Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 103

Sojus T-13

Pamir

UdSSR

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  06.06.1985
Startzeit:  06:39 UTC
Startort:  Baikonur
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  198 - 222 km
Inklination:  51,6°
Ankopplung Saljut 7:  08.06.1985, 08:50 UTC
Abkopplung Saljut 7:  25.09.1985, 03:58 UTC
Landedatum:  26.09.1985
Landezeit:  09:51 UTC
Landeort:  220 km NO von Dsheskasgan

Crew auf dem Weg zum Start

hochauflösende Version (816 KB)

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Dshanibekow  Wladimir Alexandrowitsch  Kommandant 5 112d 03h 12m  1774 
2  Sawinych  Wiktor Petrowitsch  Bordingenieur 2 168d 03h 51m  2661 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Dshanibekow
2  Sawinych
Landung
1  Dshanibekow
2  Gretschko

Animationen: Sojus

(erfordert Macromedia Flash Player)
mit freundlicher Genehmigung von www.marscenter.it

Double-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Popow  Leonid Iwanowitsch  Kommandant
2  Alexandrow  Alexander Pawlowitsch  Bordingenieur

Flugverlauf

Die Kosmonauten starteten mit ihrem Raumschiff Sojus T-13 vom Kosmodrom Baikonur. Die Landung erfolgte 220 km nordöstlich von Dsheskasgan.

Nach zweitägigem Alleinflug koppelte Sojus T-13 am 08. Juni 1985 an Saljut 7 an. Die Kosmonauten wurden die vierte Stammbesatzung der Raumstation.

Die Mission war die erste echte Rettungsmission für eine zuvor vollständig ausgefallene Raumstation. Die Station war seit 8 Monaten nicht bewohnt und aufgrund eines Solarzellenproblems ohne Strom. Sojus T-13 war das erste Raumschiff, welches an die inaktive Raumstation manuell ankoppelte. Daher wurde das Raumschiff angepasst, um die Annäherungsmanöver zu vereinfachen.

Diese Mission gilt als eine der größten Leistungen in der Historie der bemannten Raumfahrt. Während der automatischen Flugphase war die Lageregelung der Raumstation ausgefallen, so dass die Solarzellen nicht mehr optimal zur Sonne ausgerichtet wurden. Daraufhin brach das Energiesystem der Station zusammen. Saljut 7 trudelte unkontrolliert. Wladimir Dshanibekow gelang nach mehrfachem Umfliegen der Station mit Hilfe neuer Ortungs- und Navigationssysteme (Laserentfernungsmesser, Nachtsichtgerät, Radarerfassungssystem) die Ankopplung.

Wladimir Dshanibekow bemerkte, dass die Thermoabdeckung der Transferabteilung stumpf und grau aussah, verursacht durch die langandauernde Sonneneinstrahlung. Sobald das Sojus-Raumschiff das erste Mal an dieser inaktiven Raumstation angedockt hatte, konnte die Besatzung bestätigen, dass die Station elektrisch tot war, nachdem sie die elektrischen Verbindungen zur Station überprüft hatten.

Beide Kosmonauten überprüften die Atmosphäre der Station, bevor sie die Luke öffneten. Die Luft war kalt, konnte aber geatmet werden. Reif bedeckte die Wände und Ausrüstung. Die Kosmonauten trugen Wintersachen, einschließlich fellgefütterten Mützen, als sie die Station betraten. An Bord musste zunächst bei großer Kälte in Raumanzügen gearbeitet werden.

Die erste Aufgabe war, die Stromversorgung wiederherzustellen. Die acht Batterien waren entladen und zwei von ihnen zerstört. Wladimir Dshanibekow fand heraus, dass ein Sensor die Ausrichtung der Solarpanele verhinderte und deswegen die Akkumulatoren nicht aufgeladen wurden. Ein Problem mit dem Telemetriefunk verhinderte, dass das Problem überhaupt entdeckt werden konnte. Saljut 7 hat daher die Batterien entladen, alle Systeme heruntergefahren und den Funkkontakt unterbrochen. Zuerst mussten die Kosmonauten die Batterien aufladen. Sie nutzten das Sojus-Raumschiff, um die Solarflächen in die Sonne zu drehen. Am 10. Juni 1985 schalteten sie die Luftheizung an. Die Kosmonauten mussten sich auf die Lufterneuerungsanlagen in Sojus T-13 verlassen bis sie die Saljut-Systeme wieder hochgefahren hatten. Die Orientierungssteuerung konnte am 13. Juni 1985 wieder zugeschaltet werden. Das war Voraussetzung zum Empfang eines Progress-Versorgungsraumschiffes mit dringend benötigten Ersatzteilen. Die Heizung in den Wänden konnte erst eingeschaltet werden, als aller Reif verdunstet war, da sonst das Tauwasser in die Geräte eingedrungen wäre. Eine normale Luftfeuchtigkeit wurde Ende Juli 1985 erreicht. Die Wassertanks der Station tauten Ende Juni 1985 auf. Der Frost hatte den Wasserkocher zerstört, so dass die Kosmonauten starke Fernsehleuchten zur Erwärmung nutzen mussten.

Nachdem die Station wieder funktionstüchtig war, konnten auch wieder wissenschaftliche Forschungsarbeiten durchgeführt werden. Neben Erderkundung und Atmosphärenforschung (Nordlichter, Wolkenbildung) galten erste Experimente der Erfassung des Einflusses der Station auf die Umgebung mit der Apparatur ASTRA. Daneben wurden medizinische und astronomische Untersuchungen (Elektronenströme) vorgenommen. Neben Materialerprobungen für künftige Stationen und weiteren Instandhaltungsarbeiten, darunter die Überprüfung der Kopplungsaggregate sowie des Flugführungs- und Annäherungssystems stand eine schwierige EVA durch Wladimir Dshanibekow und Wiktor Sawinych am 02. August 1985 (5h 00m) an, bei der Detektoren ausgetauscht wurden und - zur Erweiterung der Energiekapazität der Station - zwei weitere zusätzliche Segmente an der dritten Solarzellenfläche angebracht wurden.

Vor der Rückkehr zur Erde führte Sojus T-13 dreißig Stunden lang Annäherungs- und Kopplungstests durch. Schließlich kehrten Wladimir Dshanibekow mit Georgi Gretschko (mit Sojus T-14 gestartet) zur Erde zurück, während Wiktor Sawinych weiter in der Station blieb.

In ihren Raumanzügen hatten die Kosmonauten ihre Plätze im Landemodul eingenommen, nachdem sie die Luke zur Orbitalsektion geschlossen hatten. Dann richteten sie das Raumschiff so aus, das die Triebwerke des Geräteteils in Flugrichtung zeigten. Diese wurden kurz darauf für 105,6 Sekunden gezündet und leiteten den Abstieg zur Erdoberfläche ein. Im nächsten Schritt erfolgte das planmäßige Abtrennen der Orbitalsektion und des Geräteteils, die beide in der Erdatmosphäre verglühten. Das verbleibende Landemodul wurde so ausgerichtet, dass der Eintrittswinkel für eine möglichst genaue Landung in Kasachstan erreicht wurde. Nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre brach der Funkkontakt wegen der heißen Plasmagase rund um die Kapsel ab. Dann löste sich der Deckel des Fallschirmbehälters und der Bremsfallschirm wurde ausgestoßen. Nachdem auch der Hitzeschutzschild abgetrennt worden war, schwebte die Sojus an ihrem Hauptfallschirm Richtung Erdboden. Kleine Feststoff-Bremsraketen, die kurz vor dem Berühren des Bodens ausgelöst worden waren, verminderten die Aufprallgeschwindigkeit. Sofort nach der erfolgreichen Landung wurden die Fallschirmleinen gekappt, damit die Kapsel nicht durch den Wind über den Boden gezogen werden konnte. Nach der Landung gehört es zum Ritual, dass die Kosmonauten das Raumschiff mit ihrer Unterschrift versehen.

Anmerkung

Wiktor Sawinych am 21. November 1985 um 10:31 UTC mit Sojus T-14 gelandet.

Fotos / Zeichnungen

 

©      

Letztes Update am 29. November 2014.