine Probe auf der Erde analysiert werden. Diese wird noch während der Mission genommen und zur Erde gebracht. Diese beiden, sowie ein Experimentenrack wurden im Destiny-Modul eingebaut. Allerdings wies das Wasserrecyclingsystem am nächsten Morgen eine Fehlfunktion auf.

Die zweite EVA durch Heidemarie Stefanyshyn-Piper und Robert Kimbrough erfolgte am 20. November 2008 (6h 45m). Ihre erste Aufgabe war die Verlegung zweier Ausrüstungstransporter von der Steuerbord- zur Backbordseite des Mobile Base Systems, um es für die Installation des S6-Segments während STS-119 vorzubereiten. Während Heidemarie Stefanyshyn-Piper die Arbeiten am Steuerbord-SARJ fortsetzte, säuberte und fettete Robert Kimbrough den Greifpunkt des Roboterarms der Station. Anschließend begab er sich ebenfalls zum SARJ und half ihr bei den weiteren Arbeiten.

Am achten Flugtag, kurz nachdem die Endeavour die Station um etwa 1,8 Kilometer angehoben hat, konnte endlich das Problem in der Wasserrecyclinganlage gefunden werden. Im UPA (Urine Processing Assembly) gab es einen mechanischen Defekt an einer zum Destillationssystem zugehörigen Zentrifuge. Diese kam nach etwa zwei Stunden Betrieb in Kontakt mit einem Geschwindigkeitssensor, welcher die sofortige Abschaltung des Geräts herbeiführte. Da erst ein Reparaturplan ausgearbeitet werden musste, wurden den restlichen Tag über die Transferaktivitäten fortgeführt. Darunter war der Total Organic Carbon Analyzer (TOCA), mit welchem in den Folgetagen erste Wasserproben aus dem Wasserrecyclingsystem untersucht wurden.

Die dritte EVA erfolgte durch Heidemarie Stefanyshyn-Piper und Stephen Bowen am 22. November 2008 (6h 57m) zur Fortsetzung der bisherigen Arbeiten (Wartung SARJ und Austausch der Drehgelenkslager).

Die vierte und letzte EVA wurde durch Stephen Bowen und Robert Kimbrough am 24. November 2008 (6h 07m) ausgeführt. Zunächst wurden mehrere Abdeckungen vom Backbord-SARJ entfernt. Robert Kimbrough unternahm dann Wartungsarbeiten am diesem SARJ, während Stephen Bowen die im Verlauf der ersten EVA abgenommenen Schutzabdeckungen am Kibo-Modul wieder anbrachte. Danach wurden noch 2 GPS-Antennen am Kibo-Modul montiert, während Robert Kimbrough eine neue Fernsehkamera am P1-Gitterelement anbrachte.

Zwischenzeitlich hatte die Bodenkontrolle entschieden, die Mission von Endeavour um einen Tag zu verlängern, um nach diversen vergeblichen Versuchen, das Wasserrecyclingsystem an Bord der Station endlich zu reparieren, was letztendlich dann auch gelang.

Über Nacht wurde das Steuerbord-SARJ für drei Stunden auf Automatik gestellt. Es arbeitete weitaus besser als erwartet, soll jedoch noch weiter getestet werden, bevor es wieder den Regelbetrieb aufnimmt. Auch der Urinverarbeiter hatte drei komplette Arbeitszyklen hinter sich gebracht und funktionierte nun einwandfrei, wurde jedoch wesentlich lauter. Weiterhin wurden Vorbereitungen zum Abdocken des für den Rückflug beladenen MPLMs getroffen. Es wurde am 13. Flugtag von Harmony entfernt und um 10:52 UTC in Endeavours Nutzlastbucht für den Heimflug zur Erde sicher befestigt.

Am 28. November 2008 um 14:47 UTC koppelte die Endeavour-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Eric Boe die Orbitalstation eineinhalb Mal, ehe die Triebwerke der Endeavour erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte. Der Orbiter stoppte dann in einer Entfernung von etwa 75 Kilometern. Mit Hilfe des OBSS wurde eine letzte Überprüfung des Hitzeschutzschildes vorgenommen. Im Notfall hätte das Space Shuttle zur Internationalen Raumstation zurückkehren können.

Am 16. Flugtag, dem 29. November 2008 wurde um 20:35 UTC das Pico-Satellite Solar Cell Experiment (PSSC) im Raum ausgesetzt, ein kleiner Satellit zur Untersuchung des Einflusses der Weltraumstrahlung auf zwei neue Typen von Solarzellen. Während des übrigen Flugtages wurden die für die Landung benötigten Systeme aktiviert und getestet. Weiterhin wurden nicht mehr benötigte Utensilien verstaut.

Wegen schlechten Wetters im bevorzugten Landegebiet in Cape Canaveral (KSC) landete die Endeavour nach zwei zusätzlichen Erdumkreisungen auf der Edwards AFB.

Anmerkung

Sandra Magnus am 28. März 2009 um 19:13 UTC mit STS-119 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

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Letztes Update am 25. November 2014.