Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 226

STS-108

Endeavour (17)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  05.12.2001
Startzeit:  22:19 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  354 - 377 km
Inklination:  51,64°
Ankopplung ISS:  07.12.2001, 20:03:29 UTC
Abkopplung ISS:  15.12.2001, 17:28:00 UTC
Landedatum:  17.12.2001
Landezeit:  17:55 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Gorie  Dominic Lee Pudwill  CDR 3 11d 19h 36m  186 
2  Kelly  Mark Edward  PLT 1 11d 19h 36m  186 
3  Godwin  Linda Maxine  MSP 4 11d 19h 36m  186 
4  Tani  Daniel Michio  MSP 1 11d 19h 36m  186 
5  Onufrijenko  Juri Iwanowitsch  ISS-CDR 2 195d 19h 39m  3081 
6  Bursch  Daniel Wheeler  Bordingenieur 4 195d 19h 39m  3081 
7  Walz  Carl Erwin  Bordingenieur 4 195d 19h 39m  3081 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Gorie
2  Kelly
3  Godwin
4  Tani
5  Walz
6  Onufrijenko
7  Bursch
8  
Landung
1  Gorie
2  Kelly
3  
4  Tani
5  Godwin
6  Culbertson
7  Tjurin
8  Deshurow

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
5  Padalka  Gennadi Ivanovich  ISS-CDR
6  Robinson  Stephen Kern  Bordingenieur
7  Fincke  Edward Michael "Mike"  Bordingenieur

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC).

Der ursprünglich für den 29. November 2001 vorgesehene Start der Endeavour wurde zunächst auf den 04. Dezember 2001 neu festgesetzt. Hierdurch sollte der Besatzung der dritten ISS-Expedition mehr Zeit für einen Weltraumspaziergang gegeben werden, bei dem Probleme mit der Mechanik eines russischen Raumfrachter vom Typ Progress behoben werden sollten. Wegen schlechten Wetters in Florida musste dieser Startversuch aber abgebrochen werden.

Höchste Priorität vom Flug von STS-108 (ISS-12-UF1) besaß der Austausch der ISS-Stammbesatzung. Zudem wurde eine große Anzahl verschiedener wissenschaftlicher Experimente wurde bei diesem Flug mit dem italienischen Mehrzweckmodul MPLM Raffaello angeliefert.

Das Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) Raffaello, (Deutsch Mehrzwecklogistikmodul), wurde verwendet, um bei Space-Shuttle-Missionen Frachten zu und von der Internationalen Raumstation (ISS) in einem unter Luftdruck stehenden Raum zu transportieren.
Das Modul wurde während des Transportes mit dem Shuttle in dessen Ladebucht befestigt. Nach dem Andocken an die ISS wurde das MPLM mit Hilfe des Roboterarmes Canadarm2 aus der Ladebucht gehoben und am Unity-Modul angekoppelt. Anschließend wurde die Luke des Moduls geöffnet und die Astronauten erhielten Zugang zum MPLM, um es zu entladen sowie mit den zur Erde zu bringenden Frachten zu beladen. Bevor das Shuttle von der Station ablegte, wurde das Modul wieder in der Ladebucht befestigt und kehrte anschließend zusammen mit der Raumfähre zur Erde zurück.
Der wesentliche Vorteil dieses Verfahrens lag darin, dass Transportgüter, insbesondere die sogenannten International Standard Payload Racks, direkt vom MPLM in den amerikanischen Teil der Station verladen werden konnten. Kopplungsadapter vom APAS-Typ russischer Bauart, die auch zum Andocken des Space Shuttles benutzt werden, haben einen wesentlich geringeren Durchmesser und lassen kein Verladen sperriger Gegenstände zu. Weiterhin ermöglichte der Einsatz des MPLM, nicht mehr benötigte Ausrüstung und beendete Experimente zurück zur Erde zu transportieren. Andere Transportschiffe wie die unbemannten Progress- und ATV-Frachter verglühen beim Wiedereintritt und transportieren daher ausschließlich Müll von der Station ab.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Endeavour, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant Dominic Gorie das spätere Docking erleichtern soll.

Den Gesetzen der Bahnmechanik folgend holte die Endeavour von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 07. Dezember 2001, hatte die Endeavour einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Endeavour schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm Dominic Gorie die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. Nach den üblichen Haltepunkten bei 52 Meter und 9 Meter vor der ISS reduzierte er die Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Knapp eine Stunde später öffneten Shuttle-Kommandant Dominic Gorie und ISS-Kommandant Frank Culbertson die Luken. Dem schloss sich eine kurze Begrüßungszeremonie an.
Juri Onufrijenko, Carl Walz und Daniel Bursch wurden als vierte Expedition die neue Besatzung der ISS. Sie bauten die mitgebrachten Schalensitze in das angekoppelte Raumschiff Sojus TM-33 ein. Dies geschah als Vorsichtsmaßnahme für den Fall einer überhasteten Rückkehr vor Abholung durch das nächste Space Shuttle. Die Mannschaft der dritten Expedition (Frank Culbertson, Michail Tjurin und Wladimir Deshurow) kehrte mit STS-108 zur Erde zurück. Für ihren Rückflug waren im Mitteldeck des Orbiters Liegesitze eingebaut worden.

Ein Weltraumspaziergang durch Linda Godwin und Daniel Tani wurde am 10. Dezember 2001 (4h 15m) zur Befestigung von Isolierungen von zwei Motoren für Sonnensegel unternommen. Die Astronauten waren aber nicht in der Lage einen Träger für ein Sonnensegel zu straffen. Unterstützt wurden sie von Mark Kelly, der vom Orbiter aus den Greifarm steuerte und Gerät und Astronauten beförderte.

Zwischenzeitlich hatte die Flugkontrolle entschieden, die Mission auf 12 Tage zu verlängern. Den beiden Besatzungen sollte dadurch mehr Zeit für die Transportarbeiten, aber auch Reparaturarbeiten gegeben werden. So musste ein ausgefallener Kompressor in der Luftversorgungsanlage im russischen Modul Swesda ausgetauscht werden.

Die Crew lud drei Tonnen Versorgungsgüter um, die von der Erde in dem Transportmodul Raffaello mitgebracht wurden. Auf dem Rückflug enthielt das Modul zwei Tonnen überflüssige Ausstattungsgüter wie z.B. Essensbehälter und Kleidung. Vor Verlassen der ISS wurde die Umlaufbahn der Station angehoben, um einem alten russischen Raketenkörper auszuweichen.

Am 12. Dezember 2001 trat ein Problem mit einer der drei Inertial Measurement Units (IMUs), die der Navigation des Space Shuttle dienen auf. Da zur Einsparung von elektrischer Energie eine weitere IMU abgeschaltet war, wurde diese sofort wieder hochgefahren. Die Sicherheit des Orbiter war durch den Ausfall nicht beeinträchtigt.

Am 15. Dezember 2001 koppelte die Endeavour-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Mark Kelly die Orbitalstation eineinviertel Mal, ehe die Triebwerke der Endeavour erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.

Letztlich erfolgte nach der Ankopplung von der ISS der Ausstoß des kleinen Satelliten STARSHINE. Damit sollten Daten über die Verschmutzung der oberen Erdatmosphäre gesammelt werden. An dem Projekt beteiligten sich mehr als 30.000 Schüler und Studenten aus 26 Ländern.

Anmerkung

Juri Onufrijenko, Carl Walz und Daniel Bursch am 19. Juni 2002, 17:58 UTC mit STS-111 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

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Letztes Update am 12. April 2014.