Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 203

STS-90

Columbia (25)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  17.04.1998
Startzeit:  18:19 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  255 - 287 km
Inklination:  39,01°
Landedatum:  03.05.1998
Landezeit:  16:09 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Searfoss  Richard Alan  CDR 3 15d 21h 50m  256 
2  Altman  Scott Douglas "Scooter"  PLT 1 15d 21h 50m  256 
3  Linnehan  Richard Michael  MSP 2 15d 21h 50m  256 
4  Hire  Kathryn Patricia "Kay"  MSP 1 15d 21h 50m  256 
5  Williams  Daffyd Rhys "Dave"  MSP 1 15d 21h 50m  256 
6  Buckey  Jay Clark, Jr.  PSP 1 15d 21h 50m  256 
7  Pawelczyk  James Anthony "Jim"  PSP 1 15d 21h 50m  256 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Searfoss
2  Altman
3  Williams
4  Hire
5  Linnehan
6  Buckey
7  Pawelczyk
Landung
1  Searfoss
2  Altman
3  Linnehan
4  Hire
5  Williams
6  Buckey
7  Pawelczyk

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
6  Dunlap  Alexander William  PSP
7  Mukai  Chiaki  PSP

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Flugverlauf

Start von Canaveral (KSC); Landung auf Cape Canaveral (KSC).

Der Start hatte sich um einen Tag verzögert, weil kurz vor der Betankung des externen Tanks ein Problem im Kommunikationssystem der Columbia aufgetreten war. Dazu musste eine Prozessoreinheit ausgetauscht werden. Während der Startphase wurden erstmals neben den drei Haupttriebwerken auch die beiden Manövertriebwerke gezündet. Die NASA erhoffte sich dadurch einen höheren Schub, der den Transport schwerer Lasten beim Aufbau der Internationalen Raumstation ermöglichen soll.

STS-90 war eine reine Wissenschaftsmission. Unter der Bezeichnung NeuroLab konzentrierte man sich vor allem auf die Funktion des Gehirns. Letztmalig kam das in Europa gebaute Spacelab zum Einsatz.
Die Raumfähre war mit einer "Extended Duration Orbiter" (EDO)-Palette ausgerüstet, die es erlaubt, Flüge mit längerer Missionsdauer zu unternehmen. Um einen Orbiter für längere Flüge umzurüsten, waren interne Änderungen und die Installation der EDO-Palette in der Nutzlastbucht erforderlich. Mit ihr kann eine Missionsdauer von bis zu 16 Tagen zuzüglich zwei Ausweichtagen erreicht werden. Der Unterschied zwischen einem normalen Orbiter und einem EDO besteht im Wesentlichen aus zusätzlichen Wasserstoff- und Sauerstofftanks, die auf der EDO-Palette montiert sind, und zusätzlichen Systemen zum Luftreinigungs- und Abfallsystem. Die EDO-Palette wiegt etwa 1.575 kg, hat einen Durchmesser von ungefähr 4,5 Metern und wird am hinteren Ende der Nutzlastbucht montiert.

Nach dem Einschwenken in die Erdumlaufbahn und dem Öffnen der Frachtraumtüren aktivierten die Astronauten die NeuroLab-Experimente im Spacelab. Eine Arbeit im Schichtbetrieb war nicht vorgesehen. Man wollte damit die Arbeitsbedingungen auf der künftigen Internationalen Raumstation simulieren.

Im Rahmen der NeuroLab-Mission wurden Untersuchungen zur Funktion des Gehirns am Menschen und an Tieren vorgenommen. An Bord befanden sich neben den 7 Raumfahrern auch 18 trächtige Mäuse, 152 Ratten, 135 Schnecken, 229 Schwertträgerfische, 4 Austernfische und 1514 Grillen. Die meisten Tiere allerdings wurden entweder bereits im Orbit getötet und untersucht oder nach der Landung. Eine große Zahl verendete auch während des Fluges. Untersuchungen betrafen die Embryonalentwicklung, Hirngewebe und -aktivität sowie den Gleichgewichtssinn. Dazu hatten die Austernfische spezielle Elektroden im Innenohr implantiert.

Auch an vier Astronauten wurden umfangreiche Untersuchungen vorgenommen. So wurde der Schlaf in allen seinen Phasen genauestens untersucht (Hirn- und Körperfunktionen). Außerdem wurde die Koordination von Hirn und Körperbewegungen erforscht. Dazu mussten die Versuchspersonen Bälle fangen und Lichtpunkte mit den Augen verfolgen. Weitere Tests betrafen die Anpassung an die Schwerelosigkeit, die Funktion des Gleichgewichtssinns, den Einsatz von Medikamenten gegen die Raumfahrerkrankheit, die Behandlung von Schlaflosigkeit, Schwindelgefühlen, niedrigem Blutdruck und Immunschwächesymptomen.

Das Experiment "Shuttle Vibrations Forces" (SVF) maß die Wechselwirkungen der dynamischen Kräfte zwischen dem Orbiter und eines eigens zu diesem Zweck im Mitteldeck befestigten Mess-Containers. Bei vorangegangenen Shuttle-Missionen wurden bereits die Vibrationsbewegungen in den verschiedensten Positionen des Frachtraumes gemessen. Mit SVF sollten erstmals Daten darüber gewonnen werden, wie sich die dynamischen Kräfte auf die Innenausrüstung der Raumfähre auswirken.

Die Experimente "Bioreactor Demonstration System" (BDS) / "Biotechnology Specimen Temperature Controller" (BSTC) stellten einen rekonfigurierbaren, mehrkammerigen, temperaturregulierbaren statischen Apparat zur Züchtung von Zellgewebe dar. Die Geräte waren in zwei Sektionen aufgeteilt. In einem Bereich waren der Computer, die Stromversorgung, der Signalgeber und die gesamte elektronische Ausrüstung untergebracht. Der zweite Bereich beherbergte vier Erhitzer- und Gefrier-Module.

Um ihre fliegerischen Fähigkeiten aufrecht zu erhalten, trainierten Richard Searfoss und Scott Altman zwischendurch immer mal wieder mit dem "Portable In-Flight Landing Operations Trainer" (PILOT), mit dem man Shuttle-Anflüge zu den möglichen Landeorten und andere Flugmanöver simulieren kann.

Am neunten Flugtag gab es an Bord der Columbia Alarm, weil sich das "Regenerative Carbon Dioxide System" (RCRS) abgeschaltet hatte. Vorübergehend musste die Besatzung auf vier Lithiumhydroxid-Kanister zurückgreifen, um die Atemluft vom gefährlichen Kohlendioxid zu reinigen. Mit Hilfe einer Reparaturanleitung von der Bodenkontrolle waren Richard Searfoss und Scott Altman aber in der Lage, das Gerät zu reparieren. Ohne erfolgreiche Reparatur hätte der Flug bereits nach 13 oder 14 Tagen abgebrochen werden müssen, da nicht ausreichend Lithiumhydroxid-Kanister an Bord waren.
Ein weiteres technisches Problem trat am Flugtag 14 auf, als das Abwasserentsorgungssystem blockiert war. Nach eingehender Beratung mit den Technikern in der Missionskontrolle behalfen sich die Astronauten damit, neben einem Ersatzfilter einen Umgehungsschlauch zu installieren. So konnte wenigstens das angesammelte Abwasser in den Weltraum abgelassen werden.

Fotos / Zeichnungen

STS-90 im Orbit

Fotos Erdbeobachtung


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Letztes Update am 24. November 2014.