Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 150

STS-46

Atlantis (12)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  31.07.1992
Startzeit:  13:56 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  426 km
Inklination:  28,45°
Landedatum:  08.08.1992
Landezeit:  13:11 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Shriver  Loren James  CDR 3 7d 23h 15m  127 
2  Allen  Andrew Michael "Andy"  PLT 1 7d 23h 15m  127 
3  Nicollier  Claude  MSP 1 7d 23h 15m  127 
4  Ivins  Marsha Sue  MSP 2 7d 23h 15m  127 
5  Hoffman  Jeffrey Alan  MSP 3 7d 23h 15m  127 
6  Chang-Diaz  Franklin Ramon  MSP 3 7d 23h 15m  127 
7  Malerba  Franco Egidio  PSP 1 7d 23h 15m  127 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Shriver
2  Allen
3  Nicollier
4  Ivins
5  Hoffman
6  Chang-Diaz
7  Malerba
Landung
1  Shriver
2  Allen
3  Hoffman
4  Ivins
5  Nicollier
6  Chang-Diaz
7  Malerba

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
7  Guidoni  Umberto  PSP

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung in Cape Canaveral (KSC).

Die beiden Hauptziele der Mission waren das Aussetzen der frei fliegenden Experimente-Plattform EURECA (European Retrievable Carrier) sowie das Experiment TSS (Tethered Satellite Systems). EURECA war eine wiederverwendbare Plattform, die über 70 Experimente enthielt. Zu Beginn des Aussetzens - eigentlich ein Routinemanöver - führte Claude Nicollier den Greifarm der Atlantis langsam an EURECA heran. Schließlich stülpte er den "end effector" über den Haltebolzen der Plattform. Als sich die drei Drahtschlingen zusammengezogen hatten, war EURECA fest im Griff. Nachdem sich die Halterungen in der Ladebucht gelöst hatten, konnte Claude Nicollier die Plattform über die Ladebucht hinaus heben. Als EURECA in ihrer ersten Halteposition (der sogenannten "Low Hover"-Position) angekommen war, konnte zunächst keine Verbindung zum Kommunikationssystem des Space Shuttle hergestellt werden. Auch das Umschalten auf einen anderen Kanal half nichts. Ebenso war der Versuch des ESOC in Darmstadt, auf einen anderen Funkmodus umzuschalten, erfolglos. Schließlich wurde die Besatzung der Atlantis angewiesen, das Shuttle mit EURECA in eine Lage zubringen, von der aus eine direkte Verbindung zwischen EURECA und den ESA-Bodenstationen in Kourou (Französisch-Guyana) und in Maspalomas (Kanarische Inseln) möglich sein sollte. Mit mehrstündiger Verspätung gelang es der ESA schließlich, Funkkontakt aufzunehmen. Danach wurden die Solarflächen entfaltet, damit die bordeigenen Batterien von EURECA aufgeladen werden konnten. Gut eine Stunde später traten erneut Funkausfälle auf und das geplante Aussetzen wurde um 24 Stunden verschoben. Im Laufe des nächsten Tages stellte es sich heraus, dass die Funkunterbrechungen durch die doppelte Nutzung eines Kanals ausgelöst worden waren. Unglücklicherweise waren Daten über den Checkout über den gleichen Funkkanal zur Bodenstation gesendet worden wie die Echtzeit-Daten. So konnte Claude Nicollier EURECA doch noch in eine eigene Umlaufbahn aussetzen. Langsam entfernte sich nun Atlantis von der Plattform. Erneute Schwierigkeiten traten auf, als EURECA durch eine Triebwerkszündung in eine falsche Umlaufbahn zu geraten drohte, weil der Satellit die falsche Lage im Raum einnahm. Die Zündung wurde zwar nach sechs von geplanten 24 Minuten abgebrochen, jedoch befand sich EURECA nun in einer elliptischen Umlaufbahn mit einer mittleren Höhe von 442 km. Erst sechs Tage später gelang es der Bodenstation ESOC in Darmstadt, durch weitere Triebwerkszündungen die geplante Umlaufbahn in 508 km Höhe zu erreichen. Ein Jahr später wurde der Satellit im Rahmen der Mission STS-57 wieder eingefangen.

Das verspätete Aussetzen von EURECA führte dazu, dass die Flugleitung die Missionsdauer um einen Tag verlängerte.

Nach dem erfolgreichen Aussetzen von EURECA wurde das Space-Tether-Experiment TSS in Angriff genommen. TSS war ein etwa 500 Kilogramm schwerer Fesselsatellit, der an einem 20 Kilometer langen Stahlkabel vom Shuttle entfernt im Raum schweben sollte. Ziel dieses Versuches war die Gewinnung von elektrischer Energie. Zur Vorbereitung des Experimentes wurde die Umlaufbahn der Atlantis durch zwei Triebwerkszündungen auf 296 km gesenkt. Am Morgen des 04. August 1992 lösten sich die Halterungen des Satelliten im Andockring und eine halbe Stunde später lief er bereits auf eigenen Batterien. Kurz bevor der Turm ausgefahren wurde, kappte Jeffrey Hoffman die vorletzte Verbindung zum Satelliten. Elf Minuten später war der Turm auf seine volle Länge von 12 Metern ausgefahren. Danach gelang es zunächst nicht, den Stecker U-2, die letzte Verbindung außer dem Seil - zu lösen. Erst beim elften Versuch - nach Erwärmung des Steckers und Durchschütteln der Atlantis - gelang dies. Jeffrey Hoffman sollte den Satelliten nun auf 10 km abrollen und betätigte hierzu den entsprechenden Schalter. Der Fesselsatellit machte aber nur seitliche Bewegungen und kam nicht über den Andockring hinaus. Erst bei einem weiteren Versuch im nächsten Startfenster erhob sich TSS ganz langsam aus dem Andockring. Innerhalb der nächsten halben Stunde entfernte sich der Satellit auf 100 Meter. Bei 170 Meter hing TSS wieder fest und konnte nicht weiter ausgefahren werden. Als Rettungsmaßnahme wurde das Seil um etwa 10 Meter eingeholt und dann mit einer höheren Geschwindigkeit wieder ausgefahren. So kam TSS bis zu einer Entfernung von 256 Metern. Dort blieb er wieder stecken. Am nächsten Tag wollte man die Prozedur mit dem Einholen des Seils wiederholen, jedoch versagte beim Aussetzvorgang der Motor seinen Dienst. Alle folgenden Versuche, den Motor wieder in Gang zu setzen, schlugen fehl. So entschied die Bodenkontrolle, den Ausrollversuch abzubrechen und den Satelliten wieder einzuholen. Für den Notfall machten sich Jeffrey Hoffman und Franklin Chang-Diaz vorsorglich für eine EVA fertig, um TSS von Hand einzurollen. Nach weiteren Versuchen gelang es der Mannschaft dann doch noch, den Satelliten von der Kabine aus wieder einzurollen - zur Sicherheit im manuellen Betrieb. Danach wurde dieser zur Rückkehr zur Erde wieder in der Nutzlastbucht verstaut.
Später fand man heraus, dass zum einen ein Motor nicht richtig funktioniert hatte und ein Keilbolzen das ordnungsgemäße Abrollen des Kabels verhinderte.

Sekundäre Experimente waren: "Evaluation of Oxygen Integration mit Materials/Thermal Management Processes" (EOIM-III/TEMP 2A), "Consortium for Materials Development in Space Complex Autonomous Payload" (CONCAP II und CONCAP III), "IMAX Cargo Bay Camera" (ICBC), "Limited Duration Space Environment Candidate Materials Exposure" (LDCE), "Air Force Maui Optical Site" (AMOS), "Pituitary Growth Hormone Cell Function" (PHCF) und "Ultraviolet Plume Instrument" (UVPI).

Die Landung erfolgte letztmalig ohne einen Bremsfallschirm.

Fotos / Zeichnungen

EURECA
STS-46 im Orbit

mehr Fotos Erdbeobachtung


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Letztes Update am 03. Januar 2014.