Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 110

STS-61B

Atlantis (2)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  27.11.1985
Startzeit:  00:29 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  416 km
Inklination:  28,5°
Landedatum:  03.12.1985
Landezeit:  21:33 UTC
Landeort:  Edwards AFB

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Shaw  Brewster Hopkinson, Jr.  CDR 2 6d 21h 04m  109 
2  O'Connor  Bryan Daniel "O.C."  PLT 1 6d 21h 04m  109 
3  Spring  Sherwood Clark "Woody"  MSP 1 6d 21h 04m  109 
4  Cleave  Mary Louise  MSP 1 6d 21h 04m  109 
5  Ross  Jerry Lynn  MSP 1 6d 21h 04m  109 
6  Walker  Charles David  PSP 3 6d 21h 04m  109 
7  Neri Vela  Rodolfo  PSP 1 6d 21h 04m  109 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Shaw
2  O'Connor
3  Ross
4  Cleave
5  Spring
6  Walker
7  Neri Vela
Landung
1  Shaw
2  O'Connor
3  Spring
4  Cleave
5  Ross
6  Walker
7  Neri Vela

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
6  Wood  Robert Jackson  PSP
7  Peralta y Fabi  Ricardo  PSP

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Flugverlauf

Die Atlantis begann ihren Aufstieg in die Erdumlaufbahn von Cape Canaveral (KSC). Die Raumfähre landete auf der Edwards AFB.

Zu den wesentlichen Missionszielen gehörte das Aussetzen der Nachrichtensatelliten MORELOS B (Mexiko), AUSSAT-2 (Australien) und RCA SATCOM K-2 (USA) sowie zwei Außenbordeinsätze für Versuche zum Bau einer Gitterkonstruktion aus Rohrelementen.

Gleich nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn stand das Aussetzen der drei Nachrichtensatelliten im Vordergrund.
Zuerst war der mexikanische Satellit MORELOS B dafür vorgesehen. Der Satellit war 2,84 Meter hoch. Mit ausgeklappter Parabolantenne und dem unteren Solarflächenzylinder erreichte er dann 6,60 Meter bei einer Masse von 650 kg. Für die Einhaltung der Orbitposition sorgen vier mit Hydrazin betriebenen Triebwerken. Der Treibstoffvorrat reichte für neun Jahre Lebensdauer.
Wie bei früheren Missionen wurde der Sonnenschutzschild des Containers geöffnet, der Satellit in eine Längsachsenrotation von 50 Umdrehungen pro Minute gebracht und dann mit Hilfe der vorgespannten Federn langsam aus dem Frachtraum der Atlantis geschoben. Kommandant Brewster Shaw drehte dann dem Satelliten die Unterseite des Orbiters zu, damit die Abgase des Triebwerkes nicht zu Verunreinigungen führen. Etwa 45 Minuten später zündete die Oberstufe vom Typ PAM-D und beförderte MORELOS B in Richtung geostationäre Erdumlaufbahn.

Das Aussetzen des australischen Nachrichtensatelliten AUSSAT-2 stand am zweiten Tag auf dem Flugplan. Der Satellit hatte einen Durchmesser von 2,19 Meter bei einer Höhe von 2,80 Metern. In ausgeklapptem Zustand erreichte AUSSAT-2 6,58 Meter. Seine Startmasse betrug ohne Oberstufe 1.260 kg. Er verfügte über insgesamt 15 Transponder mit unterschiedlichen Bandbreiten und Sendestärken. Seine erwartete Lebensdauer betrug mindestens sieben Jahre.
In der Folgezeit wiederholte sich das Prozedere des Vortages und AUSSAT-2 verließ planmäßig den Frachtbereich des Space Shuttle. Die Oberstufe PAM-D zündete erneut etwa 45 Minuten nach dem Aussetzen und brachten den Nachrichtensatelliten erfolgreich auf eine geostationäre Umlaufbahn.

Für den dritten Flugtag war das Aussetzen von RCA SATCOM K-2 vorgesehen. Das war ein neuentwickelter Satellitentyp mit wesentlich stärkerer Sendeleistung im Ku-Band. Er hatte einen kastenförmigen Grundkörper mit den Abmessungen 1,70 x 2,13 x 1,52 Meter. Mit seinen zwei vierteiligen Solarauslegern erreichte er eine Spannweite von 19,8 Meter. Er verfügte über 16 Ku-Band-Transponder mit jeweils 45 Watt Sendeleisung. Mit SATCOM K-2 kam in den USA der Durchbruch für den TV-Direktempfang mit kleinen Parabolantennen. Die Betreiber gingen von einer Mindestlebensdauer von zehn Jahren aus.
Es wiederholte sich dann der Aussetzvorgang wie bei den beiden anderen Satelliten. Die Besonderheit war dann der erstmalige Einsatz der neuen Oberstufe PAM-D2. Dabei handelte es sich um eine Weiterentwicklung der PAM-D-Oberstufe. Die Weiterentwicklung kann nun bis zu 1,9 Tonnen in eine geostationäre Umlaufbahn bringen. Die neue Oberstufe zündete wie vorgesehen und brachte auch diesen Nachrichtensatelliten in den geostationären Orbit. Damit waren die ersten Missionsziele erreicht und der Orbiter um etwa 12,5 Tonnen leichter.

Für den Aufbau der damals bereits in der Planungsphase befindlichen Raumstation ist der Zusammenbau größerer Strukturen in der Erdumlaufbahn unerlässlich. Ein erster Test wurde bei der Mission STS-41D mit großen, ausrollbaren Solarzellenflächen unternommen. Für STS-61B sollte der testweise Zusammenbau von Gitterkonstruktionen aus Rohrelementen im Vordergrund stehen.
Für die erste EVA verließen Jerry Ross und Sherwood Spring am 29. November 1985 (5h 32m) den Orbiter. Ihre erste Aufgabe war der Bau des ACCESS-Turmes. Es gehörte zum Konzept, dass sehr große Strukturen von einem festen Arbeitsplatz aus errichtet werden sollten. ACCESS stand für "Assembly Concept for Construction of Erectable Space Structures", also eine Turmkonstruktion mit 93 Aluminiumstreben von 2,54 cm Durchmesser. Dazu kamen 33 Verbindungselemente, mit denen jeweils sechs Stangen verbunden werden konnten. Die Streben steckten in zwei köcherartigen Behältern, während die Verbindungsstangen in einer Art Trommel untergebracht waren. Als Montagebasis diente ein 3,35 Meter hohes Metallgerüst mit drei Führungsschienen. Es sollten sogenannte "Bays" errichtet werden, die entlang der Führungsschienen nach oben geschoben werden konnten. Jerry Ross und Sherwood Spring bauten jeweils fünf dieser Bays zusammen und lösten sich dann ab. Nach knapp einer Stunde hatten sie den Turm fertig zusammengebaut. Auch der Abbau des Turms verlief reibungslos. Wieder wechselten sich Jerry Ross und Sherwood Spring nach jeweils fünf Bays ab.
Im zweiten Teil der EVA war der Aufbau der EASE-Pyramide vorgesehen. Hinter der Abkürzung verbarg sich "Experimental Assembly of Structures in EVA". Die Konstruktion bestand aus sechs Aluminiumstangen mit jeweils einer Länge von 3,66 Metern und einer Masse von 29 kg. Dazu kamen sechs identische Verbindungselemente. Diese Eckverbinder waren so gebaut, dass sich aus den Stangen ein Tetraeder bauen ließ, also eine Pyramide mit vier gleichen Seitenflächen. Sowohl an den Stangen als auch an den Eckverbindern ließ sich ein Sicherungsseil befestigen, so dass keine Teile der Pyramide beim Zusammenbau frei im All schwebten. Während ein Astronaut auf einer Fußhalterung verankert war, schwebte der andere Astronaut nur durch ein Seil gesichert frei im Raum. Damit sollten Reparaturen getestet werden, wenn dafür keine Fußhalterungen zur Verfügung stehen. Im Laufe der EVA stellte es sich heraus, dass diese Arbeiten wesentlich schwieriger waren, als man zunächst angenommen hatte. Zunächst baute Sherwood Spring die Pyramide viermal komplett auf und wieder ab, ehe auch Jerry Ross vier Montagezyklen absolvierte. Es zeigte sich, dass die Astronauten mit jeder Montage routinierter wurden und entsprechend weniger Zeit benötigten. Als letzte Aufgabe dieser EVA sollte erstmals ein Objekt per Hand in eine eigene Umlaufbahn entlassen werden. Es handelte sich um ein OEX-Target, das als experimentelles Rendezvousziel dienen sollte. Sherwood Spring nahm das Objekt in die Hand und ließ es einfach los.

Am 01. Dezember 1985 unternahmen Jerry Ross und Sherwood Spring dann die zweite EVA (6h 42m). Bei diesem Außenbordeinsatz sollten unter Einbeziehung des Shuttle-Greifarms vergleichbare Strukturen wie bei der ersten EVA aufgebaut werden. Die Schwierigkeit bestand darin, den RMS genau an die benötigte Stelle im vorderen Drittel des Frachtraumes zu positionieren. Die Gelenke des Greifarmes wurden dabei bis an ihre Grenzen belastet. Zunächst bauten Jerry Ross und Sherwood Spring wieder den ACCESS-Turm auf und befestigten sogar eine Flagge der USA daran. Gebaut wurden jedoch nur neun Bays. Die zehnte Bay sollte Jerry Ross hoch über dem Frachtraum vom RMS aus anfügen. Auch dies funktionierte problemlos. Im nächsten Schritt begann Jerry Ross mit dem Verlegen eines elektrischen Kabels entlang des ACCESS-Turmes. Mary Cleave bewegte den Greifarm langsam nach oben, so dass Jerry Ross das Kabel mit Clips befestigen konnte. Auf dem Rückweg wurde es wieder abmontiert. Danach löste Sherwood Spring den gesamten ACCESS-Turm aus den Führungsschienen, während Jerry Ross ihn vom RMS aus etwa in der Mitte festhielt. Dann bewegte er ihn vorsichtig und drehte ihn um die Längsachse. Nachdem der ACCESS-Turm wieder sicher verankert war, begann Sherwood Spring mit der Simulation verschiedener Reparaturarbeiten. Zuerst brachte ihn Mary Cleave an die Spitze des Turmes. Dort demontierte er die oberste Bay. Dann musste er eine "beschädigte" Strebe an der achten Bay auswechseln. Nachdem er die oberste Bay wieder montiert hatte, erfasste er den Turm etwa in der Mitte und Jerry Ross löste die Befestigung vom Metallgerüst. Sherwood Spring drehte den freischwebenden Turm um alle Achsen. Schließlich begann er damit, den Turm Handgriff für Handgriff in eine Richtung wandern zu lassen, bis er eines der Enden festhielt.
Im zweiten Teil der EVA bauten die Astronauten zwei Stangen der EASE-Pyramide linear zusammen. Das entsprach in etwa einem Wärmerohr wie es für die Thermalregelung einer Raumstation zum Einsatz kommen könnte. Nach Bewegungstests mit dem langen Gegenstand führten die beiden Astronauten den Zusammenbau der Pyramide unter Einsatz des Greifarmes durch. Jerry Ross löste dann die fertige Pyramide aus der Verankerung und Sherwood Spring konnte die Pyramide mit seinen Händen rotieren lassen. Schwierigkeiten traten erst auf, als Jerry Ross die Pyramide wieder befestigen wollte, weil er einen Sicherungsstift nicht in Position bringen konnte. Er montierte einen Ersatz-Eckverbinder, der das Problem löste. Danach tauschten die beiden Astronauten ihre Plätze. Jerry Ross wurde durch Mary Cleave an einen Eckverbinder befördert, während Sherwood Spring die Verankerung löste. Jerry Ross versetzte die Pyramide in Rotation, die er ohne Probleme mit der Hand wieder stoppen konnte. Nach diesem letzten Versuch bauten die Astronauten EASE wieder ab und verstauten die Einzelteile im Frachtraum.

Im Mitteldeck der Atlantis befanden sich folgende Experimente:

"Continuous Flow Electrophoresis System" (CFES): Bei STS-61B ging es erneut darum, eine größere Menge einer biologischen Substanz in der Elektrophorese-Anlage zu verarbeiten. Das danach in außerordentlich hoher Reinheit vorliegende Hormon sollte später in klinischen Versuchen erprobt werden. Zusätzlich arbeitete Charles Walker an der Frage, was das optimale Konzentrationsverhältnis von Probenmaterial zu Trägerflüssigkeit ist.

"Diffusive Mixing of Organic Solutions" (DMOS): Dieses Experiment hatte die Herstellung von Kristallen aus in Lösung vorliegenden organischen Substanzen zum Ziel. Es befand sich nach STS-51A bereits zum zweiten Mal an Bord des Space Shuttle. Es wurde für die Firma 3M durchgeführt.

"Protein Crystal Growth Experiment" (PCG): Es sollte versucht werden, möglichst große und perfekte Proteinkristalle zu erzeugen. Mit Hilfe von Röntgenanalysen auf der Erde sollte die Struktur dieser Kristalle ermittelt werden.

"Getaway Special Experiment" der Telesat of Canada: Es handelte sich um ein kanadisches Studentenexperiment, bei dem unter Ausnutzung des Hochvakuums Spiegeloberflächen mit besten optischen Eigenschaften hergestellt werden sollten. Dazu wurden in sechs Zylindern verschiedene Metalle (Aluminium, Silber, Gold und Natrium) verdampft. Die Dämpfe bildeten auf vorbereiteten Flächen spiegelnde Schichten.

"IMAX Cargo Bay Camera" (ICBC): Bei STS-61B war erstmals eine solche Großformatkamera im Frachtraum untergebracht. Neben dem Aussetzen der drei Nachrichtensatelliten wurden vor allem die Arbeiten während der beiden Außenbordeinsätze aufgenommen.

"Mexican Payload Specialist Experiments" (MPSE): Unter dieser Bezeichnung wurden alle Experimente des mexikanischen Nutzlastspezialisten Rodolfo Neri Vela, dem ersten Mexikaner im Weltraum, zusammengefasst. Er betreute fünf Experimente zu Bakterienkulturen im Orbit, zur Nährstoffaufnahme von Pflanzen im Orbit, zur Messung elektrischer Wechselspannungen am menschlichen Körper, zum Wachstum von Pflanzen bei völliger Dunkelheit und zur fotografischen Dokumentation von Mexiko und vor allem Mexiko City.

Die Landung erfolgte eine Erdumkreisung früher als geplant. Der Grund war, dass vorangegangene Regenfälle zu Pfützen geführt hatten, die ansonsten bei einem höheren Sonnenstand zu Blendungen geführt hätten.

Fotos / Zeichnungen

EVA Ross und Spring
STS-61B im Orbit
 

mehr EVA-Fotos


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Letztes Update am 21. Juli 2014.