Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 158

STS-57

Endeavour (4)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  21.06.1993
Startzeit:  13:07 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  402 - 471 km
Inklination:  28,45°
Landedatum:  01.07.1993
Landezeit:  12:52 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Grabe  Ronald John  CDR 4 9d 23h 44m  155 
2  Duffy  Brian  PLT 2 9d 23h 44m  155 
3  Low  George David  MSP 3 9d 23h 44m  155 
4  Sherlock  Nancy Jane  MSP 1 9d 23h 44m  155 
5  Wisoff  Peter Jeffrey Kelsay "Jeff"  MSP 1 9d 23h 44m  155 
6  Voss  Janice Elaine  MSP 1 9d 23h 44m  155 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Grabe
2  Duffy
3  Low
4  Sherlock
5  Wisoff
6  Voss
Landung
1  Grabe
2  Duffy
3  Wisoff
4  Sherlock
5  Low
6  Voss

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung in Cape Canaveral (KSC).

Tief hängende Wolken und Regen am Kennedy Space Center sowie ebenfalls schlechte Wetterbedingungen an den Notlandeplätzen führten zu einer 24-stündigen Verschiebung des für den 20. Juni 1993 geplanten Starts.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Mission gehörte das Einfangen der europäischen Plattform EURECA, die während der Mission STS-46 im Sommer 1992 ausgesetzt worden war. Nach mehreren Triebwerkszündungen der Endeavour war die Entfernung zu EURECA geschrumpft. Zu Beginn des vierten Flugtages erfolgte der TI-Burn, der mit einem Geschwindigkeitsunterschied von 3,4 km/h die Endeavour in eine 474 x 478 km messende Umlaufbahn brachte - gerade richtig, um EURECA in ihrem kreisförmigen Orbit bei 476 km einzufangen. Als der Satellit nur noch 15 km entfernt war, hatte David Low den Greifarm der Endeavour in die Position zum Einfangen gebracht. Die Batterien von EURECA waren voll aufgeladen, so dass einem Einklappen der Solarzellenflügel nichts mehr im Weg stand. Diese ließen sich auch problemlos einklappen. Inzwischen war die Endeavour bis auf 762 Meter an den Satelliten herangekommen. Kurz darauf kam vom ESOC in Darmstadt das Signal zum Einfahren der beiden Antennen. Anstatt einzurasten blieben beide Antennen kurz vor ihrer endgültigen Position stehen. Da das Problem nicht sofort gelöst werden konnte, bewegte David Low den Greifarm auf die letzten Meter auf EURECA zu und fing den Satelliten ein. Die Kontrollzentren entschieden, EURECA trotz der losen Antennen in der Ladebucht zu verstauen und das Problem später zu untersuchen. Die Zeit drängte, weil die Batterien von EURECA langsam erschöpft waren und der Satellit die Stromversorgung des Orbiters benötigte.

Die einzige EVA während dieses Fluges erfolgte durch David Low und Peter Wisoff am 25. Juni 1993 (5h 50m). Dabei wurden zunächst zwei Antennen von EURECA, die sich nicht automatisch einfahren ließen, manuell eingeklappt. Eigentlich waren für diese Arbeiten 80 Minuten eingeplant, aber schon beim Anbringen der Fußhalterung (PFR) am Greifarm der Endeavour kam es zu Verzögerungen. Nancy Sherlock bewegte den Greifarm mit David Low darauf zur ersten Antenne. Während das ESOC in Darmstadt die entsprechenden Signale an EURECA gab, drückte David Low gegen den Antennenmast. Erst im dritten Versuch und mit sehr viel Kraftaufwand gelang es David Low, die Antenne einrasten zu lassen. Für die zweite Antenne benötigte David Low ebenfalls einen weiteren Anlauf. Damit war EURECA für den Heimflug sicher in der Ladebucht der Endeavour verstaut.
Die eigentliche Aufgabe dieser EVA, Tests für die geplante Reparatur des Hubble-Space-Teleskops durchzuführen, musste gekürzt werden, weil für das Einrasten der Antennen deutlich mehr Zeit verbraucht worden war. Im ersten Teil dieser Tests ging es um die Handhabung von Massen. Dabei blieb David Low fest im PFR des Greifarms, während Peter Wisoff die Rolle der "Wide Field Planetary Camera" (WFPC) übernahm, die bei der Hubble-Reparatur ausgetauscht werden soll. Während David Low seinen Kameraden in Höhe der Brust festhielt, vollführte Nancy Sherlock verschiedene Bewegungen mit dem Greifarm. Hinzu kamen einige Düsenzündungen durch Brian Duffy. David Low berichtete später, dass er von den Düsenzündungen nichts mitbekommen habe auch die schnellen Stopps des Greifarms seien keine Behinderungen gewesen. Der zweite Teil dieser EVA sollte zeigen, wie genau ein Astronaut eine Masse bezüglich einer anderen bewegen kann. Hierzu sollte David Low seinen Kollegen lediglich in die Nähe der zweiten Fußhalterung bugsieren. Bei weiteren Übungen ging es darum, mit einem Drehmomentschlüssel 3-Zoll und 8-Zoll-Schrauben anzuziehen. Dabei sollte sich Peter Wisoff einmal mit einer Hand am Rand der Ladebucht festhalten, ein anderes Mal beide Hände zum Anziehen benutzen und schließlich noch mit einer Hand frei die Schrauben anziehen. Die beiden ersten Tests gelangen am besten.

Während des Restes der Mission arbeitete die Besatzung an Experimenten im Spacehab-Modul in der Ladebucht des Shuttle. Diese Experimente beinhalteten Untersuchungen von Körperstellungen, der Umwelt des Raumfahrzeuges, Kristallwachstum, Metalllegierungen, Schmutzwasser-Recycling und das Verhalten von Flüssigkeiten. Unter den Experimenten war eine Beurteilung von Instandhaltungswerkzeug, die für die Raumstation Freedom (die spätere ISS) vorgesehen war. Der sich mit dem Diagnosewerkzeug befassende Teil des "Tools and Diagnostic Systems Experiments" wurde von Nancy Sherlock durchgeführt. Mit Hilfe von elektronischen Testgerätschaften, die einen Oszillographen einschlossen, unternahm Nancy Sherlock Tests an einer Modellschaltung und kommunizierte mit der Bodenkontrolle über vorgeschlagene Reparaturprozeduren und ihre Resultate per Computer.

Zusätzlich führten Brian Duffy und Peter Wisoff Experimente zum Transport von Flüssigkeiten ohne die Verursachung von Blasen in der Flüssigkeit in der Schwerelosigkeit durch. Das „Fluid Acquisition and Resupply Experiment“ oder FARE genannte Experiment untersuchte Filter und Prozeduren die zu Methoden ein Raumfahrzeug im Orbit zu betanken führen könnten und beförderte Wasser zwischen transparenten Tanks mit 0,6 Metern Durchmesser im Mitteldeck der Endeavour. Dadurch konnten Ingenieure untersuchen, wie sich die Flüssigkeit verhielt, wenn die Endeavour ihre Steuerdüsen für kleine Manöver feuerte. Janice Voss arbeitete am „Liquid Encapsulated Melt Zone“ (LEMZ) Experiment, welches einen Vorgang, der „floating zone crystal growth“ genannt wird, nützte. Die Mikrogravitationsbedingungen erlauben es, im Weltraum große Kristalle zu züchten.

Ronald Grabe, Brian Duffy und Janice Voss nahmen an der „Neutralen Körperstellungen Untersuchung“ teil. Flugärzte bemerkten bei früheren Flügen, dass sich die Grundhaltung des Körpers in Mikrogravitation ändert. Diese Änderung, manchmal „Schwerelosigkeitshocke“ genannt, tritt zusätzlich zur fünf Zentimeter großen Verlängerung des Rückgrates während Raumfahrtmissionen auf. Um dieses Phänomen während der Dauer eines Raumfluges besser zu dokumentieren, wurde von den Besatzungsmitgliedern in einer entspannten Position Foto- und Videomaterial zu Beginn und zu Ende der Mission aufgenommen. Wissenschaftler nehmen diese Ergebnisse in die Spezifikationen für zukünftige Entwürfe von Raumfahrzeugen auf, um Arbeitsstationen und Wohnbereiche effizienter und komfortabler für Astronauten zu gestalten.

Nancy Sherlock führte Prozeduren zur Erfassung der Softwareergonomie durch. Sie baute eine Arbeitsplattform mit Laptop auf und führte eine simulierte Prozedur für ein Raumstationsantriebssystem durch.

Am 28. Juni 1993 führte Nancy Sherlock eine improvisierte Klempnerarbeit am Umweltkontrollsystem Flugexperiment (EFE) durch, eine Untersuchung zur Schmutzwasserbereinigung die möglicherweise an Bord von zukünftigen Raumfahrzeugen genutzt werden könnte. EFE nutzt eine Mischung aus Wasser und Jodkalium, um Schmutzwasser zu simulieren. Die Lösung wird durch eine Reihe von Filtern gepumpt, um sie zu reinigen. Während des Fluges konnte ein verminderter Wasserdurchfluss von den Experimentatoren beobachtet werden und sie entschieden sich, die Reparaturmaßnahme durchzuführen. Nancy Sherlock löste dazu einen Anschlussstutzen im Experiment, umwickelte den nun freien Stutzen mit einer absorbierenden Windel und ließ die Pumpe des Experiments unter Zuhilfenahme eines Laptops 20 Minuten in Umkehrrichtung pumpen, um die Verstopfung auszuspülen. Nancy Sherlock befestigte den Stutzen anschließend wieder und das Experiment konnte unter normalen Bedingungen von den Experimentatoren am Boden fortgeführt werden.

Wegen schlechten Wetters am KSC musste die Landung um 24 Stunden verschoben werden.

Fotos / Zeichnungen

Eureca
STS-57 im Orbit

Fotos Erdbeobachtung

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Letztes Update am 23. November 2014.