Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 243

Shenzhou-6

Volksrepublik China

China
Patch Shenzhou-6

hochauflösende Version (374 KB)

Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  12.10.2005
Startzeit:  01:00:03,583 UTC
Startort:  Jiuquan Satelliten Startzentrum
Startrampe:  1
Bahnhöhe:  329 - 338 km
Inklination:  42,42°
Landedatum:  16.10.2005
Landezeit:  20:32:50 UTC
Landeort:  42°21'58" N, 111°25'52" E
Crew Shenzhou-6

alternatives Crewfoto

Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Fei  Junlong  Kommandant 1 4d 19h 32m 46s  76 
2  Nie  Haisheng  Operator 1 4d 19h 32m 46s  76 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Fei
2  Nie
Shenzhou
Landung
1  Fei
2  Nie

1. Ersatzmannschaft

Nr.   Name Vorname Position
1  Zhai  Zhigang  Kommandant
2  Wu  Jie  Operator

2. Ersatzmannschaft

Nr.   Name Vorname Position
1  Liu  Boming  Kommandant
2  Jing  Haipeng  Operator
Shenzhou-6 (Einsatz- und Ersatzmannschaft)

hochauflösende Version (560 KB)

Hardware

Trägerrakete:  Langer Marsch 2F (Changzheng CZ-2F Nr. Y6)
Raumschiff:  Shenzhou-6

Flugverlauf

Start vom Jiuquan Satelliten Startzentrum und die Landung erfolgte in der Wüste Gobi in der zentralen Inneren Mongolei (nahe der Siedlung Hongger, 60 km nördlich der Stadt Wulanha, der Hauptstadt von Siziwang Banner / 171 km nördlich von Hohhot in der Amugulang-Steppe).

Die Startphase verlief den Berichten zufolge normal. Das Notfall-Rettungssystem trennte sich 120 Sekunden nach dem Start, als die Geschwindigkeit der Rakete 1.300 m/s betrug. Sechzehn Sekunden später trennten sich die vier Booster in einer Höhe von 52 km. Die Nutzlastverkleidung und die erste Stufe wurden 200 Sekunden nach dem Start abgetrennt. Die zweite Stufe brannte weitere 383 Sekunden lang, das Raumschiff löste sich 200 km über dem Gelben Meer von der Rakete. Die Shenzhou benutzte dann ihr eigenes Antriebssystem, das sie etwa 21 Minuten nach dem Start in eine Umlaufbahn von 211 km x 345 km mit einer Inklination von 42,4 Grad brachte.

Shenzhou-6 war der zweite bemannte Raumflug Chinas. Die Mannschaft führte mehrere wissenschaftliche Experimente durch. So wurden der menschliche Herzmuskel und die Knochenzellen untersucht, digitale Fotos von der Erdoberfläche gemacht, aber auch Modifikationen am Raumschiff getestet. Außerdem wurden erstmals Video-Aufnahmen aus einem chinesischen Raumschiff zur Erde gesendet.

Alle geplanten Experimente und Notfallübungen wurden wie vorgesehen durchgeführt. Die interne Luke des Raumschiffs wurde geöffnet und wieder geschlossen, die Taikonauten wechselten zwischen dem Orbitalmodul und dem Rückkehrmodul, erprobten ihre Raumanzüge und testeten das System zur Extrahierung des Kondenswassers. Während der Übungen wurden Extremereignisse simuliert, um die Auswirkungen der Reaktionen auf das Raumschiff zu überprüfen. Die Resultate ergaben, dass Shenzhou-6 während aller angenommen Störfälle seine Funktionstüchtigkeit beibehielt. Die Körperfunktionen beider Taikonauten zeigten Normalwerte, die Systeme des Raumschiffs bestanden alle Tests und funktionierten ohne Probleme.

Am vierten Missionstag wurden eine Reihe von orbitalen und ergonomischen Experimenten durchgeführt, durch die man Daten für die Weltraumwissenschaften gewann. Eine der Hauptaufgaben war die Durchführung von wissenschaftlichen Tests im Orbitalmodul und im Rückkehrmodul. Während der weiteren Tage führten die Taikonauten Modifikationen an den Weltraumanzügen durch, um sie später für verschiedene Zwecke nutzen zu können. Ergänzt wurden sie durch ergonomische Tests der Ausrüstung. Mittels des Wechsels zwischen dem Orbital- und dem Rückkehrmodul und dem Schließen der Türen des Rückkehrmoduls untersuchten die Raumfahrer die Veränderungen des Zustands in den jeweiligen Modulen, die Auswirkungen und Gesetzmäßigkeiten von Bewegungen der Astronauten und die psychologischen Auswirkungen und Schemata. Alle Bewegungen der Astronauten und die relevanten Erschütterungen wurden aufgezeichnet, um mithilfe dieser Daten später die Flugbahn des Raumschiffs korrigieren zu können. Die Taikonauten führten Tests im Bereich der Zellforschung und des räumlichen Vorstellungsvermögens beim Menschen durch. Diese dienten zu weiteren Untersuchungen der Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den Menschen und zur Entwicklung von Methoden, diese zu verhindern oder abzuschwächen.

Für diese Mission gab es zwei geplante Landeplätze. Der erste war das Gebiet von Siziwang in der Inneren Mongolei. Der sekundäre Standort befand sich am Startplatz von Jiuquan. Darüber hinaus hielten sich auch Bergungskräfte in Yinchuan, Yulin und Handan bereit. Im Bedarfsfall wäre auch eine Wasserung im Ozean möglich gewesen, wozu weitere Bergungsmannschaften im Gelben Meer, im Ostchinesischen Meer und im Pazifischen Ozean stationiert waren.

Einige chinesische Diplomaten sind auch für eine Notlandung an Orten, die nicht auf chinesischem Territorium liegen, ausgebildet und ausgerüstet worden. Zhang Shuting, der Chefkonstrukteur des Notfall- und Rettungssystems, sagte, dass mögliche Notlandeplätze in Australien, Südwestasien, Nordafrika, Westeuropa, den Vereinigten Staaten und Südamerika liegen würden. Die dem Landeplatz nächstgelegene diplomatische Mission wäre dann damit beauftragt worden, erforderlichenfalls eine Rettungsmission zu leiten. Die chinesische Regierung hatte Australien mitgeteilt, dass auch Gebiete in New South Wales, Queensland, Western Australia und im Northern Territory als Notlandeplätze in Betracht gekommen wären. Emergency Management Australia, die australische Regierungsbehörde, die Maßnahmen bei größeren Notfällen koordiniert, hatte sich bereit erklärt, sich um alle Notfälle zu kümmern, die während eines Raumfluges auftreten könnten. Das Landemodul wurde jedoch so konzipiert, dass nur Personen mit einem speziellen Schlüssel von außen Zugang hatten. Ein Exemplar dieses Schlüssels wurde den australischen Beamten aber nicht zur Verfügung gestellt. Es wurde berichtet, dass ein Militärattaché in der chinesischen Botschaft in Canberra einen solchen gehabt hätte.

Shenzhou-6 bestand aus einem Landemodul und einem Orbitalmodul. Während das Landemodul nach Ende der eigentlichen Mission nach fünf Tagen wieder auf die Erde zurückkehrte, blieb das Orbitalmodul weiter in der Umlaufbahn, um weitere Tests und Experimente durchzuführen. Die Ergebnisse sollen in die Entwicklung und in das Design der geplanten chinesischen Raumstation einfließen, die nach damaligen Plänen zwischen 2009 und 2012 errichtet werden sollte.

Das Orbitalmodul verblieb in der Umlaufbahn. Das Kontrollzentrum zündete um den 20. Oktober 2005 die Triebwerke des Raumschiffes zweimal, sodass eine Höhe von maximal 355 Kilometern erreicht wurde. Im Laufe der nächsten Monate wurden mehrere ferngesteuerte Experimente durchgeführt. Am 15. April 2006 wurde diese Phase beendet. Das Modul befindet sich immer noch in der Erdumlaufbahn, bis es in einigen Jahren in der Erdatmosphäre verglühen wird.

Fotos

Start Shenzhou-6 Bergung Shenzhou-6


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Letztes Update am 21. März 2021.

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