Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 214

STS-101

Atlantis (21)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  19.05.2000
Startzeit:  10:11 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  372 - 380 km
Inklination:  51,58°
Ankopplung ISS:  20.05.2000, 04:30:45 UTC
Abkopplung ISS:  26.05.2000, 23:03:00 UTC
Landedatum:  29.05.2000
Landezeit:  06:20 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Halsell  James Donald, Jr.  CDR 5 9d 20h 10m  155 
2  Horowitz  Scott Jay "Doc"  PLT 3 9d 20h 10m  155 
3  Weber  Mary Ellen  MSP 2 9d 20h 10m  155 
4  Williams  Jeffrey Nels  MSP 1 9d 20h 10m  155 
5  Voss  James Shelton  MSP 4 9d 20h 10m  155 
6  Helms  Susan Jane  MSP 4 9d 20h 10m  155 
7  Ussatschow  Juri Wladimirowitsch  MSP 3 9d 20h 10m  155 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Halsell
2  Horowitz
3  Weber
4  Williams
5  Voss
6  Helms
7  Ussatschow
Landung
1  Halsell
2  Horowitz
3  Weber
4  Williams
5  Voss
6  Helms
7  Ussatschow

Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Nachtlandung auf Cape Canaveral (KSC). Wegen starker Winde musste der Start dreimal verschoben werden.

Hauptaufgaben der Atlantis-Mission (ISS-03-2A.2A) waren Wartungsarbeiten, ein Außenbordeinsatz zur Montage eines Kranes und entsprechender Halterungen sowie das Anheben der Flugbahn der Internationalen Raumstation.

Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn öffnete die Besatzung die Frachtraumtüren der Atlantis, testete den Greifarm RMS in seinen verschiedensten Funktionen, klappte die für das Rendezvous erforderliche Ku-Band-Antenne aus und begann mit der Angleichung der Flugbahn zur Internationalen Raumstation. Ebenso montierten sie im "Orbiter Docking System" die "Centerline Camera", die Kommandant James Halsell das spätere Docking erleichtern soll.

Den Gesetzen der Bahnmechanik holte die Atlantis von ihrer ersten Umlaufbahn und weiteren Triebwerkszündungen in den folgenden beiden Tagen immer mehr zur Internationalen Raumstation auf. Am dritten Flugtag, dem 20. Mai 2000, hatte die Atlantis einen Punkt 15 Kilometer hinter der Raumstation erreicht. Für den Anflug im Rahmen des sogenannten "R-Bar Approach" musste das Space Shuttle nochmals seine Bahn senken, so dass sich die Atlantis schließlich etwa 180 Meter unterhalb der Internationalen Raumstation befand. Ab dieser Distanz übernahm James Halsell die manuelle Steuerung und flog entlang des sogenannten "R-Bar" (gedachte Verbindungslinie zwischen der Raumstation und dem Erdmittelpunkt) hinauf zur ISS. Nach den üblichen Haltepunkten bei 52 Meter und 9 Meter vor der ISS reduzierte er die Annäherungsgeschwindigkeit auf zuletzt nur noch 3 Zentimeter pro Sekunde. Wie die Kommandanten bei allen Kopplungsmissionen steuerte er den Raumgleiter von der hinteren Konsole im Flugdeck aus, weil er von dort freie Sicht auf die Raumstation hatte. Ohne Probleme konnte er sein Raumschiff an die ISS ankoppeln.

Bereits einige Stunden nach dem Kopplungsmanöver erfolgte die EVA durch James Voss und Jeffrey Williams am 21. Mai 2000 (6h 44m). Dabei wurden letzte Installationsarbeiten an einem in Russland gebauten Kran vorgenommen, eine defekte Antenne ersetzt, ein Kamerakabel verlegt und einige Handgriffe montiert.

Nach den erfolgreichen Arbeiten im freien Weltraum wurden die Luken zur Station geöffnet und zunächst Luftproben an verschiedenen Stellen genommen. Untersucht wurden auch die Luftzirkulation und die Kohlendioxidkonzentration. Zu deren Verbesserung wurden Luftfilter gewechselt sowie mehrere Luftschläuche verlegt, verstärkt und mit einer besseren Schalldämpfung versehen. An den fünf Arbeitstagen in der Station wurden außerdem 4 Batterien im Sarja-Modul gewechselt, aufgeladen und getestet. Dazu gehörte auch die Elektronik, die das geregelte Auf- und Entladen der Batterien steuert. Turnusmäßig gewechselt wurden Feuerlöscher, Rauchmelder, Kühlventilatoren und die Speichereinheit eines Radio-Telemetriesystems. Unter der Aufsicht von Susan Helms wurden mehr als 1.000 Kilogramm Nutzlast in die Station transportiert. Dazu gehörten Bekleidung, Müllsäcke, 4 gefüllte Wasserbehälter, eine IMAX-Filmkamera, ein Laufband, ein Fahrradergometer, Werkzeug und Bücher. Damit alles sinnvoll untergebracht werden konnte, wurden zusätzliche Lagereinrichtungen im hinteren Teil von Sarja installiert.

Drei Antriebsperioden sorgten dafür, dass die Bahn der ISS um mehr als 40 Kilometer angehoben wurde. Damit befand sich die Station in der idealen Position für das Ankoppeln des Wohn- und Antriebsmoduls Swesda, das Mitte Juli 2000 in den Orbit gelangte.

Im Shuttle wurden während des Fluges nur wenige Experimente durchgeführt. So wurden Proteinkristalle für medizinische und analytische Zwecke hergestellt. Kommerziell wurde menschliches Alpha Interferon 2b gewonnen, das gegen Hepatitis B und C sowie gegen Melanome, Leukämie und das Kaposi-Sarkom wirksam ist. Im Rahmen des Protein Crystal Growth – Biotechnology Ambient Generic – Experiments (PCG-BAG) wurden insgesamt 504 verschiedene Proben aktiviert. Dabei wurden die kristallbildenden Komponenten erst in der Schwerelosigkeit zusammengebracht. Danach verdunstete die verdünnende Flüssigkeit und der Kristallbildungsprozess setzte ein. Komplettiert wurde das wissenschaftliche Forschungsprogramm durch ein Experiment in der Astoculture-Handschuhbox. Hier wurden 1.000 Sojabohnensamen Bakterien mit dem rs-GFP-Gen ausgesetzt. Dadurch entstehen Pflanzen, die das fremde Gen in ihr Erbgut einbauen. In der Schwerelosigkeit funktioniert dieses Verfahren effizienter als auf der Erde. Transgene Pflanzen sollen in Zukunft nicht nur resistenter gegen Schädlinge sein, sondern auch Medikamente produzieren können.

Zu den Routineaufgaben der STS-101-Crew gehörten die Untersuchungen zur Virus-Reaktivierung in der Schwerelosigkeit, zur Funktion des Immunsystems, zur Zusammensetzung der Kabinenluft und zur Navigation nach GPS-Daten. Derartige Navigationssysteme sollen sowohl in der Internationalen Raumstation als auch im damals noch geplanten Rettungsfahrzeug Crew Return Vehicle zum Einsatz kommen. Außerdem wurde ein Halbleitersensor getestet, mit dem auch größere Objekte in der Umlaufbahn erfasst werden können (bis zu 22,6 Bogenminuten).

Am 26. Mai 2000 koppelte die Atlantis-Besatzung mittels Federkraft wieder von der ISS ab. Dadurch werden Beschädigungen oder Verunreinigungen der Station vermieden. Erst danach wurden die Steuerungstriebwerke aktiviert und die Raumfähre entfernte sich von ihr bis zu einer Distanz von etwa 150 Meter. Von dort aus umflog Scott Horowitz die Orbitalstation eineinhalb Mal, ehe die Triebwerke der Atlantis erneut gezündet wurden und der Raumgleiter seine Distanz vergrößerte.

Der Flug hätte beinahe ebenso wie bei dem späteren Unglück der Columbia in einer Katastrophe geendet, weil Hitzeschutzkacheln beschädigt waren. Da die eindringenden heißen Gase aber nicht weit in das Shuttle vordrangen, konnte ein Auseinanderbrechen des Orbiters vermieden werden. Die Beschädigungen mussten vor dem nächsten Flug der Atlantis repariert werden.

Fotos / Zeichnungen

 

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Letztes Update am 11. April 2014.