Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 92

STS-41B

Challenger (4)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  03.02.1984
Startzeit:  13:00 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  279 - 288 km
Inklination:  28,5°
Landedatum:  11.02.1984
Landezeit:  12:15 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Brand  Vance DeVoe  CDR 3 7d 23h 15m  128 
2  Gibson  Robert Lee "Hoot"  PLT 1 7d 23h 15m  128 
3  McCandless  Bruce II  MSP 1 7d 23h 15m  128 
4  Stewart  Robert Lee  MSP 1 7d 23h 15m  128 
5  McNair  Ronald Erwin  MSP 1 7d 23h 15m  128 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Brand
2  Gibson
3  McNair
4  Stewart
5  McCandless
Landung
1  Brand
2  Gibson
3  McCandless
4  Stewart
5  McNair

Flugverlauf

STS-41B startete von Cape Canaveral (KSC) und landete auch wieder in Cape Canaveral (KSC).

Mit dieser Mission wurde ein neues Nummerierungssystem für Shuttleflüge eingeführt. Die Ziffer 4 stand für das US-Finanzjahr 1984, das von Oktober 1983 bis September 1984 ging, die 1 für den Startplatz Kennedy Space Center. Der Buchstabe B gab an, dass es sich planmäßig um die zweite Mission des Jahres handelte. Die erste war STS-9, die noch unter dem alten System nummeriert wurde.

Dieses neue System vermied auch, die Nummer 13 an einen Shuttleflug zu vergeben. Offiziell war man bei der NASA nicht abergläubisch, aber der einzige bemannte Flug mit dieser Nummer, Apollo 13, hatte beinahe in einer Katastrophe geendet.

Das neue System wurde bis zum Flug STS-51L verwendet, der zwar im Finanzjahr 1985 geplant war, aber erst im Januar 1986 startete. Die Raumfähre brach kurz nach dem Start auseinander, was eine Pause von über zwei Jahren nach sich zog.

Ab dem nächsten Flug, STS-26, kehrte man wieder zur Durchnummerierung zurück.

Zu den Hauptnutzlasten gehörten die beiden Nachrichtensatelliten Westar-VI (USA) und Palapa B2 (Indonesien), die zu Beginn der Shuttle-Mission in die Erdumlaufbahn ausgesetzt werden sollten.
Bei Westar VI handelte es sich um einen von der Firma Hughes gebauten Satelliten, der der amerikanischen Telefon- und Telegrafengesellschaft Western Union Company gehörte. Mit seinen 24 Transpondern sollte er Kommunikationsdienste insbesondere mit Alaska, Hawaii und Puerto Rico bedienen. Nach den üblichen vorbereitenden Arbeiten wurde der Satellit noch auf seiner Halterung im Frachtraum in eine Längsachsenrotation von 50 Umdrehungen pro Minute gebracht, ehe Ronald McNair nach knapp acht Stunden Flugzeit per Knopfdruck die vorgespannten Federn freigab, die Westar VI sanft aus dem Frachtraum der Challenger schoben. Nach dem Vance Brand durch eine Triebwerkszündung Distanz zu dem Satelliten geschaffen hatte, wurde die Oberstufe vom Typ PAM-D gezündet. Die geplante Brenndauer betrug 80 Sekunden, jedoch schaltete sich das Triebwerk schon nach 10 Sekunden ab. Zwischenzeitlich hatte die Bodenkontrolle jeden Kontakt zu dem Kommunikationssatelliten verloren, ehe er in einer stark elliptischen Umlaufbahn entdeckt wurde. Der Satellit selbst war unbeschädigt und funktionstüchtig, so dass der Fehler bei PAM-D zu suchen war. Daraufhin wurde das Aussetzen des zweiten Satelliten um 48 Stunden verschoben.
Bei Palapa B2 handelte es sich um einen weiteren Kommunikationssatelliten des Inselstaates Indonesien. Er sollte für bessere nachrichtentechnische Verbindungen sorgen. Das Prozedere für das Aussetzen von Palapa B2 entsprach zunächst den Arbeiten zwei Tage zuvor. Auch er wurde von der Challenger ausgesetzt, die durch die Zündung ihrer Triebwerke Abstand gewann. Allerdings zündete auch bei diesem Satelliten die PAM-D-Oberstufe nicht korrekt, so dass er nur einen ähnlichen Orbit wie zuvor Westar VI erreichte.
Beide Satelliten wurden später bei der sehr spektakulären Mission STS-51A erfolgreich geborgen und zur Erde zurückgebracht.

Durch die Verschiebung des Aussetzens von Palapa B2 wurde die Aktivierung der Experimente von SPAS-01A vorgezogen. Die Konfiguration entsprach im Wesentlichen der von STS-7. In erster Linie sollte mit SPAS-01A die Bergung und Reparatur des defekten Sonnenforschungssatelliten Solar Maximum getestet werden. Als Nebeneffekt konnten die SPAS-Experimente weitere wertvolle Daten sammeln. Nicht geplant war ein Aussetzen von SPAS-01A.

Am dritten Flugtag kam es zu einem weiteren Rückschlag. Challenger führte im Frachtraum einen aufblasbaren Zielballon - "Inflatable Rendezvous Target" (IRT) - mit. Eine Minute nach dem Ausstoßen sollte der Ballon dann automatisch aufgeblasen werden und hätte einen Durchmesser von 1,95 Metern gehabt. Das Ausstoßen des Ballons funktionierte noch, aber in 30 Metern Entfernung vom Orbiter platzte IRT. Mehrere große Stücke der Ballonhaut konnte die Mannschaft noch längere Zeit beobachten.

Bruce McCandless und Robert Stewart testeten bei EVAs am 07. Februar 1984 (5h 55m) und 09. Februar 1984 (6h 17m) erstmals das "Manned Maneuvering Unit" (MMU), womit sie sich unabhängig vom Shuttle bewegen konnten.
Die Manned Maneuvering Unit (MMU) war ein Düsenrucksack, der in den 1970er Jahren entwickelt und nur bei drei Space-Shuttle-Missionen von Astronauten bei Außenbordeinsätzen (EVAs) genutzt wurde. Die MMU hatte eine Höhe von 1,27 m und eine Breite von 85 cm. Sie war mit zwei ausfahrbaren Armstützen ausgerüstet, an deren Ende die Hebel zur Steuerung angebracht waren. Mit eingezogenen Armen war die Einheit 69 cm tief und 1,22 m mit ausgefahrenen Armen. Zum Manövrieren verfügte die MMU über 24 Schubdüsen, die mit Stickstoffgas arbeiteten. Die Gesamtmasse betrug 153,4 kg (inklusive 10,6 kg Gas; zwei Tanks mit je 5,3 kg). Das Delta v der MMU betrug maximal 23,4 m/s.
Bei der ersten EVA testete Bruce McCandless, der an der Entwicklung des MMU beteiligt war, das Freifluggerät eingehend. Ohne Probleme klinkte er dann das Lebenserhaltungssystem seines Raumanzuges in das MMU ein und löste dies aus seiner Verankerung. Danach konnte er mit den Tests der Steuerung beginnen. Da das MMU problemlos funktionierte flog Bruce McCandless bis auf eine Entfernung von 45 Metern. Bei einem zweiten Ausflug erreichte er sogar eine Entfernung von 90 bis 100 Meter. Während der Flüge seines Kollegen begann Robert Stewart mit den Vorbereitungen der "Trunnion-Pin Attachment Device" (T-PAD). Dabei handelte es sich um eine handliche Docking-Vorrichtung, mit der man Satelliten im Orbit greifen und bergen kann. Ebenfalls testete er das "Manipulator Foot Restaint" (MFR), einer kleinen Arbeitsplattform für den Greifarm des Shuttle. Etwa zur Halbzeit der EVA tauschten die beiden Astronauten die Rollen. Auch Robert Stewart erreichte mit der MMU eine Entfernung von bis zu 100 Metern. Währenddessen brachte Ronald McNair seinen Kameraden Bruce McCandless per Greifarm in die Nähe von SPAS-01A. Dort simulierte der Reparaturarbeiten an Solar Maximum.
Nach einem Erholungstag verließen Bruce McCandless und Robert Stewart erneut die Challenger zu einem Außenbordeinsatz. Dabei sollten sie eine Art Generalprobe für das Einfangen und Reparieren von Solar Maximum vornehmen. SPAS-01A sollte am Greifarm hängend in Rotation versetzt werden, so dass die Astronauten das Einfangen eines Satelliten mit Eigenbewegung hätten üben können. Kurz vor Beginn der EVA wurde jedoch ein Schaden im Gelenk des Greifarmes entdeckt und die Simulation abgesagt. So stand im Mittelpunkt dieses Außeneinsatzes der Test der zweiten MMU an Bord des Shuttle. Schwerpunkt waren hierbei Präzisionsmanöver. Daneben wurden verschiedene weitere Reparaturtechniken geprobt. Hierzu gehörte auch die Betankung eines Satelliten im Orbit. Für diesen Test verband Robert Stewart den Mockup-Tankstutzen mit einer Nachfülleitung. Statt echten Treibstoffs wurde jedoch rot eingefärbtes Freon verwendet, mit dem mögliche Lecks besser erkannt werden könnten. Gegen Ende der EVA schwebte versehentlich eine Fußhalterung aus dem Frachtraum. Das Kontrollzentrum entschied, die Halterung zu verfolgen. Vance Brand zündete mehrfach die Triebwerke bis die Halterung eingeholt war und Bruce McCandless das Gerät wieder an Bord nehmen konnte.

Weitere Experimente wurden auf den Gebieten der Erderkundung, Navigation und Raumfahrttechnologie sowie zur Vorbereitung der Rettung des Satelliten "Solar Max" während der nächsten Mission durchgeführt.
Der Monodisperse Latex Reactor absolvierte seine fünfte Mission. Das Gerät diente der Herstellung winziger Latex-Kügelchen von absolut identischer Größe.
Das Acoustic Containerless Experiment System war ein Schmelzofen zur automatischen Verarbeitung von Materialproben.
Das Isoelectric Focusing Experiment wurde zur Untersuchung der Wirkung von Wechselstrom auf elektrolytische Lösungen verwendet.
Mit dem Radiation Monitoring Equipment wurde die Strahlungsmenge und -intensität in der Mannschaftskabine des Space Shuttle gemessen.
Im Rahmen eines Studentenexperimentes wurden sechs Ratten mitgeführt. Die Tiere waren in einem Animal Enclosure Module untergebracht, das eine automatische Versorgung mit Frischluft, Licht, Trinkwasser und Futter gewährleistete. Bei diesem Experiment wurden die Wirkungen der Schwerelosigkeit auf Arthritis (Gelenkrheumatismus) studiert.
Im Rahmen des Projektes "Cinema 360" zeichneten Kameras das Leben der Astronauten an Bord des Space Shuttle auf. Das Projekt geht auf ein Abkommen mit vier amerikanischen Planetarien zurück.

Das Space Shuttle führte die erste Landung in Cape Canaveral (KSC) aus. Wegen der vorherrschenden Windrichtung war ein kurzfristiger Wechsel der Landebahn von Runway 33 (Anflug in südöstlicher Richtung) zu Runway 15 (Anflug aus nordwestlicher Richtung) erforderlich geworden.

Fotos / Zeichnungen

mit freundlicher Genehmigung von J.L. Pickering

EVA McCandless
STS-41B im Orbit

mehr EVA-Fotos


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Letztes Update am 23. November 2014.