Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 151

STS-47

Endeavour (2)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  12.09.1992
Startzeit:  14:23 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  307 km
Inklination:  57,0°
Landedatum:  20.09.1992
Landezeit:  12:53 UTC
Landeort:  Cape Canaveral (KSC)

Crew auf dem Weg zum Start

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Gibson  Robert Lee "Hoot"  CDR 4 7d 22h 30m  126 
2  Brown  Curtis Lee, Jr. "Curt"  PLT 1 7d 22h 30m  126 
3  Lee  Mark Charles  MSP 2 7d 22h 30m  126 
4  Apt  Jerome "Jay"  MSP 2 7d 22h 30m  126 
5  Davis  Nancy Jan  MSP 1 7d 22h 30m  126 
6  Jemison  Mae Carol  MSP 1 7d 22h 30m  126 
7  Mohri  Mamoru  PSP 1 7d 22h 30m  126 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Gibson
2  Brown
3  Lee
4  Apt
5  Davis
6  Jemison
7  Mohri
Landung
1  Gibson
2  Brown
3  Davis
4  Apt
5  Lee
6  Jemison
7  Mohri

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
7  Mukai  Chiaki  PSP
7  Doi  Takao  PSP
7  Koszelak  Stanley Norbert, Jr.  PSP

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung in Cape Canaveral (KSC).

Bei der Mission Spacelab J waren 43 Experimente an Bord. Es war die erste Mission der japanischen Raumfahrtbehörde NASDA. Jan Davis und Mark Lee waren das erste Ehepaar im Weltraum.

Die Experimente, die im Spacelab durchgeführt wurden, umfassten unter anderem Untersuchungen aus den Bereichen Materialwissenschaften, Biotechnologie, Fluiddynamik, Biologie (Zellteilung) und Verhaltenslehre. Zudem befanden sich zwölf Get-Away-Behälter in der Nutzlastbucht, in denen automatische Experimente abliefen. In einem davon befand sich ein Experiment von amerikanischen Pfadfindern. Weitere Experimente wurden auf dem Mitteldeck der Endeavour durchgeführt.

Wie bei allen Spacelab-Missionen wurde die Mannschaft in zwei Teams aufgeteilt, damit die Experimente rund um die Uhr betreut werden konnten. Dem roten Team gehörten Curtis Brown, Mark Lee und Mamoru Mohri an. Zum blauen Team gehörten Jerome Apt, Jan Davis und Mae Jemison. Kommandant Robert Gibson war keinem Tean zugeteilt und half, wo er gerade gebraucht wurde.

Nachfolgend werden Einzelheiten zu einigen durchgeführten Experimenten dargestellt:

"Protein Crystal Growth": Zehn bis fünfzehn unterschiedliche Proteine wurden in Flüssigkeiten gebracht, um diese zur Kristallbildung anzuregen. Das Wachstum wurde von den Astronauten fotografisch dokumentiert.

Bei den Experimenten mit elektronischen Materialien wurden fünf Halbleiterkristalle in vier unterschiedlich betriebenen Schmelzöfen geschmolzen und langsam abgekühlt, um hochqualitative Kristalle zu erhalten. Dies soll dazu beitragen, die Herstellung auf der Erde zu verbessern und um bessere Halbleiter und Superleiter zu erzeugen, was wiederum bessere Elektronikteile zur Folge hat.

Die Experimente zur Flüssigkeitsdynamik und den Transportproblemen dienten dazu, die dahintersteckende Physik zu verstehen, wenn Flüssigkeiten unterschiedlichen Bedingungen unter Schwerelosigkeit ausgesetzt werden. Flüssigkeitstropfen wurden durch Schallwellen in der Schwebe gehalten. Ein weiteres Interesse galt der Marangoni Konvektion, einer Bewegung innerhalb von Flüssigkeiten, die durch unterschiedliche Temperaturen der Flüssigkeit entsteht. Auf der Erde unterliegen Flüssigkeiten einer durch Auftrieb erzeugten Konvektion. Wenn eine Flüssigkeit erhitzt wird, steigen leichtere Flüssigkeiten auf und schwerere setzen sich ab. Da dieses Verhalten in der Schwerelosigkeit wesentlich schwächer ist, kann man den Marangoni-Effekt besser untersuchen.

Durch behälterlose Erzeugungsmethoden können möglicherweise neue Typen von Gläsern und Keramiken entwickelt werden. Dies wurde bei dieser Mission durch einen akustisch betriebenen Schmelzofen erreicht, in dem Schallwellen für das Festhalten, das Mischen und Schmelzen von Bestandteilen unter Schwerelosigkeit benutzt wurden. Durch das Fehlen einer Wandung können so vielleicht Gläser entwickelt werden, die das Licht besser durchlassen.

Eine Versuchsreihe mit zehn Metallen und Verbindungen sollte die Art und Weise studiert werden, wie Komponenten zu neuen, verbesserten Materialien verbunden werden können. Dazu wurden sie geschmolzen, zusammengebracht und wieder abgekühlt. Die im Weltall erzeugten Verbindungen sind weniger verunreinigt.

Um längere Weltraumflüge durchführen zu können, muss das Verhalten von lebenden Organismen in der Schwerelosigkeit genauestens verstanden werden.

Drei Zellkulturexperimente dienten dazu, Pflanzen- und Tierzellen wachsen zu lassen, um den Einfluss der Schwerkraft auf die Entwicklung und Funktion auf Zellenebene zu testen. Ein Experiment sollte Antikörper im Weltall erzeugen.

Zum Einfluss der Gravitation auf die Entwicklung von Tieren wurden verschiedene Experimente durchgeführt. Vier weibliche Frösche waren an Bord des Spacelab J. Ihre Eier wurden während des Fluges befruchtet. Die weitere Entwicklung wurde von den Astronauten dann dokumentiert. Schließlich wurde die Entwicklung durch eine Formaldehydlösung gestoppt. So wollte man Einblick in unterschiedliche Entwicklungsstufen nehmen. Einige der Eier wurden in ihrer Entwicklung nicht gestört und konnten sich zu Kaulquappen entwickeln. Ein weiteres Experiment wurde mit Hühnereiern durchgeführt. Hierbei sollte der Einfluss der Schwerelosigkeit auf das Knochenwachstum der Küken untersucht werden.

Mehrere Experimente beschäftigten sich mit der Physiologie von lebenden Organismen in der Schwerelosigkeit. Ein Experiment beschäftigte sich mit der visuellen Stabilität des Sehens. Dazu wurden die Kopf- und Augenbewegungen eines Astronauten aufgezeichnet, während er ein flackerndes Licht beobachtete. Um näheren Einblick in die Funktion des Vestibularsystems zu erhalten, wurden zwei japanische Karpfen präpariert: Beide wurde mit Elektroden versehen, die die Hirnströme messen sollten. Bei einem Karpfen wurde das Gleichgewichtsorgan entfernt, beim zweiten nicht. Die Reaktion der beiden Karpfen bei unterschiedlichen Lichtimpulsen wurde registriert. Die Ergebnisse sollen mehr Aufschluss über Zusammenhänge im Gleichgewichtsorgan liefern, die auch Auswirkungen auf die Behandlung des "Space Adaption Syndrom" (Weltraumkrankheit) haben soll.

Drei Besatzungsmitglieder haben an einem Experiment teilgenommen, das die Anpassung an die Schwerelosigkeit aufzeichnen sollte. Hierzu zogen sie einen speziell dafür entwickelten Overall an, der mit entsprechenden Instrumenten versehen wurde. Zusätzlich wurde die Urinabgabe gemessen, um dadurch das Verhältnis zwischen Flüssigkeitsaufnahme und -abgabe zu ermitteln. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass alle Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit in die obere Körperhälfte steigt.

Zur Untersuchung von Muskeln in der Schwerelosigkeit, die dort ebenso wie die Knochen wenig beansprucht und daher abgebaut werden, wurde das "Magnetic Resonance Imaging" (MRI) benutzt. Hierfür wurden von einigen Astronauten die Muskeln vor und nach dem Flug mit dem MRI gemessen.

Um den Einfluss der Strahlung auf Lebensformen zu verstehen, wurden Fliegenlarven während des Fluges der kosmischen Strahlung ausgesetzt. Als die Fruchtfliegen dann schlüpften, wurden sie auf Mutationen hin untersucht.

Die ursprüngliche Missionsdauer wurde um einen Tag verlängert, um alle Experimente komplett durchführen zu können. Die NASA musste die Endeavour unbedingt in Florida landen lassen, da die Experimente nur dort vernünftig nachversorgt werden konnten. Die erste Landemöglichkeit musste jedoch wegen einer Regenformation in der Nähe des KSC abgesagt werden. Nach einer zusätzlichen Erdumkreisung erfolgte aber eine sichere Landung in Cape Canaveral (KSC).

Fotos / Zeichnungen

 

Fotos Erdbeobachtung


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Letztes Update am 30. Juli 2013.